Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Prosa
Genre:
Autoren:
Zeitraum Entstehung: 1784
Hauptvariante (Text):
Kommentar:

Satirischer Traktat, mit der Bucher vor allem gegen Scheinheiligkeit und Ablassunwesen ins Feld zieht.

Am Titelblatt scheint nicht Buchers Name auf, sondern es wird als Autor Martin von Cochem (1634-1712) angegeben, der als Kapuzinerpriester und Autor zahlreicher und weit verbreiteter religiöser Schriften bekannt war, dabei aber u.a. wegen seiner 'einfältigen' Darstellungen zur Zeit der Aufklärung Ziel vielfältiger Kritik geworden war. Sein Name wird hier also - gemeinsam mit einer entsprechend abwertenden, karikaturhaften Abbildung - zum Symbol der durch die Aufklärung kritisierten scheinheiligen 'Volksfrömmigkeit', die in Buchers Satire aufs Korn genommen wird.
Dass Bucher der Urheber der Schrift ist, sollte dagegen auch unter den Zeitgenossen bekannt gewesen sein.
Zusätzlich zur fiktiven Autornennung setzt Bucher dem eigentlichen Werk eine „Vorrede des Verlegers“ vor. Darin gibt er sich als Buchhändler aus und gibt an, von einem Ministranten der benachbarten Klosterkirche einen Brief erhalten zu haben, worin ihn der Absender darum bittet, das beigefügte Büchlein zu beurteilen und eventuell auch zu veröffentlichen (vgl. Bucher, Seraphische Jagdlust, S. IIIff.).

Buchers Kritik richtet sich im Text grundlegend gegen die Ablasssitten, insbesondere in Bezug auf den sog. Portiunkulaablass, der am 2. August oder am darauf folgenden Sonntag als vollkommener Ablass für sich selbst wie auch für andere gewonnen werden konnte und oft zum Anlass für volksfestartige Zusammenkünfte wurde. Dieses Ablasswesen wie auch damit geschäftstüchtig in Verbindung gebrachtes wirtschaftliches Nutznießen sowie unechtes Frömmigkeitsbestreben werden im Text hohnreich abgebildet.

In Hinblick auf Dialektverwendung ist vor allem jener Teil interessant, in dem ironisch die Vorzüge der Abhaltung eines Jahrmarkts ausgeführt werden ("Ein kleiner Jahrmarkt stünde an diesem Tage, wo Ablaß ist, überhaupt sehr gut." (S. 62)). Dazu werden Stimmen aus dem Volk angeführt - und zwar im Sinne eines Belegs, dass der Vorschlag erfolgversprechend sei, was sozusagen durch Zitate aus dem Volk untermauert wird ("Doch ich will einmal auch andere Leute reden lassen. Man möchte sonst meynen, ich rede gerade so in den Tag hinein." (ebd.). Diese Reden sind dabei - während sich der Rest des Textes standardsprachlich gestaltet - durchwegs (teils stärker, teils weniger deutlich ausgeprägt) dialektal gehalten.

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.227
Zuletzt geändert: am: 25.9.2015 um: 10:48:32 Uhr