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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Drama
Genre:
Autoren:
Zeitraum Entstehung: 1762/1763
Hauptvariante (Text):
Textvarianten:
Kommentar:

Das Zauberstück "Mägera, die förchterliche Hexe", das in der Spielzeit 1762/63 in Wien zum ersten Mal aufgeführt wurde, stellt das erste mit Sicherheit aufgeführte Stück von Philipp Hafner dar. Es wurde zu einem triumphalen Erfolg, gelingt Hafner doch eine "genau in die Zeit passende Synthese zwischen traditionellem Maschinenzauber und rationaler Handlungsführung" (Eyer 1986, S. 132).

Generell verbleibt die Komödie - obwohl auf extemporierte Passagen verzichtet wird - in der dramaturgischen Tradition der Maschinenkomödie (vgl. ebd., S. 183). So hebt etwa Sonnleitner hervor, dass die Komödie "puren und effektvollen Aktionismus" bietet und als "Tribut an die Tradition der Bernadoniaden und an den Erwartungshorizont des Publikums" zu lesen ist (Sonnleitner 2001, S. 431).

Im Stück sollen die Zauberintrigen der Hexe Mägera - die mit wirkungsvollen phantastischen Effekten ausgestattet werden - dem Liebespaar Leander und Angela (bzw. dem entsprechenden Paar auf niedriger Ebene, Hanswurst und Colombine) helfen, da ihnen - wie es der typischen Lustspiel-Konstellation entspricht - eine Verbindung aufgrund des Widerstands des geldgierigen Vaters Odoardo verwehrt bleibt. Nachdem dieses Eingreifen zunächst die erwünschte Wirkung erzielt, unterzieht Mägera jedoch im dritten Akt die zwei angebeteten Frauen selbst einer Treueprobe - bei der Angela und Colombine, wie von der Hexe vermutet, ohne Umstände durchfallen. Das Stück endet daher mit der Trennung der Paare (vgl. zum Inhalt auch Eyer 1986, S. 183-188; Sonnleitner 2001, S. 431).

Das Stück ist weitestgehend standardsprachlich, doch finden sich - neben vereinzelten tendentiell dialektalen Elementen - darin auch zwei in Wiener bzw. Niederösterreichischer Mundart gestaltete Arien - eine Arie des Hanswurst als "Bäck" ( Ein Bäck ist halt ein ganzer Mann ) (2. Akt, 10. Auftritt) sowie eine des Riepel ( Der Teufel mag der Teufel seyn ) (3. Akt, 1. Auftritt).

Anm.: Bei der Schreibweise des Titels finden sich in unterschiedlichen zeitgenössischen Drucken sowohl die Variante "Mägera" als auch die Variante "Megära", wobei wohl die erste Variante die ursprüngliche ist, die zweite sich aber später eher durchsetzte und u.a. auch für die 1766 aufgeführte Fortsetzung des Stücks verwendet wurde.

Erstmals wohl 1764 gedruckt, verschiedene Ausgaben im Verlag Kurzböck (vgl. dazu Eyer 1986, S. 361).
Die erste Edition erfolgte in der Werkausgabe von Joseph Sonnleithner 1812 (S. 1-98). Ediert wurde das Stück auch in der Werkausgabe von Baum (1914, S. 115ff.); eine aktuelle Edition findet sich im von Johann Sonnleitner 2001 herausgegebenen Band mit Komödien Hafners (S. 81ff., nach der Erstausgabe)

Zur weiterführenden Kommentierung vgl. u.a. das Nachwort Sonnleitner 2001 (S. 388-392 u. S. 431-432), der neben Bemerkungen zum Text auch Dokumente zur Rezeption abdruckt, bzw. die allgemeine Einbettung des Stücks in den Kontext des Zauberstücks bei Aust/Haida/Hein (1989, S. 109f.). Eine ausführlichere Analyse des Stücks im Rahmen von Hafners Werk findet sich in der Dissertation von Ingrid Eyer (1986, S. 182ff., 279ff. u.a.).

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.251
Zuletzt geändert: am: 24.9.2015 um: 15:32:56 Uhr