Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Drama
Genre:
Autoren:
Zeitraum Entstehung: etwa 1741-1744 (?)
Textvarianten:
Kommentar:

Die Komödie 'Die wundewürckende Gamß-Kugel' ist uns im Ganzen - soweit bekannt - nicht überliefert. Nur die Gesangseinlagen sind im zweiten Band der Sammlung 'Teutsche Arien' erhalten.
Dialektal gehalten ist vor allem die Arie 'Wär mein Schatz ä Hasel-Stauden' , während in den anderen Gesangseinlagen höchstens einzelne dialektale Wendungen zu finden sind.

Der im Titel genannten Gamskugel - auch "Bezoarstein" - werden im Volksaberglauben besondere Kräfte zugeschrieben. Nach dem ‚Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens‘ handelt es sich dabei um "kugelförmige oder ovale Gebilde von der Größe einer Erbse bis zu der eines Taubeneis", die sich im Magen oder Darm von Säugetieren finden können und aus steinartig verklumpten Haar- und Pflanzenresten bestehen. Dabei sind besonders die Tiroler "Gamskugeln" als wertvoller Schutz berühmt. Diese Steine gelten im Volksglauben als Mittel gegen Gift, als Heilmittel, aber auch als Schutzmittel gegen böse Geister oder als Mittel zur Steigerung der Manneskraft und sollen für vierundzwanzig Stunden hieb- und schußfest machen (vgl. Hoffmann-Krayer 1927, Sp. 1206f.). Welche konkrete Rolle diese "Gamskugel" im Stück selbst spielt, lässt sich laut Pirker aus den Arien kaum erschließen, sie könnte als Hilfsmittel im Kampf, im Kontext von Quacksalberei oder auch in Hinblick auf die erotische Sphäre eingesetzt werden (vgl. Pirker 1929, S. 300).

Das genaue Entstehungsdatum des Stücks ist zweifelhaft. Die Stücke, deren Arien in den ‚Teutschen Arien‘ überliefert sind, sollen im Zeitraum von ca. 1737 bis 1757 im Wiener Kärntnertor-Theater aufgeführt worden sein (vgl. Pirker 1927, S. VIIIff. u. S. LX). Geht man – wie Pirker – darüber hinaus für die einzelnen Bände von einer chronologischen Anordnung aus, wäre für die im 2. Band verzeichneten Stücke von einer Entstehungszeit etwa zwischen 1741 und 1744 auszugehen: Wie Pirker ausführt, kamen – wie sich aus erhaltenen Aufführungsbelegen schließen lässt – 1739 noch Stücke im ersten Band unter, 1740 aber war nach dem Tod Karls IV Landestrauer angeordnet worden, sodass die hier verzeichneten Stücke wohl nach 1741 und vor 1744 (vgl. Pirker 1929, S. Vf. – auch zu ausführlicherem Abwägen) entstanden sein könnten.

Inwieweit diese Stücke von Joseph Felix von Kurz - dem Schöpfer des Bernardon - stammen, in seinem Umfeld entstanden sind, von Vorgängern oder von Nachahmern verfasst wurden, ist nicht in jedem Fall klar. In diesem Fall ist keine Zuschreibung zu Kurz belegt.
Pirker bemerkt zur Autorschaft des in den 'Teutschen Arien' Überlieferten: "Ob [...] alle, leider nur in den Titeln, Arien und einigen Szenarien überlieferten Komödien und Burlesken von Kurz sind - es ist tatsächlich wohl nur bei einem verhältnismäßig geringen Bruchteil der Fall - ist dabei von untergeordneter Bedeutung, ist es doch das Theater am Kärntnertor, das allen diesen Stücken die gemeinsame Signatur gibt, ist es die mächtige Tradition aus dem Barocktheater der Jesuiten und der Oper des Kaiserhofes, die sich hier so gleichmäßig mit dem stammestümlichen Stegreifspiel vermählt, daß die Persönlichkeit des einzelnen Autors völlig in den Hintergrund tritt" (Pirker 1927, S. VIII).

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.663
Zuletzt geändert: am: 19.6.2015 um: 08:55:33 Uhr