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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Paulustorgasse, 8010 Graz
Beschreibung: Die Auseinandersetzung mit dem „Freiheitskämpfer-Ehrenmal“ in der Paulustorgasse zielt drauf ab, den SchülerInnen die rasch abnehmende Bedeutung des Widerstandsgedenkens im Zweiten Republik zu reflektieren. Dies soll entlang eines Textes der Historikerin Heidemarie Uhl erarbeitet werden. Als Abschluss wird wiederum ein subjektorientierter Zugang gewählt, wenn die SchülerInnen ihren eigenen Denkmalsentwurf entwickeln sollen.
Ort: Stadt Graz (8010)
Zeitbedarf: 30–45 Minuten, eignet sich für Supplierstunde
Alter: 13–18 Jahre
Vermittlungsort: Klassenraum bzw. (besser) öffentlicher Raum


Verbundene Orte:




Mehr Erfahren

Das Denkmal zu Ehren der österreichischen Freiheitskämpfer während des nationalsozialistischen Regimes ist das erste kommunale Projekt einer Denkmalsetzung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Grazer Zentralraum. Bereits unmittelbar nach Kriegsende wurde ein Erinnerungszeichen am Grazer Zentralfriedhof errichtet, in der Grazer Innenstadt dauert es insgesamt viereinhalb Jahre, bis ein Denkmal für die Gegner und Opfer des Nationalsozialismus realisiert werden konnte. In dieser Zeitspanne veränderte sich jedoch die Haltung der Öffentlichkeit gegenüber der Verantwortung für die NS-Verbrechen, wovon auch das Vorhaben dieser Denkmalsetzung betroffen war. War im Gemeinderatsbeschluss von 1945 zunächst ein monumentales Denkmal an einem zentralen Platz in der Grazer Innenstadt geplant, so wurde nach der mehrjährigen Verzögerung ein schlichter Gedenkstein in der stillen Paulustorgasse angebracht. Auch die ursprünglich vorgesehene, aufwändige Gestaltung mit lebensgroßen Figuren wurde nicht umgesetzt, am Ende wurde nicht einmal das vom Grazer Künstler Hans Beres für das Denkmal intendierte österreichische Staatswappen angebracht. Der Ort, gegenüber der ehemaligen Gestapo-Zentrale ist ziemlich bedeutungsbeladen, wird durch das Erinnerungszeichen ebenfalls nicht thematisiert, und so wirkt die noch heute sichtbare, an die Seitenansicht eines Sarkophags erinnernde Marmorplatte etwas verloren an der Mauer der alten Burganlage. Es ist kein Ort, der große Versammlungen zulässt, heute ist er von Verkehrslärm und PassantInnen geprägt, die den Weg zwischen Innenstadt und dem Universitätsviertel in Geidorf zurücklegen. Auch anlässlich der Enthüllung des Erinnerungszeichens waren nicht viele Interessierte anwesend, die Historikerin Heidemarie Uhl spricht von 50 Personen, wobei sich Bürgermeister und Landeshauptmann vertreten ließen, sodass die gesamte Veranstaltung in der Zeitung „Wahrheit“ als „lästige Pflicht“ der Politik beschrieben wurde. Die Parteizeitung der KPÖ vermisste am Tag der Denkmalsetzung, dem 1. November 1949, zudem eine echte „Würdigung der heroischen Taten der Freiheitskämpfer“ für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.



Literatur

  • Heidemarie Uhl, Gedächtnisraum Graz. Zeitgeschichtliche Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum nach 1945, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz (Graz 1994), 625–642.