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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Originaltitel: Ges[ä]ng[er] Bu[ch]
Typus: Handschrift
Detail Typus: Liederbuch
Entstehungszeitraum: 1796 - 1815
Entstehungsort: Stubenberg
Standort: Bayerische Staatsbibliothek, Cod. germ. 7340
Varianten:
Kommentar:

Erster Band eines anonym überlieferten handschriftlichen Liederbuches.
Einige Texte weisen regionale bzw. lokale Bezüge auf und lassen so Rückschlüsse auf den Lebens- und Wirkungskreis des Schreibers zu, den Willibald Ernst im Gebiet zu beiden Seiten des unteren Inn, also im Bereich des unteren Rott- und Inntals und dem Innviertel, ortet (vgl. Ernst 2008, S. 27). In einer neueren Publikation wird als Schreiber Phillipp Lenglachner (1769-1823) angenommen, der vermutlich aus dem niederbayrischen Weng im Rottal stammte und von dem bereits eine andere Handschrift vom Ende des 18. Jahrhunderts ("Schreyb:buech: Worinnen Allerhand beschriben ist: Philipp: Lenglacher hadersamler angehörig: anno 1790:.") bekannt ist (vgl. Fromberg, Phillipp Lenglachner, 2012).

Die zweibändige Sammlung wird in der Literatur unter den Bezeichnungen ‚Stubenberger Liederbuch‘ oder auch ‚Braunauer Liederbücher/Liederbuch‘ gehandelt, der vorliegende Band wird zumeist als ‚Stubenberger Gesängerbuch‘ aufgeführt. Nach Ernst ist der Titel auf dem Deckel des Buches so sehr beschädigt, dass nur mehr Spuren der Beschriftung zu erkennen sind, sodass sich nur mehr durch Vervollständigung ‚Ges[ä]ng[er] Bu[ch]‘ erschließen lässt (vgl. Ernst 2008, S. 27) [persönlich wurde die Handschrift nur auf Mikrofilm gesichtet]. Die Handschrift findet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek unter der Signatur Cod. germ. 7340.
In der Handschrift selbst werden zwei Teile (mit jeweils eigener Seitenzählung) unterschieden - der erste Teil versammelt geistliche, der zweite weltliche Lieder.

Die Lieder sind stets ohne Melodien aufgezeichnet; am Ende jedes Teils findet sich ein Register.

Die geistlichen Lieder lassen sich nach Kriechbaum nach folgenden Themen gruppieren: Gott Vater (42 Lieder), Dreifaltigkeit (15), Christus (130), Maria (75), Heilige Familie (6), Heilige (26), Arme Seelen (13), Bußaufforderung (17), Eitelkeit (6), Todesgedanken (9), Gericht und Hölle (9), Totenlieder (18); dabei soll die letzte Gruppe einen Übergang zum zweiten Teil der weltlichen Lieder bilden, die ihrerseits wieder zu kategorisieren seien zu: Liebesleben (115 Lieder), Standessachen (88), Naturleben (8), Sitten und Bräuche (13), Körper- und Gemütszustände (22), geschichtliche Ereignisse (48); daneben finden sich hier neben den Liedern aber auch unterhaltsame Texte in Versen und Prosa (36 Stück) und den weltliche Teil abschließend einige alte Sympathiemittel sowie eine Darstellung der 42 Unglückstage im Jahr (vgl. Kriechbaum 1918, S. 39f.).

Vgl. zur Handschrift die Aufsätze von Kriechbaum (1918, S. 39-49 und 1919/1920, S.24- 33), der die beiden Bände des Liederbuchs beschreibt und einige Texten als Beispiele für das enthaltene Liedgut ediert; Ernst (2008, S. 27-28 u. 42-43), der einige allgemeine Information zur Handschrift sowie Überlegungen zu Herkunft und Identität des Schreibers liefert; sowie zuletzt die 2012 erschienene Edition des zweiten Bandes , die auch Aufsätze zu Herkunft und Editionsgeschichte enthält (Ernst 2012).

Digitalisat online: http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00071279/image_7

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 7.9.2016 um: 18:41:11 Uhr