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Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Zugehöriges Werk: Ein Liedlein zu singen: ein Liedlein ein neus
Incipit: Ein Liedlein zu singen, ein Liedlein ein neus
Typus: Text
Zeitraum Entstehung: um 1775
Volltext-Link: http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11090163-9
Volltextdateien:
Quelle:
Kommentar:

27 Strophen
Nicht datiert, um 1775 (lt. Angabe im Bibliothekskatalog).

Teile des Liedes legen einen eher dialektunkundigen Drucker/Setzer nahe, da teilweise dialektale Wendungen offenbar von einer (mündlichen oder schriftlichen) Vorlage übernommen und falsch re-interpretiert wurden - siehe insbes. Str. 11 ("ein lain" für 'allein'), 16, 21.
(Ähnlich sind auch Fehler in der Fassung der Flugschrift "Fünf schöne neue Weltliche Lieder" einzuordnen, siehe dort.)

Die Bezeichnung des Wilderers als "Wahrfranzl" (Str. 2) ist vermutlich auf einen Satzfehler zurückzuführen, in anderen Versionen heißt er "Mahrfränzl"/"Maeyr fränz".

Regensburg, Staatliche Bibliothek: 999/Germ.146 angeb.23

Transkription:

Das Andere.

[2r] 1.
Ein Liedlein zu singen,
ein Liedlein ein neus
von ein Wildpretschüzen,
merkts auf mit ein Fleiß,
und merkts auf mit ein Fleiß.

2.
Auf der Raststand der Almb,
da gehet der kalt Wind,
ein jeder Bueb ist fro
wann er sein Dienerl find,
und wann er sein Dienerl find.

[2v] 3.
Ich bin der Wahrfranzl,
es werts es bald hören
bey der Holzhamer=Reßl,
da thu ich einkehren,
und da thu ich einkehren.

4.
Und jetzo mein Reßl
bin ich ja einmal da,
thu du mich über Nacht kalten,
mein schlag mirs nicht ab,
und mein schlag mirs nicht ab.

5.
Und jetzo mein Franzel
zieg aus noch dein Rock,
laß dir Zeit nicht lang seyn
bis ich uns Nachtmahl koch,
und bis ich uns Nachtmahl koch.

6.
Was muß ich dann kochen,
was wer dir dann recht,
ein Ayrschmalz will dir kochen,
wanns dir wer nicht schlecht,
und wanns dir wer nicht schlecht.

7.
Du därfst mir nix kochen,
es hungerts mich nicht,
ich bin gar weit gangen
vom tragen bin ich mied,
und vom tragen bin ich mied.

8.
O du mein Franzel
zieg aus deine Schueh,
leg dich außig in das Bett,
und deck dich warm zu.

9.
Sie liegen voneinander
die ganze lange Nacht,
und bis die Sonn aufgieng
und das Hirschlein hat gerast,
und das Hirschlein hat gerast.

10.
Das Threßlein stand auf,
und wolt Krapfen pachen,
zwölf Jäger sind draussen,
sollt ihr auf machen,
und sollt ihr auf machen.

[3r] 11.
Ich kann nicht aufmachen,
ich bin vor ein lain
thät mir gleich förchten,
ich bin ein muetes ein lain,
und bin muetes ein lain.

12.
O du mein Threßel
so mag uns nicht blind,
der Tyrollerfranzl
der liegt bei dir drim [sic],
und der liegt bey dir drim.

13.
O du mein lieber Franzärl,
du herzig schöns Kind,
zwölf Jäger seynd draussen,
haben drey grosse Hund,
und haben drey grosse Hund.

14.
Thu du nur aufmachen,
und laß du nur rein,
ich thets ja nicht förchten,
wanns noch so viel seyn,
wanns noch so viel seyn.

15.
Steh auf du mein Franzl
und leg an dein Hoß,
du must mit uns gehen
in Roßstadter Schloß,
und ins Roßstadter Schloß.

16.
Und eh ich mit eng gieng,
ehr wag ich das Leben,
hät auch noch fürz Golden,
die wolt ich Engs geben,
und die wolt ich Engs geben.

17.
Und deine fürz Golden
die wären uns schon recht,
wir woltens schon kriegen
wanst noch so viel häst,
und wanst noch so viel häst.

18.
Wie ich außig bin gangen,
schüssen [3v] allesamt auf mich,
wie allesam hambt gsossen [sic],
oft schoß halt ich,
und oft schoß halt ich.

19.
Sechs hab ich verschossen,
sechs seynd davon krent,
gelts meine Jäger
habts mich auch nur nie könt,
und habts mich auch nur nie könt.

20.
Aft lockens die Hund zsam,
und hetzens auf mich,
aft nahm nichts halt all drey
patzets auf sie,
und patzets auf sie.

21.
Muß ich von mein Threserlein
frisch Urlaub nehmen,
sonst mächt uns die Herrschaft
für die Hinder kömmer,
und für die Hinter kömmer.

22.
Nimms Büchsel auf die Achsel,
gieng aufi auf die Almb,
oft seynd die sechs Jäger
auf Knie nider gefallen,
und auf die Knie nider gefallen.

25. [sic!]
Es hanbt mich gebetten,
um Gnad und Pardon,
ich solt ihnen dißmal
euer Leben verschon,
und euer Leben verschon.

26.
Ja meine Jager
um eins muß ich fragen,
wo ich mir nit diemal
ein Geimbsl därf jagen,
und ein Geimbsl därf jagen.

27.
Jetzt meine Jäger
jetzt gehts schon zum Beschluß,
bis wir wieder kömmen zsamm,
habts kein Verdruß,
und habts kein Verdruß.

Zuletzt geändert:am: 21.12.2015 um: 14:47:52 Uhr