Franziska Mayer-Hillebrand (1885–1978)

Franziska Mayer-Hillebrand wurde 1885 in Weidling bei Wien als Tochter des österreichischen Generals Josef Reicher geboren. 1891 wurde dieser zum Korpskommandanten von Innsbruck ernannt; dadurch kam die Familie nach Tirol. Mayer-Hillebrand genoss eine Privaterziehung, da damals in Innsbruck noch kein Mädchengymnasium existierte. 1905 legte sie die Maturitätsprüfung als Privatistin ab. 1914 begnn sie Philosophie und Psychologie und im Nebenfach Biologie zu studieren. Ihre Dissertation Das Nichtreale als Fiktion betreute Alfred Kastil. Das Hauptrigorosum legte sie bei Kastil und Hillebrand ab. Am 15. März 1919 promovierte sie als zweite Doktorandin der Universität Innsbruck. 1920 heiratete sie den 23 Jahre älteren Franz Hillebrand. In den nächsten Jahren übernahm sie experimentalpsychologische Arbeiten an dessen psychologischem Institut. 1927 lehnte sie die Einladung Carl Stumpfs, sich in Berlin zu habilitieren, ab. Nachdem Hillebrand 1926 verstorben war, heiratete sie zwei Jahre später Carl Mayer, den Vorstand der Neurologischen und psychiatrischen Universitätsklinik in Innsbruck. In den folgenden Jahren setzteMayer-Hillebrand ihre experimentalpsychologischen Arbeiten vor allem im Bereich der optischen Wahrnehmung fort. 1932 habilitierte sie sich mit der Unterstützung Kastils und des Physiologen Brücke an der philosophischen Fakultät. Auch während des 3. Reiches setzte Mayer-Hillebrand ihre Unterrichtstätigkeit fort und wurde 1943 zum „außerplanmäßigen Professor“ ernannt. Wieder als Privatdozentin las sie im Sommersemester 1948 die Philosophie Brentanos. Im selben Jahr traf sie mit dessen Sohn Giovanni Brentano in der Schweiz zusammen. Sie unterhielt auch Kontakte mit Kastil in Schönbühel. 1948 wurd Mayer-Hillebrnad schließlich zur Extraordinaria ernannt. Besuch bei Kastil in Schönbühel 1949. Nachdem Kastil 1950 gestorben war, ersucht Giovanni Brentano sie, die Arbeiten am Brentano-Nachlass zu übernehmen, wozu sie sich nach langem Zögern auch entschließt. Von September 1951 bis Januar 1952 übernahm sie eine Gastprofessur an der Northwestern University in Evanston an. Während dieser Zeit wohnt Mayer-Hillebrand bei den Brentanos in Highland-Park, wo sie die Original-Manuskripte Brentanos ordnet und einen Katalog erstellt. Bis 1966 gab sie insgesamt 6 Bände aus dem Brentano-Nachlass heraus und edierte auch das Brentano-Buch ihres Lehrers Kastil.