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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Zugehöriges Werk: Herzu ihr Buben, hat einer ein Lust [Steyermarckischer Rauffjodel]
Incipit: Herzu ihr Buemä hat ainä än Lust
Typus: Text
Volltext-Link: http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00011255/image_96
Quelle:
Kommentar:

Abgedruckt in: Mautner 1920, S. 89-91, aus einer Flugschrift.
19 Strophen, entspricht im Grunde der bereits von Weinhold edierten Fassung; das Lied ist in dieser Fassung aber stärker dialektal wiedergegeben.
(Die bei Mautner ebenfalls abgedruckte Melodie ist von Weinhold übernommen und stammt nicht aus der Flugschrift.)

Lt. Mautner kann man den Druck aufgrund des Titelholzschnittes ev. ins 17. Jh. datieren, vielleicht wurde auch später ein alter Druckstock verwendet (vgl. ebd.: 77).

Transkription:

1.
HErzu ihr Buemä hat ainä än Lust /
mit mir ein Gang zu wagen:
da stehe ich fertig / da habt ihr mein Brust /
Mein Freud ist Rauffn und Schlagen:
vor keinen mir graust / ich hab auch ein Faust /
darff umb kein Menschen fragen.

2.
Der jung Rauff-Jodl bin ich genannt /
kan reuthen / und kan fahren /
im edlen Steuermarckt gar vilen bekannt /
ein Bue von 30. Jahren /
man sicht mirs nit an / was ich nun mehr kan /
wers nicht glaubt thuets erfahren.

3.
I bin kein Edelmann weiß i gar wol /
scham mi nit meiner Joppen /
wann schon ein andrer vil grösser seyn soll /
so laß i mi nit foppen /
was frag i noch ihm / so klein als i bin /
will ihm das Maul verschoppen.

4.
Kein Flögel ißt in unser Revier /
wanns meiner nur begehren /
offt starcke Buemä drey oder ä vier /
die jag ich weith von feren /
i hau halt und sti / schlag mächtig umb mi /
bin halt ä harter Kerren.

5.
Du Oxen-Liendl großkopffeta Bue /
Mei Faust wird dir nit schmeckä /
hast du Curäschi so mach di herzu /
was frag i umb dein Steckä /
du Simändl auch / mit deinem Schmer-Bauch /
solst mir gar nit erschrökä.

6.
Der Mörtl hat mi gfordert herauß /
hab ihm die Haut voll gschlagen /
den Narren hat man ganz blutig ins Hauß /
von mir haimb müssen tragen /
er kunt nicht mehr gehn / er kunt nicht mehr stehn /
jetzt ligt er an den Schragen.

7.
Der Becken Hänßl hat d’Suppen versaltzt /
thut mir ins Hertz einschneiden /
hat mir in Würths-Hauß unsinnig eingschnaltzt /
er hats noch auf der Kreiden /
hat gjuchzet darzu / der trutzige Bue /
das mag i gar nit leyden.

8.
Soll er nur einmohl mir kommen ins Gsicht /
flux wolt i mit ihm fechten /
das soll er wissen / i weich ihm gar nicht /
er find an mir den Rechten /
ey potz Saffrian / i weiß was i kan /
trutz allen starcken Knechten.

9.
Auf offner Strassen mach i mi an ihn /
es wird groß Fetzen geben /
ein gute Schmitzen hat er zum Gewinn /
solts kosten auch mein Leben /
so starck es kan seyn / so schlag i darein /
warum darff er anheben.

10.
Bald er an mir nur ein wenig anstöst /
mein Bletzer will i zucken /
zerhauen will i den Bubn aufs best /
die trutzige Hunds-Lucken /
afft ligt er zerhaut / an Bein und Haut /
zu vier und zwarnzig Stucken.

11.
Wann er sein Leben gelassen im Stich /
verfault er dann im Graben /
da muß er streckä all viere von sich /
sonst fressen ihm die Raben /
seh Hänßl mein Knecht / es gschicht dir so recht /
du hasts selbst wollen haben.

12.
Der Bue der Riepl ist geltig nix nutz /
hebt an vil schlimme Possen /
hat nächsten mir und mein Gespänen zutrutz /
mein Hund mit Füssen gstossen /
da bin i nit faul / und schlag ihn aufs Maul /
das Blut ist hergeschossen.

13.
Erst gestern hab i ihn ertappt /
zu nächst bey unsern Hueben /
hat er bey sich ein Säbl gehabt /
und noch zwey andere Buben /
da hab i dreinghaut / als wie in ein Kraut /
zerhackt als wie die Ruben.

14.
Dem Lentzl-Müllner i schuldig eins bin /
i kan ihms ja nit schenckä /
mei Präxen will i no wetzen an ihm /
er muß auf mi gedenckä /
so bald i ihn find / schlag i ihn zum Grind /
will ihm ä Guts anhenckä.

15.
Znächst wie die Gredl ihr Hochzeit hat ghabt /
mit unsers Jägers Frantzen /
hab i ihn auf dem Tantz-Boden erdappt /
wolt gschwind bei mir anschantzen /
der dalcketa Knoll / war dämisch und voll /
wolt nur allweil vort tantzen.

16.
Da bin i hurtig / und gib ihm präff Stöß /
wirds haben wohl empfunden /
zersetzt ist worden sein Joppen und Kröß /
sein Schedl voller Wunden /
und hät ihn noch mehr / geployet / wann er
nit wär bey Zeit verschwunden.

17.
Da Pfarrä Hießl dä gstrobletä Narr /
hat a mit mir angfangä /
hab ihm außgriffen groß Schüpl vom Har /
seynd dreymal zambä gangä /
und hab ihm haimb gleucht / biß nunter zum Teicht /
mit einer Hopffen-Stangä.

18.
Fang Hießl morgen fein widerumb an /
hast Lust wohl bey der Linden /
dein Meister bin i du kenst mi ja schon /
laß mir die Händ nit binden /
bekomm ich dich mehr / und kombst du mir her /
was suchst das wirst du finden.

19.
So bleib i halt der Rauff-Jodl so wert /
all Buemä mi schon kennä /
wer mich zum Rauffen und Schlagen begehrt /
mit Lust werd i zurennä /
so bräff als ichs mach / thus einer mir nach /
will ihn ein Meister nennä.

ENDE.

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 13.8.2015 um: 10:40:01 Uhr