Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Drama
Genre:
Autoren:
Komponisten:
Zeitraum Entstehung: 1794
Hauptvariante (Text):
Textvarianten:
Kommentar:

Inhalt des Stückes ist ein Verwirrspiel mit vielen Verehrern: Der Tochter der Familie, Mitzerl, steigen gleich drei Männer nach, die Mutter Kunigunde ihrerseits versucht sich einen der Verehrer zu angeln, und der Vater Odoardo – der es selbst auf Mitzerls Dienerin Lorchen abgesehen hat – hat alle Hände voll zu tun, die Männer von seinem Haus fernzuhalten. Dazu kommen noch die drei lustigen Figuren Kaspar (als Hausknecht), Krispin (als umherziehender Schneider bzw. als Lakai) und Johann (als Diener des Marquis Kletzenbrod), die für Tumult sorgen. Es stellt sich aber bald heraus, dass die Tochter den einen der Verehrer – den Marquis Kletzenbrod – schon auserwählt hat (während, ganz entsprechend auf der niedrigeren Ebene, Lorchen und Johann zueinanderfinden). Indem sich der Marquis als Arzt und sein Bedienter Johann als Schwester von Odoardo, die aus Prag angereist kommen soll, verkleiden – und indem die Eltern mit ihren jeweiligen außerehelichen Liebesanträgen erpresst werden –, gelingt es ihnen am Ende, die Erlaubnis zur Heirat zu erwirken.

Für das Stück bearbeitete Perinet Philipp Hafners 1762 erschienene Posse „Der von dreyen Schwiegersöhnen geplagte Odoardo, oder Hannswurst und Crispin, die lächerlichen Schwestern von Prag“ als Singspiel (Musik: Wenzel Müller), wobei der Inhalt zu großen Teilen und teilweise fast wörtlich übernommen und mit Liedern ergänzt wurde, aber auch einige Figuren, Konstellationen und Szenen verändert bzw. neu hinzugefügt wurden (vgl. dazu u.a. den Kommentar in der Hafner-Werkausgabe von Baum 1914/15, S. 156f.).

Mit der Bearbeitung der Vorlage durch Perinet gewinnt insbesondere auch der Dialekt sowie der Aspekt des Lokalen im Allgemeinen eine größere Bedeutung: Schon bei Hafner – der insofern als „Vater des Wiener Volksstückes“ gilt – wurde das Lustspiel in den lokalen Wiener Verhältnissen verortet, dies spielte aber noch keine so zentrale Rolle (vgl. dazu Aust/Haida/Hain 1989: 68f.). Bei Perinet dagegen werden diese Bezüge auch sprachlich deutlich herausgearbeitet und die komischen, ‚niedrigen‘ Figuren (besonders die Kasper-Figur) sprechen, anders als noch Hafner, fast durchwegs mehr oder weniger stark Wiener Dialekt.
Diese sprachliche Markierung spricht Perinet schon in der Vorrede des Stücks entschuldigend, aber zugleich den lokalen Charakter bestärkend, explizit an: „Daß die Ausdrücke und die Sprache im österreichischen Dialekte sind, entschuldiget nur die Bestimmung, daß es in und für Oesterreich geschrieben wurde.“ (S. 4)
Auch in der Namensgebung spiegelt sich die stärkere Lokalisierung bei Perinet, heißen doch jene beiden Dienerfiguren, die am Schluss als Paar zusammenfinden, bei Hafner noch „Hannswurst“ und „Colombine“, bei Perinet dagegen „Johann“ und „Lorchen“. Sie werden damit tendenziell aus der Tradition der Hanswurst-Komödien und der Commedia dell’Arte gelöst und stattdessen als Wiener Lokalfiguren inszeniert.

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.522
Zuletzt geändert: am: 15.7.2015 um: 12:48:28 Uhr