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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Geburtsjahr: 1746
Sterbejahr: 1817
Kategorie: Autor
Biographie:

Anton Bucher wird am 11.1.1746 in München als Sohn eines hoch geschätzten Wappen- und Diplommalers (welchem 1745 von Kurfürst Maximilian II. der Adel verliehen wurde) geboren. Nach der Trivialschule ebendort besucht er das Jesuitengymnasium in Ingolstadt, wo er auf das Leben im geistlichen Stand vorbereitet wird. 1768 kehrt er nach der Priesterweihe nach München zurück, wo er Kaplan der Pfarrei Heilig Geist wird.
Gesellschaftlich prägend wirken in der folgenden Zeit die Reformbewegungen im Schulwesen; unter den in diesem Sinne wirkenden Gelehrten wird Heinrich Braun auf Bucher aufmerksam und gewinnt ihn für seine Anliegen. Ab 1771 wirkt er als Kommissar der Volksschulen, ab Mitte 1772 dann als Rektor der Deutschen Schulen in München. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens ist er mit der Neuordnung des Schulwesens in München betraut und ist Teil der Kommission, die 1774 zur Volksschulreform zusammentritt. Darüber hinaus verfasst er selbst auch einige Lehrwerke.
Es kommt, vermutlich angesichts unterschiedlicher Meinungen hinsichtlich der Reformpläne, aber zum Zwist mit seinem früheren Förderer Braun. Mit – auch öffentlich vorgebrachter – Kritik an der Abneigung vieler Eltern, ihre Kinder für den Bürgerstand zu erziehen, sowie an der Angewohnheit vieler geistlicher Lehrer, ihre Zöglinge missbräuchlich im Unterricht für den geistlichen Stand anzuwerben, handelt er sich zudem den Unmut jener ein, die sich getroffen fühlen. Bucher verlässt in der Folge letztlich München und übernimmt 1778 die Pfarrei Engelbrechtsmünster bei Pfaffenhofen, wo er sich verdienstvoll einsetzt. Er richtet dort nicht nur eine Pfarrbibliothek ein, gründet eine Feiertagsschule und organisiert Fortbildungskurse für Kinder, sondern er zeigt auch in der Praxis, was er sich an Verbesserungen und Änderungen vorstellt.
Sein Amt als Seelsorger lässt zudem ausführlichere schriftstellerische Arbeiten zu, sodass ihm die damit verbundene Muße erlaubt, mehrere satirische Schriften zu verfassen, durch welche er bestrebt ist, über den engen Kreis seiner Pfarrei hinaus wirksam zu werden und in diesem Sinne auf die Gesellschaft wie die Kirche einzuwirken; so treffen seine Beanstandungen in wesentlichen Teilen etwa das falsche Frömmigkeitsverhalten der Bevölkerung, aber auch die insbesondere durch das Jesuitentum hervorgebrachten Übelstände in der Kirche. Buchers Schriften erscheinen zwar anonym, doch ist davon auszugehen, dass die Verfasserschaft der Texte weithin bekannt war. Hinsichtlich ihres Rezeptionskreises bemerkt Heigel, dass eine Verbreitung im Norden des Landes durch den spezifisch süddeutschen Charakter gehemmt war, während sie in Süddeutschland, soweit dies möglich war, durch Wirken der Obrigkeit unterdrückt wurde (vgl. Heigel 1876, S. 477). Dennoch ist ihr Stellenwert sicher nicht zu unterschätzen, so betont auch Pörnbacher den Rang der satirischen Texte Buchers: „Diese Schriften stellen ohne Zweifel den Höhepunkt der Aufklärungssatire in Bayern dar, sie leben vom Witz ihres Autors und von seinem Geist, sie überzeugen durch seine Sprachkunst und Formulierungsgabe und erhalten auch Anerkennung von Männern wie Jean Paul und dem alten Goethe“ (Pörnbacher 1990, S. 1207). Zugleich kritisiert er allerdings die unmäßige Übertreibung sowie die einseitige Betonung des Negativen und bemerkt nachdrücklich: „Bucher verallgemeinert, ohne zu differenzieren“ (ebda.). Auch damit zusammenhängend wird Bucher teils missverstanden und falsch gedeutet, wobei er diesbezüglich später aber, darauf bedacht, sensibler wird und Missdeutungen vorzugreifen versucht, vor falschem Übereifer warnt und herausstreicht, wie sehr ihm ungekünstelte Frömmigkeit ein Anliegen ist.
Ab 1784 übernimmt Bucher dann die Schulinspektion der umliegenden Dekanate. Darüber hinaus ist er korrespondierendes Mitglied in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und hat (als „Ulrich von Hutten“) regen Anteil am Geheimbund der Illuminaten, nach dessen Aufdeckung und Verbot er allerdings seine Entlassung aus dem Geistlichen Ratsschuldirektorium hinnehmen muss. Dabei kehrt er um die Jahrhundertwende dem Illuminatentum zunehmend den Rücken und wendet sich zur konkurrierenden Bewegung der 'Patrioten' hin, in welcher er schließlich einer der führenden Köpfe gewesen sein dürfte. Der Gruppe geht es um einen Versuch eines Umsturzes mit französischer Unterstützung und eine konkrete Umgestaltung des bayerischen Staates (in diesem Sinne werden auch politische Flugschriften mit republikanischen Zügen verfasst), wobei ihr vor allem auch eine Wirkung beim einfachen Volk ein Anliegen ist. Nach der Jahrhundertwende kommt es aber zur Auflösung der Patriotenpartei und Bucher ist zunehmend von Verbitterung und Lebensunmut gezeichnet. 1813 legt er schließlich seine Stellung nieder und zieht nach München, wo er am 08. [oder 7.? oder 11.?] 01.1817 stirbt (vgl. Wittmann 1980, S. 1ff.; Pörnbacher 1990, S. 1207; Heigel 1876, S. 476f.).

Werke:
Literatur:
Zuletzt geändert: am: 25.9.2015 um: 10:49:01 Uhr