Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Typus: Handschrift
Entstehungszeitraum: 1799 - 1805
Standort: OÖLM
Varianten:
Kommentar:

Die 1949 vom Gunskirchener Lehrer Rudolf Moser angekaufte Sammlung der Werke Maurus und Peter Gottlieb Lindemayrs stammt aus dem nächsten Umfeld des Salzstadelschreibers und dürfte eine genaue Abschrift einer seiner Manuskripte sein. Besonders wertvoll für die Forschung ist die Handschrift nicht nur aufgrund des reichen authentischen Textmaterials, sondern vor allem auch durch die genaue, offensichtlich auf den Stadelschreiber zurückgehende Differenzierung eines Großteils der Lieder nach ihren Verfassern (in einem Fall nachträglich von anderer Hand falsch korrigiert). Als terminus post quem der Erstellung dient ein auf den 2. Jänner 1799 datiertes Freudenlied P.G. Lindemayrs (anzunehmen ist, dass die Abschrift kurz nach dem Tod des Autors erfolgte). Der Schreiber ist unbekannt – vielleicht hätte hier die Titelseite Aufklärung gegeben, doch ging diese, ebenso wie Einband, Inhaltsverzeichnis und das erste Lied der Sammlung, verloren. Erst auf S. 25 der Originalpaginierung setzt das Fragment ein. Gut möglich also, dass vor dem Liederteil noch weitere Notizen und Exzerpte P.G. Lindemayrs zu finden waren, wie sie auf f. 40-42 wiedergegeben und auch in anderen Abschriften (etwa dem Cpl 347 des Stiftsarchivs Schlägl) erhalten sind. Keine Textverluste weist das Manuskript am Ende auf, wie sich aus dem dazugehefteten Einzelblatt schließen lässt. Der Bleistifteintrag von anderer Hand „Johann Wallner“ (f. 30v) in der Kurrente des 19. Jahrhunderts dürfte wohl ein späterer Besitzvermerk sein.

Inhalt:
1. [verloren]
2. Über das Stadtleben (Sagnt allweil von Stadtlöbm) [f. 1r-2r, 5 Strophen ohne Melodie]
3. Der kranke Bauer (Hänts ist denn kain Doktä anz’kemmä) [f. 2r-3v, 7 Strophen ohne Melodie]
4. Der unzufriedene Bauer (Mein Endl hats längst profizeit) [f. 3v-4v, 6 Strophen ohne Melodie]
5. Hochzeitlied Bei der Vermählung des H. Hofrichters zu Traunkirchen Jos. Gotth. Lindemair mit der Jungfer Maria Theresia Grezmüllerin von Wels – den 26. Jänner 1761 (Losts auf alli Herrn, wanns innä wöllt wern) [f. 5r-7r, 18 Strophen ohne Melodie]
6. Schlosserlied (Wernd d’ Maister und Gsölln affrondirt) [f. 7v-8v, 6 Strophen ohne Melodie]
7. Hochzeitlied Bei der zu Kloster Lambach vor sich gegangenen Vermählung des Herrn Hafners, Handelsmann in Salzburg (Han heut früh schon lang hin und her grait) [f. 8v-10v, 14 Strophen ohne Melodie]
8. Wider die Liebe (O du Lieb, du läri) [f. 11r-12r, 10 Strophen ohne Melodie]
9. Bauernlied über die schlechten Zeiten (I kann mäs unmiglä nit denkä) [f. 12r-13v, 8 Strophen ohne Melodie]
10. Der Joseph Stainer, Mair zu Neukirchen (Schmid Sepperl! hän bist du ä Fuhrmann) [f. 13v-14r, 4 Strophen ohne Melodie]
11. Meine Denkungsart (I bi halt schon ä so) [f. 14v-15r, von P.G. Lindemayr]
12. Die Hexe (Auf der Ofengabel fahrt mein Muedä) [f. 15v-16r, 4 Strophen ohne Melodie]
13. Hochzeitlied Bei der Vermählung des Herrn Lötsch, Pflegers zu Kogel (Thuets mäs nit für übel nehmä) [f. 16r-17v, 8 Strophen ohne Melodie]
14. Nach einer Aderlaß (Dort schier um Sankt Jöring aui) [f. 18r-19r, 6 Strophen ohne Melodie]
15. Lezter Entschlus (Lekts mi in A... Menschä! Jezt geh I davon) [f. 19r-19v, 5 Strophen ohne Melodie]
16. Klage eines Apothekers über die neu eingeführte Visitation der Apotheken (Was ist halt das nöt für ä Gspiel) [f. 19v-20v, 4 Strophen ohne Melodie]
17. Wider die neue Frauentracht (Jezt halt I auf d’ Sibilla Weis) [f. 21r-22v, von P.G. Lindemayr]
18. Auf die zweite Niederkunft der Frau Stadlschreiberin, Susana Lindemairin. den 11ten 8ber 1768 (Was gäts denn in Stadl heut mehr für än Rand) [f. 22v-23v, von P.G. Lindemayr]
19. Auf den ehrlichen infamen Kerl, Josef Stainer, Mair zu Neukirchen (Wer selbm für iehm nöt hausen kann) [f. 23v-25v, 7 Strophen ohne Melodie]
20. Die veränderten Zeiten (I waiß nöt was mär jezund ham) [f. 25v-29r, 13 Strophen ohne Melodie]
21. Der Traum (Ferten in Hörist hübsch spat um Martini) [f. 29r-30v, 9 Strophen ohne Melodie]
22. Bauernlied auf das Beilager der bayrischen Prinzessin Maria Josepha mit Joseph II römischer König, als in dem Stift Lambach der feierliche Akt der Auswechslung vor sich ging (Losts Nachbärn, steht’s zsammä) [f. 31r-33v, 10 Strophen ohne Melodie]
23. Freudenlied eines Salzschiffmanns in Stadel bei der Durchreise der Erzherzogin Maria Antonia nach Frankreich, den 23ten April 1770 (Bi schon ä altä und eisgräbä Limmel) [f. 33v-35v, von P.G. Lindemayr]
24. Urlaublied eines Ländler Bauers an Ihro königl. Hoheit Maria Antonia von Oesterreich, vermählte Dauphine, bei dem am 23. April 1770 in Kloster Lambach gehaltenen Nachtlager (Ös hat mä mein Nachbä dä Krammä) [f. 35v-37r, von P.G. Lindemayr]
25. Ein anderes Lied über diesen Gegenstand (Bin vor acht Tagen in Wochamarkt gwösen) [f. 37v-40r, 17 Strophen ohne Melodie]
26. Auf Das den 2. Jänner 1799 von tit. Herrn Hofrichter zu Lambach, Franz Wilhelm Grimms von Grimburg gegebene Freudenmahl (Was giebts denn beim Hofrichtä z’Lamä heunt a) [f. 43r-44r, von P.G. Lindemayr]
27. Auf die Zuseher Klarl im Stadl (Das Zuesehä Kläl) [f. 44v-46r, von P.G. Lindemayr]
28. Auf Herrn Ferdinand Kästl, Glasermeister in Lambach (Kemmts her, meini Mannä, stehts zsamm in än Krais) [f. 46r-47v, 17 Strophen ohne Melodie]
29. Auf Herrn Achatz, Mesner in der Baura nächst Lambach (Ist nöt dä Herr Achatz) [f. 48r-49r, 5 Strophen ohne Melodie]
30. Auf Ebendenselben (Kemmts her, meini Mannä, stehts zsamm in än Krais) [f. 49r-50r, ohne Stropheneinteilung und Melodie]
31. Die alten, und neuen Zeiten (Ist das nöt mein Aichel ä wunäliges Rön) [f. 50r-51v, von P.G. Lindemayr]
32. Auf die Peter Gottlieb Lindemairische und Maria Anna von Erbische – dann Christian von Erbische und Barbara Schoiswohlische unter-einstens vor sich gegangene Copulation zu Vorchdorf den 19. Mai 1795 (Was tragt si halt nöt in da Welt no alls zue) [f. 51v-53v, von P.G. Lindemayr]
33. Abbitte des Passisten Langthallers zu Lambach, an den ehrlichen infamen Kerl Joseph Stainer, Mair zu Neukirchen (Ihr liebn meini Singä, stehts zsam in ä Scheibm) [f. 54r-55r, ohne Stropheneinteilung und Melodie]
34. Bauernlied im Ton: I kann mäs umiglä nit denkä (Mä hietens nöt glaubt vä fufzg Jahren) [f. 55v-57r, 10 Strophen ohne Melodie]
35. Hochzeitlied bei der Vermählung des Herrn Kontrolor Tusch zu Enns den 6. Hornung 1787 (Alls iss frisch und vollä Freuden) [f. 57v-59r, von P.G. Lindemayr]
36. Über den Pfarrer St[übinger] in T[raunkirchen](Was habts halt von än gwissen Herrn) [f. 59v-60v, von P.G. Lindemayr]

Papier: 60 Bll., 20 x 16 cm; Wasserzeichen: Figur (Erzengel Michael?) mit erhobenem Schwert; Herstellermonogramm C P

Lagen: III36 + V56 + VI76 + IV94 + IV110 + IV126 + IV142 + 1; verlorengegangen ist der erste VI-Block

Schrift, Schreiber und Ausstattung: Alltagskurrente des ausgehenden 18. Jh.s in homogenem Duktus, durchgehend von einer Schreiberhand; der Schreiber konnte bislang nicht eruiert werden, dürfte aber aus dem näheren Umfeld Peter Gottlieb Lindemayrs stammen und Zugriff auf Manuskripte Joseph Langthallers gehabt haben (zumindest scheint eine Fußnote in C (p. 114) von ihm eingetragen zu sein);
Originalpaginierung 25-144 (ab f. 1r) an der oberen Außenecke von Schreiberhand, allerdings durch Bestoßung oft nicht mehr lesbar; Bleistift-Foliierung von späterer Hand an der unteren Außenecke; Seitenspiegelbegrenzung durch Bleistiftlinien; kaum Überarbeitungen vorhanden, neben Sofortkorrekturen Monogrammkorrektur von vermutlich späterer Hand

Editionskriterien: z-Indifferenz wird nach heutigen Schreibgewohnheiten aufgelöst; Schreibvarianten, die auf die Vorlage verweisen (etwa nit/nöt), werden nicht emendiert

(zitiert nach Neuhuber 2008, S. 334-338)

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 18.6.2015 um: 13:08:54 Uhr