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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Zugehöriges Werk: Arm Kroatl, nichts zu leben
Incipit: Schaut er an, daß unsr än
Typus: Text
Zeitraum Entstehung: spätestens 1737
Entstehungsort: Wien
Quelle:
Kommentar:

Aus der Handschrift "Teutsche Arien", Bd. I, S. 22f.
Abgedruckt in: Pirker 1927, S. 11, vgl. auch den Kommentar zum Stück S. 402ff.

Das Lied entstammt der Komödie ‘Die Zauber Trommel' , deren gesamter Text (soweit bekannt) nicht überliefert ist. Lediglich die Arien sind erhalten.

Das Lied hat in dieser Version nur vier Strophen. Mit der umfangreicheren, in Flugschriften gefundenen Fassung (siehe Hauptvariante ) lässt sie sich folgendermaßen vergleichen: Die 1. Strophe dieser Fassung wird in der anderen nicht aufgegriffen, die 2. Strophe hier entspricht auch dort der 2. Strophe, die 3. hier wird zur 1. dort, die 4. hier zur 3. dort.
Durch den Kontext des Theaterstücks kommt noch weit stärker das Clowneske des Liedes heraus - vor allem, da am Ende jeder Strophe die Regieanweisung "Küßt", "Schlägt", "Springt" bzw. "Weint" gegeben wird.

Die sprachliche Charakteristik des ‚Crabatischen Hühner-Krammers‘ ist nicht eindeutig als bairisch klassifizierbar, sie zeigt allerdings bestimmte Interferenzen in die entsprechende Richtung. Es handelt sich hierbei also zwar um ein durch einen kroatischen (oder entsprechend gemeinten) Akzent geprägtes und teils auch gebrochenes Deutsch, doch weist dieses zugleich auch dennoch eindeutig bairische Züge auf; die „Abweichungen“ vom Standard/“Hochsprachlichen“ sind in diesem Sinne nicht nur der Tatsache zuzuschreiben, dass Deutsch nicht die Muttersprache des Sprechers ist, sondern sind teilweise auch als mundartlich einzustufen.

Eine Datierung ist nicht eindeutig möglich; für das Stück ist in einem überlieferten Aufführungsverzeichnis eine Aufführung am 7.12.1737 am Kärntnertor-Theater angegeben (vgl. Pirker 1927, S. IXf.; siehe auch den genaueren Kommentar beim Stück).

Ungewiss ist darüber hinaus auch, ob Kurz tatsächlich als Verfasser gelten kann (vgl. Pirker 1927, S. VIII) (Siehe auch hier zu näheren Anmerkungen auch der Eintrag zum Stück ‘Die Zauber Trommel' ).
-- Für dieses Lied gilt aber darüber hinaus noch, dass - selbst wenn Kurz als Autor des Stückes angenommen wird - nicht sicher festgestellt werden kann, ob er angesichts der breiten Überlieferung dieses konkrete Lied nicht selbst aus anderen Quellen übernommen hat. Zwar ist keine ältere Version gefunden worden, allerdings könnte der Umstand, dass die anderen Versionen wesentlich umfangreicher sind, als Hinweis darauf gedeutet werden.

Transkription:

Num: VI. Crabatischer Hühner=Krammer.

1.
Schaut er an, daß unsr än,
Arm Grawat ist gansr län
At nicks mehr das äns Ort,
Kan nit mach Puß Puß dort. Küßt.

2.
Weib das arm Grawatl schlagn,
Und at aus der Außr jagn,
Atr Emmerl ausser heb,
At auf Arsch fick fick geb. Schlägt.

3.
Arm Grawatl nicks zu lebn,
Nicks mehr Madl Pratzel gebn,
Nicks mehr dantz Grawadisch,
Nick mehr mach hop hop frisch. Springt.

4.
Muß wie er rummer laff,
Schreyt a Kimm a Swiefel kaff,
Is nit gutr mehr wie eh,
Thuts Bauckerl a a weh. Weint.

Transkription: Matthias J. Pernerstorfer: Ariensammlung - Edition und Kommentar (laufendes Projekt; siehe http://www.donjuanarchiv.at/?id=267 ).

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 24.3.2016 um: 11:44:51 Uhr