Siegel der Salzburger Metropole

Projektbeschreibung

Die Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole in den Bistümern Salzburg, Gurk, Chiemsee, Seckau und Lavant, Innsbruck und Feldkirch.

Das hier vorgestellte Forschungsvorhaben präsentiert die Siegel der Salzburger Erzbischöfe und der Bischöfe von Gurk, Chiemsee, Seckau, Lavant, Innsbruck und Feldkirch. An diesem wird seit dem Jahr 2010 von Ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Rudolf K. Höfer als Projektleiter und Mag. Martin Feiner als unmittelbaren Projektmitarbeiter an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Graz am Institut für Kirchengeschichte gearbeitet. Für die Konfiguration der Datenbank hat Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Georg Scheibelreiter als Projektmitarbeiter wertvolle Hinweise gegeben. Vom Beginn an hat auch Ao. Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Anneliese Felber durch Korrekturlesen das Projekt unterstützt.

Ermöglicht wurde die Erstellung der Datenbank durch zwei vom Austrian Science Fund (FWF) aufeinanderfolgende geförderte Forschungsprojekte: „Die Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole“, Projekt mit Nummer P22135 vom 1.3.2010 bis 30.6.2013 und P27122 vom 15.10.2014 bis 30.11.2017. Das erste Projekt setzte für die Erfassung der Siegel als zeitliche Grenze die Diözesanregulierung unter Kaiser Joseph II. im Jahr 1786. Das zweite Projekt brachte zeitlich die Weiterführung bis in die Gegenwart, einschließlich der bischöflichen Siegel der erst im 20. Jahrhundert in der Salzburger Kirchenprovinz neu errichteten Diözesen Innsbruck und Feldkirch. Das Forschungsvorhaben ist ein Desiderat, da bisher von Detailuntersuchungen abgesehen, keine umfassende Darstellung und Analyse der Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole vorliegt. Wollte man als interessierter Laie oder als Wissenschaftler die Entwicklung dieser Siegel studieren, war man damit konfrontiert verschiedene Urkundenbücher und einzelne Publikationen aufzusuchen, ohne jedoch ein umfassendes Bild zu bekommen. Konkret bedeutet dies, dass es zwar zahlreiche Publikationen zu den erzbischöflichen Siegeln bis Hieronymus Colloredo (1772-1812), zu den bischöflichen Siegeln von Seckau bis 1584 und Gurk bis 1278 gibt, die für einen geographischen und zeitlichen Raum ein dichtes Bild ergeben, doch sind diese nicht immer lückenlos, auch nicht nach einem einheitlichen sphragistischen Muster bearbeitet oder die Abbildungen von geringer Qualität. Für eine große Zahl der in diesem Rahmen zu erforschenden Siegel fehlten eine zeitgemäße Bearbeitung nach sphragistischer Methode und ebenso qualitätsvolle Fotografien.

Für das Forschungsprojekt sind auch Zeichnungen der Siegel einbezogen worden, weil die fotografische Darstellbarkeit infolge des Erhaltungszustandes oftmals ungenügend ist. Sowohl in diesen Fällen – aber auch generell – vermag eine Zeichnung oft eine raschere Erkennbarkeit und Darstellung des Siegels zu vermitteln als ein Foto. Auch wenn Zeichnungen bis zu einen gewissen Grad interpretativ sind, wurde der Einbeziehung von Zeichnungen eine maßgebliche Bedeutung beigemessen. Ein wesentlicher Vorteil der Nachzeichnungen liegt zudem darin, dass mit ihnen der Zugang zu den bischöflichen Siegeln erleichtert wird, vor allem der breiteren Öffentlichkeit und HistorikerInnen der Regional- und Orts¬geschichte. Die Zeichnungen wurden von Ludwig Freidinger als Projektmitarbeiter hergestellt.

Die im Projekt entstandene Siegelsammlung wurde vom Zentrum für Informationsmodellierung an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Graz (Leiter, Ass.-Prof. Mag. Dr. Hubert Stigler) als Internet-Datenbank aufgebaut. Mag.a Barbara Unger hat beim ersten Projekt das Formular der Datenbank erstellt, danach setzte Mag.a Martina Bürgermeister die Übernahme der Daten und Gestaltung der Homepage um. Das Zentrum für Informationsmodellierung beschäftigt sich seit 2001 in Forschung und Lehre ausgehend von den Kernbereichen des Digitalen Wissensmanagement und der Langzeitarchivierung mit Fragen der Annotationssprachen-basierten, semantischen Modellierung und erschließenden Repräsentation von kulturwissenschaftlichen Quellenmaterialien und Textkorpora in Digitalen Editionen. In einer Vielzahl von (auch FWF-geförderten) Kooperationsprojekten entstand dabei ein Digitales Archiv (http://gams.uni-graz.at), dessen Inhalte (von Bildsammlungen über linguistische Wörterbücher bis hin zu paläografisch erschlossenen Editionen mittelalterlicher Handschriften) auch unter EUROPEANA (http://www.europeana.eu), einem Langzeit-EU-Projekt zur Etablierung eines gemeinsamen Suchportals für das kulturelle Erbe Europas, repräsentiert sind.

Mit dem Repositorium zu den Bischofssiegeln der Salzburger Metropole wird nicht nur Forscherinnen und Forschern, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit ein Gesamtüberblick über die Entwicklung der Siegel dieses geographischen Raumes bis in die Gegenwart geboten. Ein solcher Online-Katalog mit umfassenden Abfragemöglichkeiten war schon in der Vergangenheit ein Desiderat und wird zukünftig von noch größerer Bedeutung sein, vor allem für HistorikerInnen, ArchivarInnen und MitarbeiterInnen des Bundesdenkmalamts. Die Kenntnis der Siegel und ihre Einordnung hat Bedeutung für die lokale Geschichtsforschung und Dokumentation, zumal immer wieder Siegel in Verlust geraten. Des Weiteren bieten die wissenschaftlichen Untersuchungen interdisziplinäre Relevanz, von der entstandenen Siegelsammlung können die Historischen Hilfswissenschaften, die Kunst- und Kirchengeschichte profitieren.

Über die digitale Archivierung hinausgehend wurden von Martin Feiner zwei Beiträge veröffentlicht, im Jahr 2013 eine zusammenfassende Studie der Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole, die einen Einblick zur Ausformung und Entwicklung von Siegelbildern der Bischöfe der Salzburger Metropole bis 1786 gibt (Martin Feiner, Die Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole. Mannigfache Entwicklungen und Traditionen erz- und bischöflicher Siegel von Salzburg, Gurk, Chiemsee, Seckau und Lavant. Carinthia I 203 (2013) 61-84). Im Jahr 2016 hat er einen Beitrag über die Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole in der Renaissance publiziert (Martin Feiner, Die Siegel der Erzbischöfe und Bischöfe der Salzburger Metropole in der Renaissance. Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde 62 (2016) 373-406).

In einer weiterführenden Dissertation, die im Jahr 2018 eingereicht wird, versucht Feiner über herkömmliche Ansätze hinausgehend, die angesprochenen Siegel auch auf ihre Bildlichkeit und Stilprägungen hin zu untersuchen und zu kommentieren. Dabei werden Entwicklungen und Traditionen herausgearbeitet, wobei in Einzeluntersuchungen den innovativen Siegeln ein besonderer Stellenwert zukommt. Ziel der Arbeit ist die Analyse und Interpretation des in den beiden FWF Projekten gewonnenen Materials. Basierend darauf soll keine statistische Auswertung verschiedenster historischer Analysen geboten, sondern vielmehr die Entwicklung der Siegelgestaltung beschrieben und erörtert werden.

Mit dem Forschungsprojekt „Die Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole“ und der Präsentation der Siegeldatenbank wird ein Stück Grundlagenforschung vorgelegt, das auch als Impuls für weitere Forschungen auf diesem Gebiet wirksam werden kann.

Rudolf K. Höfer, Martin Feiner