Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Autoren:
Komponisten:
Zeitraum Entstehung: 1755 +/- 10
Hauptvariante (Text):
Musikvarianten:
Textvarianten:
Kommentar:

Dieser auch als Einzellied überlieferte Hochzeitsgesang ist die erweiterte Liedfassung einer Arie aus Lindemayrs frühem, erstmals von Moriz Enzinger ediertem Dialektstück 'Hans in der Klausen' . Dieses Singspiel wird – wie die zahlreichen Anspielungen auf die Faschingszeit und auf die Novizenausbildung zeigen – wohl zu einem der Namenstagsfeste des Abts während der ersten Prioratsjahre Lindemayrs entstanden sein und schließt sich inhaltlich wie auch stilistisch an Lindemayrs 'Saufsucht' an, ein derbkomisches Lustspiel, das u.a. 1765 im Stift Wilten vor der kaiserlichen Familie gegeben wurde. Hatte sich der trinkfreudige Hans im Finale der 'Saufsucht' entschlossen, sein Laster zu sühnen und Eremit zu werden, findet er sich in diesem Stück tatsächlich als reichlich unheiliger Novize eines Einsiedlers wieder. Schließlich aber wird er durch eine Intrige seiner Frau wieder in sein altes Leben zurückgeführt: Mit einem Brief von einer angeblichen Erbschaft weckt sie Hans’ Geldgier, um ihm anschließend weiszumachen, dass sie einen anderen Mann heiraten wird.

Das in diesem Handlungskontext nicht allzu überzeugend motivierte Hochzeitslied 'Nacha Buebn nacha' (als 12. Arie vom ‚Prokurator Deml’ gesungen) könnte freilich bereits früher entstanden sein, wie allein schon die mehrstrophige Form indiziert, die sich von der üblichen Ariengestaltung abhebt. In Hammerschmidts Liedersammlung findet sich zudem eine um zwei Strophen längere Fassung, die im Edierten Text wiedergegeben wurde. Dieser Zusatz wurde allerdings, wie sich an Tinte und Schreibdifferenzen zeigen lässt, vom Schreiber später nachgetragen. Ob auch diese Erweiterung von Maurus Lindemayrs stammt, ist zwar nicht mit letzter Sicherheit zu sagen, doch spricht aus formaler, sprachlicher und thematischer Hinsicht nichts Gravierendes dagegen. Die Frage bleibt, ob die beiden abschließenden Strophen, wie die inhaltliche Geschlossenheit andeuten könnte, bereits in einer ersten Fassung des Lieds vorhanden waren und bei einer möglichen Umgestaltung zur Arie weggelassen wurden, da auch die anderen Gesangseinlagen deutlich kürzer sind. Oder wurden die Strophen doch erst später bei einer möglichen Verselbstständigung des Lieds, das aus dem dramatischen Kontext gelöst wurde, dazugefügt? Die derzeitige Quellenlage ermöglicht hier keine endgültige Antwort.

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.329
Zuletzt geändert: am: 6.9.2016 um: 11:20:03 Uhr