Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Originaltitel: Il Callotto resuscitato. oder Neü eingerichtetes Zwerchen Cabinet. Cum Priv. S. C. Maj.
Typus: Druck
Detail Typus: Kupferstichsammlung
Entstehungszeitraum: 1705 - 1710
Entstehungsort: Augsburg
Standort: Rijksmuseum Amsterdam: BI-B-FM-078
Varianten:
Kommentar:

Augsburger Drucke mit Zwergenkarikaturen in der Nachfolge einer auf den französischen Kupferstecher Jacques Callot (1592-1635) zurückggehenden Tradition.
Stammen nach neueren Erkenntnissen vom Augsburger Kupferstecher Martin Engelbrecht, der das "Neü eingerichtete Zwerchen Cabinet" Anfang des 18. Jahrhunderts schuf (auf Grundlage der sog. Pfeffel-Blätter, die möglicherweise vom Stecher Elias Baeck stammen) (vgl. Bauer/Verfondern 1991, S. 48, 117 und 120).

Verschiedene Fassungen mit/ohne Schmuckbordüre;
Siehe zum Überblick und zur Einordnung Bauer/Verfondern 1991, S. 48 und 100. Dort werden zumindest die folgenden Druckfassungen unterschieden:
- nur deutschsprachige Fassungen [wohl in Augsburg gedruckt, vermutlich um 1710]:
a) ohne Bandelwerkrahmung
b) mit 6 unterschiedlichen Rahmungen
c) mit 12 unterschiedlichen Rahmungen
- mehrsprachige Fassungen [gedruckt in Amsterdam bei W. Koning, 1716]:
d) dreisprachig (Holländisch Deutsch, Französisch), 57 Blatt, mit Rahmung
e) dreisprachig, 78 Blatt, mit oder ohne Rahmung

Die Forschung zum "Callotto resuscitato" ist u.a. von einem Streit über die eigentliche Herkunft der Drucke (Augsburg oder Amsterdam) geprägt: von einer Priorität der Amsterdamer Ausgabe sprach zuerst Wilhelm Fraenger, der Herausgeber der ersten Faksimile-Ausgabe. Während Rommel (1952, S. 222ff.) von einem Ursprung in Süddeutschland ausging, argumentierte zuletzt vor allem Asper (1980, S. 238f.) vehement dagegen (vgl. als Überblick Bauer/Verfondern 1991, S. 100ff.). – Bauer/Verfondern schließlich tragen jedoch in ihrer ausführlichen Arbeit eine Reihe an (u.a. sprachlichen und typographischen) Argumenten zusammen, die letztlich deutlich für Augsburg als Herkunftsort und eine Entstehung um 1710 sprechen (vgl. ebd., S. 64 und S. 104-107).

Grundlage der Texterfassung ist eine deutschsprachige Ausgabe (d.h. Druckort wohl Augsburg) des Rijksmuseum Amsterdam, die online zugänglich ist (ohne Bandelwerk, siehe Standort-Link).
Siehe auch: Staats- und Stadtbiblithek Augsburg Sign 4° Kst Callotto [Ausgabe mit Rahmung]
Auf Grundlage dessen: Nachdruck des Harenberg-Verlags (Neueingerichtetes Zwergenkabinett. Nach der deutschen Ausgabe um 1720. Nachwort von Curt Grützmacher. Dortmund 1981)

Die mehrsprachige Ausgabe trägt den Titel:
Il Callotto resuscitato. | Oder Neü eingerichtes | Zwerchen Cabinet. | Le Monde est plein de sots joieux | Les plus Petits sots sont les mieux. | De Waereld | is vol | Gekken-Nesten | de | Klynste Narren | zyn de beste. | Met Previlege. | tot. Amsterdam gedruckt by Wilhelmus Koning [...]
(Ebenfalls digitalisiert aus dem Bestand des Rijksmuseum, RP-P-1910-3571 (siehe das Titelblatt hier: http://hdl.handle.net/10934/RM0001.collect.89709 ))

Dialektale Texte finden sich bei folgenden Blättern:

34: Hans Sausakh von Wurstefeld (I bin holt wie I bin)

37: Ursula Schleglin Mayr Mensch im Herren hoff zu Bluntzingen welche nunmehro ihre Waysen Jahr ausgedient (Honß a mei letti gheat, a Nudl dika Dirn)

38: Simon Flenschl, Oberknecht deß reichen frey bauren zu Knolfingen auffm Kirchtag bey der Gmain Zech (Huy Bua, nur lusti her, i bring daß in a Bia)

39: Christl Pestnbalkh, Bürg Schütz bey der Tyrolischen Steinfalle im Französisch Bayrischen Einbruch (Lod i mein Büchsa schorff, und sez a mohl ohn wong)

40: Margl Woltzenthoulerin, Mayr-Thirn auff der grossn Olbm im Zillersberg, 12. Jährige Brauth (Es ischt beyn ünß der brauch, auf ünsern houchen olbma)

41: Riepl Gleichdron, Approbierter und Privilegierter Sauschneider, und spanischer äpfell-Abaldator. (Ju huy! woß brauchts denn vil vom oltn Riepl-Gsclecht)

42: Gertraud Knörtzlin, Bayerische Diern (Dea longfotz broat si rundi auß, und iß a lauters gschroa)

43: Iupanschku Ferenz, Richter auß der Raubau (Iß warla guidi Laith di Hungrisch zu Robau)

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 12.9.2016 um: 16:23:54 Uhr