Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Originaltitel: 6 Lieder in oberensischer Bauernsprache von Hrn P. Maurus Lindemayr
Typus: Handschrift
Herausgeber: Schreiber und Arrangeur: Ernest Frauenberger
Entstehungszeitraum: 1790 - 1813
Standort: Musikarchiv Kremsmünster: G 45, 819a
Varianten:
Kommentar:

1795 +/- 5, Nachträge 1813

Diese gebundene Sammlung des Kremsmünsterer Konventualen Ernest Frauenberger (1769-1840) steht in einem interessanten Verhältnis zu den unten angeführten Liederheften, die für Hammerschmidts Lindemayr-Ausgabe entstanden sind. Denn der erste Teil 6 Lieder in oberensischer Bauernsprache von Hrn. P. Maurus Lindemayr enthält offenbar bereits früher erstellte Arrangements zu den ältesten, wohl sämtlich von Langthaller stammenden Liedvertonungen. Arrangements allerdings, die nur in zwei Fällen (Nr. 3 und 4) mit denen der Liederhefte übereinstimmen, obwohl sämtliche hier versammelten Lieder auch in G 49 Fasc 65/1 zu finden sind. In einem Fall (Nr.1) unterscheidet sich Frauenbergers Bearbeitung auch in der Wahl der zugrundliegenden Vertonung, die im Liederheft 1 (vgl. G 49 Fasc 65/1, Nr. 6) nicht von Langthaller stammt. Vermutlich waren diese Klavierarrangements, die – wie auch die Veränderungen des Schreibduktus bestätigt – wohl etliche Jahre früher entstanden sind, auch der Grund, warum Hammerschmidt Ernest Frauenberger bat, den musikalischen Teil seines Lindemayr-Projekts zu übernehmen. Doch scheint der talentierte Mönch in einigen Fällen nicht mehr zufrieden gewesen zu sein mit seinen älteren Bearbeitungen und gestaltete sie deshalb neu.
Um 1813 nützte Frauenberger schließlich die noch unbeschriebenen Seiten des Notenbuchs und trug dort die letzten Teile seiner Lindemayr-Arrangements ein: Zunächst noch ein Lied des P. Maurus und daran anschließend die Bearbeitungen der Lieder Peter Gottlieb Lindemayrs, von denen Hammerschmidts Textvorlage bedauerlicherweise verloren ging (vgl. oben, L). Wie dort folgt die Reihenfolge einer (vermutlich autographen, heute verlorenen) Handschrift, die der Scharnsteiner Hofrichter in seiner Zusammenstellung als ‚lambachische’ bezeichnet und als Vorlage verwendet. Zum Abschluss der Arbeiten sandte Frauenberger den Band zur Begutachtung an Hammerschmidt, der die drei Liederhefte offenbar bereits zuvor erhalten hat. Dies geht aus einer Anmerkung hervor, die der Komponist an das Ende des letzten Arrangements setzte: „Hiezu ist das Akkompagnement schon in Ihren Händen. Nur ist zu merken, daß in demselben das Anfangsritornell ausgelassen werden muss.“ Denn der zweite Teil des Lieds O Einsamkeit, mein Leben P.G. Lindemayrs, das derbkomische Leckts mi ön Arsch Menschä, stammt von seinem Bruder und findet sich deswegen bereits im diesem gewidmeten Notenmaterial (vgl. G 49 Fasc 65/1, Nr. 12). Hammerschmidt fügte hinzu: „Das Ritornell kann doch auch ganz füglich bleiben!“ Die Handschrift scheint also rasch wieder retourniert worden sein. Später trug Frauenberger Lieder nach, die nicht mehr den Brüdern Lindemayr zugeordnet werden können.

Inhalt:
6 / Lieder / in oberensischer Bauernsprache / von / Hrn P. Maurus Lindemayr
1.     Die veränderte Zeiten (I wais nöt, was mär ietzund ham) [f. 1v-3r, Melodie und erste Strophe]
2.     Mein Endl hats längst prophezeyt [f. 3v-5r, Melodie und erste Strophe]
3.     Wern d’Maistern, und d’Gsöln affrontirt [f. 5v-7v, Melodie und erste Strophe]
4.     I kann mä’s unmiglä nöt denkä [f. 8r-10r, Melodie und erste Strophe]
5.     Sagnt allweil vän Stadtlöbn [f. 10v-12v, Melodie und erste Strophe]
6.     Auf där Ofengabel fahrt män Muedä [f. 13r-15r, Melodie und erste Strophe]
1.     Kemmts her meinö Mannä [f. 17r-17v, Melodie und erste Strophe; zu Beginn mit ‚Maurus’ zugewiesen]

[es folgen Lieder Peter Gottlieb Lindemayrs, vgl. das Inhaltsverzeichnis von L: letzter Teil der Arrangements Frauenbergers für die Hammerschmidt-Sammlung; zwei Lieder fehlen: Nr. 4 (Bin schan än alta und eisgräba Lümmel) und Nr. 17 (O du Lieb du larö, bereits unter den Liedern Maurus Lindemayrs eingeordnet, vgl. G 49 Fasc 65/2, Nr.2)]
1.     Ih bi halt schan ä so [f. 17v-18v, Melodie und erste Strophe]
2.     Jezt halt i äf d’Sybillä [f. 19r-19v, Melodie und erste Strophe]
3.     Was gäts denn ön Stadl heunt [f. 20r-20v, Melodie und erste Strophe]
5.     Ös hat mä män Nachbä dä Kromä [f. 21r-21v, Melodie und erste Strophe]
6.     Das Zuseher Klarl [f. 21v-22r, Melodie und erste Strophe]
7.     Is das nöt mein Aichöl [f. 22v-23r, Melodie und erste Strophe]
8.     Alls iß frisch und vollä Freud’n [f. 23r-24r, Melodie und erste Strophe]
9.     Was habts halt von än groissen Herrn nöt für ä Gschray und Löbn [f. 24r-24v, Melodie und erste Strophe]
10.     Was traigt si halt nöt in dä Welt [f. 25r-25v, Melodie und erste Strophe]
11.     Was gibts denn bän Hofrichtä [f. 26r-26v, Melodie und erste Strophe]
13.     Juheysa! heut freuts mich [f. 27r-27v, Melodie und erste Strophe]
12.     Ös heäßt zwar duröausä so [f. 28r-28v, Melodie und erste Strophe]
15.     Mein weib is recht brav [f. 29r-29v, Melodie und erste Strophe]
14.     Han nächt’n än insän Darfrichtä [f. 30r-30v, Melodie und erste Strophe]
16.     Einsamkeit mein Leben – Lekts mi ön Arsch [f. 31r-31v, Melodie und erster Teil der ersten Strophe]

[Nachträge (nicht von Lindemayr)]:
Dä Koäsär is ä Daundälaun [f. 32r-33v]
Losts äf allö Herrn! Ih will enk was sagn [f. 33v-35r]
Altes Adventlied von Kirchham (Rorate ach thauet ihr Himmel herab) [f. 62r-62v].

Papier: 66 Bll., 20,5 x 27 cm; starke Doppelbögen der Kremsmünsterer Papiermühle, Wasserzeichen beschnitten, vermutlich durchbohrter Eber; Leerseiten: f. 15v-16v, f. 35v-61v, f. 63-66

Lagen: 4II32 + I36 + IV52 + I56 + (I+1)62 + (I+1)68 + V + IV + III + IV; Fadenbindung

Einband: schwacher, bestoßener Kartoneinband, mit Aquarellfarben blumenornamentiert

Schrift, Schreiber, Ausstattung: Kurrente Fraunbergers mit Veränderungen der Schreiberhand im Verlauf der Jahre; Titel in Zierkursive, Tempobezeichnungen und Anmerkungen in lateinischer Schrift; dreizeilige Notierung (Singstimme + Klavierbegleitung; Text der ersten Strophe unter der Singstimme eingetragen); Seitenrandbegrenzung durch Bleistiftlinierung; Paginierung von Schreiberhand (2-85), beginnend mit f. 1v

(zitiert nach Neuhuber 2008, S. 365-367)

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 2.9.2016 um: 11:23:36 Uhr