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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Autoren:
Komponisten:
Zeitraum Entstehung: 1758
Hauptvariante (Text):
Musikvarianten:
Textvarianten:
Kommentar:

Dieses Lied dürfte wohl das jüngste der drei Spottgedichte auf den Neukirchener Meierhofverwalter Joseph Stainer sein; das radikalste ist es mit Sicherheit. Vorgeblich ein Abbittlied, also eine Entschuldigung für eine vorangegangene satirische Schmähung (vielleicht durch das Lied "Wer selbm für iehm nöt Hausen kann" ), bezweckt der Gesang Gegenteiliges. In einem Rundumschlag von aggressiver Verve werden zunächst über eine perfide ex-negativo-Ironie in den ersten drei Strophen nicht nur die Kritikpunkte der vorhergehenden Lieder zusammengefasst und um einige Gesetzeswidrigkeiten aus der Biographie des Schmied-Sepperl ergänzt, sondern die Angriffe auch auf sein persönliches Umfeld ausgeweitet.

Ins Schussfeld geraten nun auch die Töchter des Stiftsmeiers, von denen zwei, Theresia und Magdalena, bereits sieben Jahre zuvor im Hochzeitslied "Han heut früh schon lang hin und her grait" Ziel des Spotts waren. Die ‚Mayr-Reserl’, ein ehemaliges Stiftsfräulein, wird auch in diesem Lied dem Lachen preisgegeben und ihr Fehltritt nur vordergründig mit dem nächsten rüden Angriff entschuldigt, der ihrer Mutter, der ‚Mayrin’, gleichfalls eine problematische Sexualmoral unterstellt. Und auch die jüngste Tochter Rosina wird nun in ein fragwürdiges Licht gerückt: So könne sich der Schwiegersohn in spe, der als dümmlich-naiv präsentierte Hanns Eder, in der Ehe auf etwas gefasst machen. In der sechsten Strophe wird etwas abrupt wieder Stainer selbst zum Angriffsziel und ein wenig glaubwürdiges Friedensangebot unterbreitet, um dann mit dessen Rosskuren auf eine weitere Schwachstelle zu verweisen. Mit einer direkten Beschimpfung klingt der Gesang aus.

Die Hochzeit der jüngsten Meiertochter ermöglicht als terminus ante quem auch eine recht genaue Datierung des Gedichts, das in der zweiten Hälfte des Jahres 1758 entstanden sein wird. Denn am 16. Jänner 1759 nimmt der Bauernsohn Hanns Eder aus Apeding (zwischen Neukirchen und Schwanenstadt gelegen) Rosina Stainerin zur Frau. Die Zeremonie leitete P. Bernhard Heindl, Vikar von Neukirchen, der wenige Monate später das Schaffneramt des Stifts übernahm und 1763 einen vernichtenden Bericht über die Verwaltertätigkeit Stainers liefert. Rosinas Trauzeuge war Maurus’ Bruder Johann Adam Lindemayr, Mesner und Schulmeister zu Neukirchen.

Aufschlussreich sind die im Titel und den Rahmenstrophen anklingenden Hinweise zur Aufführungssituation und zur situativen Einbettung: Gesungen wurde das Lied offenbar vom Stiftsbassisten Joseph Langthaller, dem bedeutendsten Interpreten und Komponisten der Lieder Maurus Lindemayrs. Er konnte als Vorsänger auf die Unterstützung einer musikalischen Runde bauen, denn den gesungenen Attacken voraus geht eine Aufforderung an die Mitsänger, sich in einem Kreis aufzustellen und – so ist anzunehmen – einzelne Strophenteile des Vorsängers (repetierend) mitzusingen. Mit dem Ende des Spottlieds löst sich auch diese Formation wieder auf. Ob der Angesungene in der Mitte, umringt von den Sängern, stand, wie es die siebte Strophe möglich erscheinen lässt, ist nicht belegbar.

Die von Hammerschmidt übernommene Strophenaufteilung dürfte – wie schon in den anderen Ansingliedern – wohl bloß nachträgliches Konstrukt sein. Zwar ist die zehnversige Strophe Basis für Frauenbergers Arrangement in N3 (dem hier möglicherweise tatsächlich eine Eigenkomposition des Kremsmünsterer Kapitularen zugrunde liegt), doch inhaltlich ist diese Einteilung keineswegs begründet. Zudem fehlen in I – das auf eine Stropheneinteilung bezeichnenderweise gänzlich verzichtet – in unregelmäßigen Abständen jeweils größere Strophenteile; offenbar ist hier von kleineren gesungenen Einheiten auszugehen, die gegebenenfalls auch weggelassen werden konnten.

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.316
Zuletzt geändert: am: 5.9.2016 um: 20:36:35 Uhr