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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Autoren:
Komponisten:
Zeitraum Entstehung: 1763
Hauptvariante (Text):
Musikvarianten:
Textvarianten:
Kommentar:

Leider nur drei Strophen erhalten geblieben sind von diesem reizvollen Freudenlied anlässlich eines Taufmahls, mit dem nach Ende des Wochenbetts zusammen mit Paten, Verwandten und Honoratioren im Elternhaus des Kindes die glückliche Geburt gefeiert wurde. Dass der Vater, Joseph Gotthard Lindemayr, Hofrichter zu Traunkirchen, der Entbindung – wie in Strophe 2 eingängig geschildert – mit besonderer Unruhe und Sorge entgegengesehen hat, liegt auf der Hand: War doch im Dezember 1761 wenige Tage nach seinem erstgeborenen Kind Maria Anna auch noch seine erste Frau Maria Theresia im Kindbett gestorben. Maurus, der zur Hochzeit der beiden sein 'Losts auf alli Herrn verfasst hatte, widmet diesem tragischen Ereignis sein (hochdeutsches) Leichenlied 'O herber Donnerschlag'. Nur sechs Monate später heiratet der Hofrichter erneut: Maria Barbara Ottilia (1743-1811), geborene Hörtenhuber, sollte ihren Mann um zwei Jahrzehnte überleben und schenkt ihm im Laufe der Ehe sechs Kinder. Aus Anlass der Geburt ihrer ersten Tochter, der später auch auf der Stiftsbühne aktiven Maria Barbara Thekla Lindemayr am 19. August 1763, ist offensichtlich dieses Lied entstanden. Es beginnt wie so oft mit einer Simultanbeschreibung der Feierlichkeiten durch eine außenstehende Figur, die gleichwohl Einblick hat in die näheren Umstände. So weiß sie um die Ängste des werdenden Vaters, der sich in den Wochen vor der Geburt ins Gebet flüchtet. Aufgrund des Textverlusts sind leider die Anspielungen der dritten Strophe kaum noch aufzulösen.

Die metrische Form dieser achtzeiligen Strophen ist für lindemayrsche Verhältnisse vergleichsweise einfach: Die achtsilbigen paargereimten Verse mit Auftakt und stumpfer Kadenz weisen drei Hebungen mit Doppelsenkungen auf. Nur im dritten Verspaar wird der Rhythmus etwas geändert: Hier folgt der ersten Hebung eine einfache Senkung; dafür endet der Vers klingend.

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.434
Zuletzt geändert: am: 6.9.2016 um: 12:02:31 Uhr