Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Drama
Autoren:
Zeitraum Entstehung: 1774
Textvarianten:
Kommentar:

Bemerkenswert ist vor allem das Vorwort Pauersbachs, und zwar in dreierlei Hinsicht: erstens in der Verteidigung des 'Niedrigkomischen' als Spielmaterial der privilegierten Wiener Theater in Zeiten des (weitgehend ausgefochtenen) Hanswurststreits, zweitens die freimaurerisch-liberale Verteidigung des Jüdischen (die an Lessings - später entstandenen - Nathan erinnert) und drittens die vehemente Parteinahme für eine dialektale Bühnensprache, denn die Figurenrede – so Pauersbachs Forderung – müsse "dem Orte gemäß, wo die Handlung vorgeht [sein]. Sollten unsere österreichische Landleute nicht ihre Sprache dürfen hören lassen, da die Obersächsischen in Obersachsen, niedersächsische in Niedersachsen, und französische Bauern in Frankreich es dürfen?"

Pauersbach Stück zeigt nach dem Modell des rührenden Lustspiels den redlichen Bau-ern Hannsmichel, der mit gefundenem Geld sein Glück gemacht hat und so viele wie möglich daran teilhaben lässt. Als er den alten Juden Moses bei einem Kutschenunglück vor dem sicheren Tod rettet, kommt es zur genretypischen Tugendprobe: Denn eben dieser hatte damals das Vermögen verloren. Hannsmichel zögert keinen Moment, sein ganzes Gut und den erwirtschafteten Gewinn dem seines Erachtens rechtmäßigen Besit-zer zurückzuerstatten. Als ebenso edel erweist sich auch der Jude; indem er den Gutshof Michels Tochter Lisel schenkt, ermöglicht er zugleich seinem Buchhalter Prückner nach einer abschließenden Anagnorisis ein glückliches Leben.

In der Druckfassung kommt das von Pauersbach geforderte mundartliche Sprechen nur bedingt zum Ausdruck.

Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.1191
Zuletzt geändert: am: 22.2.2016 um: 09:32:41 Uhr