Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Pseudonym: Sturm, Marcelin/Marcellinus
Geburtsjahr: 1760
Sterbejahr: 1812
Kategorie: Komponist
Biographie:

Nikolaus Sturm wurde als der Sohn eines Schuhmachers am 9.7.1760 in Rötz (Oberpfalz) geboren. Trotz dürftigen Einkommens des Vaters begann er ein Jurastudium in Ingolstadt, wobei er teils auf die Unterstützung von Wohltätern, teils auf die Nutzen, die sich aus seinem Dichter- und Unterhaltungstalent ergaben, bauen musste, was einen vagantenhaften Lebenswandel bedingte. Zum einen scheinen darunter Zielstrebigkeit und Studienfortschritt gelitten zu haben, zum anderen war die finanzielle Lage vielleicht doch zu trist – sein Studium konnte er jedenfalls nicht abschließen.
Nach einem Versuch, in München Fuß zu fassen und dort ein Amt zu erlangen, entschloss er sich letztlich zu einer Richtungswende und suchte die Aufnahme im Münchner Augustinerkloster. Nachdem er den Ernst seines Ansinnens bewiesen hatte, trat er 1786 unter dem Klosternamen Marcelin ins Kloster Ramsau bei Haag ein und wurde 1788 nach Vollendung seiner theologischen Studien zum Priester geweiht. Es folgte eine Tätigkeit als Kollektor in Seemannshausen und nach einigen Jahren als Monatsprediger in München, ab 1800 dann die Stelle eines Parochus Vicarius in Schönthal (Oberpfalz) (vgl. Holland 1894, S. 45-48). Nach der Aufhebung des Klosters 1802 trat Sturm wieder unter seinem Taufnamen Nikolaus in der Eigenschaft eines Kooperators auf. In den beiden letzten Jahren seines Lebens wirkte er schließlich als Kommorant in Schönthal sowie als Vikar in der Pfarre Hiltersried. Ebenda starb er am 9.12.1812 nach Angaben Giehrls (vgl. Giehrl 1819, S. VII) durch einen unglücklichen Schnitt eines Landbaders in ein Gewächs an der Nase (vgl. auch Holland 1894, S. 45-48; Pörnbacher 1966, S. 870; 1990, S. 1263; Eckdaten zur Biographie auch bei Schön 1920).
Seine Lieder, die zum Teil standardsprachlich, zum Teil aber auch mundartlich gehalten sind, verfasste er vermutlich großteils in seiner Studentenzeit – wahrscheinlich sind sie im Sinne eines Versuchs zu sehen, sich als Unterhalter ein Zubrot zu verdienen. Die überlieferten Lieder – nach Angaben Joseph Giehrls, des Herausgebers seines Werks, soll es sich um sein gesamtes Liedwerk mit Ausnahme eines einzigen handeln – umfassen ein breites Spektrum an Themen, weisen eine – wohl dem vermuteten Rezeptionskontext entsprechende – relativ einfache Form auf und zeigen sich zugleich fromm als auch derb. Erhalten sind dazu auch die Melodien, die von Sturm selbst stammen sollen. Die Lieder fanden rege Aufnahme im Volk, waren vermutlich mündlich wie schriftlich im Umlauf, wurden vielfach aber auch in veränderter Form weitergetragen (vgl. auch Pörnbacher 1966, S. 870; 1990, S. 1263). Giehrl scheint sich in diesem Kontext letztlich auch als Retter der Sturm’schen Originale zu sehen. Seine tatsächliche unmittelbare Bezugsquelle (handelte es sich um eigenhändige Manuskripte, um Aufzeichnungen anderer, …?) ist indessen leider unbekannt.
Pörnbacher macht auf den Stellenwert der Mundart bei Sturm aufmerksam, indem er ihren Gebrauch hier von jenem etwa bei Kagerer oder Sebastian Sailer (welcher selbst als Begründer der schwäbischen Mundartdichtung gilt) unterschieden sieht, da die Mundart hier viel deutlicher selbständiges Ausdrucksmittel bzw. eigenständige Sprache sei (vgl. Pörnbacher 1990, S. 1263).

Kommentar:

Kommentare zur Literatur zu Sturm:
Schön (1920, S. 40-41): Hier findet sich nur eine kurze Erwähnung. Schön liefert Eckdaten zu Sturms Biographie, macht eine Bemerkung zur Funktion der Mundart bei ihm und verweist auf die Liederedition.
Pörnbacher (1966, S. 870): Hier findet sich vor allem ein Hinweis auf den Liederband sowie kurze Bemerkungen zum darin Enthaltenen.
Pörnbacher (1990, S. 1048-1055 u. S. 1263): Hier sind drei von Sturms Liedern abgedruckt (‚Der Abschied oder der Klausner‘, ‚Das Hausgemälde‘, ‚Der moralisierende Bauer‘); darüber hinaus liefert das Autorenregister einige Bemerkungen zu Sturm und seinem Wirken.
Giehrl (1819, S. III-VIII): Giehrl liefert einige Bemerkungen zu der Edition sowie Ausführlicheres zu Sturms Biographie (in recht persönlichen Zügen).
Holland (1894, S. 45-48): Holland bietet einigermaßen ausführliche Informationen zur Biographie Sturms sowie Ausführungen zum Liedwerk.

Werke:
Literatur:
Zuletzt geändert: am: 12.9.2016 um: 13:35:25 Uhr