Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Autoren:
Komponisten:
Zeitraum Entstehung: 1750 +/- 5
Hauptvariante (Text):
Musikvarianten:
Textvarianten:
Kommentar:

Wie 'Nacha Bueben nacha' findet sich auch dieses wohl bereits um 1750 entstandene Faschingslied, das allein in Hammerschmidts Sammlung als eigenständiges Lied überliefert ist, als Arie (Nr. 18) in Lindemayrs frühem Singspiel 'Hans in der Klausen' .

Kann bei diesem schon vermutet werden, dass der Autor hier (wie so oft) bereits vorhandenes, älteres Liedmaterial für einen neuen Kontext wiederverwertet, gilt dies für 'Dä Fasching geht davon' umso mehr. Wie der Hochzeitsgesang ist es – eher untypisch für Arien in ‚Klosteroperetten’ dieser Zeit – mehrstrophig und noch weniger als dieses fügt es sich in die (ohnedies etwas eigenwillige) Handlung: Ohne dass zuvor die Faschings- oder Fastenzeit angesprochen worden wäre, singen im Widerspruch zum Verlauf der Handlung gerade die lebenslustigen Söhne des trinkfreudigen Bauern Hans, Jagel und Hiesl, das Lied just im Augenblick seiner Heimkehr. Dass sich Lindemayr hier eine wirksamere Anagnorisisszene entgehen lässt, hängt vielleicht mit der Popularität des Lieds zusammen, das als Erfolgsgarant dem Stück einverleibt wurde.

Nicht nur in der drastischen Schilderung gesundheitlicher Defekte erinnert dieses Lied an 'Hänts ist denn kain Docter anz’kemä' , das Lindemayr in seinem frühen Lustspiel 'Der Herr von Storax' wiederverwertet. Auch formale Korrespondenzen in Metrik und Strophenbau – kreuzgereimte Dreiheber mit Auftakt im ersten Gliederungsteil, Chevy-Chase-Strophe im zweiten – deuten auf einen engeren Zusammenhang der beiden Lieder hin. Zugleich verweist 'Dä Fasching geht davon' auf die Entstehungs- bzw. Aufführungsbedingungen, denn auch dieses Singspiel wird im Zuge der Faschingsunterhaltung, die oft Hand in Hand ging mit den Feierlichkeiten zum Namenstag Abt Amands (6. Februar), auf der Bühne gespielt worden sein.

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.91
Zuletzt geändert: am: 2.9.2016 um: 11:45:22 Uhr