Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Autoren:
Komponisten:
Zeitraum Entstehung: 1755 +/- 5
Hauptvariante (Text):
Musikvarianten:
Textvarianten:
Kommentar:

Wie in 'Vöstung, Schlössä, Märk, und Stödt' wird in diesem bekannteren, da bereits 1822 in der ersten Werkausgabe gedruckten Spottlied auf das urbane Leben Gruppenzusammenhalt und bäuerliches Standesbewusstsein über komische Gegenbildlichkeit vermittelt. Wie dieses ist es eine Mischung aus Spottlied auf das städtische Leben und Standeslob des Landmanns. Lächerlich muten dem Dörfler die gesellschaftlichen Konventionen der Stadtgesellschaft an, die oft genug den eigenen grundlegenderen Bedürfnissen zuwiderlaufen. Kennt man diese habituellen Codes nicht oder verweigert man sich ihnen, gibt man sich als Außenseiter zu erkennen und wird beschimpft. Die Präsentation nach außen, der schöne Schein bestimmt in der Vorstellung des bäuerlichen Ich des Lieds das Leben in der Stadt, oft genug aber verbirgt sich hinter der Fassade bittere Armut. An diese sei man auch am Land gewöhnt, doch ist man – so das selbstbewusste Fazit des Lieds – zumindest nicht zur Falschheit gezwungen. Die Lächerlichkeit des traditionellen rusticus der Verlachliteratur wird auf diese Weise geschickt umgewertet: Das lümmelhafte Verhalten wird zum Ausdruck der Natürlichkeit und Aufrichtigkeit, die scheinbare Überlegenheit der höheren Stände als hohle Konvention entlarvt.

Die Überlieferungslage weist das Lied in die frühere Schaffenszeit Lindemayrs vor 1760, doch belegt die metrische Form bereits den souveränen Umgang mit dem Sprachmaterial. Bei entsprechender graphischer Aufteilung, wie sie in etlichen Handschriften zu finden ist, beginnen die Strophen mit einem (vom Autor in der früheren Zeit gern verwendeten) Schweifreim, bei dem Paarreime zweihebige Verse verbinden, der Zwischenreim dreihebige. Paarreime, dreihebig und zweihebig, setzen auch fort; die abschließende Zeile, ohnedies hervorgehoben durch männliche Kadenz, findet sich – zumeist in variierter Form – als Kehrvers wieder. Die Textbelege in der Sonnleithner-Sammlung weisen darauf hin, dass das Lied auch Eingang in den Volksgesang fand. Über mündliche Vermittlung wird wohl auch Joseph Haydn das Lied kennen gelernt haben, dessen Incipit er sich auf der letzten Seite einer Liedhandschrift notiert.

4 Melodien (Diemberger ürberprüfen, 5.?), eine vermutlich Langthaller, eine Aumann

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.355
Zuletzt geändert: am: 6.9.2016 um: 11:40:35 Uhr