Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Drama
Genre:
Autoren:
Zeitraum Entstehung: 1764
Hauptvariante (Text):
Kommentar:

Das Stück "Etwas zu lachen im Fasching", das am 3.3.1764 uraufgeführt wurde, zeigt das wiederholte und dabei selbstverschuldete Scheitern des Burlin, eines Sohnes des rasch zu Geld gekommenen Geschäftsmanns Anselmo. Burlin ist durch sein verschwenderisches Leben, insbesondere durch die häufige Finanzierung von Gesellschaftsvergnügungen, schnell am finanziellen Ruin angelangt und wird nun durch Gläubiger und Geldeintreiber unter Druck gesetzt. Zusammen mit seinem Diener Hanswurst versucht er seine finanzielle Lage zu retten, wobei auch ihre Liebschaften nur an ökonomischen Vorteilen orientiert sind. Kaum zeigt sich die Lage etwas hoffnungsvoller, werden Burlin und Hanswurst immer sogleich von den Gläubigern gefasst. Schlussendlich verurteilt Anselmo beide zur Zwangsrekrutierung.
Laut Aust/Haida/Hein soll Hafner das Stück dem Schauspieler Anton Brenner, Schöpfer der Rolle des Burlin, auf den Leib geschrieben haben. Die Figur des Burlin stellt einen liederlichen, vergnügungssüchtigen Menschen dar, der sein ganzes Geld für gesellschaftliche Amüsements ausgibt. Dabei erscheint er als deutlich negative Figur, die immer wieder Anstoß erregt, in dieser Hinsicht aber nicht gegenüber dem übrigen Personal abgehoben ist, da sich auch die restliche Gesellschaft durch Schmarotzertum und Raffgier auszeichnet. Burlins Verhalten schadet eigentlich niemandem, denn seine Leidtragenden sind ebenfalls Schufte, eigennützig Handelnde oder solche, die sich (besser als Burlin) zu helfen wissen“ (Aust/Haida/Hein 1989, S. 77). Somit bestimmt nicht die Überwindung des Störenfrieds die Wirkrichtung der Handlung, sondern die Teilnahme am gehäuften Missgeschick bzw. an der Wiederholungskomik des vergeblichen Aufrichtens (vgl. ebd., S. 76).

In der Interpretation Johann Sonnleitners wird im Stück die augenfällige Moral - die Bestrafung der Verschwender und die Wiederherstellung der Herrschaft der reichen Väter - durch die Charakterisierung der Figuren konterkariert, denn auch Burlin und Hanswurst haben durchaus einnehmende Züge; letztendlich ist - so Sonnleitner - die Beurteilung des Kontrasts zwischen patriarchal-kapitalistischer Sparsamkeit einerseits und einem verschwenderischen und unbekümmerten Leben andererseits in Hafners Stück nicht so eindeutig, wie es zunächst scheinen mag (vgl. Sonnleitner 2001, S. 437).

Das Stück ist weitestgehend standardsprachlich, eine Ausnahme bildet allerdings ein eingeflochtenes Lied des Burlin, welches (wenn auch nicht ganz konsequent) in Wiener Mundart gehalten ist ( Es sagt die ganz Stadt d'Nänerl ist schön! - 1. Abhandlung, 2. Auftritt).
Dabei dient der volkstümlich-beschwingte Ton zunächst vor allem dazu, die Leichtfertigkeit des Burlin auszudrücken; wenn aber in der dritten Strophe schließlich alle Zeilen nur mehr gleichförmig mit "Nanerl" beginnen, entsteht ein Ton "leierhafter Abnützung" (Eyer 1986, S. 277), durch den das Aufgreifen der traditionell-volkstümlichen Liebeslyrik vor allem parodistische Wirkung bekommt. (Siehe Transkription beim Varianteneintrag)

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.235
Zuletzt geändert: am: 24.9.2015 um: 15:40:25 Uhr