Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Typus: Handschrift
Herausgeber: Schreiber und Arrangeur: Ernest Frauenberger
Entstehungsjahr: 1813
Entstehungsort: Kremsmünster
Standort: MAK
Varianten:
Kommentar:

Eine von Hammerschmidt in seinem Brief an Koloman Fellner 1813 angesprochene Übertragung der lindemayrschen Arien für Klavier hatte in der älteren Forschung für Missverständnisse gesorgt, deren Folgen noch heute in Fachpublikationen zu beobachten sind. Schon der bedeutende Lindemayr-Forscher Hans Anschober hatte diese Übertragung als durchgehende Neuvertonung des Liedwerks missverstanden, die fortan als verschollen galt. Als selbstständige Kompositionen verstand man auch mehrere Notenhefte des Musikarchivs Kremsmünster mit dem Titel Lieder in oberösterreichischer Bauernsprache, die beinah ausschließlich Arbeiten der beiden Lindemayr-Brüder enthalten. Schriftvergleiche und Textkollation ergaben nun, dass es sich bei diesem Liederheftkonvolut um jenen musikalischen Teil handelt, der für die nie zustande gekommene Gesamtausgabe des Scharnsteiner Hofschreibers vorgesehen war. Der Vergleich mit dem übrigen erhaltenen Notenmaterial bestätigt die Formulierung Hammerschmidts, die Arien seien „auf das Forte piano gesetzt“ worden. Zumindest großteils enthalten die drei Hefte lediglich Arrangements der überlieferten Lieder für Singstimme und Klavierbegleitung, wobei nicht nur die Melodieführung übernommen wurde, sondern auch der ursprüngliche Generalbass in die Bearbeitung einfloss. Für diese musikalische Arbeit hatte Hammerschmidt P. Ernest Frauenberger gewinnen können, der ein reiches Werk an Liedbegleitungen hinterlassen hat.
Wiedergegeben ist in diesen drei Heften jeweils die Singstimme mit Klavierbegleitung; unter der Singstimme eingetragen ist der Text der ersten Strophe, der des Öfteren Abweichungen zu L zeigt. Zumal in der Schreibung des Dialekts wählt Frauenberger oft ungewöhnliche Schreibweisen, die darauf hindeuten, dass er auch aus dem Mündlichen schöpfte und dieses adäquat wiedergeben wollte. Eine Anmerkung zu Wann dä Baur Händl hat und Keyerey belegt, dass er manche Lieder tatsächlich auch aus der Tradition des Volksgesangs gekannt haben muss. Denn bei diesem ersten Lied seiner Sammlung notiert er eine leicht abweichende Alternativvariante für das Strophenende und merkt an: „Selon la melod. du mon pere.“ Offenbar hatte er Lindemayrs Lieder bereits früh durch den Gesang seines Vaters, des Schulmeisters von Wimsbach, kennen gelernt. Schriftliche Vorlagen für seine musikalische Bearbeitung wird Frauenberger wohl großteils von Hammerschmidt erhalten haben, dem er die abgeschlossenen Arbeiten zur Überprüfung zukommen ließ. Zumindest zum Teil aber dürften Frauenberger auch andere Quellentexte vorgelegen haben als Hammerschmidt (vgl. etwa die Textvariante bei Losts Nachbärn stehts zamä!).

G 49 Fasc. 65/1
Lieder / in oberösterreichischer Bauernsprache / Vom hochwürdigsten Herrn P. Maurus Lindermayer / Pfarrer zu Neukirchen und emeritirten Prior von / Benediktinerstifte Lambach. / Erstes Heft. P.E.F.
Inhalt:
1.     Der von allen Seiten geplagte Bauer (Wann dä Baur Händl hat, und Keyerey) [f. 1v-2r, Melodie und erste Strophe]
2.     Der kranke Bauer (Hänts is denn kain Doktär anz’kemmä) [f. 2v-3r, Melodie und erste Strophe]
3.     Die Hexe (Äf där Of’ngabl fahrt män Muedä) [f. 3v-4r, Melodie und erste Strophe]
4.     Der Bauer aus Verzweiflung ein Schatzgräber (Ih kann mäs unmöglä nöt denkä) [f. 4v-5r, Melodie und erste Strophe]
5.     Klage eines Bauern über die neuen Zeiten (Mein Endl hats lengst profäzeyt) [f. 5v-6r, Melodie und erste Strophe]
6.     Die veränderten Zeiten (I waiß nöt, was mär iezund ham) [f. 6v-7r, Melodie und erste Strophe]
7.     Der beschimpfte Schlosser (Wern d’Maisär u. d’Gsölln affrontirt) [f. 7v-8r, Melodie und erste Strophe]
8.     Der uiber das Stadtleben klagende Bauer (Sagnt alleweil vän Stadtlöbn, kain Pfif möcht ih drum göbn) [f. 8v-9r, Melodie und erste Strophe]
9.     Auf das Beylager der bayr. Prinzessin Josepha den 19ten Jän. 1765 zu Lambach (Losts Nachbärn! herts läut’n) [f. 9v-11r, Melodie und erste Strophe mit Textvariante für die Anfangsverse]
10.     Vorzug des jugendlichen Landlebens (Föstung, Schlössa, Märk und Stödt) [f. 11v-12r, Melodie und erste Strophe]
11.     Der Bauer im Traume ein König (Fert’n in Hörist, hübsch spat um Märtinö) [f. 12v-13r, Melodie und erste Strophe]
12.     Gedanken des Bauers über s’ Kindertaufen (Hiet nöt glaubt, daß s’Kinätäff’n) [f. 13v-14r, Melodie und erste Strophe]
13.     Bey der Einführung der Toleranz (Wie lustö gehts iezt auf dä Welt) [f. 14v-15r, Melodie und erste Strophe; rechts neben dem Titel Vermerk: Von P. Robert Plank; dürfte wohl Angabe zum Komponisten sein, nicht Autorzuweisung]
14.     Bey der Durchreise der Erzherzoginn Maria Antonia nach Frankreich (Bi var 8 Tag’n in Wochämark gwös’n) [f. 15v-16r, Melodie und erste Strophe]

Papier: 16 Bll., 32,5 x 24,5 cm; starke Doppelbögen der Kremsmünsterer Papiermühle, Wasserzeichen: durchbohrter Eber (Wappentier des Klosters); f. 1r Titel, f. 16v leer

Lagen: 2IV, fadengeheftet

Schrift, Schreiber, Ausstattung: durchgehend in der Kurrente Frauenbergers; Titel in Zierkursive, Tempobezeichnungen und Anmerkungen in lateinischer Schrift; dreizeilige Notierung (Singstimme + Klavierbegleitung; Text der ersten Strophe unter Singstimme eingetragen); Seitenrandbegrenzung durch Bleistiftlinierung; keine Paginierung oder Foliierung

G 49 Fasc. 65/2
Lieder / in oberösterreichischer Bauernsprache / Vom hochwürdigen Herrn P. Maurus Lindermayer / Pfarrer zu Neukirchen und emeritirten Prior vom / Benediktinerstifte Lambach. / Zweytes Heft. P.E.F.

Inhalt:
1.     Die Rückkunft vom Himmel (Nun schauts, ih bi halt deärtä gwöst) [f. 1v-2v, Melodie und erste Strophe]
2.     Warnung vor der Liebe (Ey di Lieb, du lari, ey du dschiri dschari) [f. 3r, Melodie und erste Strophe; P. G. Lindemayr zugeschrieben]
3.     Der misvergnügte Bauernknecht (Gar so vätjof’lt schlecht gehts gwist kain Mensch’n nit) [f. 3v-4r, Melodie und erste Strophe]
4.     Die Aderlässe (Dort schier um St. Öring auö) [f. 4v-5r, Melodie und erste Strophe]
5.     Klagen eines Bauers (Hants bauhn, wer hets glaubt vor 50 Jahr’n) [f. 5v-6r, Melodie und erste Strophe]
6.     Hochzeitslied bey der Vermählung des Salzburg. Factors Hafner (Han heunt früh schan lang) [f. 6v-7r, Melodie und erste Strophe]
7.     Bey der Vermählg. des Hrn. Hofrichters zu Traunkirchen J.G. Lindemayr (Loßts äf, meinö Herrn!) [f. 7v-9r, Melodie und erste Strophe]
8.     Die Reise ins Himmelreich (Du zfaunztö Welt, wie kimmst mä für) [f. 9v-10r, Melodie und erste Strophe]
9.     Der Bauerndruck (Das denkt neämt ö hunärt Jah’) [f. 10v-11r, Melodie und erste Strophe]
10.     Hochzeitlied (Brüedä, fühlts enk enkrö Glösä) [f. 11v-12r, Melodie und erste Strophe]
11.     Primitzlied (Grüeß dö Gott! mein liebä Gvadä) [f. 12v-13v, Melodie und erste Strophe]
12.     Letzter Entschluß (O Einsamkeit mein Leben; zweiter Teil: Lekts mö’m Arsch Menschä) [f. 14r-15r, Melodie und erste Strophe]
13.     Der Binder (Mit Gunst! ih will än Plodrä thain) [f. 15v-16r, Melodie und erste Strophe]

Papier: wie G 49 Fasc. 65/1

Lagen: wie G 49 Fasc. 65/1

Schrift, Schreiber, Ausstattung: wie G 49 Fasc. 65/1

G 49 Fasc. 65/3
Lieder / in oberösterreichischer Bauernsprache / Vom hochwürdigen Herrn P. Maurus Lindermayer Pfarrer / zu Neukirchen, und emeritirten Prior vom / Benediktinerstifte Lambach. / Drittes Heft. P.E.F.

Inhalt:
1.     Der Hochzeitzug (Nachä, Buäm, nachä! Wie is enk so bang) [f. 1v-2r, Melodie und erste Strophe]
2.     Weyhnachtlied (Hänts Buämä! hat kainä nix ghert) [f. 2v-4r, Melodie und erste Strophe]
3.     Das Kindlmahl (Was giebts denn z’Traunkihrä heunt a) [f. 4r-4v, Melodie und erste Strophe]
4.     Die Liebesstuffen (Välaubts mäs, ih sing enk ä Gsang) [f. 5r-5v, Melodie und erste Strophe]
5.     Der reduzirte Amtmann (Jezt is halt alß väkehrt) [f. 5v-6r, Melodie und erste Strophe]
6.     Die Länderreise (Bi mä schan lang gnueä ön Ländäraisen gwöst) [f. 6v-7r, Melodie und erste Strophe]
7.     Rundgesang (Ihr liebe meinö Singä, stehts zam in ä Scheibn) [f. 7r-8r, Melodie und erste Strophe]
8.     Hochzeitlied (Thiets mäs nöt vär übl nemmä) [f. 8r-8v, Melodie und erste Strophe]
9.     An Joseph Stainer (Wer selbn für eäm nöt hausen kann) [f. 8v-9r, Melodie und erste Strophe]
10.     Klagen eines Apothekers (Was is halt das nöt für ä Gspiel) [f. 9v-10r, Melodie und erste Strophe]
11.     Fastenlied (Dä Fasching geht dävan) [f. 10r-10v, Melodie und erste Strophe]
12.     Schmidt-Söpperl (Schmidt Söpperl, hän bist denn ä Fuhrmann) [f. 10v-11r, Melodie und erste Strophe]
13.     An Hrrn. Achatz (Is nöt dä Herr Achatz ä kreuzbrävä Mann) [f. 11v-12r, Melodie und erste Strophe]

Papier: 12 Bll.; ansonsten wie G 49 Fasc. 65/1; starke Wasserränder

Lagen: VI; fadengebunden

Schrift, Schreiber, Ausstattung: wie G 49 Fasc. 65/1

(zitiert nach Neuhuber 2008, S. 368-372)

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 18.6.2015 um: 13:19:40 Uhr