Projektbeschreibung

Die Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole in den Bistümern Salzburg, Gurk, Chiemsee, Seckau und Lavant.

Das hier vorgestellte vom Austrian Science Fund (FWF) geförderte Forschungsvorhaben (zwei Projekte mit den Nummern P22135 und P27122) präsentiert die Siegel der Salzburger Erzbischöfe und der Bischöfe der Salzburgischen Eigenbistümer Chiemsee, Gurk, Seckau, Lavant, Innsbruck und Feldkirch. Mit der Diözesanregulierung in Österreich im Jahr 1786 ist zunächst eine zeitliche Grenze für die Erforschung und die Siegelpräsentation gewählt worden. Das Folgeprojekt (Beginn 15.10.2014) geht von dieser zeitlichen Grenze weiter bis in die Gegenwart und möchte über die elektronische Archivierung hinaus die Siegel hinsichtlich ihrer Bildlichkeit und Stilprägungen eingehender analysieren. Sukzessive werden die Text- und Bilddaten in die Datenbank aufgenommen.

Der Fund von Einzelsiegeln im Zuge von Altarumbauten lässt immer wieder das Fehlen grundlegender Arbeiten zu diesem Thema sichtbar werden. Der oftmals schlechte Erhaltungszustand einzelner Siegel im Bereich der Siegelinschrift oder des Bildinhalts führte in manchen Fällen dazu, dass diese oft gar nicht einer Bearbeitung zugeführt worden sind. Hingegen wurden wiederholt in der Vergangenheit von verschiedenen Institutionen einzelne Siegelfunde zur Bearbeitung und Identifizierung weitergegeben.

Die Methode der Bearbeitung folgt jener der Siegelkunde (Sphragistik), die nach einem eigens für dieses Projekt erarbeiteten, klar festgelegten Schema alle Fragen zu den einzelnen Siegeln beschreibt: Form, Maß, Material, Siegelart, Provenienz, Befestigung, Zustand, Datierung, Umschrift und ihre Transkription, Siegelbild und seine Beschreibung, Wappen und Wappenfiguren, etc. Diese Arbeitsschritte haben als Ergebnis eine erste Zusammenschau zur stilistischen Entwicklung der Siegelbilder, der Entwicklung der Schrift auf den Siegeln und der Besonderheiten und Interpretation in einer Abhandlung in der Zeitschrift Carinthia 2013 gebracht.

Die Kenntnis der Siegel und ihre Einordnung hat Bedeutung für die Historischen Hilfswissenschaften, die Kirchengeschichte, für die lokale Geschichtsforschung und auch für die Baugeschichtsforschung der einzelnen unter Denkmalschutz stehenden Kirchengebäude. Ebenso bedeutsam sind diese Siegel als Sachquelle für die kunsthistorische Forschung wie auch zur Personengeschichte der einzelnen Bischöfe, wo bei ungelösten Datierungsfragen auf diese Ergebnisse und Bilddaten zurückgegriffen werden kann. Damit ist die Erforschung der ins Auge gefassten Siegel für mehrere Wissenschaftsdisziplinen von erheblichem wissenschaftlichem Wert.

Für das präsentierte Projekt sind auch Zeichnungen der Siegel einbezogen worden, weil manche Bischöfe die Siegel in zeitlicher Folge mit unterschiedlichen Typaren verwendet haben, von denen nicht wenige nur in einem schlechten Zustand erhalten sind. Sowohl in diesen Fällen – aber auch generell – vermag eine Zeichnung der Siegel oftmals zusätzlich eine bessere Erkennbarkeit und Darstellung zu vermitteln als ein Foto, weil in vielen Fällen die fotographische Darstellbarkeit infolge des Erhaltungszustandes beschränkt ist. Auch wenn Zeichnungen bis zu einen gewissen Grad interpretativ sind, wurde der Einbeziehung von Zeichnungen eine große Bedeutung beigemessen, zumal mit Ihnen auch zahlreichen Forschern der Zugang zu den bischöflichen Siegeln und ihrer Bedeutung generell ermöglicht und erleichtert wird. Auch eine breitere Öffentlichkeit wird durch die Zeichnungen eher Zugang zu diesem sonst nur wenigen vorbehaltenen Forschungsgebiet finden. Die Zeichnungen wurden von Ludwig Freidinger hergestellt.

Nach der Sammlung und Bearbeitung der vorhandenen Siegel wird ein Katalog der den zeitlichen und örtlichen Rahmen betreffenden Siegel für die lokale Geschichtsforschung, für die Baugeschichtsforschung und weitere wissenschaftliche Disziplinen zur Verfügung stehen, weil damit auch Datierungen von differenten Rechtshandlungen oder bischöflichen Weihen ermöglicht werden. Auch für die Kunstgeschichte sind Siegel als Quelle für die Datierung wie auch zur Personengeschichte der einzelnen Bischöfe von grundlegender Bedeutung. Infolge der Kooperation mit dem ausgewiesenen Siegelfachmann, Univ.-Prof. Dr. Georg Scheibelreiter, Wien sowie mit dem Künstler, Prof. Dr. Ludwig Freidinger, ist die Bearbeitung nach sphragistischer Methode sowohl der fotografischen als auch der zeichnerischen, illustrativen Darstellung aller dazugehörigen Siegel möglich geworden und kann so ein Nachschlagewerk veröffentlicht werden. Mit dieser Präsentation wird ein Stück Grundlagenforschung vorgelegt, das auch als Impuls für weitere Forschungen auf diesem Gebiet wirksam werden wird. Eine geplante Ausstellung ausgewählter Siegel in öffentlich zugänglichen Räumen wird zeitgerecht gekannt gegeben werden.

Rudolf K. Höfer

24.10.2016