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libri ordinarii of the Salzburg metropolitan province (Beta-Version)

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Freising

Ein Liber Ordinarius für die Kathedralkirche und Diözese Freising.

Die nach dem Colophon vom 22. Oktober 1414 von Fridricus Ruckel vollendete Handschrift München Universitätsbibliothek 4° Cod. 157 ist ein Liber Ordinarius, dessen Text, obwohl für den Gebrauch in der Diözese konzipiert, eindeutig auf der Liturgie der Freisinger Kathedrale basiert. Nach den alten Signaturen auf dem Rücken des Einbands und auf dem Vorsatzblatt wurde der Codex in der Universitätsbibliothek Ingolstadt aufbewahrt.


Die Zuweisung der Handschrift für den Freisinger Gebrauch ist aufgrund des Incipits eindeutig: [H]ic incipit prima pars huius [operis] videlicet ordo seu breviarium de horis canonicis, quid legendum seu canendum sit per circulum anni de tempore secundum modum modum ecclesiae Freysingensis. Diese Angabe wird auf fol. 84r nochmals wiederholt: [H]ic incipit secunda pars huius operis, videlicet ordo seu breviarium de horis canonicis, quid legendum et cantandum sit per circulum anni de sanctis iuxta modum seu observantiam antiquae huius ecclesie Freysingensis.

Die zahlreich genannten Orte beziehen sich auf den Bischofssitz Freising. Im Liber Ordinarius werden vier Kirchen auf dem Domberg, welcher in der Handschrift als super montem nostrum bezeichnet wird, genannt: Der Freisinger Dom, die Kirche des hl. Benedikt am Kreuzgang, das Kollegiatstift St. Johannes, das unmittelbar westlich des Doms liegt, und die ehemalige, ebenfalls im Westen gelegene Stiftskirche St. Andreas.

Im Liber Ordinarius werden zudem die Stadtpfarrkirche St. Georg, die bei der Markusprozession besucht wurde, und das ehemalige Kollegiatstift St. Veit Weihenstephan am Palmsonntag erwähnt. Beide befinden sich außerhalb des religiösen Zentrums am Domberg.

Neben vielen Besonderheiten des Freisinger Sanctorale nehmen die Feste der heiligen Patrone der Kathedrale, Maria (Geburt) und Korbinian am 8. September (mit Oktavfest), einen besonderen Stellenwert ein. Zusätzlich gibt es noch drei weitere Hochfeste von Heiligen, deren Reliquien in der Krypta des Freisinger Doms aufbewahrt werden: St. Nonnosus (2. September), St. Justinus (4. August) und Bischof Lambert von Freising (18. September). Weitere typische Elemente des Freisinger Kalendars sind die Feiern für die hl. Sigismund (28. April) und Willibald (7. Juli) sowie für die Domkirchweihe (2. Mai).

Für die Feier des Festtags des hl. Korbinian, dem ersten Bischof von Freising, ist im Ordinarius ein besonderer Hinweis zu finden: Da sein Sterbetag mit dem Fest Mariä Geburt zusammenfällt, wurde das Gedächtnis auf den folgenden Tag, den 9. September, verschoben (Cumque nostri sanctissimi patroni Corbiniani festum sit in die nativitatis virginis Mariae, propter quod sequenti die officium eius pleno officio celebrare consuevimus.). Aus dem Sonderoffizium für Korbinian sang man an diesem Tag aber nur Teile (dritte Nocturn). Das vollständige Offizium erklang erst am Tag seiner Translatio am 20. November.

von Gionata Brusa

zur Übertragung des Liber ordinarius