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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Zugehöriges Werk: Herzu ihr Buben, hat einer ein Lust [Steyermarckischer Rauffjodel]
Incipit: Herzu ihr Buben, hat einer ein Lust
Typus: Musik
Zeitraum Entstehung: 1677
Volltext-Link: http://www.archive.org/stream/zeitschriftfrv04verbuoft#page/334/mode/2up
Volltextdateien:
Quelle:
Kommentar:

Fassung aus 'Ehrliche Gemüths-Erquickung', hier nach der Wiener Ausgabe von 1687 gemäß der Textwiedergabe von Karl Weinhold (1894, S. 335f.) (siehe https://archive.org/stream/zeitschriftfrv04verbuoft#page/334/mode/2up).

Bei Nettl (1934, S. 38-40) ist das Lied nach der Wiener Ausgabe von 1686 ediert.
Das Faksimile der Klagenfurter Fassung von 1691 ist als Anhang hochgeladen ("Steyermarcktischer Rauff-Jodl", Teil 1, Nr. 57, S. 172-176).

Erster Druck schon in der ersten (bekannten) Ausgabe der "Ehrlichen Gemüths-Erquickung" von 1677, die allerdings bisher nicht eingesehen wurde.

Transkription:

Steyermarckischer Rauffjodl

1.
Herzu ihr Buben, hat einer ein Lust |mit mir ein Gang zu wagen | Da steh
ich fertig, da habt ihr mein Brust | mein Freud ist raufen, schlagen |
Vor keinem mir graust, ich hab auch mein Faust | darf umb kein Menschen fragen.

2. Der jung Raufjodel so bin ich genannt | Kan reuthen und kan fahren | In
edlen Steyermarckt vielen bekannt Ein Bub von dreyssig Jahren | Man sieht mirs
nicht an | was ich noch mehr kan | Wers nicht glaubt thues erfahren.

3. Ich bin kein Edelmann weiss ich gar wol | Scham mich nicht meiner
Joppen I Wann schon ein andrer viel grösser seyn soll | So lass ich mich nicht
foppen I Was frag ich umb ihn | so klein als ich bin | Kan ihm das Maul verschoppen.

4. Keim Flegel weich ich in unser Refier | Wenns meiner nur begehren | Offt
starcke Buben drey oder auch vier | Die jauck ich weit von fehren | Ich hau halt
stich stich | schlag mächtig umb mich | Bin halt ein harter Kehren.

5. Du Ochsen-Liendl gross kopffeter Bue | Mein Faust wird dir nicht schmecken |
Hast du Curaschi so mach dich herzue | Was frag ich umb dein Stecken ( Du
Simandl auch | Mit deinem Schmerbauch | Sollst mich gar nicht erschrocken.

6. Der Merthl hat mich gefordert herauss | Hab ihm die Haut voll gschlagen |
Den Narren hat man gantz blutig ins Hauss | Von mir haimb müssen tragen | Er
kunt nit mehr stehn | er kunt auch nit gehn | Jetzt ligt er schier am Schrägen.

7. Dess Becker Hansel hat d'Suppen versaltzt | Thut mir ins Hertz einschneiden
I Hat mir im Wirtshauss unsinnig eingschnaltzt | Er hats noch auff der
Kreiden | Und jauchtzt noch darzue | der trotzige Bue | Das mag ich gar nit leiden.

8. Soll er mir einmahl nur kommen ins Gsicht | Flux wolt ich mit ihm
fechten | Das soll er wissen ich weich ihm gar nicht | Er find an mir den rechten |
Ey potz Safrian | ich weis was ich kan | Trutz andern starken Knechten.

9. Auff offner Strassen mach ich mich an ihn | Es wird gross Fetzen geben |
Ein gutn Schmitzen hat er zum Gewin | Solls kosten auch mein Leben | So starck
es kan seyn | So schlag' ich darein | Warumb darff er anheben.

10. Bald er an mich nur ein wenig anstösst | Mein Pletzer will ich zucken |
Zerhauen will ich den Buben aull's best | Die trutzige Hundslucken | Äfft ligt er
zerhaun | An Bein und an Haut | Zu vier und zwantzig Stucken.

11. Wenn er sein Leben gelassen in Stich | Verfaullt er dann im Graben | Da
muss er strecken all viere von sich | Und fressen ihn die Raben | So Hansel mein
Knecht | Es gschicht dir gar recht 1 Du hasts selbst wollen haben.

12. Der Bub der Riepl ist göltig nichts nutz | Hebt an viel schlimme Possen |
Hat nechsten mir und mein Gspänen zu Trutz | Mein Hund mit Füssen gstossen |
Da bin ich nicht faul | Und schlag ihn aufs Maul | Das Blut ist hier geschossen

13. Erst gestern hab ich ihn aber ertapt | Zunechst bey unser Hüben | Hat
er auch bey sich ein Säbel gehabt | Und noch zween andre Buben | Da hab ich
drein ghaut | Als wie in ein Kraut 1 Zerhackt als wie die Rüben.

14. Dem Lentzel Müllner ich schuldig eins bin | Ich kans ihm ja nicht
schencken | Mein Präpen will ich noch wetzen an ihn | Er muss auff mich gedenken
| So bald ich ihn find | Schlag ich ihn zum Grind | Will ihm ein guts anhencken.

15. Nechst wie die Gredl ihr Hochzeit hat ghabt | Mit unsers Jägers Prantzen |
Hab ich ihn auff dem Tantzboden ertapt | Wolt gschwind bey mir anschantzen |
Der talckete Knoll | War damisch und voll | Wolt mir allweil vor dantzen.

16. Da bin ich hurtig und gieb ihm gut Stöss | Wirds haben wohl empfunden |
Zerfetzt ist worden sein Joppen und Kröss | Sein Schedel voller Wunden | Und
hat ihn noch mehr | Gebloyet wann er | Bey Zeit nit war verschwunden.

17. Dess Pfarrers Hiessl der gstroblete Narr | Hat auch mit mir angfangen |
Hab ihm aussgrissen gross Schippel von Haar | Seynd dreimal zsammengangen | Und
hab ihm haimb gleicht | Biss unten zum Teicht | Mit einer Hopfenstangen.

18. Fang Hiesel morgen fein wiederumb an | Hast lust wart bey der Linden |
Dein Meister bin ich du kennst mich ja schon | Lass mir die Hand nicht binden |
Bekomm ich dich mehr | Und kombst mir noch her | Was suchst das wirst du
finden.

19. So bleib ich halt der Rauffjodel so werth | All Buben mich schon kennen |
Wo man zu rauffen zu schlagen begehrt | Mit Lust werd ich zurennen | So präv
als ichs mach | Thus einer mir nach | Will ihn mein Meister nennen.

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 22.7.2016 um: 14:10:59 Uhr