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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Zugehöriges Werk: Der Wachend-träumende König Riepel
Typus: Text
Autor:
Komponist:
Zeitraum Entstehung: 1749
Entstehungsort: Salzburg
Volltextdateien:
Quelle:
Kommentar:

Gedruckte Ausgabe von 1749, der Autor ist nur mit den Initialien "J.A.W." angegeben.

Kurze Angaben dazu finden sich auch bei Huber 1878, der das Stück als in Salzburger Mundart gestaltet beschreibt, darüber hinaus aber keine weiteren Ausführungen bringt.

Als Anhang hochgeladen ist die Reproduktion der Mikrofiche-Ausgabe.

Transkription:

Textauszug:

'Der Wachend-träumende König Riepel: Auf Gnädigistes Anbefehlen Ihro Hoch-Fürstl. Gnaden, Des Hochwürdigist-Hochgebohrnen, des Heil. Röm. Reichs Fürsten und Herrn Herrn Andreae Jacobi, Ertz-Bischoffen zu Saltzburg, Legaten des H. Röm. Apostolischen Stuhls, Primaten von Teutschland, Auß dem Hoch-Reichs-Gräflichen Hauß Von Dietrichstein etc. etc. Auf Dero Hof-Theatro vorgestellet 1749. Poës. J.A.W. Mus. J.E.E. Saltzburg, Gedruckt bey Johann Joseph Mayrs, Hof- und Academischen Buchdruckers seel Erbin.'

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Singende Personen:
- Riepel, ein versoffener Baur,
- Dreischel, sein Weib,
- Hansel, deren Sohn,
- Gredl, ihre Tochter,
- Germanus, dessen Tisch-Rath, samt Jägern, Cammerdiener, Laquayen, Tänzern etc.
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Textauszug (1. Akt):

[f.2r]
Erster Theil.
Scena I.
Die Gegend an des Riepls Hauß.

Hanßl.
Ha, ha, ha, ha, ha, ha, schau Voda, schao no krot,

Riepl.
Wo? Wo? Hanßl. Schau, siechstden grossen Habicht nöt?

Hanßl.
Duecht, wiera jungö Hienln on Bantl bundna hot:
A kos nöt ohi bringa.
Ha, ha, ha, ha, oas hot a krot eascht gfrößn,
Zwoa, hota wida gspibm.
(Dreischl kommt und schmiert den Riepl wacker ab.)

Riepl.
Au weh, au weh, au weh, au weh!

Dreischl.
Du woast as scho, wierumba:

Riepl.
Da Guggu hot mi grithn,
Das i zlong auß bi blibm.

Dreischl.
Ho gmoat, i will an Kreutza
Göh außn Hienln lesen,
Jetz lost dös Lueda n'Hobich driba.
(Im gehen.)
[f.2v]
Woacht no, i denck da no scho dro:

Hanßl.
Heast Voda! hot di d'Mueda bloit?

Riepl.
Du Flögl du, wos geht di doßl o?

Hanßl.
Ho! wonn i war ols du, so hets ma holt vaschmocht.

Riepl.
Ist nix dro glögn, bi deart da Mo.

Hanßl.
Wie hoss den gue so giffti gmocht?

Aria.
Riepl.
Ho holt Hienln hietn miessn:
Do dat mi auf d'leng vadriessn,
Ollawall dös Pi, Pi, Pi:
Bi kam auf a Maßl gonga,
Hots dea Doifls-Hobich gfonga,
Und auf oamohl oll dahi.
    Da Capo.

Mecht oach no moan, wies kunt da Hobich kriegn,
I hos jo gua so gscheid mit Bantln zomma ghenckt,
A sodl het i kroat, ea kunts nöt oll daziegn.

Scena II.
Dreischl und Obige.

Dreischl (mit einem Korb Eyer.)
Jetz sog i das, so wor i Dreischl bi,
Fongst du ma no a mohl an sötlan Hondl o,
So schau no krot auf di:
Shau Lump, do honi no a Keabl Oja:
Dö muest ma glei göh in da Stod vakaffn:
Gib ofar ocht, neun Botzn muest ma bringa,
Ud no zwe Kreutza Broud dazue.
(Gibt ihm den Korb und gehet.)
[f.3r]
Wonts ofa nöt vakaffn kost:
So trog mas wida hoam, sist schau no, wos i thue.

Riepl.
Ist göh so dueschtigs Wöda, - - -
Und i soll fuecht in d'Stodt? - - -
Ist hin a Stund, - - ist hear a Stund - -
(Setzt den Korb nider.)
As ist koa Nueradey,
Wonn oach koa Geld in Beutl hot.
Wonn i no hi an oazign Groschn hiet,
Hea wissat i scho boß, wie i ma helffn miet.
Heast Hanßl! geh du zu da Mueda:
(Hanßl laufft fort.)

Riepl.
Wo schoifft hi? H. Zu da Mueda holt:

Riepl.
Wos willst den offtn sogn?

Hanßl.
Ho! nix, wons öpas wissn will;
So losts di leicht scho wida frogn.

Riepl.
Do homman Noan: gib ocht, und sog zun ie:
Si soll mas holt vazeicha,

Hanßl.
Si die? Riepl. Jo, mie: i loß holt gue scho bittn,
Si soll ma nuar an Groschn leicha,
I will jen i funfzg Jue scho wida gebm.

Hanßl.
Du je? Riepl. Jo je, vasteß? i dues o foppm.

Riepl.
Domits ma holt an Groschn geit:
Offt, wonn i ho, so zoag i ihr a longö Feign.

Hanßl.
Scho recht: - - - wons ofa n'Brotn schmöcka dat?

Riepl.
An Pfiffaling duets schmöcka:
Moast gwiß dei Muedar ist so gscheit?

[3v]
Hanßl:
Jo, wonns mi ofa bloit?

Riepl.
As bloit di nöt, i steh da guet dafie.

Hanßl.
An Creutza willst? Riepl. An Groschn willi, geh no:

Riepl. ( Wie bringi no den Kerl wöcka )
Ge fuecht a mohl und schau ma nimmar umb, (Hanßl geht fort.)
Sist nimmi göh n'Stecka,
Ist das holt nöt a Creutz:
Dea Bue hot so an gscheitn Vodan,
Und ko so dearisch sey:
I will no krot gean seha,
Wos öpan s'Weib göh soat dazue:
I mues a bißl speha.

Scena III.
Dreischl, Riepl, Hanßl.

Riepl horchet an der Hauß-Thür und wird von dem Hanßl, welchen die Dreischl mit Schlägen herauß jaget, rücklingen in den Korb Eyer hinein gestossen.

Dreischl.
Du Schliffl, schau, do trinck da gnue:
Geh' hi, jetz bring dein Vodan a oas zue.

Riepl.
Na, na, bedanck mi s' Truncks:

Hanßl.
Jetz iß braf jetza.

Dreischl sicht die gebrochene Eyer.
Was ist denn döß? - - sand d'Ojar a jetz hi?
Ha Schölm! ha Golign-Strick! was mues i du göh thoa?
Woacht no, döß thue i da nöt schencka.
Flux holli göh n'Shiering-Lentzl,
Dea wird da no dei Boßheit gwiß eintrencka.

[4r]
Aria.
Gley göh will i di vaklogn,
Wills n'Richta fleissi sogn,
Doß i nimma hausn ko,
Wallstma du host olls vatho.
Shau, solong bist muest varöcka,
Loß i di in d'Keycha stöcka:
Ahi muest, hilfft nix dafie:
Mogst vo Gifft und Zouan pimma,
Kriegst ma gwiß dei Lebtog nimma
Weda Brondwey, weda Bie.
    Da Capo.
Sie gehet hinweg.

Scena IV.
Riepl, Hanßl.

Riepl.
Heast Hanßl hot di d'Mueda ploit?

Hanßl.
Mog sey, doß mi hot gmoat:

Riepl.
Wie host denn öpan gsoat?

Hanßl.
I ho holt gsoat: du willst jehs scho vazeycha,
Si soll di gue scho bittn,
Und soll da glei an Groschn leycha,
Du willst iehn fleissi nimma göbm,
Und wonst'n host, so zoagst jeh d'Feign:
Und offtn daß dus foppn thuest:

Riepl.
Sist nix mea? Hanßl. Jo, i hiet scho meara pracht,

Hanßl.
As hot mi nimma lossn.

Riepl.
Bist braff: - - - Ha, Bissels-Gründ, dös hetst jo solln vaschweign?
Jetz glab ichs gean, doß Weib zum Richta geht.
[4v]
Wos muß i thoa? - - - mei Lebatog in Koda? - - -
Mei Lebatog koan Brondwey? - - -
Mei Lebatog kao Bie? - - -
(Im weggehen.)
I woas scho, was i thue, ist do schon auß mit mie.

Hanßl.
Dear oaröm Noa mei Voda
Mecht oan krot schie daboama,
Daß d'Mueda guer a so a besi Höppin ist. - -
Mei Hien wa sist Gedoncka voll,
Ud follt ma deart nöt ei, wie i iem felffn soll:

Riepl à parte mit dem vermeynten Gifft-Glaß in der Hand: wovon er immer trinckt.
( Dadieschtn soll i gwiß?
( Na, denßl Toud den kunti nöt daleydn:
( Wons do mues gstuerömb sey,
( So will i mi toud trincka.
( Dös kimt mi fey leicht o,
( As diescht mi auf da Roaß fey nöt so gschwind,
( Und stirb a so dahi ols wiar a Kind.

Er trinckt:
Hanßl.
( N'Richta will i bittn,
à parte. ( Und hoasn offt Gott Voda,
( Denn houchö Titl hot a gean:

Riepl.
( Wonn offt da Richta schickt umb mi;
( So sog i: i bi toud, mei Weib ist Ursach dro:

Hanßl.
( N'Schierögn schilti strenga Hean;
( So spieta 'n gwiß nöt ey

[f.5r]
Riepl.
( Sogn d'Leuth: da Toud ist bitta,
( Dalogn iss, kunt nöt bessa sey.

Hanßl.
Schau! host no öppas z'trincka gfuntn?

Riepl.
Sey statt: Hanßl. Wos thuest denn mit den Flaschl?

Riepl.
Ho! will holt krot fie d'Longwall göh oas stearöbm. (Er trinckt auß.)

Hanßl.
Nöt Voda, sey koa Noa:
As hot jo d'Mueda gsoat, as is a Gifft.

Riepl.
Jo no, as ist scho druntn:

Hanßl.
Au weh, mit dir iß gscheha.
(Weynet.)

Riepl.
Jo, jo, as wird bold on a Schnoppn göh.
No, Hanßl! hob ma nix varibl:
Schau, holt di wohl ols wie die Voda.
(Er redet allgemach stammlend.)
I wie di do bold nimma seha:
As guggt scho d'Seel zum Augnan auß:
As ko - - koan ondra Mensch dafie
Ols krot - - dö Hex - - - dei Mueda.
Sog ies - - i will holt deart - - ie Gsundhoat trincka
Duecht - - in dar onan Welt
In Brontwey - - - und - - in - - Mietzn-Bie. - - -
(Er wird unbeweglich.)

Hanßl
Au weh! da Vodar iß jetz hi,
Ud i bi holt a Woaßl - - -
Zlötzt gehts göhn öppan üba mi - - -
Wos thue i göh? - - Wos höb i o? - -
Wons hoast: wierumb i denn nöt bössar ogwiet ho?

[5v]
Aria.
Jetz iß a schönö Möttn,
Wos wied göh d'Mueda sogn?
I fiecht ( wos will i wöttn )
As thuet mi a vaklogn:
    Da Capo.

Scena V.
Hanßl, Dreischl, hinnach Gredl a parte & Bibax samt etlichen von der Jagd zuruck kommenden Jägern.

Hanßl.
I laff holt göh davo:
I woas do sist koa Mittl mea:
Denn d'Mueda gab ma Schlög, so dich wie Botzm-Loab.

Dreischl.
Wohi so flux? bley do:

Hanßl.
( Jetz gehts gwiß üban Buckl hea:
(E weynet.)

Dreischl.
Wos reast denn du a so?

Hanßl.
I ko das jo - - - vo lauta Load - - - nöt sogn: - - -

Dreischl.
Ho, sogs holt deart, wos wirds denn sey?

Hanßl.
Da Voda - - - is - - Mauß-Toud?

Dreischl.
Hau! Ewohl! du Honnß-Wuscht!
Wierumba toud? Wea hot am öppas tho?

Hanßl nimmt das Fläschl.
Jo, schau dös Flaschl Gifft,
Dos hot a holt auß lauta Duscht - - -

Dreischl. Außtruncka? Hanßl. Na:
Dreichl. Wos denn? Hanßl. Auß gsuffn:

[6r]
(Bibax mit den Jägern beobachten den Bauern.)

Dreischl.
Uh, offtn is a no krot voll:

Hanßl.
I ho n'ofa stearöbm seha:

Dreischl.
Du bist a Noa: as ist koa Gifft nöt gween:

Hanßl.
Du host as ofa selba gsoat:

Dreischl.
Ho holt dein Vodan gfoppt, doß as nöt sauffn soll.
I ho mas zun a Lobmaß kafft:
Ma hoasts an Walischn Rouspoli,
Umb denn holt ist ma machtig load.

(Die Jäger tragen auf Befehl des Bibax den Riepl gemach hinweg, welches nur allein die darzu koommende Gredl beobachtet.

Hanßl.
Jo no, so hostn holt toudt glogn:

Dreischl.
An Pfitsch! wos roats da denn?

Hanßl.
Mogst sogn, wost willst, ar ist holt nima lempi:
Geh hea, do schau n'o: - - -
Wo is a? - - - hey! - - wea hot mein Vodan wecka?
(Bibax inner der Scena.)
Der Teuffel! - - - Hanßl. Oha Mueda!
Dös ist koa guetö Post:

[6v]
Dreischl.
Dös wa mar öppas nois: i kos jo schie nöt glabm:

Hanßl.
Do is a jo eascht glögn? Dreischl. As is ma wier a Tramm.

Aria à 2.
Dreischl.
I woas nöt, wierum a denn gstueröm sey sollt,
Und doßn' dazue no da Doixl het ghollt:
Hanßl.
I fiecht ma. Dreischl. I glabs nöt, as geht ma nöt ey:
Dreischl.
Ea kimmt no scho fiera, ea wied nöt weit sey.
Hanßl.
Ea kimmt nimma fiera, was wo wied a sey:
Hanßl.
Jo Muedar i sog das, do bleib i nöt long,
As wa jo mein oachl a Falla bolt gschecha,
As mecht mi da Doifl fie di bolt oseha,
Ist nimma go guet do, as wied ma recht bong.
    Da Capo.

Sie gehen in das Hauß.

Scena VI.
Gredl allein.
Mei, schauts no krot, wos hobman denn dö Stodt- Schwolmb
Mein Vodan wöcka ztrogn? - - -
Wos fongans öpan o mit jem? - - -
[f.7r]
Seys wie da Wöll, jetz geh i je göh noch:
Denn doßl Ding dös mueß i no dafrogn.
A wunat mi no krot auf d'Mueda,
Daß si nöt gscheitar ist, und hots nöt gseha;
Mir ist nöt Load, wos gilts i wills daspeha.

Aria.
Mein Vodan den loß i nöt hintn:
Oes Schlanckl! i will enck scho fintn,
Dös geht enck mein Oachl nöt o:
I will enck scho hoamla dagratschn,
Und krieg i schon öppan a Watschn;
So laf i holt wida davo. Da Capo.

Anderter Theil.

[...]

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 12.9.2016 um: 14:55:08 Uhr