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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Josefa-Posch-Straße, 8200 Gleisdorf
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich vertieft mit der Biografie einer im Nationalsozialismus Verfolgten auseinander und erarbeiten sich dadurch eine weitere Perspektive auf den Kontext von Verfolgung und Widerstand.
Ort: Gleisdorf (8200)
Zeitbedarf: 30–45 Minuten, eignet sich für Supplierstunde
Alter: 13–18 Jahre
Vermittlungsort: Klassenraum


Verbundene Orte:




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Im Jahr 2014 wurde von der Stadtgemeinde Gleisdorf in Erinnerung an Josefa Posch, die 1945 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern das Leben gerettet hat, eine Straße, die bislang nach dem in Gleisdorf geborenen Botaniker, dem illegalen Nationalsozialisten und Rektor der Universität Wien Fritz Knoll benannte war, in „Josefa-Posch-Straße“ umbenannt. Zwischen Ostern 1945 und der Befreiung Im April 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, klopfte ein erschöpfter Mann an die Tür des Bauernhauses der Familie Posch in Gersdorf. Er fragte die damals 34-jährige Josefa Posch, ob er sich hier verstecken dürfe. Die alleinerziehende Mutter eines kleinen neunjährigen Sohns fragte ihren Vater, Rupert Posch. Der meinte nur: „Wenn er glaubt, dass er hier das Überleben hat, soll er sich im Heuboden verstecken.“ Joseph Schneider, so der Name des Mannes, ging wieder und kam mit vier Freunden zurück, die sich, nachdem sie vom Transport in Richtung des KZ Mauthausen geflohen waren, im nahegelegenen Wald versteckten. Schneider, Martin Lampert, Abe Spiegel, Zulman Glantz und Janos Wayda versteckten sich am Heuboden des etwas abseits gelegenen Hofs der Familie Posch. Da Josefa Posch für die Soldaten der Wehrmacht im nahegelegenen Schloss Uhlheim kochen musste, hatte sie Zugang zu Lebensmitteln, von denen sie in den folgenden Wochen einen Teil für die Versteckten abzweigte. Sie versorgte diese aber nicht nur mit Essen, sondern auch mit Neuigkeiten vom Näherrücken der Front. Nach dem Einmarsch der Roten Armee gingen die fünf ungarischen Juden nach Ilz zur sowjetischen Kommandantur, meldeten sich und bekamen von dort Kleidung und Lebensmittel. Sie kehrten zum Hof der Familie Posch zurück und teilten diese Lebensmittel mit ihren RetterInnen. Ehe sie aufbrachen schrieben sie auf Russisch eine Bestätigung, dass die Familie ihnen das Leben gerettet hatte. Dieser Schein führte dazu, dass die sowjetischen Soldaten den Hof vor Requirierungen verschonten und zudem Toni, den neunjährigen Sohn der Familie, beschenkten. Erinnerung und Ehrung Die von der Familie Posch Geretteten kehrten nicht mehr in ihre Heimat nach Ungarn zurück, sondern wanderten in die USA aus. Von dort aus recherchierte Martin Lampert über das Rote Kreuz, wer seine LebensretterInnen waren, und als er sie ausfindig gemacht hatte, sandte er ein Paket mit neuen Kleidern. Er lud zudem Josefa Posch und ihren Sohn Anton ein, ihm in die USA zu folgen, wo er mittlerweile ein Hotel betrieb. Josefa Posch lehnte diese Einladung jedoch ab, da sie sich um ihren alten Vater kümmern musste. Auch andere der Geretteten meldeten sich bei ihr. So schickte ihr Joe (Joseph) Schneider 1954 ein Hochzeitsfoto und er war es schließlich auch, der 1996 der israelischen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem von seiner Rettung im Frühjahr 1945 berichtete. Im Sommer 2010 besuchte der Neffe von Joe Schneider, Dr. Joel Geiderman, der Stellvertretende Vorsitzende des United States Holocaust Memorial Council, die Gedenkstätte Yad Vashem, wo ihm die Fluchtgeschichte seines Onkels in die Hände fiel. Nach weiteren Recherchen in den USA und Österreich wurde der damals neunjährige Sohn von Josefa Posch, Anton, ausfindig gemacht, und die Familie Posch wurde am 10. November 2011 posthum von Israel als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. In über 40 Gemeinden der Steiermark findet man nach der Befreiung vom NS-Regime Leichen ungarischer Jüdinnen und Juden, die im April 1945 auf dem Weg von der ungarischen Grenze ins KZ Mauthausen erschossen wurden. In mehreren Gemeinden gab es aber auch Menschen, die den durchziehenden Jüdinnen und Juden halfen, die sie versteckten und ihnen so das Leben retteten. Israel ehrt diese Menschen als „Gerechte der Völker“. Auf der Medaille für die Gerechten steht das alte hebräische Sprichwort „Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt“. Josefa und ihr Vater Rupert Posch aus dem oststeirischen Gersdorf sind zwei davon.



Literatur

  • Heimo Halbrainer/Gerald Lamprecht, Nationalsozialismus in der Steiermark. Opfer – Täter – Gegner. Innsbruck-Wien-Bozen 2015.
  • Engelbert Kremshofer, Mit Menschlichkeit, Mut und Schlauheit, Ottendorf 2019.
  • Internet: Yad Vashem: The Righteous Among The Nations, Posch Family.
  • Wiener Zeitung, 10.11.2011.
  • Irena Steinfeldt, Hidden in a Hayloft, in: Jerusalem Post, 26.1.2012.
  • Späte Ehrung für eine tapfere Frau aus Gleisdorf, in: Der Standard, 28.3.2014.