Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Zugehöriges Werk: Ein Liedlein zu singen: ein Liedlein ein neus
Incipit: Ein Liedla zu singa, ein Liedla ein neus
Typus: Text
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Quelle:
Kommentar:

20 Strophen ohne Melodie.
Nicht datiert, Ende 18. Jh.

Einige Unsicherheiten in der Dialektwiedergabe deuten auf einen eher dialektunkundigen Setzer/Drucker hin, insbesondere die regeläßig falsch, nämlich maskulin, flektierten Adjektive vor dem Namen "Drösel" ('Th'resel'): "mein lieba Drösel", vgl. Str. 3 ff.

Stellenkommentar:
2,2 Drösel] Theresl
3,1 mein lieba Drösel] hier und auch später werden Pronomen und Adjektiv vor dem weiblichen Namen in männlicher Flexion verwendet; es handelt sich wohl um einen Fehler, den ein womöglich dialektunkundiger Drucker/Setzer zu verantworten hat.
4,1 zieh ausi] für: zieh aus; auch diese Form weist auf eine sekundäre, fehlerhafte Wiedergabe des Dialekts hin: „ausi“ heißt eigentlich ‚hinaus‘ und wurde hier wohl fälschlicherweise als dialektal markierte Form eingesetzt.
8,1 ziag aussi] s.o., 4.1
10,2 graßt] ? (ev. für ‚g’rast‘, gereist ?)
17,1 woag] für: wage; eine dialektal gewollte Form, die es so eigentlich nicht gibt (?).
19,1 meine lieba Jäger] auch hier ist, ähnlich wie bei 3,1, die Flexion fehlerhaft, was noch einmal die Vermutung verstärkt, dass hier ein dialektungeübter Setzer/Drucker relativ beliebige, als dialektal geltende Formen einsetzte.
19,2 Hamagebn] Satzfehler für Hamagehn?
19,2 Ganserla] wohl falsche Wiedergabe statt ‚Gamserla‘

Transkription:

[2r]
1.
Ein Liedla zu singa, ein Liedla ein neus,
vom Bayrischen Matthiesel, merkts auf und mit Fleiß.

2.
Vom Bayrischen Matthiesel da thut man viel hörn,
bey der Holzkammer Drösel da thut er einkehrn,
und da thut er einkehrn.

3.
Ey du mein lieba Drösel, ich bin a wiederum do,
über Nacht sollst du mi b’halten, und gelt schlog mirs nit oh,
und gelt schlog mirs nit oh.

4.
Ey Bayrischer Matthiesel zieh ausi dein Rock,
und sitz a weila nieder, bis daß i dir was koch,
und bis daß i dir was koch.

5.
Was soll i dir denn kocha, und was wär dir denn recht,
ein Eyerschmalz mach i dir, obs dir wohl nit z’schlecht,
und obs dir wohl nit z’schlecht.

6.
Ey du lieba Drösel, es hungert mi nit,
i bin gor weit ganga und drum bin i z’müd
und drum bin i z’müd

7.
Warum bist du denn ganga und bist o su müd? [sic]
Drey Hirschla hob i g’schossa [2v] und die hob i bey mir,
und die hob i bey mir.

8.
Ey bayrischer Matthiesel ziag aussi deini Schua,
und leg di a weila nieder und deck di warm zua

9.
Ey du mein lieba Drösel allein kon i nit sey,
und wenn i mi ins Bett leg, must a bey mir sey,
und must a bey mir sey.

10.
Sie schloffen bey einander die Zeit langa Nacht
bis daß es die Hirschen den Wald umma graßt
den Wald umma graßt.

11.
Die Drösel soll aufstehn soll Krapfa bacha,
zwölf Jäger sind draussa, und soll gleich aufmacha,
und soll gleich aufmacha.

12.
Ey ihr meine liebe Jägerli, euch laß i nit rein,
i thua mi stets fürchta, und bin nur ganz allei,
und bin nur ganz allei.

13.
Ey du lieba Drösel, du führst uns nur blind,
dei Bayrischer Matthiesel ist a bey dir drinn,
und ist a bey dir drinn.

14.
Ey Bayrischer Matthiesel du kunstreicher Kund,
zwölf Jäger sind draussa! und hoben drey grosi Hund,
und hoben drey grosi Hund.

15.
Ey du lieba Drösel, laß du mirs nur rei,
i thua mi nit fürchta und wenns noch so viel seyn,
und wenns noch so viel seyn.

16.
Ey Bayrischer Matthiesel, zieg ohn deini Hoß,
du must mit uns gehn ins [3r] Kraftilands Schloß,
und ins Kraftilands Schloß.

17.
Und eh i mit euch geh, da woag i mei Leba,
und dann hätt i no 10 Gulda, die thät i euch geba,
und die thät i euch geba.

18.
ja deini 10 Gulda, die wären uns schon recht,
die wollten wir kriega, wanns noch so viel wären,
und wanns noch so viel wären.

19.
Ey meine lieba Jäger, euch muß i noch woß frogn,
ob mar im Hamagebn kei Ganserla dorf jogn,
kei Ganserla dorf jogn.

20.
Ey meini lieba Jäger, jetz gebt es zum Schluß,
und wenn wir nimma zusamma komma, so führt kein Verdruß.

Zuletzt geändert:am: 4.5.2015 um: 16:35:57 Uhr