Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Zeitraum Entstehung: 2. Hälfte 18. Jh.
Hauptvariante (Text):
Textvarianten:
Kommentar:

Zehnstrophiges Lied, das insgesamt zwar nicht deutlich dialektal gestaltet ist; zumindest die handschriftlich überlieferte Variante ( Hauptvariante ) weist aber durchgehend dialektale Anklänge auf, teils auch einzelne eindeutig markierte Merkmale. Die in Flugschriften überlieferten Varianten sind dagegen vorwiegend standardsprachlich festgehalten.

Das Lied behandelt den Konflikt um die rechte Ordnung im Ehestand. In höhnischem Ton wird dabei der männliche Part angesprochen, der im vorgestellten Szenario die häusliche Befehlsgewalt offenbar an seine Frau verloren hat („schlieff nur grad in die hennersteigen“ (Str.2) heißt es in variierender Formulierung immer wieder).
Das zum Thema Dominanzkonflikt im Ehestand offenbar auch in anderen Fällen gedanklich evozierte Hühnerbild (siehe etwa auch das Lied 'Ach mein got was hab ich gethan' ) wird hier in zweifacher Weise verwendet: Zum einen wird der Spott über den Mann, der die Frau nicht zu beherrschen vermag, bildlich verdeutlicht, indem davon gesprochen wird, dass die Frau ihren Mann in die Hühnersteige 'pfercht' bzw. der Mann selbst in den Käfig "schlieffen" muss. Zum anderen wird die Mann-Frau-Beziehung in den Kontext des Hühnerstalls gespiegelt, indem die auch dort ‚verkehrte‘ Welt angesprochen wird, in welcher nunmehr die Henne vor dem Hahn kräht.
Die letzte Strophe liefert – quasi als Rezept – die Konsequenz, die für die rechte Ordnung sorgt:

„Wan die hen wil krehen vor den han:
und das weib reden vor den man:
so mues man die hen an den Pradtspiess jagen:
und das weib in die goschen schlagen:
so ist die hen todt und das weib mues schweigen:
und sie mues selbst schlieffen: in die henersteigen“

Vgl. zum Motiv auch das Lied „Ach mein got was hab ich gethan“ , in dem der Mann unterwürfig beteuert: „wil schlieffen undter d henner bankh“. Daneben ist es auch aus anderen Kontexten belegt, etwa in einer einstrophigen Gesangseinlage im Stück „Hanns-Wursts gedoppeltes Prob- und Meister-Stuck“ des Wiener Kärntertortheaters (um 1740-1745), die dezidiert als Arie des Hanns-Wurst „In der Hüner-Steigen“ angekündigt wird ( "Da sitz ich im Nest" ).

Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.895
Zuletzt geändert: am: 18.8.2016 um: 18:31:43 Uhr