Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Typus: Handschrift
Entstehungszeitraum: 1810 - 1820
Entstehungsort: Kremsmünster
Standort: MaK
Varianten:
Kommentar:

1815 +/- 5

Diese beiden Hefte einer Liedersammlung wohl aus dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts waren bislang völlig unbekannt. Nicht einmal Altmann Kellner, dessen penibel recherchierte Musikgeschichte des Stifts Kremsmünster bis heute maßgeblich geblieben ist, führt sie – aus welchen Gründen auch immer – an. Die schlichten Manuskripte von einer geübten Schreiberhand enthalten ein Sammelsurium an beliebten Unterhaltungsliedern neueren und auch älteren Datums mit dem Hauptgewicht in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wie sie wohl an geselligen Abenden vorgetragen wurden. Autoren bzw. Komponisten werden dabei ebenso wenig genannt wie die Bezugsquelle. Die Polonaise Immer lustig, ohne Grillen findet sich bereits in Sperontes’ berühmter Klavierliedersammlung von 1743 ; die populäre Vertonung von Anton Grolzhammers Die liebe Feyerstunde schlägt (1784) begegnet uns erstmals im Mildheimischen Liederbuch (1799). Lieder pädagogisch-moralischen Inhalts, zumal nach Texten von Christian Fürchtegott Gellert, Christian Felix Weisse und Friedrich Hagedorn sind ebenso aufgenommen wie anakreontische Gesänge (nach Gedichten Johann Wilhelm Ludwig Gleims oder auch Johann Wolfgang Goethes). Zu diesen hochdeutschen Liedern kommt noch eine erkleckliche Zahl an dialektalen, darunter elf aus der Feder Maurus Lindemayrs. Viele der Abschriften tragen bereits Spuren von Bearbeitungen und Umsingeprozessen. Unbekannte Begriffe und unklare Textstellen wurden durch verständlichere (zuweilen allerdings zur Autorintention konträre) Formulierungen ersetzt, Strophen hinzugefügt, Textteile zum Teil auch eliminiert. Einige Fassungen (vgl. etwa das Kalenderlied) könnten auf L vor der Überarbeitung durch Hammerschmidt basieren (in diesem Fall wäre die Abfassung der Liederhefte um etwa 1815 anzusetzen) oder – weniger wahrscheinlich – als Vorlage für L dienen (Entstehungszeit vor 1813).

I Fasc 53, 37

Inhalt:
1.     Frisch frisch (Frisch, frisch, frisch) [f. 1r-1v],
2.     Die Feyerstunde (Die liebe Feyerstunde schlägt) [f. 2r],
3. Das heißt gelogen (Augustulus kriecht auf den Thron) [f. 2v-3r]
4. Das Faschingsmahl (Brüder! Schwester insgemein) [f. 3r-3v]
5. Erinnerung an den Himmel (An Himmel gedenken ist eine Arzney) [f. 3v-4r]
6. Adam bittet um ein Weib (Anno Eins im ersten Jahr) [f. 4r-4v]
7. Ausartung im Leben (Leben nach Vernunft und Tugend) [f. 5r-5v]
8. Es ist schon ä so (Ist das nit mein Aichl) [f. 5v-6v]
9. Die Auswahl (Daß sind ja Narrenpossen) [f. 7r-7v]
10.     Stempellied (Das denkt niemdt in Hundert Jahren) [f. 7v-8v, 15 Strophen mit Melodie]
11. Der Unglückliche (Was mach denn ich noch auf der Welt) [f. 9r]
12. Der Verliebte (O Lieb! Du bringst Fataliter) [f. 9v]
13. Der Unbekümmerte (Mein Herze verbleibet bey allen gelassen) [f. 9v-10v]
14. Der lustige Humor (Immer Lustig ohne Grillen) [f. 10v-11r]
15. Die heutige Mode (Wer nach der heutigen Mode-Welt) [f. 11r-11v]
16. Die Güte Gottes (Wie Groß ist des Allmächtigen Güte) [f. 11v-12r]
17. Ein Quodlibet (Ein Quodlibet, wer hört es gern) [f. 12r-13r]
18. Der Werth der Freundschaft (Freundschaft ist das größte Gut) [f. 13r-13v]
19.     Larifari (O Du Lieb du läri! O du Girigäri!) [f. 13v-14r, 6 Strophen mit Melodie]
20.     Der Kalender (I waiß nit, was mär ietzund habm) [f. 14r-15v, 14 Strophen mit Melodie]
21. Aufmunterung (Lustig ihr Brüder) [f. 16r]
22. Die Sieben Hauptsünden (Wann ihs Betracht ist unsä Löbm) [f. 16r-16v]
23. Wer ist wie ich? (Kein Mensch ist besser dran) [f. 17r].
24.     Das Nebelljahr (Hänts Leutl! sagts mä do) [f. 17v-19v, 16 Strophen mit Melodie]

Papier: 22 Bll., 31,5 x 21 cm; Doppelbögen mit Wasserzeichen: Wappen; Firmensigle W I

Lagen: XI, fadengebunden; kein Umschlag

Schrift, Schreiber, Ausstattung: Kurrente des frühen 19. Jahrhunderts einer geübten Schreiberhand (nicht identifiziert); Titel in Zierkursive, Tempobezeichnungen und Anmerkungen in lateinischer Schrift; jedem Lied vorangestellt einzeilige Notierung der Singstimme mit Text der ersten Strophe; Seitenrandbegrenzung durch Bleistiftlinierung; Paginierung von Schreiberhand 1-38, beginnend mit f. 1r

I Fasc 53, 38:

Inhalt:
1. Lauter Streit (Auf dä Welt gibts lautä Streit) [f. 1r-1v]
2. Lotteri, und Heurath (Wie i bin so bleib i) [f. 1v-2r]
3. Der Aufschub (Morgen, morgen, nur nicht heute) [f. 2r]
4.     Der in Himmel reisende Baur (So bhiet dich Gott du eitli Welt) [f. 2v-3r, 6 Strophen mit Melodie]
5. Prüfung am Abend (Der Tag ist wieder hin) [f. 3v-4r]
6.     Die Schlosser (Wernd Maistä und G’sölln affrondiert [f. 4v-5r, 6 Strophen mit Melodie]
7. Die Landlust (Geschäfte, Zwang und Grillen) [f. 5v-6r]
8.     Das Schatzgraben (Ih kann mas unmöglich nöt denkä) [f. 6r-6v, 8 Strophen mit Melodie]
9. Kampf der Tugend (Oft klagt mein Herz) [f. 7r-7v]
10.     Der Barnknecht (So gar vätoifelt schlecht) [f. 7v-8r, 7 Strophen mit Melodie]
11. Am neuen Jahr (Er ruft der Sonn) [f. 8r-8v]
12.     Klagen des Baurns (Hänts Baurn! was habts glaubt vor 50 Jahren) [f. 8v-9v, 14 Strophen mit Melodie]
13. Am Geburts-Tage (Dir Dank ich heute für mein Leben) [f. 9v-10r]
14. Die Eigenliebe (Wo ist jener Mensch zu finden) [f. 10r-10v]
15. Die Wachsamkeit (Nicht, daß ichs schon ergriffen hätte) [f. 11r-11v]
16. Die Urschel (Wann mi ainmall d’Lieb soll quälen) [f. 11v-12r]
17. Die Gemüthsruhe (Was ists, das ich mich quäle) [f. 12r-12v]
18. An den Wassertrinker (Trink betrübter todtenblasser) [f. 12v-13r]
19. Traue, doch schau wem (O! Zeiten, Sitten) [f. 13r-13v]
21. Der Winter (Das schöne Jahr ist nunmehr fort) [f. 14v]
22. Einladung zum Trinken (Brüder seht die Gläser blinken) [f. 15r-15v]
24. Der Lauf der Erde (Hört Freunde! welch ein Wunderding) [f. 17r-17v].
20.     Das Stadtleben (Sagn allweil von Stadtlöbm) [f. 13v-14r, 5 Strophen mit Melodie]
23.     Das neue Luterthum (Wie Lusti gehts jezt auf dä Welt) [f. 15v-16v, 16 Strophen mit Melodie]

Papier: 20 Bll., 37 x 22 cm, Doppelbögen mit Wasserzeichen: Doppeladler mit Firmensigle W I; Umschlagdoppelblatt aus der Kremsmünsterer Papiermühle, Wasserzeichen: durchbohrter Eber

Lagen: IUmschlag + IX, fadengebunden

Schrift, Schreiber, Ausstattung: wie J Fasc 53, 37; Paginierung von Schreiberhand 1-34, beginnend mit f. 1r

(zitiert nach Neuhuber 2008, S. 376-379)

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 18.6.2015 um: 13:24:04 Uhr