Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Drama
Genre:
Autoren:
Zeitraum Entstehung: ca. 1697 [oder etwas früher]
Hauptvariante (Text):
Kommentar:

Die Entstehungszeit der in lateinischer Sprache verfassten fünfaktigen Komödie kann einstweilen nicht exakt bestimmt werden, eine Datierung im Jahr 1697 sollte aber nicht zu fernab liegen - in diesem Jahr wurde das Stück zumindest laut Spielplan des Salzburger Universitätstheaters [zum ersten Mal?] aufgeführt, wo Rinswerger zu dieser Zeit auch wirkte (vgl. Boberski 1978, S. 257).

In dieser typischen Besserungskomödie mit einigen Arien versucht Sobrina, Ehefrau des Trunkenbold Potinus, mit Hilfe ihrer Söhne sowie von fünf Studenten, ihren Mann von seinem Laster zu befreien; dieser aber fällt von Akt zu Akt wieder in seine alte Gewohnheiten zurück. Möglich gemacht werden die Täuschungsaktionen, weil Potinus sich immer in den Schlaf säuft (vgl. rusticus-imperans-Motiv). Erwacht und konfrontiert mit seinem vermeintlichen Unglück, jammert er dann seinen running gag 'O vinum, o vinum', ohne aber nach der Errettung tatsächlich die Finger vom Alkohol lassen zu können.

Im ersten Akt gaukeln ihm die Verbündeten vor, dass er sich hat anwerben lassen und nun als Soldat sein Leben fristen muss.

Im zweiten verpassen sie ihm einen Eselskopf, mit dem er einen 'Institor italicus' (italienischen Wanderverkäufer) erschreckt, der eine Arie mit italienischem Akzent und dialektaler Grundierung vorträgt (O bitter Leyd! o großer Schmerz! / wie mi thuts wehe, und steck). Schließlich wird er vom Studenten Nequinus, der als Zigeunerin Cingana auftritt, von seiner Eselsgestalt befreit.

Im dritten Akt finden wir Potinus schon wieder im Wirtshaus, wo sich auch drei Frauen ihren Frust mit ihren versoffenen Männer wegsauffen (und im Dialekt diskurieren!). Nun wird ihm eingeredet, er hätte einen Studenten ermordet und sei als Raubmörder in den Kerker geworfen worden, um demnächst ans Kreuz genagelt zu werden. Sein Versprechen, keinen Fuß mehr ins Wirtshaus zu setzen, bewahrt ihn schließlich vor der angedrohten Todesstrafe.

Im vierten Akt reut ihn freilich schon wieder dieses Versprechen, das ihn in tiefe Melancholie stürzt, sodass er schließlich seine Frau und seine Kinder um ärztliche Hilfe bittet. Diese informieren die Studenten, die sich als Ärzte verkleiden wollen. Potinus' Leiden motiviert auch die Arie eines fahrenden Händlers aus Tirol (Leemoni mo), der in 'Guetn Abed, kents mi scho' seine Stärkungsmittel nach dem Aderlass anpreist. Potinus aber wünscht sich wieder nur einen österreichischen Wein zur Heilung. Solche Gewohnheiten kuriert letztlich nur der Tod, wie dieser selbst in einer Aktschlussarie erläutert.

Im fünften Akt verweigert sich Potinus zunächst allen Überredungsversuchen, bis ihn schließlich die Studenten als Todesgeister in einem (nicht näher beschriebenen) Tanz in die Unterwelt zu verschleppen drohen. Dieses schreckliche Erlebnis bringt Potinus schließlich dazu, der Sauferei abzuschwören und nur mehr Wasser trinken zu wollen.

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.255
Zuletzt geändert: am: 24.7.2016 um: 14:39:55 Uhr