Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Zeitraum Entstehung: um 1800
Textvarianten:
Kommentar:

Lied über die Fiaker in Wien, abgedruckt in zwei Teilen. Geschildert wird im ersten Teil das Treiben auf dem Graben in Wien mit den Händlern und Prostituierten, die dort ihren Geschäften nachgehen; im zweiten Teil wird beschrieben, wie dann der Fiaker quasi als "Stundenhotel" genutzt wird (was sich der Fiacker natürlich auch entsprechend vergelten lässt): "Jetzt geht d'Negoz erst an, / Sie spielen Weib und Mann, / Und, wie's noch weiter geht,/ Weiß Jeder, der's versteht. // Der Kutscher den Spaß kennt, / Schaut, daß kein Roß nicht rennt [...]. Was da im Wagen geschieht, / Davon schweigt itzt mein Lied." (3,3 - 4,6)

Dabei wird das Spiel mit dem Aussprechen und Verschweigen, dem Andeuten und dem 'bekannten Unbekannten' voll ausgekostet. Dementsprechend wird das pikante Thema des zweiten Teils des Liedes – der Geschlechtsakt in der Kutsche – scheinbar harmlos umschrieben (s.o.), während die darauf folgende Verhandlung des Freiers mit dem Kutscher ausführlich, ja geschwätzig geschildert wird. Diese Beschreibung des Handels über den angemessenen Fahrtpreis aber dient dazu, das Geschehene zu umkreisen und mit dem Wissen der Zuhörer, "die's verstehen", zu spielen.

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.767
Zuletzt geändert: am: 4.9.2016 um: 18:39:02 Uhr