Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Autoren:
Komponisten:
Zeitraum Entstehung: 1765 +/-15
Hauptvariante (Text):
Musikvarianten:
Kommentar:

Auch bei diesem Gedicht, das uns lediglich in der Lindemayr-Sammlung Johann Hammerschmidts und teilweise in Ernest Frauenbergers Musikarrangement überliefert ist, bestätigen Stilistik, Sprachgebrauch, Formgebung und Inhalt die dort reklamierte Verfasserschaft des Dichtermönchs recht überzeugend. Im Gegensatz zu seinen bekannteren Bauernklagen ist dieses Standeslied jedoch eine eher selten anzutreffende Verbindung aus Trutzlied und Bauernlob, das – wie in 'Sagnt allweil vom Stadtlöbn' , mit dem es Intention und Thematik teilt – aus dem Gegensatz des negativ bewerteten Stadtlebens zum Bauernalltag ländliche Gruppenidentität und ein stolzes Selbstverständnis anspricht.

Allerdings ist es nicht der mündige Bauer, der Hofbesitzer, der als Gegenbild zum Städter fungiert, sondern die bäuerliche Jugend, die sich mit der Stadtjeunesse vergleicht. Diese sei nicht zu beneiden in ihrer rigorosen Disziplinierung, die die Freiheit des Einzelnen an allen Ecken beschneidet. Bildungs- und Repräsentationszwang, Konventionsdruck, Affektkontrolle und eine krankmachende Umgebung, all das sei im dörflichen Umfeld nicht gegeben. Hier herrsche ein Leben nach dem Lustprinzip mit Spiel, Musik und ausgelassener, ungezügelter Unterhaltung – in der arbeitsfreien Zeit selbstredend. Aber auch die harte bäuerliche Arbeit selbst hat ihr Gutes, denn nur die unerzwungene Untätigkeit berge die Gefahr psychischer Krisen.

Die Sentenzen der letzten Strophe gegen Aufstiegsgelüste und Standesdünkel bestätigen in traditioneller Weise die katholische Forderung nach der modestia , der Bescheidenheit, die hier im derben Gewand transportiert wird. Diese thematische Verankerung in den Traditionen des bäuerlichen Standeslobs wie auch die typische metrische Form des Wechsels von der unterteilten Vagantenzeile zu vierhebigen Verspaaren und der Kehrreim am Ende der Strophe verweisen auf eine recht frühe Entstehungszeit.

1 Melodie

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.432
Zuletzt geändert: am: 6.9.2016 um: 11:55:21 Uhr