Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Zeitraum Entstehung: 1781/82
Textvarianten:
Kommentar:

Bösartige Diffamierung der Kryptoprotestanten im Umland von Wels, die sich nach dem Toleranzpatent Josephs II. zu ihrem Glauben bekennen. Interessanter Hinweis auf den Sammelpunkt beim Welser Wirt Geymayer (vgl. Gustav Reingrabner: Protestanten in Österreich, S. 184).

Mitgeteilt durch den bedeutenden protestantische Aufklärer Friedrich Nicolai in seiner 'Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz im Jahre 1781'. Nicolai schreibt die beiden Texte fälschlicherweise Maurus Lindemayr zu und teilt sie mit aufrichtiger Entrüstung mit. Sie sind ihm Beleg dafür, dass „die Reformation in Österreich [...] das Werk des Kaisers“ sei und nur durch seine unmittelbare Macht gegen die „katholische Klerisey“ verteidigt werden könne, die mit allen Mitteln gegen die Protestanten hetze. Diese Schmählieder würden

"auf einen halben Bogen gedruckt, öffentlich verkauft, und in vielen österreichischen Städten und Dörfern, besonders in Oesterreich ob der Ens, wo die mehresten Protestanten wohnen, öffentlich abgesungen [...], um den Widerwillen gegen die Protestanten zu unterhalten und zu vermehren. Der Verfasser heißt Maurus Lindermayr, ist ein katholischer geweihter Priester [...]. Dieser Mann ist niederträchtig genug, ein Pasquill auf die von seinem Landesherrn geduldeten Protestanten, und auf die Duldung selbst, in der niederträchtigsten Sprache des Pöbels zu machen, um den niedrigsten Pöbel aufzuhetzen. Sein Namen ist bekannt, und wird mit Wohlgefallen dabey genannt. Er schämt sich seiner Niederträchtigkeit nicht, und seine geistlichen Obern thun keinen Schritt, ihn darüber zur Verantwortung zu ziehen."
Hier tut Nicolai Lindemayr Unrecht, stammen die beiden Lieder von bescheidener literarischer Qualität doch sicher nicht von ihm. Die beiden Flugblattlieder scheinen also eher ‚Trittbrett-Gedichte’ der Lindemayrrezeption zu sein, die die Bedeutung und Bekanntheit des Autors in seiner Zeit belegen. Ein ‚Lindemayr’ könnte in der Regierungszeit Josephs II. so etwas wie eine Gattungsbezeichnung gewesen sein für ein Schmähgedicht im Dialekt, mit Protagonisten aus dem bäuerlichen Umfeld.
(Vgl. dazu Neuhuber 2008 bzw. insbesondere der Kommentar zu Lindemayrs "Wie lusti gehts izt auf dä Welt" )

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.454
Zuletzt geändert: am: 6.9.2016 um: 12:26:31 Uhr