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Cooking Recipes of the Middle Ages

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Overview

Collection: Ste1

Shelfmark: Sterzing, Stadtarchiv, ohne Sign.

Customary title: Sterzinger Miszellaneen-Handschrift

Material: paper

Number of folios: 61

Dimensions: 220mm x 155mm

Origin: place of origin unknown

Dating: 1st quarter of 15th c.

Languages: Bavarian toggle details

Näheres zu Sprachanalyse bei Thurnherr/Zimmermann und Siller.

Codicology

Number of folios: 61

Dimensions: 220mm x 155mm

Material: Papier

Watermarks: Das Papier der Lagen 1-4 zeigt verschiedene Ochsenkopf-Wasserzeichen.
Zwischen den Hörnern befindet sich jeweils eine Stange; sie trägt bei Lage 1 einen Stern, bei Lage 2 Blätter und bei den Lagen 3 und 4 ein Kleeblatt.
Ochsenkopf mit Stern der Lage 1 ähnelt Piccard Nr VI 238, VI 23g und VI 241 (1404-13, 1410-16, 1410-16).
Lage 5 weist eine Glocke auf.
Bei Lage 6 ist wegen der Beschädigungen nurmehr der obere Teil einer Krone zu erkennen.
Aufgrund der Wasserzeichenanalyse lässt sich in etwa die folgende Datierung feststellen:
Lage I (Bl. 1-10): 1410-1416
Lage II (Bl. 11-22): 1422-1425 | 1418-1420
Lage III (Bl. 23-34): 1418-1420
Lage IV (Bl. 35-46): 1418-1420
Lage V (Bl. 47-56): nicht datierbar
Lage VI (Bl. 57-61): nicht datierbar.

Foliation: Die Blätter wurden von neuer Hand (Zingerle?) von 1 bis 61 in arabischen Ziffern durchgezählt.

Collation: Die erste der insgesamt 6 Lagen, Bll. 1-10, besteht aus einem Quinternio. Die drei folgenden Lagen setzen sich aus Sexternionen zusammen:
Bll. 11-22, Bll. 23-34, Bll. 35-46.
Die fünfte Lage, ursprünglich ebenfalls ein Sexternio, ist auf 10 Blätter (Bll. 47-56) reduziert, da die beiden ersten Blätter unter Verlust des Textes abgetrennt wurden. Auf der Vorderseite des vom ersten Blatt verbliebenen Restes lassen sich noch das Wort Nw und der Beginn eines Notensystems mit einem F-Schlüssel und einer Neume erkennen. Auf der Rückseite sind nur die Buchstaben ng eines Wortendes übriggeblieben. Diese Lage wird durch einen Pergamentstreifen zusammengehalten. Er trägt im Falz die Aufschrift Von mir Hans smid, auf der Vorderseite steht, teilweise verwischt oder überstrichen, ey junge fraw, ach lieb und V1r9 Heilant.
Die letzte Lage, ursprünglich ein Trinio, umfaßt heute die Bll. 57-61. Sie wird durch einen Pergamentfalz zusammengehalten.
Das äußerste Doppelblatt ist heute nurmehr zu etwa einem Viertel erhalten: Von der vorderen Hälfte (Bl. 57) ist der untere Teil abgerissen, vom Gegenblatt existiert nur noch ein winziges Fragment.
Vom zweiten Doppelblatt fehlt der obere Teil der hinteren Hälfte (Bl. 61). Nur das innerste Doppelblatt dieser Lage ist vollständig erhalten. Die Beschädigungen führten jeweils zu Textverlusten.
Mit Ausnahme der letzten beginnen sämtliche Lagen der Handschrift mit einem neuen Text. Wahrscheinlich wurde jede für sich einzeln beschrieben und erst nachher mit den anderen zu einem Codex vereinigt. Die Lagen 5 und 6 scheinen - von den Noten abgesehen - in einem Zuge geschrieben zu sein; vielleicht bildeten sie ein selbständiges, ausschließlich der Neidhart-Überlieferung gewidmetes Faszikel.

Hands: Ein erster Schreiber A war auf Bl. 1ra-3ra, Bl. 3va und Bl. 5v, möglicherweise auch auf Bl. 9ra, unter Verwendung einer Kursivschrift tätig.
Schreiber B, der sich als Hauptschreiber feststellen läßt und eine zur Kursive tendierende Bastarda benutzt, erscheint erstmals auf Bl. 3rb, ist mit verschiedenen anderen Händen an den vermischten Eintragungen bis Bl. 6r beteiligt und schreibt die Texte auf Bl. 6v-8v und Bl. 9v-10r.
Eine neue Hand C mit einer bayrisch-österreichischen Bastarda taucht bei Bl. 10v ouf. Es scheint sich um einen Nachtrag zu handeln, der auf der zunächst freigebliebenen letzten Seite der 1. Lage erfolgte.
Vom Beginn der zweiten Lage an stammt der Löwenanteil der Texte, sowohl der deutschen als auch der lateinischen, von B, jedoch mit den folgenden Ausnahmen:
Auf Bl. 17v und Bl. 30r finden sich von anderer Hand Nachträge, die Anhaltspunkte für die Datierung liefern.
Auf Bl. 33r und Bl. 34r erscheint eine neue Hand D, auf die auch die Bl. 29v schließenden lateinischen Zweizeiler zurückgehen dürften. Bl. 30v/31r trögt lateinische Sprüche und Rezepte von mehreren Händen.
Eine weitere Hand E setzte auf dem oberen Teil von Bl. 35r zweimal zu einem später in vollständigerer Form wiederkehrenden pseudo-Neidhart an und ist Bl. 38r-41r erneut vertreten.
Der Pseudo-Neidhart auf Bl. 36v-37r stammt von einem Schreiber F, dessen Handschrift der von E ähnelt.
Auf Bl. 42r und Bl. 46r wurden schließlich 2 geistliche Lieder des Mönchs von Salzburg von 2 Schreibern G bzw. H eingetragen.
Bei den Schreibern der Noten bereitet die sichere Identifizierung einzelner Hände noch größere Schwierigkeiten als bei ihren für die Texte verantwortlichen Kollegen, da bei der Ausführung von Notenköpfen vergleichsweise wenig Raum für die Ausprägung individueller Eigenheiten ist. Insgesamt lassen sich hier etwa 12-15 Hände feststellen, die in verschiedenen Ansätzen die Noteneintragungen unter Verwendung unterschiedlichster Systeme vornahmen.

Script (fol. 46v): klar strukturiert, Rezepte voneinander abgesetzt toggle details

allgemeine Beobachtung: klar strukturiert, Rezepte voneinander abgesetztDuktus: geübte Hand, leicht nach rechts geneigtLeitbuchstabe <a>: einstöckiges <a>Leitbuchstabe <l>: mit SchlaufeLeitbuchstabe <g>: geschlossene Punze, Unterbogen läuft teils weit nach links ausLeitbuchstabe <e>: offene PunzeLeitbuchstabe <m>, <n>: finaler Schaft in finaler Stellung reicht teils in die UnterlängeLangschäfte <b>, <d>, <h>, <k>, <l>: mit Schlaufe<f>, Schaft-s Unterlänge: ‚normale‘ UnterlängeVerschiedene r-Formen: gerades <r>Verschiedene z-Formen: geschwänztes <z>Bögen/Unterlänge von <h>, <y> und geschwänztem <z>: - Verwendung von Schaft-s und rundem <s>: Schaft-s: initial + medial; rundes <s>: finalVerwendung von geradem und rundem <d>: - i-Markierung: teilweise i-MarkierungBesonderheiten anderer Grapheme: teils sz-LigaturZahlzeichen: - Majuskeln (Verwendung): Rezeptbeginn, SatzanfangVerzierungen: - Rubrizierung: - Diakritika: doppelpunktförmigAbbreviaturen: Kürzungsstrich, r/er-KürzungshakenInterpunktion: - Terminatoren: wellenförmigWorttrennung: - Korrekturen: - Offensichtliche Schreiberwechsel: -

Layout

Measure: 140-180 x 100-120 mm

Textblock: Die Bll. 1r-3v und 9r/v sind zweispaltig, alle übrigen Blätter einspaltig beschrieben.

Lines: wechselnd

Text: Gelegentliche Rubrizierung von Initialen und kurzen Überschriften.
In verschiedenen lateinischen Texten sind bei Satzanfängen die Majuskeln durch senkrechte rote Striche ausgezeichnet.
Nur sehr selten begegnen Ansätze zur Ausschmückung der sonst anspruchslosen Initialen: so sind Bll. 20v, 26r, 26v und 30r rankenartige Verzierungen im Innern der Buchstabenköpfe angebracht. Einige Male finden sich Wellenlinien oder Blattmuster in den Schäften der Buchstaben. Die Farbe der verwendeten Tinten bewegt sich zwischen Braun und Braunschwarz, gelegentlich erscheint auch eine Tinte mit deutlich grüner Tönung.

Cover

Condition: Der Einband besteht aus 3 Pergamentblättern, die einer zweispaltig beschriebenen lateinischen medizinischen Handschrift des 13. Jahrhunderts entnommen sind. Für die beiden äußeren Schalen wurde jeweils ein vollständiges Doppelblatt verwendet, für die innerste ein Streifen, dessen Breite von ca 8 cm etwa einer Spalte der Handschrift entsprach. Der Rücken ist durch 2 Streifen verhältnismäßig dicken Leders verstärkt, zwischen denen ein Papierstreifen liegt.
Die Außenseite der Pergamenthülle ist sehr stark berieben und verschmutzt. Die obere rechte Ecke der Vorderseite ist mit einem weißen Papierzettel beklebt, der von moderner Hand die Aufschriften Meistersänger und Miscellaneen-Handschrift trägt. Auf der Rückseite steht von einer Hand wahrscheinlich des 16. Jahrhunderts Der alt than/hauser.
Der hintere Teil der äußeren Pergamentschale ist auf der Innenseite mit einem Papierblatt beklebt, das lateinische und musikalische Federproben trägt. Da sich die Klebung an einigen Stellen gelöst hat, ist erkennbar, daß die Klebeseite ebenfalls mit Eintragungen versehen ist. Auf die Außenseite des Vorderteils der zweiten Pergamenthülle sind übereinander 2 Papierblätter geklebt. Das oberste ist mit lateinischen Federproben bedeckt und zeigt daneben noch die Eintragungen: heincz schmid und Ich iag nah. Wegen der auch hier stellenweise gelockerten Klebung sind im Innern lateinisch religiöse Texte sichtbar, außerdem 4 Zeilen in deutscher Sprache: Man sich leiber teiber / for den walde palde reisen / greisen sich man perg unt / tal fal uber all stet nu perg. Dies entspricht dem Anfang der ersten deutschen Strophe des auf Bl.35v/36r stehenden deutsch-lateinischen Liedes. Die Hände stimmen nicht überein. Die schmale innerste Pergamentschale trägt auf den ursprünglich freien Rändern verschiedene Federproben, darunter auf der Innenseite des hinteren Teils den Namen Hans Scmid.

Covering: Pergament

History

Origin: Entstehungsort unbekannt

Provenance: Spätestens im Jahre 1511 war die Handschrift in den Händen Vigil Rabers, unter dessen hinterlassenen Spielhandschriften sie sich später fand. Wahrscheinlich ging die Handschrift mit Rabers hinterlassener Spielsammlung in den Besitz der Stadt Sterzing über, als der Rat am 16. November 1553 seiner Witwe alle und jede Spil und Spil- Ristungen so ir hauswirt seliger nach sein verlassen hot für 6 Gulden abkaufte. Danach schlummerte sie vermutlich im Sterzinger Stadtarchiv, bis sie etwa 3 Jahrhunderte später durch Adolph Pichler wiederentdeckt und durch Ignaz Zingerle teilweise veröffentlicht wurde.

Dating: 1. Viertel 15. Jh.

Note: Näheres zu Datierung und Lokalisierung siehe Thurnher/Zimmermann S. 18-21 und Siller S. 159 + 268.

How to cite

Böhm, A. (2021). Ste1, Codicology. In H. W. Klug (Ed.), CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages. Corpus - Analysis - Visualisation. With the help of A. Böhm and C. Steiner. http://hdl.handle.net/11471/562.10.4082 (GAMS. 562.10.4082) (Accessed 2022-07-02)

Sources

Glaßner, C. and Becker, C.(2020) Handschriftencensus | Sterzing, Stadtarchiv, ohne Sign., Handschriftencensus. Available at: https://handschriftencensus.de/5791 (Accessed: 25 November 2020). Siller, M. (2001) ‘Wo und wann ist die Sterzinger Miszellaneen-Handschrift entstanden?’, in Schwob, A. and Vizkelety, A. (eds) Entstehung und Typen mittelalterlicher Lyrikhandschriften. Akten des Grazer Symposiums 13.-17. Oktober 1999. Bern (Jahrbuch für Internationale Germanistik. Reihe A, Kongreßberichte 52.), pp. 255-280. Thurnher, E. and Zimmermann, M. (1979) Die Sterzinger Miszellaneen-Handschrift. In Abbildung hg. von E. T. und M. Z. unter Mitwirkung von Franz V. Spechtler und Ulrich Müller. Göppingen (Litterae 61.) Zimmermann, M. (1980) Die Sterzinger Miszellaneen-Handschrift. Kommentierte Edition der deutschen Dichtungen. Innsbruck (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Germanistische Reihe 8.)


Austrian Literature Online (no date) Hs. Miszelaneen (o.J.) - Stadtarchiv Sterzing. Available at: http://www.literature.at/viewer.alo?objid=14101&page=1&viewmode=overview (Accessed: 25 November 2020).


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