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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Zugehöriges Werk: Sey mä GOtt wilich kom Bruder Simmändel
Incipit: SEy mä GOtt wilich kom Bruder Simmändel
Typus: Text
Zeitraum Entstehung: 1759 oder etwas später
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Kommentar:

17 Strophen

Diese Version hat zwei Strophen weniger als die andere Variante und scheint von der Reihenfolge der beschriebenen Ereignisse etwas durcheinander gekommen zu sein: Während in der anderen Version ab Str. 6 vor allem die 'aktuellen' Ereignisse der Schlacht von Kunersdorf (August 1759) beschrieben werden, bleibt hier für sich allein betrachtet die Zuordnung der einzelnen Ereignisse etwas unscharf; die Reihenfolge von Str. 11 und 12 etwa würde umgekehrt mehr Sinn ergeben - wie es auch in der anderen Variante der Fall ist. Dagegen gibt es andere Passagen - vgl. v.a. die Strophen 13/14 - die inhaltlich zusammenzupassen scheinen, bei der anderen Version aber an völlig anderer Stelle stehen.

(Datierung aufgrund inhaltlicher Kriterien, s.o.; die Flugschrift ist undatiert.)

Anm. zur Transkription:
Die in Klammern stehenden Zahlen bei den Strophennummern geben die Nummer an,
die die Strophe in der anderen Fassung hat.

Transkription:

Ein schönes neues Lied.

1. [1]
SEy mä GOtt wilich kom Bruder Simmändel,
kommst jetzt von Preussen Krieg, wie gen die Händel,
du kanst mä d’Wahrheit sagen, bist däbey gewesen,
d’Zeitung laut wolla gut, kans obä nit lesen.

2. [2]
Von Lintz da hammä glei auf Ollmütz müssen,
seymä acht Tag do gewest, tans Preussen beschiessen;
sie beschiessen Tag und Nacht grausamst dermassen,
müssens mit GOttes Gnad wieder verlassen.

3. [3]
Ein tapfer General, Kohrfürst aus Barn [sic],
der hat drin kommdirt zu Ollmütz, in Mahren,
Baron von Böheim schreibt er sich mit Nahmä,
der hat dä Preussen gejagt recht durch änandä.

4. [4]
Er hat än Ausfall gmacht, hat ihn glei gerothen,
ham glei viel nieder gmacht, Preuschisch [sic] Soldaten,
Preussen sein renät worden über die massen,
viel Stuck und anders Geschnar müssens verlassen.

5. [5]
Wie mä zu Hofkirchen den Preussen ham gschlagen,
dort hamä sein Armee rechtschaffen zwagen,
mi hats von Herzen gefreyt, ich [1v] ha mi gerochä,
han dä gar leicht a zwanzig Preussen da stochä.

6. [6]
Dä nächst in än Samstag ist gewessen recht lustig,
i main es ist gewesen der ailfte Augusti,
seynd nätä die Bodä da und than halbieren,
heben an die Preussen mit uns zu schäschiren.

7. [12]
Wie ist den häntz Preussen, mögst näma laxiren,
die Steyermarkter Biberl thun guth operiren,
wer ans bekemä hat den hats glei gschmissen,
hat ihm manigen Hals und Köpf und die Darm zerrissen.

8. [11]
Das dauret von zwölffi an bis auffi auf siebni,
oft seynd die Preussen gerith mit samt den Künig,
was in Feld ligen, und stehen müssens verlassen,
viel ham vor Schrocken in d’Hossen gehn lassen.

9. [16]
Zu Kistrin trunden seyn Preussen dä kemä,
seyn ä fünft Roß mit än Reitä ankemä,
da hat den König geschmerzt, will ihm nit schmeckä,
hamt ihre Hüt verlohren mit samt den Köpfen.

10. [17]
Hät kin die fünf Reittä auf Berlin einschickä,
stat der Postillion wird zschlecht erquickä,
sö gschicht den Prallern recht über die massen [2r]
wanns wollen flügend werden, eh die Federn wachsen.

11. [10]
Der General Soltikof last sich nicht schröckä,
der Laudon last ä die Russen nit steckä,
mit GOttes Hülf und Gnad, thuts sich Blat wenden,
daß mä Victory ham in unsern Händen.

12. [8]
Das hat dä Preussen erschröcklich verdrossen,
heben glei zum Fechten an, und ham glei gschossen,
60000. Preussen sein gewesen an allen,
hatten mein aichel das Feld bald dä halten.

13. [7]
General Soltikoff schickt nach um Bodä,
wanns gern palbiert wollten werden, Preussen bleibs da dä,
der Laudon last sein Feldschörer zusamm kemä,
Preussen müst uns zum Laxiren einnehmä.

14. [13]
Gelt Preussen die Boda-Geselln kenä euchs machä,
braucht ä kein Saifen nicht, und kain warms Wasser,
funf zehn tausend ham si balbirn lassen,
denen wird gewißlich kein Barth nimmä wachsn.

15. [14]
Fünf zehn tausend gefangä, zwanzig tausend Bleßirte,
und ä sechszehn tausend Mann seynd Desertite,
fünfzehn tausend‘ so [2v] seynd schlaffä gangä,
dö wern nimmehr das Aufstehn verlangä.

16. [18]
GOtt sey Lob Ehr und Dank, um die Victory,
GOtt gib den Verstorbnen die ewige Glory,
und den Bleßirten Gedult in den Schmerzen,
GOtt stärk den Gesunden ihr tapfre Herzen.

17. [19]
Vivät Maria Theresia soll leben,
General Soltikof Laudon auch eben,
schmeists Glöser in die Höh, es bleibt kains hönka,
thues nä auf den Singer ä doch gedenkä,
schmeists Glöser in die Höh, wanns glei thuts springä,
thuts nä dem Singer ä ains zu bringa.

ENDE.

[Vignette: Vase mit zwei Blättern...]

Zuletzt geändert:am: 11.12.2015 um: 13:59:37 Uhr