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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Typus: Handschrift
Entstehungszeitraum: 1789 - 1799
Entstehungsort: Stadl-Paura (Oberösterreich)
Standort: Schlägl
Varianten:
Kommentar:

Soweit bislang bekannt, ist dieser Sammelband der Stiftsbibliothek Schlägl das einzige vollständig erhaltene Handschriftenkonvolut des Stadelschreibers. Weitere Konvolute sind uns zwar durch die getreuen Abschriften im Lambacher Codex Ccl 718 bekannt, doch sind die direkten Vorlagen nicht auffindbar. Lindemayr hatte in diesen Sammlungen gezielt alles zusammengetragen, was er aus seinem privaten Leben und Schaffen für bemerkens- und überlieferungswert erachtete. Eigene und fremde literarische Arbeiten, Buch- und Zeitungsexzerpte, Erinnerungen und Berichte, Rezepte und Bestätigungen, Rätselaufgaben, Listen und anderes mehr geben einen guten Überblick über den Interessenshorizont des Verfassers. 1789 wurde dieses Konvolut mit Einträgen aus dem letzten Lebensjahrzehnt des Stadelschreibers begonnen. Doch wird die grundsätzlich chrono-logische Reihung des Öfteren mit Nachträgen (zumeist Lieder aus früheren Jahren, die wohl auf einzelnen Blättern vorlagen) unterbrochen. An der Sammeltätigkeit beteiligte sich auch Martin Lindemayr, der Sohn des Stadelschreibers, der für etliche Gedichtabschriften, eigene Beiträge und den abschließenden Nekrolog verantwortlich war.

Wie der Sammelband seinen Weg nach Schlägl fand, ist nicht allzu gut belegt. Ein Vermerk auf dem ersten Blatt deutet auf einen Ankauf der Handschrift um 1 Gulden 8 Kreuzer aus dem Nachlass des Oberlehrers Franz Xaver Bernecker hin, der zu Beginn der 1890er Jahre gestorben sein dürfte. Wie sie in dessen Besitz kam, ist nicht überliefert. Die erste Katalogisierung nahm der Stiftsbibliothekar Gottfried Vielhaber 1898 vor. Nach der Enteignung des Stifts im Dritten Reich kam der Band 1944 nach Linz (Bleistiftvermerk in der Handschrift des Leiters der Bibliothek der Oberösterreichischen Landesmuseen HR Dr. Hans Oberleitner auf dem vorderen Vorsatz), wurde allerdings nicht inventarisiert. 1980 erstattete das Landesmu-seum den Band zurück.

Papier: 102 Bll., 22 x 17 cm; Papier einer nicht identifizierten Papiermühle; spätere Vorsatzblätter aus entsprechendem Papier
Lagen: VI24 + X64 + VI89 + II96 + VI120 + X160 + VI184 + II192 + (VI-6)204
Einband: Halbledereinband Ende des 19. Jahrhunderts; goldgeprägter Rückentitel: „Peter Gottlieb Lindemayr’s Excerpte und Dichtungen“

Schrift, Schreiber und Ausstattung: großteils in der markant kantigen, nicht immer leicht lesbaren Kurrente Peter Gottlieb Lindemayrs geschrieben; die wenigen Beiträge Martin Lindemayrs – zuordenbar durch Schriftbild bzw. Signatur – sind in der Inhaltsübersicht ausgewiesen; von unbekannter Schreiberhand (vielleicht des Komponisten) stammt die Abschrift von Grieß enk Gott! da bin i wiedä; schmucklose Alltagshandschrift zu Sammelzwecken; linierte Seitenraumbegrenzungen, Unterstreichung der Überschriften, diese oft auch in Antiqua; zeitgenössische Paginierung (1-204), wohl nicht von der Hand Lindemayrs (1-102), spätere Foliierung mit Bleistift von anderer Hand

Inhalt:
-     Excerpta Aus einem Buche, welches den Titel führt: Einige Originalschriften des Illuminatenordens, welche bey dem gewesenen Regierungsrath Zwack durch vorgenommene Hausvisitation zu Landshut den 11. und 12.ten Octob. 1786 vorgefunden worden [gedruckt München: Strobel 1787; f. 1r-3r]
-     Der Baal (Kömmt herbei, und seht einmal) [f. 4r-5r, datiert auf den 21. Juli 1786, signiert mit Pet. Gottl. Lindemayr]
-     Protocollum Uiber den Bericht der Mademoiselle M.E.P. (Grieß enk Gott! da bin i wiedä) [f. 6v-10r]
-     Warnende Seufzer einer alt gewordenen Spröden (Zeit, und Stunden sind vorbei) [f. 10v-11v, datiert auf den 12. Februar 1787, signiert mit P. G. L.]
-     An Die Herren von Stuttgart (Es haißt zwar duri aus ä so) [f. 12r-15r, datiert auf den 9. April 1788, signiert mit P. G. L.]
-     Amors Nachstellungen (Unzählig sind des Amors Schlingen) [f. 15v-16r]
-     Auf den grauen Helden Laudon (Lustig ihr Brüder! der Held solle leben) [f. 16v-17v, datiert auf den 22. Oktober 1789, signiert mit P. G. Lindemayr]
-     Den 13. November 1789 habe ich die Entfernung des Ortes Stadel von Lambach abgeschritten [f. 18r; u. a. zählte Lindemayr 2690 Schritte vom Stadlschreiberhaus bis zum Klostertor]
-     Bittschrift Der Verwittibten Erzherzoginn Österreich an Ihren neuen Gebiether Leopold den zweyten (Sey mir willkommen Theuerster Gebiether) [f. 18v-19v; von Friedrich von der Trenck]
-     Extract aus den Aufschlüssen zur Magie des Herrn Karl von Eckartshausen [f. 20r-23r; die Vorlage wurde 1788 gedruckt]
-     Auf die Regina Schilcherinn (Bhiet die Gott, mein liebi Rögerl) [f. 23v-25r]
-     Grablied Bei der Beerdingung des Herrn Franz Anton Dellmor (Die Lebenstage sind geendet) [f. 25r-26v; 1778]
-     Es hallet weit und breit, O Kaiser deine Macht [f. 27r]
-     zwei ärztliche Rezepte von Hartmann und Reitter (1790) [f. 27v]
-     Echo du Freundin der zärtlichen Lieder [f. 28r-29v]
-     Extract Aus dem 117. Stück der Regenspurgerischen Zeitung vom Jahre 1787 [f. 29r-29v; Prophezeiung für das Jahr 1788]
-     ärztliches Rezept von Reitter (1790) [f. 30r]
-     Es gingen 4 Damen in den grünen Wald [f. 30v]
-     Hymen, und Amor (Mein Fackel lodert heller) [f. 31r]
-     Art der Farben zum illuminieren [f. 31v-32r]
-     Ordinari Schußgeld Bei dem löbl. Stift und Kloster [f. 32v]
-     Auf die WiderGenesung des k.k. Herrn Großkufenhandlers Jacob Rischner an seinem Namenstag (Lustig! ju he! der Herr Handler soll leben!) [f. 33r-34r, datiert auf den 25. Juli 1791, signiert mit P. G. L.]
-     Auf Die itzigen guten Zeiten der Bauern (Das iß ä mal schan richti) [f. 34v-36v, datiert auf den 15. Juli 1791, signiert mit P. G. L.]
-     VIVant DIVIna gratIa LeopoLDVs, atqVe LVDoVICa (Es leb dä Kaisä Leopold) [f. 37-40r, datiert auf den 15. November 1790, sig-niert mit P. G. L.]
-     Ode Eines alten Schulmeister Zur Verdemüthigung der neuen Lehrer (Daß ichs doch nicht hören müßte) [f. 40v-42v, datiert auf den 3. Dezember 1791, nicht signiert, vielleicht Johann Adam Lindemayr?]
-     Abschied auf mein Lehenschlittenpferd in 1791 jährigen Winter [f. 43r-44v, datiert auf den 7. Februar 1792, signiert mit P. G. L. k.k. Stadelschr. und Martin Lindemayr Oberststallschreiber, der diesen launigen Beitrag schrieb]
-     Series R.R.D.D. Abbatum monasterii lambacensis [f. 45r-46r, Ab-schrift Martin Lindemayrs]
-     A dieu, Welt! Ich geh ins Tyroll (Kimmt ainer ins Losen, ins raiten, und denkä) [f. 46v-48r, datiert auf den 13. März 1792, signiert mit P. G. L.]
-     An Rosimunden (Komm, Rosimundä, holdes Kind!) [f. 48v-49r]
-     Robinson der II In der Person Des Herrn Postmeisters zu Lambach Mathias Steger (Wie stehts dann Herr Pfleger!) [f. 49v-50v, datiert auf den 7. Februar 1793, signiert mit P. G. L.]
-     Der in Frankreich mit dem Jahre 1793 allein bestehende Ritterorden (Ein Graf von Cleve) [f. 51r-51v, datiert auf den 18. Juni 1793, signiert mit P. G. L.]
-     Ähnlichkeit des 1793ten Jahres mit dem Jahre 1770 (Das drey, und neunzigste naß-kalt, und triebe Jahr) [f. 51v, datiert auf den 23. Juni 1793, signiert mit P. G. L.]
-     An den Herrn Bissuti (Ihr Hahn ist also todt) [f. 52r, datiert auf den 28. Juni 1793, signiert mit P. G. L.]
-     Das von der Mutter Samuels in den Sprüchen Salomons Cap. 31 beschriebene starkmüthige Weib (Sie wollen: Ich soll Sie besingen) [f. 52r-54r, datiert auf den 18. Juli 1793, signiert mit P. G. L., für Agnes von Kreutzberg, Melodie nach: Ach Schwester dort stehet der Wagen]
-     Bericht zu geplantem Brückenbau über die Alm [f. 54v-55r, datiert mit 19. September 1793, signiert mit Lindemayr Stadlschr.]
-     Lieben, lieben, dacht ich oft in Stillen [f. 55v-56r]
-     Leiden, Trost und Dank (Gebeugt durch stete Plagen) [f. 56v, von L. Batthyani, Vertonung von Pasquale Anfossi, Abschrift Martin Lindemayrs]
-     Zorn über die Zärtlichkeit (Wer kann sich auf sein Herz verlassen?) [f. 57r, von Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Abschrift Martin Lindemayrs]
-     Das Donnerwetter ein deutscher Gesang (Cloe! siehst du nicht voll Grausen) [f. 57v-58v, von Leopold Koželuh]
-     Wahrnung An die Madame Therese de Putz von den Wirkungen des mächtigen Amors (Ey doch! ... Herzen nur entzinden) [f. 59r-60v, datiert auf den 12. Mai 1794, signiert mit P. G. L., 7. Strophe in Spiegelschrift]
-     Erwerb eines Kanarienvogels am 14. Mai 1794 [f. 60v]
-     Auf Die sehnlichst erwartet Zurückkonft der Madame Therese de Putz (So seh ich Sie dann wieder?) [f. 61r-61v]
-     Aufruf An alle Wittfrauen, und Mägdge (Ihr Wittwen, und Mägdge, horcht auf meine Noth) [f. 62r-63v, datiert auf den 1. Juli 1794]
-     Allegretto (Das iß schon richti: Die Baurn habns itzt gut) [f. 64r, datiert mit 3. September 1794]
-     Landschaftsmaler Ferdinand Runk in Stadl, übernachtet vom 17. zum 18. September 1794 im Stadlschreiberhaus und malt die Ortschaft [f. 64r]
-     Freudenlied Eines Stift Lambach. Unterthans, und Bauers PGL (Juhe sä! heut freuts mi; i nähm nöt viel Geld) [f. 64v-66r]
-     Auf S. Hochwürden, und Gnaden Herrn Herrn Julianus (Laßet Trompeten, und Pauken erschallen!) [f. 66v-67v, signiert mit P. G. L., gedruckt bei Pramsteidel in Linz 1794]
-     Lustig! Wir haben nun einen Prälaten [f. 67v-69v, gesungen am 26. November, signiert mit P. G. L., Zusatzstrophe für Feier anlässlich zweiter Primiz bzw. zweiter Profess mehrerer Konventsmitglieder am 8. Dezember 1794]
-     Die Bis zum 8. Xb. 1794 großen Theils schon in Erfüllung gegangene Prophezeyung des Stift Lambach. Unterthans P. G. L. (Ich habs gesprochen: Und schon findet man) [f. 52r, datiert auf den 28. Juni 1793, signiert mit P. G. L.]
-     Prologus An dem heil. 3 Königen Tage 1795. Vor dem Lustspiel der H. Spul genannt [f. 72v-74r, signiert mit P. G. L., vorgetragen von Franz Xaver Grimus von Grimburg]
-     Ermunterung Zum Lustigseyn (Lustig! ihr Brüder! was sollen wir trauern?) [f. 74v-77r, datiert auf den 17. Dezember 1794, signiert mit P. G. L.]
-     Auf meine inniglich geliebte Ehegattinn Anna Susanna Lindemayrin (So sind wir dann getrennet) [f. 77v-79r, datiert auf den 11. April 1794, signiert mit Peter Gottlieb Lindemayr k.k. Stadelschreiber]
-     Hochzeitsansuchen [f. 79v, datiert auf den 18. April 1795]
-     Hochzeitsankündigung [f. 80r]
-     Eintrag ins Verkündigungsbuch [f. 80v, datiert auf den 17. Mai 1795]
-     Anrede Bei der Vermählung [f. 81r-84r, datiert auf den 19. Mai 1795, gehalten von Abt Julian Ricci]
-     Gästeliste für das Hochzeitsmahl [f. 84v-86v]
-     Auf die Peter Gottlieb Lindemayrische, und Maria Anna v. Erbische, Item Christian v. Erbische, und Eva Barbara Schoiswohlische – untereinstens vor sich gegangene Copulation zu Vorchdorf den 19. May 1795 (Was tragt si halt nöt in d Welt no alls zue) [f. 87r-89r]
-     Fragen An die Nymphe Echo, meine zweyte Standesveränderung betr. (Echo! dir ist nicht verborgen. Nicht verborgen) [f. 89r-90r, datiert auf den 30. März 1795]
-     An Die Vorchdorfer. Jungfer M. Anna v. Erb (Kom Vorchdorfer Nändel!) [f. 90v-91r, datiert auf den 7. April 1795]
-     Der Unter Dem Schutze grimmiger Thiere stehende menschenfreundliche, gutherzige, in foro poli, und in foro fori brauchbare, ganz, und gar patriotische Gregorius, in der Paura (Und sieh! ... Es kammen also bald) [f. 91v-94r, datiert auf den 12. März 1795, signiert mit P. G. L., für P. Gregor Niedermayr]
-     Trostgründe des Bedienten Constantins für den wegen des Wankelmuths seines Sohnes Varius geängstigten Herrn Grin-waldo. ao. 1791 (Es ist nicht bloß ein Varius) [f. 94r-96r]
-     Räthselhafte Rechnungsaufgaben [f. 96v]
-     Auf S. königl. Hochheit den Prinzen Karl v. Oesterreich (Unser Prinz Karl der Held solle leben!) [f. 97r-98r, datiert auf den 4. September 1796]
-     Chronogramm zum 81. Geburtstag des Kremsmünsterer Prälaten Erenbert [f. 98v-77r, datiert auf den 2. März 1797, signiert mit Petrus Theophilus Lindemayr navigationis salinariae präfectus in Stadl]
-     Auf S. Hochwürden, und Gnaden Herrn Herrn Julian würdigsten Abten zu Lambach (Gott erhalt uns den Prälaten) [f. 99r, datiert auf den 10. März 1797]
-     Auf die Zuseher Clarl (Däs Zusehä Clärl) [f. 9v-100r, datiert auf den 9. Februar 1789]
-     Bestätigung für Neffen Peter Lindemayr [f. 110v]
-     Nekrolog für Peter Gottlieb Lindemayr [f. 101r-102r, datiert auf den 24. Februar 1799, signiert mit Martin Lindemayr k. k. S. o. a. concip. und actuar. subst. Stadelschreiber]

Zuletzt geändert:am: 8.5.2015 um: 14:45:39 Uhr