Grazer didaktisches Textportal zur Literatur des Mittelalters

Kreative Literaturerlebnisse

Einen erklärten Höhepunkt der Kooperation zwischen Schule und Universität für Schüler/innen, Lehrer/innen und Studierende aber auch wissenschaftliche Mitarbeiter/innen stellen im Rahmen des Arbeitskoffer-Projektes die sogenannten kreativen Literatur-Erlebnisse dar, bei denen sich die Schüler/innen ausgehend von der intensiven Auseinandersetzung mit den mittelalterlichen Texten aus dem Basiskorpus des Arbeitskoffers auf selbst gewählte Art und Weise weiter mit ihren Texten und Themen befassen. Die mittelalterliche Literatur wird dabei von den Kindern und Jugendlichen mit großer Begeisterung im Rahmen unterschiedlichster handlungs- und produktionsorientierter Verfahren als Erzählanlass aufgegriffen: Inspiriert von den einzelnen Texten entstanden so bisher zum Beispiel Theaterstücke, Rätselführungen (Geocaching – moderne Schatzsuche), Fotoprojekte, Bildbände, eigene literarische Texte, Filme und Videos, die sich auf unterschiedlichste Arten der älteren deutschen Literatur nähern.

Diese vielschichtigen Erzählanlasse und kreativen Entdeckungsreisen an der Schnittstelle zwischen Mittelalter und Gegenwart tragen über ihren Praxiseinsatz (etwa im Rahmen von Kooperationen mit der Grazer KinderUni) und ihre Veröffentlichung über diverse mediale Kanäle (projektnahe Webauftritte, YouTube-Kanal, Facebook-Site, DVD, Printausgaben) nachhaltig dazu bei, die mittelalterlichen Texte auf vielfältige Weise im schulischen wie außerschulischen Kontext ins Gespräch zu bringen und zeigen eindrücklich, welche großen Potentiale die Beschäftigung mit der Sprache und Literatur unserer Vergangenheit für unsere Gegenwart birgt.

Ghettogrethe – You Only Live Once. Frei nach der Seckauer Margarethenlegende“: Eine alte Legende in modernem Gewand

Filmgrundlage: „Seckauer Margarethenlegende“ (um 1280)

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Antiochia wird zum Discotempel in der steirischen Provinz und die heilige Margarethe zur Ghettogrethe: Schüler/innen einer 7. Klasse des BG Rein (11. Schulstufe) schufen ausgehend von der Beschäftigung mit der Seckauer Margarethenlegende (Textbasis: normalisierte Lesefassung und neuhochdeutsche Übersetzung für das Projekt Arbeitskoffer von Ylva Schwinghammer) einen Film, der die Thematik des Ausgangstextes neu und vor aktuellem zeitgenössischem Hintergrund interpretiert.

Die Neuinterpretation der Seckauer Margarethenlegende in einem säkularisierten, zeitgenössischen Kontext zeigt ihr Potenzial für den Unterricht: Es lassen sich Aspekte entdecken, die im 21. Jh. in der Lebenswelt von Jugendlichen und Erwachsenen auch abseits des religiösen Kontextes relevant sind und zu Reflexionen anregen können: Verführung, die kein Nein kennt, und Widerstand gegen eine solche – Margarethe bleibt sich selbst treu, so das zentrale Motiv, das die Jugendlichen für sich im mittelalterlichen Text entdeckten.

https://www.youtube.com/watch?v=Q0ieu0QUpaA

„Frouwen Fröide. DAS mittelalterliche Lifestylemagazin“

Grundlage: Das „Frauenbuch“ (um 1255) von Ulrich von Liechtenstein

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Dass mittelalterliche Literatur auch hip, trendig und am Puls der Zeit sein kann und Antworten auf die brennenden Fragen der heutigen Jugend weiß, beweist Frouwen Fröide. DAS mittelalterliche Lifestylemagazin. Vier Schülerinnen einer 7. Klasse des BG Rein (11. Schulstufe) schlüpften ein Semester lang in die Rollen von mittelalterlichen Modejournalistinnen, Musikredakteurinnen und Lifestyle-Expertinnen. Inspiriert vor allem vom Frauenbuch des Ulrich von Liechtenstein schufen sie ein Hochglanzmagazin – ein echtes Must-Read für alle mittelalterlichen It-Girls und jene, die es noch werden wollen.

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Admonter Bartholomäus. Ein Pop-Art-Bilderbuch

Grundlage: „Admonter Bartholomäus“ (15. Jh.)

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Was tun, wenn es mit der Fortpflanzung nicht und nicht klappen will? Und wenn sich der lang ersehnte Nachwuchs endlich ankündigt, wie kann man dann schon während der Schwangerschaft feststellen, ob es ein Mädchen oder ein Bub wird? Mehr oder minder zuverlässige Antworten auf diese und viele weitere medizinische Fragen weiß dieses kleine Büchlein zum „Admonter Bartholomäus“, das von Schülerinnen des BG Rein zusammengestellt und gestaltet wurde.

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Die Vorauer Novelle. Eine Inszenierung in 51 Bildern

Grundlage: „Vorauer Novelle“ (um 1200)

Die „Vorauer Novelle“, ein anonym und nur als Bruchstück überlieferter mittelalterlicher Text, berichtet vom Schicksal zweier Klosterzöglinge, die der Enge des Klosters entfliehen und in einer nicht näher genannten Stadt auf die schiefe Bahn geraten. Schüler/innen aus dem BG Rein haben den mittelhochdeutschen Text gemeinsam mit Laiendarsteller/innen und Pater August Janisch aus dem Stift Rein fotografisch in Szene gesetzt.

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Alles aus Minne. Frei nach Ulrichs von Liechtenstein „Frauendienst“

Filmgrundlage: Der „Frauendienst“ (um 1255) von Ulrich von Liechtenstein

Ulrich von Liechtenstein, der sich ganz dem Minnedienst verschrieben hat, erfährt von seiner Nichte, dass der Herrin sein Mund nicht gefällt, ja dass sie ihn sogar entstellt und hässlich findet. Er reist daher nach Graz, um sich einer schmerzhaften Operation zu unterziehen. Auf diese Heldentat folgt aber leider nicht der erhoffte Lohn, sondern nur die nächste Erniedrigung in einem Burggraben …

Drehbuch, Umsetzung und Filmschnitt durch Schülerinnen des BG Rein.

https://www.youtube.com/watch?v=G9Z1pw1D19Q

Die Katze. Frei nach Herrand von Wildon

Filmgrundlage: Der „Frauendienst“ (um 1255) von Ulrich von Liechtenstein

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„Das Bessere ist der Feind des Guten“ notierte Voltaire in seinem „Philosophischen Taschenwörterbuch“ (1764), eine Einsicht, zu der sich der Kater in Herrands von Wildon Fabel erst durchringen muss. Seiner Frau, der Katze, überdrüssig, zieht der eitle Kater aus, um eine mächtigere Herrin zu finden.

Der Stop-Motion Kurzfilm mit bewusst artifiziellem Charakter wurde von einer Gruppe von Schüler/innen des BG Rein gedreht.

https://www.youtube.com/watch?v=PUNBSCJPrmE

In göttlicher Mission. Szenen aus dem „Soliloquium“ in Jugendsprache, Dialekt und Standardsprache

Filmgrundlage: „Soliloquium“ (um 1400) von Andreas Kurzmann

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Mögen Hebräisch, Altgriechisch und Latein auch als heilige Sprachen gelten, so spricht und versteht Gott doch alle Sprachen und Sprachvarietäten. Im „Soliloquium“ von Andreas Kurzmann offenbart der Jesusknabe seiner Mutter Maria den göttlichen Heilsplan – in einer Variation aus Jugendsprache, Dialekt und Standardsprache.

Florian Zeilinger und Schüler des BG Rein präsentieren eine kurze filmische Szene des Sprachexperiments.

https://www.youtube.com/watch?v=_c4Y4jI56Q8

Ist neu immer besser? Der Ärztekampf! „Seckauer Monatsregeln“ und „Admonter Bartholomäus“ gegen die Schulmedizin

Filmgrundlage: „Seckauer Monatsregeln“ (Mitte des 13. Jh.), „Admonter Bartholomäus“ (15. Jh.)

Der gottesfürchtige Pater Franziskus und der erfahrene Mediziner Mag. Dr. Ulrich Franz von Hohenstein treten in der Gameshow „Ist neu immer besser?“ gegeneinander an. Ob die mittelalterliche Heilkunde oder doch die moderne Schulmedizin besser ist, soll sich an praktischen Beispielen herausstellen: Am Ende kann es nur einen Gewinner geben und so wird sich zeigen, ob Galgant oder doch die Zahnbürste besser gegen Mundgeruch wirken. Die Gameshow wurde wie von Schüler/innen des BG Rein gemeinsam mit Studierenden der Universität Graz und Mitgliedern des Projektteams umgesetzt.

https://www.youtube.com/watch?v=8AcvwPnh-WE

Let Die Ulrich. Ein Puppenspiel nach Ulrichs von Liechtenstein „Frauendienst“

Let Die Ulrich. Ein Puppenspiel nach Ulrichs von Liechtenstein „Frauendienst“

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Ulrich von Liechtenstein glaubt sich seinem Ziel ganz nah: Am Abend will ihn seine Herrin endlich empfangen! Doch er ahnt nicht, dass ihn nicht der Lohn für seinen Dienst, sondern nur eine weitere Demütigung erwartet …

Das Puppenspiel wurde von 4 Schüler/innen des BG Rein gemeinsam mit Anna Kollingbaum inszeniert.

https://www.youtube.com/watch?v=ZTD3BWWe-94

Paradiesrede. Ein Schattenspiel nach der „Paradiesrede“ des Hugo von Montfort

Filmgrundlage: Die „Paradiesrede“ (1414) von Hugo von Montfort (1357–1423)

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Auf einem Spaziergang durch den Wald kommt Hugo von Montfort zu einer wunderschönen Burg, die sich als das Paradies herausstellt. Der Einlass wird ihm aber verwehrt, da nur sündenfreie Menschen die Torschwelle überschreiten dürfen. Im Gespräch mit dem strengen Torwächter und einer Gralsjungfrau findet Hugo Hoffnung und Trost für den Verlust seiner geliebten Ehefrau, der Gräfin Clementia von Toggenburg, die bereits im Paradies weilt, und kehrt mit neuer Kraft zurück in die Welt. Inszeniert von Matthias Schwendtner gemeinsam mit einer Schülergruppe des BG Rein.

https://www.youtube.com/watch?v=AIHbDgsxAYM

Szenen aus dem Soliloquium neu erzählt

Filmgrundlage: „Soliloquium“ (um 1400) von Andreas Kurzmann

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Die Aufgabe, ausgewählte Passagen aus dem Soliloquium in Sprache und Medien unserer Zeit zu transponieren, lösten die Schüler/innen der 3. Klasse der NMS Neuberg an der Mürz mit Kreativität, Humor und kritischem Blick auf die Medienlandschaft unserer Zeit. Die vier Theaterszenen zwischen Dialekt und Jugendsprache, die auch bei der 700-Jahr Feier der Gemeinde Neuberg aufgeführt wurden, wurden im Zuge der Proben gefilmt, die Clips stehen über den YouTube-Kanal des Arbeitskoffers zur Verfügung.

You Absolutely Live Forever: https://www.youtube.com/watch?v=zcHHJVbvYHc

Jesus goes Facebook: https://www.youtube.com/watch?v=53L7PLBXDCw

Der steirische Teufelsbezwinger: https://www.youtube.com/watch?v=0FgJNPWuEQg

SWAG – Exklosiv für TV Neuberg: https://www.youtube.com/watch?v=ClkvQVyv5-Q

Get behind me, Satan

Grundlage: „Vorauer Novelle“ (um 1200)

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Kurzweilige Verfilmung der Vorauer Novelle, die ihr Augenmerk vor allem auf jene Parts der Erzählung legt, die im mittelalterlichen Text nur angedeutet werden. Die einzelnen Spielszenen des Drehbuchs wurden wie auch die Inszenierung, Ausstattung und Umsetzung von den Schüler/innen der damals ersten Klassen der NMS Vorau unterstützt vom Projektteam und den Lehrerinnen der Schule selbstständig erarbeitet!

1. Teil: https://www.youtube.com/watch?v=sfiQyBLeQX8

2. Teil: https://www.youtube.com/watch?v=3prKWqvOCVo