Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Prosa
Genre:
Zeitraum Entstehung: 1779
Hauptvariante (Text):
Kommentar:

Satirische "Gespräche" zwischen Bettlerinnen in drei Teilen, in denen diese als selbstgerechte, gierige und durchtriebene Paradebeispiele 'böser Weiber' dargestellt werden, die ihre Verfressenheit und Sauflust, ihre Rüpelhaftigkeit und Rauflust, ihre Skrupellosigkeit und Durchtriebenheit offenbaren.

Ein dem Text vorangestelltes vorgebliches Zitat gibt bereits einen Ausblick auf das anschließend Gebotene; hier heißt es: „Hütet euch vor den bösen Weibern; denn sie sind ärger, als die giftigsten Schlangen. Buch der Erfahrniß S. 311.“

Im ersten Gespräch beklagen Reßl und Nandl, die sich beim Einkauf am Markt treffen, das immer schlechter werdende Auskommen, lassen aber zugleich erkennen, dass sie sich tatsächlich ein schönes Leben machen können – dies freilich nur im Geheimen und ungesehen von potentiellen Spendern. Im zweiten Gespräch trifft Urschl im Brandweinhaus auf Kathl, welche ihr von einer gegen einen Verräter gerichteten geplanten gewalttätigen Racheaktion erzählt und sie zur Teilnahme anstiftet, worauf sich zeigt, dass beide die begierig ersehnte Schlägerei kaum erwarten können. Im dritten Gespräch treffen sich Lißl und Miedl im Bierhaus, wo Miedl ihre Verspätung triumphierend damit entschuldigt, dass sie aufgrund einer unter Kollegen nach ihrer Meinung ungerecht geteilten Geldgabe eine Schlägerei begonnen habe, aus der sie durch Bestechung – bemerkenswerterweise in der Höhe des Gesamtbetrags des strittigen Almosen – ungeschoren davon kommt, während die Gegnerin eingesperrt wird, wobei man zugleich erfährt, dass es an Geld etwa für Bier wie Kaffee offenbar nicht mangelt.

In Einklang mit der stilisierten Darstellung steht auch die sprachliche Gestaltung, sodass die Ausdrucksweise der Figuren zumindest stellenweise einen deutlich gesprochensprachlich-dialektalen Ton trägt. Zu bemerken ist hierbei, dass der Text in der schriftlichen Darbietung nicht konsistent auf gleichem Level dialektal bzw. zumeist auch nicht sehr deutlich mundartlich notiert ist (der Autor scheint sich letztlich doch schriftsprachlichen Normen verpflichtet zu fühlen bzw. keine bewusste Abgrenzung von diesen vollziehen zu können oder wollen), einzelne Stellen lassen die Bettelweiber aber doch plastischer und etwas deutlicher akustisch greifbar werden(„Diendl“ (S. 2), „Mädl“ (S. 2), „Wirsts schon sehen, was ich heute Fotzen austheilen werde“ (S. 6), „und wieder unter d’Nasen nauf“ (S. 6), „[daß?] s’Blut zu der Goschn rab rinnt“ (S. 6), „jetzt los auf“ (S. 7), „wenns nur nicht so verfotzt zugieng“ (S. 8), …).

Die inkonsistente Realisierung in Bezug auf die Registerebene kann einerseits im Kontext einer Unsicherheit hinsichtlich einer adäquaten schriftlichen Darbietung, andererseits vermutlich wohl auch in Zusammenhang mit einer miteinbedachten konventionalisierten Rezeptionsweise im Sinne eines Im-Lesen-in-die-intendierte-mündliche-Form-Transformierens gesehen werden.

Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.515
Zuletzt geändert: am: 2.11.2016 um: 11:38:54 Uhr