Roderick Milton Chisholm (1916–1999)

Von 1934 bis 1938 studierte Chisholm an der Brown University (Providence, Rhode Island) Philosophie. Anschließend ging er nach Harvard, wo er bei C. I. Lewis und Donald C. Williams 1942 mit der Arbeit Die grundlegenden Thesen der Erkenntnistheorie zum Doktor der Philosophie promovierte. Nachdem er an der University of Pennsylvania „Barnes Foundation Professor of Philosophy“ gewesen war, ging er 1946 zurück an die Brown University, an der er bis zu seinem Tode lehrte. Chisholm wirkte auch an mehreren anderen Universitäten und erhielt zahlreiche Ehrungen, u. a. die Ehrendoktorwürde der Universität Graz. Chisholm war insofern kein Brentano-Schüler, als dass er selbst von einem der „Enkelschüler“ Brentanos unterrichtet worden wäre. Vielmehr hatte er in einem Kurs für Psychologie die Philosophie Brentanos für sich entdeckt und wurde in der Folge zu jenem Philosophen, der Brentano in weiteren Kreisen der englischsprachigen Welt bekannt machte. Ab 1953 war er mit Gio Brentano, dem Sohn Brentanos, in brieflichem Kontakt und lernte ihn später auch persönlich kennen. In den 60ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde er immer mehr zu Gios wichtigstem Berater und schließlich auch zum Präsidenten der von diesem gegründeten „Franz Brentano Foundation“ (Boston). Chisholm war Mitherausgeber von zahlreichen nachgelassenen Schriften Brentanos und machte sich auch um den Nachlass selbst verdient. Durch seine Vermittlung wurde die Brentano-Sammlung der Brown-University der von Rudolf Haller in Graz gegründeten „Forschungsstelle für österreichische Philosophie“ übertragen.