Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Zugehöriges Werk: Ehren festä liebä Vattä [Mein Lepolt Oestäreichers [...] Beschräibing des Uhfägleichlichä Küritags [...]]
Incipit: Ehren festä liebä Vattä
Typus: Text
Zeitraum Entstehung: 1744
Entstehungsort: Wien
Volltext-Link: http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=17440201&seite=31&zoom=33
Quelle:
Kommentar:

Erschien im Anhang zum Wienerischen Diarium No. 10 vom 1.2.1744.
z.B. StbBerlin, Zeitungsabteilung: Zsn 90259 MR
ÖNB: digital über ANNO (Austrian Newspapers Online) (siehe Volltext-Link oben).

4 Bl.

Transkription:

Mein Lepolt Oestäreichers S’Hof-Baurens zu Bergwiesenfeld eltesten Suhns an sein’n Vatten[!] durch än ägnä Bothen übäsendti Beschraibing Des Uhfägleichlichä Küritags, Der zu Wienn In äm unkäyr grossen, und Funckel-neuen Saal, dens d’Rait-Schul hässen, Nach der Hochzeit Unserä Frau Kinigin ihrä Frau Schwestä MARIANNA, Und ihres Herrn, Herrn Brudäs Prinz Karls Zu erst fämeldtä Frau Mäesteht unserä Frau Kinigin MARIA THERESIA G’stäifft und wackä angstellt worden. Im 12. Janari 1744. Miratur, rerúmque ignarus imagine gaudet. Vrig. 8. An. v. 730. Wien gedruckt und zu finden, bey Frantz Andre Kirchberger, Universitäts-Buchdruckern, auf dem alten Fleischmarkt im Kullmeyrischen Haus.

Vorbericht.
GEneigter Leser. Gegenwärtige Beschreibung ist ihrer Wahrheit, und Einfältigkeit wegen zum Druck befördert worden. Gefallt dir die andere nicht, so ist gewiß, daß die erste bey dir allen Beyfall haben werde. Es ist überflüssig, den Hergang, durch welchen solche mir zu Handen gekommen, zu erzehlen; viel weniger nöthig, ein und andere Fehler, oder Bäurische Arten zu entschuldigen; du wirst Vernunft-mäßig nicht die Ausdruckungen, sondern das aufrichtige Gemüt dieses einfältigen Baurens, dem sich alle getreue Oesterreicher gern zugesellen, in Betrachtung ziehen, anbey aber geneigt in Acht nehmen, daß wegen der Oesterreichischen Mund-Art der Buchstaben a wohl zu entscheiden, dahero das blosse a ohne darauf gesetzten Strichel wie ein geschlossenes a, oder fast wie o; hingegen jenes ä, welches mit e oder Stricheln gezeichnet, wie ein Lateinisches a auszusprechen seye. Lebwohl
Fr. A. K., U. B.

Ehren festä liebä Vattä.
Uhmegli gehn i häm; mäi lebta bläib i z’Wienn,
Misst‘ i in zehä Jahr käin Simmä mehr fädien’n.
Der Pfarrä mänt gar oft, er habs am besten troffä;
In sainä Predi steh vilmal da Himmel offä;
Er redt vom Paradeiß, wie ers in Büchän liß’t,
Und jedä Baur si glai fu lautä Fräud fagiß’t.
Wahr ists, mä mag wohl gut beyn Engeln oben hausen,
So lang Si lusti seyn, und eh‘ die Flügeln mausen,
Mein sexi! abä jetzt wäiß i weit mehr als er:
Z’Wienn in äm grossen Saal gehts fäindli ergä her.
Da findt ma s’Himmelreich, und alle Fraid beysammä,
I glaub, der d’Stern hat gmacht, hat da a mustä gnommä.
Hipsch iß wohl s’Firmament, doch abä nit so schön,
Ma kan viel tausend Stern grad nach dä Zailen seh’n.
In äm mahl um und um seyn vier und vierzi Saulen.
I glaub, in tausend Jahr ka käni nit fäfaulen,
Si seyn fu blauem Stän, mit lautä Stern väziert,
Daß mä fu lautä Schäum fast übäsichti wird.
Däzwischen überall, si hässens Kirlandonen
Die hencken vollä Stern wie helli Sonnä-Kronen.
Gar in dä höh‘ da ist just ä ä solche Ray
Als wär bey jedem Liecht ä b’sondre Gasteräy.
In Mitten in da Luft, doch unten her nicht oben
Da seyn viel tausend Stern auf lautä Glaß erhoben.
Vier Klaftä von der Erd bis an den ersten Stock
Da henckt, doch nur gemahlt, all zehä Spann a Schock
Von tausend Sachen rum: Trompeten, Stuck und Geigen,
Schildt, Eisen-Kläd, und Schwert, mit andern Krieges-Zeugen,
Passeteln, Pfeil, und Horn, Spieß, stahlnes Kapen-G’schier,
Pistolen, Trummeln, Röhr, und ä Spil-Leüt Papier,
Hackbrettä, Harpfen, Hüt, Schallmayen, Mersä, Paucken,
Und tausend solches G’schmäß, mit dems d’Frantzosen jaucken.
A Million fu Leüt entsetzli schärmäriert,
Steht zwä mahl oben rum, und nichts als spintisiert
Wie lustig d’Welt ka seyn, wers recht wäß aussä z’grüblen,
Ders angstellt, sagt mir wer, kan mehr als 100. Biblen,
I hab sein Nachm[!]ä g’hört, er kumt fur Bibel her:
Pi… Pibiena? Ja: ä Welschä? So häßt er.
Und no ä brafä Herr, ä hipscher Gabalierer,
Den hässens Lo… Loschi, der war der Komatierer,
Es hat mir änä g’sagt, daß in da gantzen Welt
Nichts solches sey, und gäb ma Millionen Gelt.

AUf bäden Saiten seyn zwä hohe Fenstä-Rayen,
Dazwischen wiederum viel solche Mahlereyen.
Bay jedem henckt ä Tuch fu rother Saiden g’macht,
Das hässens fu Damaschg, und dort seys hergebracht.
I bin die Läng und Zwerch‘ da Platz herummä g’schlichä,
I hab fast alle Eck, und Winckel zamä g’strichä,
So find i nach da Läng recht grosse hundert Schritt,
Und dreyßi übä Zwerch, sunst ist kän untäschied.
Der Platz ist halt so groß, daß fünf Bartalion
Fu lautä Kirisier mit Roß und Muschgezon
A Schlacht, wie groß sie will, da kunten pretendiren,
Und glaub, es wurd no Mann, no Roß ä Har fulieren.
Ja, Vattä, unsä Dorf, das ist wohl feindli groß,
Do setzt’is Mitten drein mit samt des Graffens Schloß;
Und wann dä Jahr-Marck ist, so gibts kä solche Völlen,
An manchen Ort hams druckt, daß änä möcht däschnellen.
DIe Wand am Platz herum seyn fuftzig Spiegel her,
Die Fincketzen so hell, als wanns im Summer wer.
Daruntä überall stehn Stäffel Bänck herum,
Und schaut halt alles aus, wies Gulden-Sekulum.

JEtzt, Vättä, das ist nur, wie diesä Saal ausgsehen,
Und wie sunst alle Ding in ihrä Ornung stehen,
Weit ergä kommts erst nach: I bin so volla Fraid,
Mi dirst, und hungert nit, und bin mit nit gnue g’schaid.
In äner halben Stund da gäbs Proceßionen,
A solche wengi Volck, und andre Razionen,
Daß i nu glai fämänt, die gantze Welt kum zam,
Und unter allen war dä Aufbutz wundäsam.
Roth, weis, gelb, blau, kurtz, grün, und tausenderlä Klaider,
Daß i mä dacht, es seyn leicht fremdi Modi-Schneider.
ä Kläd ham viel ankabt, daß hässens Domino,
Daß wäß ich nit, warum, es ist halt doch a so,
Kaputzen übern Kopf, aß wies d’Krobaten tragen,
Was daß bedeuten soll, müsst i erst ummä fragen,
Doch, Vattä, daß ist nix; a Futeral aufs G’sicht,
As wans fu Glaß wär gmacht, daß d’Nasen nit ferbricht:
A Futeral aufs G’sicht fu kuriosen G’stalten,
Seyns ebber alte Leut fästecken ihre Falten?
Nä, Vattä, Mentschä gnue, und Buemä nach der Wahl
Die stricha fleißi rum wie d’Gänß im Hünner-Stall,
Si sagen, s’Futeral mach äns das ander z’foppen,
Weil käns das ander kennt, und eben so die Joppen.
JEtz, Vatttä, jetzt fanggts an: es kommt ä gantzä Schwarm,
Führt äns daß ander hipsch fein par und par beym Arm,
Und äuf än Augenblick höt i so viel Trompeten,
Als wann viel hundert Mann zusamä blosen thätten,
Da hab i glai än g’fragt, was daß so gäch bedeut;
Und wer die Mentschä seyn, die Buemä, und die Leut?
Da sagt er mir, es sey die Hofstatt unsrä Frauen;
Und i däkäm dir glay, daß i schier nit kunt schauen;
Wann unsä Frau da kumt, bin i im Paradeyß,
Denckt‘ i: O daß jetzund mi niemand außi schmeiß!
Gläy hör i: Kinigin! die Kinigin die kumt!
Potz tausend noch a mal! da wär i fast dästumt,
O Vattä! wärst bey mir, die Kinigin zu sehen,
Dacht‘ i, mir bleiben da bis zum Däkrumpä stehen!
I kent‘ Si abä nit, drum denckt i auf dä Huet,
Der sonst den Käsä macht, daß man Ihm kemä thuet,
Die Königin die wird ja wohl kän Huet aufhaben,
Daß wäß i wohl so gut, als ihre Edel-Knaben.
So frag i wieder än, wer d’Kinigin den ist?
Schau nur, die Allerschönst die ists, und gantz vägwißt,
Sagt er mit; und zum Glück nihmt jede s’Futeral
Vom Gsicht, und i dablick die Schönst‘ glay knall und fall,

O Vattä, Vattä jetzt kan i fast nimma mehr,
I bitti kum nach Wienn, und stell di zu mir her!
Daß ist ä Frau, meinoäd, die allerschönsten Engel
Seyn neben ihr ä so, äs wärens volla Mengel,
A buttamollets G’sicht, wie Rosen, und wie Schnee,
Wie unsä Pfarrä groß, die allerbeste Höh,

So freindli wie der Tag, so lusti wie der Himmel.
Si redt mit jederman, und fragt um kä Getimmel,
Mä sagt si sey so g’schaid, und ä so volla Gnad,
Daß, wanns allän die Welt nit herrscht, es ebi schad.
Und daß muß wahr seyn: denn hat nit der Häuptma drenten
Däzehlt, daß wiedä Sie fast sieben Elementen
Auf änmahl krieg ang’fangt, und das Si wie ä Held
Die Feind vom Land fäjagt, und uns in Friden g’stellt?
Und wanns, wies sagen, erst no recht will ummä rauffen,
So hett i guten Lust: mir sollen all mit lauffen,
Die Frau ist gar zu bräf.

Wie nun der Platz schier voll,
So fiengä d’Spil-Leuth an zum Geignä, wies seyn soll,
Da gieng der Kürchtag an: es waren sechzi Mennä,
Die trutz’am Tudelsack äm d’Wädeln rigeln könnä.
Es war ä Durchänand fu nix als Hupf, und Spring,
Bald langsam auf und ab, bald g’schwindä in äm Ring.
Am Besten g’fiel mir das, daß s’wie die Bauren tantzen,
Und äns das ander kan, trutz uns, herum karantzen.
Noch äns hab i mir g’merckt, das d’weni Minobet
Ham tanzt, wohl abä wies än Engälendä thett,
I bin zwar nit so g’schaid, do wolt is leicht därathen,
Der Tantz der g’hört ins Feld für unsere Soldaten,
Die wissen, was daß ist a Minobet im Feld,
Den nur s’Feantzosen-Schmäß windbeitelhaft anstellt,
Da tantzens oft daher, d’Panduren und d’Husaren
Die leyren auf dazu, bis s’ihnen d’Wind auslähren.
Mit unsrä Kinigin da tantzten treyßi Paar
Und äns dem andern gleich fämummelt auf ä Haar
Es sagt mir wer, es seyn die Klädä nix als Gettä
Und Wassä-Gettinen, wo nit; doch ihre Vettä.
Daß wäß i weitä nit, daß wäß i abä wohl,
Daß niämst, wie d’Kinigin, so zierli, g’stoift und toll.

SI hupfen halt braf drauf, als wie mirs sonsten machen,
Däweil sagt mir ä Herr erst wundäliche Sachen:
Er fragt‘ mi, wies mir gfallt, und ob i wüst, warum
A solchä Kürchta ist? natürli wär i stumm,
Was wäs i fu dä Stadt? So ließ‘ is mir däzehlen,
So redt er nach der Läng von zwä fäliebten Seelen;
Es hab a grosse Frau Mariandl Hochzeit g’macht,
Ihr Bräutigam häß Carl Lothringä wohl gedacht.
Potz tausend! hab i denckt, die zwä kennt unsä Richtä,
Und d’Nähmä kenn i ä, doch abä nit die G’sichtä.
Drum hab i ummä gschaut, das i die Hochzeit-Leut
Däblickä kunt; i funds: daß hat mi währli gfreut.

DIe Braut ist, wie i hör, der Kinigin ihr S[!]westä,
Schön, wackä, freundli, hold, dä Tugend nach no festä,
Nach unsrä Kinigin die brafest in dä Welt:
A so hats jedäman im Kürchtä-Haus dazehlt.
Ihr Bräutigam der Carl der wird ä aussä g’strichä,
Si ham Ihn gar dem Printz Aigeni schon fäglichä.
I glaubs ä, dann hat er d’Frantzosen nit verjagt?
Wie uns ä Mann von Tayn, und der aus Bähren g’sagt?

WAs brauchts viel, Vattä, sichst, wie unsä Stadl steht?
Gelt, er fiel um, wann er nit drey, vier Saulen hätt?
Just so l[!]glaub i, daß d’Welt müst endli niedä sinckä,
Oder zum wenigsten auf änä Seiten hinckä
Wen d’Kinigin, ihr Herr, die Braut, und Bräutigam
Vier Saulen jetzund nicht rechtschaffen halten zam.
Dann ums Haus Oesterreich da hab i weni Kummer
Leicht haltens diese Vier noch durch viel tausend Summer,
Jetzt ists erst Renofiert, i glaub, es steht so fest,
Als niemahl in der Welt a gantze Stadt ist g’west.
Die Zwä Paar müssen jetzt ä tutzet Printzen griegen,
Wie dä Printz Sepperl ist, der Himmel wirds schon fiegen;
Und jeder mit der Cron ä großes Kinireich!
Juhe! i g’frai mi schon! Fifat s’Hauß Oesterreich!

SO seyns bis Mitta-Nacht recht lusti umma g’sprunga,
Daß i fu lautä Freud hett gern ä Liedel g’sungen,
I traut‘ mir abä nit, denn es hett si nit g’schickt,
Und hett mi änä leicht auf d’Goschen auffi gflickt.

SOnst, Vättä, wäß i nix, i winsch‘ a gute Nacht;
Väzey, daß i den Brieff fast gar zu lang hab g’macht,
Zu Wienn am Tag darnach, da i die Sachen g’sehen,
Und sex Tag nach der Nacht, in der die Hochzeit g’schehen,
Im Jahr än Tausend Siebä Hundert Viertzig Vier,
Mein Vattä, noch a mahl, i wollt du wärst bei mir!

Boschcritum. Da i just aufhören will zu Schreiben.
Sag meinä Muttä nu, daß i zu Wienn will bleiben,
Der Fasching der soll erst recht budel närrisch seyn,
Es fahrt ä alles schon von unsern Dörffern rein.
Da wollens in der Stadt auf Schlitten ummä rennä,
Ma führt schon Schnee dazu, daß s’bessa lauffa könnä,
Es ist schon dä Befelch, daß s’schnaiben soll, und g’frier’n,
Da werens in der Stadt erst ummä Haseliern.

WAnns jetzt das gantze Jahr so geth, so brauch i nix,
Als Klädä, Gelt, und Schuech; i sorg scho selbst um d’Wix.
Ja ar popo, das Lied, daß i hettwolla singä
Das fallt mir just no ein: ä so hetts solla klingä:
Wie, wann am Waynachts-Tag dä Meßmä s’Kindl wiegt,
Und häßt a so, i habs mit Fleiß dem Brieff ang’fiegt.

Schwestä, und Brüdä die heürathen zäm
D’Kinigin, Mit-Regent, Braut Bräutigam
Das sey mir Leüteln, die schicken sich wohl
Alle vier Fifat! Heünt sauff i mi voll
Mit Fifat!
Mit Fifat!

VAttä du zahlst mir kän Kreutzä dazu;
I und die Hochzeit-Leut haben Gelt gnue,
Ihnen zu ehren, und unserä Frau
Sauff i mi blitz-hagel-stern-voll und grau
Mit Fifat!
Mit Fifat!

ERgä no! jetzt wir i glay a Soldat,
Machs, wies dä Hiesel und Michel g’macht hat,
Alles für d’Hochzeit-Leut gib i glay her;
Hals und Kopf, Haut und Haar, s’Leben und mehr!
Ju Fifat!
He Fifat!

ENDE.

Literatur:
Zuletzt geändert:am: 4.3.2016 um: 11:45:09 Uhr