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Zwischen Höflichkeit und Prestigekalkül

Poetiken der höfischen Gesellschaft

An Boileaus Art poétique,einer der bedeutendsten und folgenreichsten poetologischen Schriften der europäischen Dichtungstradition, hat man früher – nicht ohne gute Gründe – den Aspekt eines cartesianischen Rationalismus hervorgehoben, der hier aus der philosophischen Erkenntnistheorie und Metaphysik gewissermaßen auf die literarische dispositio und elocutio übertragen würde. [1] Für diesen Interpretationsaspekt sprechen offenkundig einige der berühmtesten ,vers-formules‘ aus Boileaus Lehrgedicht, etwa jene poetologischen Imperative, die bald in den französischen Kanon geflügelter Worte eingegangen sind:
Aimez donc la Raison. Que toûjours vos écrits
Empruntent d’elle seule et leur lustre et leur prix. (A. P. 1, 37f.) [2]
Oder:
Avant donc que d’écrire, apprenez à penser.
Selon que nostre idée est plus ou moins obscure,
L’expression la suit, ou moins nette, ou plus pure. (A. P. 1, 150ff.)
Außerdem bestätigt sich die Nähe von epistemologischem Rationalismus und poetologischem Klassizismus durch die weitgehend synchronen ,longues durées‘, während denen beide Einstellungen bis zur Romantik (und teils über die Romantik hinaus) [3] in Frankreich autoritative Geltung bewahrten.
Freilich sind Prägnanz und Erfolg des Art poétique nicht allein durch die damals noch junge Autorität des Rationalismus zu erklären. Gewiß kann man Boileaus Lehrgedicht einerseits – in einem sehr weiten geistesgeschichtlichen Zusammenhang als eine Poetik betrachten, welche die Phantasie stärker als zuvor rationalen Kontrollen unterwirft. Für die besondere Art der speziell literarischen Wirkung, auch der speziell literarischen Finesse, des Art poétique scheint mir ein anderer Aspekt jedoch noch wichtiger zu sein. Gemeint ist der Gesichtspunkt einer Gesellschaftspoetik, in der die wesentlichen Stilprinzipien weniger auf bestimmte philosophische (cartesianische) Sätze als vielmehr auf bestimmte soziale Verhaltensregeln verweisen. Die Grundzüge einer solchen Gesellschaftspoetik sollen im folgenden erörtert werden, zunächst skizzenhaft am Beispiel von Boileaus Art poétique,dann über diesen – nebenbei gesagt: bemerkenswert eleganten – Text hinaus in einem thematischen Rahmen, der bei weithin identischer Problematik durchaus verschiedenartige, ja gegensätzliche Positionen umfaßt. Den Rahmen bildet eine Reihe exemplarischer Texte, die schon früher, aber nun von der Verhaltenslehre ausgehend, Themen der Poetologie und der gesellschaftlichen Interaktion verbunden haben. Mein Interesse besteht also darin zu zeigen, wie in jener gesellschaftlich-literarischen Formation, die wir mit Norbert Elias als die der ,höfischen Gesellschaft‘ bezeichnen wollen, [4] Prinzipien der Poetik und Prinzipien des geselligen Verkehrs, der ,civil conversazione‘, [5] zusammenwirken. Oder mit anderen Worten gesagt: Ich möchte nachzeichnen, was Boileaus Dichtkunst der Überlieferung einer höfischen Verhaltenslehre verdankt, und umgekehrt klarmachen, mit welchen Zügen etwa Giovanni Della Casas Galateo,das Kompendium einer angenehmen höfischen Lebensart, seinerseits wiederum Grundsätze der klassi(zisti)schen Poetik impliziert bzw. antizipiert. Dazu tritt die These, daß auch eine weniger klassische oder geradezu anti-klassizistische Poetik, die gegenüber Boileaus Transparenzpostulaten in vieler Hinsicht konträre Positionen bezieht, auf ähnlich enge Weise von bestimmten Tendenzen der höfischen Gesellschaft geprägt ist.
Um das näher auszuführen, sind zunächst ein paar allgemeine literarhistorische und literaturkritische Bemerkungen zu Boileaus Art poétique nötig. Das in vier Gesänge gegliederte Lehrgedicht erfreut sich schon seit langem keines großen Rufs mehr. [6] Man könnte sagen, daß es seit der Romantik mit zunehmender Häufigkeit auf Geringschätzung und Ablehnung gestoßen ist, die sich beispielsweise schon bei Musset in dem direkt gegen Boileau gerichteten Grundsatz „Mon premier point sera qu’il faut déraisonner“ äußert. [7] Mussets Formulierung verrät, daß der entscheidende Stein des Anstoßes eben in der Reputation rationalistischer Strenge liegt, die dem Art poétique anhaftet, sowie – daraus folgend – in dem Anspruch einer selbstgewissen Normativität, die den Sätzen des ,Regent du Parnasse‘ [8] gewöhnlich zugeschrieben wird. Wenn man nicht durch die Disziplin der französischen Schultradition konditioniert ist und den Art poétique einigermaßen unvoreingenommen betrachten kann, stellt sich jedoch heraus, daß weder das eine noch das andere, weder Rationalismus noch Normativität der ,regles‘, in Boileaus Empfehlungen unbedingt dominant sind. So bricht sich die Apotheose der ,raison‘, die manchmal auf der Ebene einer generellen Stilpoetik zum Vorschein kommt, an einer Reihe von speziell gattungspoetischen Ratschlägen, welche den Primat der ,raison‘ mitunter explizit in Frage stellen. Das gilt unter anderem für die Ode, bei deren Pindarischen ,fureurs‘ die Kunst gerade darauf hinauslaufen soll, eine ,schöne Unordnung‘ (,un beau désordre‘) zu erzeugen. Und auch mit der Elegie hält Boileau es im Grunde kaum anders als Musset: In ihr soll allein das Herz sprechen („Il faut que le cœur seul parle dans l’Elegie“ ), und außerdem scheint die reine ,Kunst des Dichtens‘ hier überhaupt am Ende zu sein; denn nicht schriftstellerisches Geschick, sondern Intensität des Gefühls sei in dieser Gattung gefragt:
Mais pour bien exprimer ces caprices heureux,
C’est peu d’estre Poëte, il faut estre amoureux. (A. P. 2, 43f.) [9]
Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich dann, daß selbstder vielzitierte Appell „Aimez donc la Raison“  in dem Argumentationskontext, der für ihn bestimmend ist, eine andere Bedeutung hat als jene, die ihm durch isolierende Zitationen gemeinhin zugewiesen wird. Es geht bei dem Appell gar nicht um die ,raison‘ an und für sich, sondern bloß um die ,raison‘ alsAntonym der ,rime‘, das heißt: der Versifikation. [10] In dieser Funktion mag die ,raison‘ zwar auch emphatisch als Ratio verstanden werden; doch bezeichnet der Begriff in erster Linie die Instanz des ,Arguments‘, das sich eben nicht nach den Zwängen der Prosodie richten, sondern sich die Ausdrucksmöglichkeiten der Versifikation, also die ,rime‘, zunutze machen soll. Das Metrum soll dem Thema folgen und nicht umgekehrt das Thema den metrischen Gegebenheiten, wie Boileau es an mancher spätmittelalterlichen Dichtung kritisch beobachtet haben mag.
Weniger einfach, als die communis opinio wahrhaben möchte, steht es bei Boileau auch um die Normativität der poetologischen Aussagen. Sie wird von der Kritik gewöhnlich dadurch unterstrichen, daß die Interpreten bei ihren Zitationen imperativische Formulierungen – wie etwa „Aimez donc la Raison“  oder „apprenez à penser“  – privilegieren. Über solchen Imperativa vergißt man leicht, daß die von Boileau bevorzugte Attitüde keineswegs die eines dekretierenden Parnass-Regenten ist. Eine solche überwiegend dekretierende Attitüde würde den Sprecher des Art poétique vor dem Publikum von ,la cour et la ville‘ ja als ,pedant‘ ausweisen und letztlichblamieren. Statt Dekreten bietet der Sprecher des Lehrgedichts im allgemeinen Empfehlungen an, die er zumeist auch noch konditional an den Erfolgswunsch der Autoren bindet, etwa nach dem Muster von „Voulez-vous long-temps plaire, et jamais ne lasser?“ (A. P. 3, 245) oder „Voulez-vous du public meriter les amours?“ (A. P. 1, 69). Vor allem fällt auf, daß der Lehrer der Poesie bei Boileau weit weniger im Namen der Tradition als vielmehr im Namen des Publikums spricht. [11] Man könnte sogar sagen, daß gerade in diesem Umstand – der Identifikation des Poetologen mit den Interessen und Wünschen des Publikums, welche nie zuvor in einer Poetik ähnlich insistent zum Ausdruck kam – das wesentlich Neue an Boileaus Art poétique besteht. Aus dieser Identifikation mit dem Publikum folgt, daß das literarische Werk hier in einem bis dahin unbekannten Ausmaß als ein Akt der Kommunikation, mitunter geradezu wie ein Bestandteil höfischer Konversationen, betrachtet und behandelt wird.
Das Publikum erscheint im Art poétique tatsächlich wie ein Gesprächspartner, dem es zu gefallen gilt. So steht das Gesetz des ,plaire‘ über allen einzelnen Gattungsregeln. Schon früh heißt es: „N’offrez rien au Lecteur que ce qui peut luy plaire“  (A. P. 1, 103), während zur Tragödie gesagt wird: „Le secret est d’abord de plaire et de toucher: / Inventez des ressorts qui puissent m’attacher“  (A. P. 3, 25f.). Über Autoren, die stilistisch nicht zu variieren verstehen, wird konstatiert: „On lit peu ces Auteurs nez pour nous ennuyer“ (A. P.1, 73). In bezug auf die Gattung des Epos beteuert der Dichtungslehrer: „Et je hais un sublime ennuyeux et pesant“ (A. P. 3, 290), was ihn zu einer – in mancher Hinsicht überraschenden – Sympathieerklärung für „Arioste et ses fables comiques“  veranlaßt. [12] Die gleiche Tendenz einer Bevorzugung des Unterhaltsamen gegenüber dem langweilig Sublimen bringen im vierten Gesang die folgenden Verse zum Ausdruck:
Mais un froid Ecrivain ne sçait rien qu’ennuyer.
J’aime mieux Bergerac et sa burlesque audace,
Que ces vers où Motin se morfond et nous glace. (A.P. 4, 38ff.)
Offensichtlich sind die Werte von ,Gefallen‘ und ,Langweilen‘, die hier gegeneinander ausgespielt werden, mehr einer Rhetorik der Konversation als einer strikten Kunstlehre oder einer Epistemologie rationaler Deduktionen verpflichtet. Aus der Rhetorik der Konversation wissen wir nämlich, daß jeder, der im Gespräch das Wort an sich reißt, genaugenommen einen Akt der Usurpation begeht, [13] den er nur dadurch entschuldigen kann, daß er diejenigen, denen er das Wort entrissen hat, auf angenehme Weise unterhält. So wird die Konversationsnähe von Boileaus Poetik nicht zuletzt durch den Kontext belegt, in dem die eingangs zitierte und oft mißverstandene Maxime „Avant donc que d’écrire, apprenez à penser“  steht. Zu dieser Maxime führen die Kommentatoren in der Regel – neben den geistesgeschichtlichen Rationalismus-Hinweisen – zwei berühmte Passus von Cicero und Horaz an, von Cicero eine Sentenz aus dem Brutus (6, 22): „Dicere recte nemo potest nisi qui prudenter intelligit“, von Horaz Verse aus dem Pisonenbrief:
Scribendi recte sapere est et principium et fons.
Rem tibi Socraticae poterunt ostendere chartae,
verbaque provisam rem non invita sequentur. (309ff.) [14]
Das heißt: Wenn die Sache selbst erst richtig erfaßt ist, dann werden auch die Worte schon angemessen nachfolgen. Nun sind die römischen Belegstellen sicherlich nicht irreführend; doch drohen sie zugleich (wie Quellennachweise das meistens tun), die spezifische Intention von Boileaus Sentenz ein wenig zu verschleiern. Bei Horaz zeigt der Fortgang des Passus nämlich, daß sich das ,,recte sapere“ und die „Socraticae [...] chartae“ auf allgemeine sittliche Werte und Pflichten beziehen:
[...] patriae quid debeat et quid amicis,
quo sit amore parens, quo frater amandus et hospes,
quod sit conscripti, quod iudicis officium (312ff.)
usw.; zum ,recte sapere‘ gehört also vorrangig zu wissen, was man dem Vaterland und was den Freunden schuldet, wie man einen Vater, einen Bruder oder einen Gast lieben soll, was die Pflichten des Senators, des Richters usw. sind. Bei Boileau meint das „apprenez à penser“  dagegen nicht das sittliche Wissen eines ,recte sapere‘, sondern das stilistische, oder besser noch: das kommunikative Ideal der ,perspicuitas‘. Wie die Notwendigkeit solcher ,perspicuitas‘ im Einzelnen beschrieben wird, ist dabei höchst aufschlußreich. Zunächst übernimmt der Sprecher wieder die Perspektive des Publikums bzw. des Gesprächspartners. Aus der Sicht des Publikums wird darauf nach semantisch-syntaktischer Transparenz der Aussage verlangt, weil nur eine solche Transparenz Aufmerksamkeit wachhalten kann:
Si le sens de vos vers tarde à se faire entendre,
Mon esprit aussi-tost commence à se détendre,
Et de vos vains discours prompt à se détacher,
Ne suit point un Auteur qu’il faut toûjours chercher. (A. P. 1, 143ff.)
Der positive Gegenbegriff zur Unverständlichkeit, welche die Aufmerksamkeit der Zuhörer erstickt, lautet ,clarté‘, und als ihr vorbildlicher Repräsentant gilt Malherbe („Enfin Malherbe vint“) mit seinem ,tour heureux‘ (A. P. 1, 142). Durch die nähere Erläuterung der ,clarté‘ wird deutlich, daß sie im Verständnis Boileaus einen essentiell kommunikativen Wert darstellt, nämlich den der höflichen Rücksichtnahme auf die hermeneutischen Kompetenzen des Gesprächspartners. Nur wer Rücksicht nimmt und in verständlichen Wendungen spricht, wird auch – wie wir schließen sollen von Anteilnahme und Interesse der Zuhörer belohnt. Geraten seine Wendungen, vielleicht weil sie angestrengt extravagieren, allzu opak, gibt es statt Lohn eine Strafe.
Sie besteht im Aufmerksamkeitsentzug von seiten der Zuhörerschaft, die dem Autor, den sie mühsam suchen muß, am Ende nicht mehr folgen mag. Wie wichtig diese Argumentation für Boileau ist, zeigt sich im übrigen daran, daß er sie an einer anderen Stelle, beim Punkt der Tragödienexposition, ein weiteres Mal aufgreift. Unmittelbar auf den Passus vom „secret [...] de plaire et de toucher“  folgend, kommt es dort im dritten Gesang zu der Empfehlung, den Handlungsbeginn in der Exposition möglichst zugänglich zu gestalten, das heißt: den Eintritt ins Geschehen gewissermaßen zu planieren:
Que dès les premiers vers l’Action préparée,
Sans peine, du Sujet applanisse l’entrée. (A. P. 3, 27f.)
Als abschreckendes Beispiel wird ein Schauspiel imaginiert, dessen allzu konfuse Exposition die Handlung nicht auf den Punkt zu bringen weiß. Wenn nicht rasch klar wird, worum es geht, verwandelt sich für den Zuschauer, dessen Perspektive der Sprecher wieder übernimmt, die Unterhaltung in eine Mühsal. Erneut sind es also auch hier die hedonistischen Werte der Gesprächskommodität, die bei der Argumentation positiv als ,divertissement‘ und negativ als ,fatigue‘ obenan stehen:
Je me ris d’un Acteur qui lent à s’exprimer,
De ce qu’il veut, d’abord ne sçait pas m’informer,
Et qui débroüillant mal une penible intrique
D’un divertissement me fait une fatigue. (A. P. 3, 29ff.)
An den beiden Stellen, die ich ausführlicher zitiert habe, wird die ,perspicuitas‘ jeweils – wie gesagt – als ein prononciert kommunikativer Wert eingeführt. Als ein solcher ist er in einem poetologischen Lehrgedicht zweifellos am rechten Platz; doch erinnert die besondere Insistenz, mit der Boileau die Notwendigkeit verständlich klarer Sprachfügungen hervorhebt, gleichzeitig an einen anderen thematischen Kontext. Gemeint ist das Schrifttum über ein angemessenes höfisches Verhalten in der Interaktion und speziell in der Konversation, wie es seit dem frühen 16. Jahrhundert zunächst in Italien floriert. Wenn wir dessen berühmtestes Exemplar, Della Casas Galateo,aufschlagen, finden wir dort Überlegungen, die den Empfehlungen Boileaus erstaunlich nahekommen. Bei ihnen bildet das Postulat der Höflichkeit jetzt auch explizit den Ausgangspunkt. Was Höflichkeit bedeutet, wird von Della Casa anhand verschiedener Situationen, aber immer wieder mit der gleichen Tendenz aufgezeigt. Stets handelt es sich darum, daß der eine (Ego) sich nach Kräften bemüht, dem anderen (Alter) möglichst viel Freiraum für dessen Spontaneität zu garantieren. Voraussetzung für einen solchen Interaktionsstil der Höflichkeit ist jene Kompetenz sozialer Reflexivität, die man seit George Herbert Mead als „taking the role of the other“ bezeichnet, das heißt: die Fähigkeit, den eigenen Beitrag zur Interaktion (zur Konversation) derart zu gestalten, daß er dem anderen alle Freiheit läßt, die er braucht, „um sein Verhalten selbst bestimmen zu können“. [15]
Ein solches Reflexivitätskalkül spielt im Galateo nun nicht nur bei der Beobachtung von Tischsitten und Hygiene eine Rolle, sondern gleichfalls bei manchen Erwägungen, die man im engeren Sinn rhetorisch, ja poetologisch nennen kann. Durch sie wird tatsächlich genau jene Entwicklung gefördert, die später in Boileaus Art poétique kulminiert oder, um eine Prosa-Fassung zu erwähnen, in La Bruyères Maxime: „Tout écrivain, pour écrire nettement, doit se mettre à la place de ses lecteurs“. [16] Von primärer Wichtigkeit sind dabei Della Casas Ratschläge zur Redegliederung und zumal zum Geschichtenerzählen. Zunächst bloß auf die Konversation bezogen, umreißen sie die Prinzipien einer Narrationspoetik, die vor allem die Gesichtspunkte erzählerischer Transparenz (und Ökonomie) kultiviert. So soll der Erzähler seine Geschichte beispielsweise nicht mit überflüssigen Abschweifungen belasten. Wie solche Abschweifungen sich auswirken können, stellt Della Casas Interaktionslehrer mit der gleichen Absicht dar, wie Boileaus Dichtungslehrer sie bei seiner Kritik an verworrenen Tragödienexpositionen verfolgt. Hier ist es das Phänomen konfuser Erzähleinleitungen, das – dem niedrigeren Stilniveau des Textes entsprechend – mit einer burlesken Karikatur vergegenwärtigt wird:
– Il tale che fu figliuol del tale, che stava a casa nella via dei Cocomero, no ‘l conosceste voi? che ebbe per moglie quella de’ Gianfigliazzi: una cotal magretta, che andava alla messa in San Lorenzo. Come no? Anzi non conosceste altri. – Un bel vecchio diritto che portava la zazzera: non ve ne ricordate voi? [17]
Darauf folgt dann eine Kritik, die wie bei Boileau ganz vom Interesse eines Publikums her gedacht ist, dem das Durcheinander der müßigen Assoziationen zu Langeweile und Verdruß gereichen muß, dem also das ,divertissement‘ sich in eine ,fatigue‘ zu verwandeln droht:
Perciocché, se fosse tutto uno che il caso fosse avvenuto ad un altro come a costui, tutta questa lunga quistione sarebbe stata di poco frutto, anzi di molto tedio a coloro che ascoltano e sono vogliosi e frettolosi di sentire quello avvenimento. [18]
Desgleichen wird im Interesse der Zuhörer und Gesprächspartner gefordert, nicht zu reden, ohne vorher über den Sinn der Rede nachgedacht zu haben: „che tu non dèi giammai favellare che non abbi prima formato nell’animo quello che tu dèi dire“. [19] Es ist das für den Bereich der Rede eben jenes Postulat, das Boileau für den Bereich des Schreibens in den Imperativ „Avant donc que d’écrire, apprenez à penser“  faßt. Wenn man sich über Redeinhalt und Redeabsicht im unklaren ist, können – wie Della Casa zurecht befürchtet – Konfusionen und Unschlüssigkeiten entstehen, die den Zuhörern zur Qual werden: „che sono a chi t’ascolta tratti di corda“. In die gleiche Richtung eines Mangels an kommunikativer Transparenz und Ökonomie geht übrigens auch ein Teil der Vorwürfe, welche Della Casa bekanntlich an die Adresse von Dantes Commedia richtet. [20] Denn auch Dante hat seine Zuhörer in Inferno 1, 68f. – wie Della Casa es sieht – durch sinnlose (oder zumindest disfunktionale) Nebensächlichkeiten aufgehalten und frustriert, darin dem bereits erwähnten umständlichen Geschichtenerzähler ähnlich, der deshalb folgendermaßen getadelt und neben den Autor der Commedia auf die Anklagebank gerückt wird:
[...] tu gli (coloro che ascoltano, U.S.-B.) aresti fatti indugiare, sí come per avventura fece il nostro Dante:
e li parenti miei furon lombardi,
e mantovan per patria ambidui;
perciocché niente rilevava se la madre di lui fosse stata da Mazzuolo o anco da Cremona. [21]
Zu Dante nimmt der Präzeptor des Galateo also eine Haltung ein, welche einerseits zwar auch die Attitüde eines ,précieux‘ sein mag, der sich aus der Sicht ,zivilisierter‘ Hofkonversation an gewissen Danteschen Grobheiten und an dessen ,parole meno che oneste‘ stört. Wichtiger erscheint aber andererseits die Sorge um semantische Transparenz und kommunikative Rücksichtnahme, vor deren Normen Dantes Darstellung ebenfalls zu wünschen übrig läßt. Unter dem letzteren Gesichtspunkt kommen die Monita des Galateo in manchen Zügen tatsächlich den Korrekturen nahe, wie sie etwa Malherbe an den Gedichten von Desportes vornimmt, oder eben auch der Position Boileaus gegenüber ,barocken‘ Epikern à la Saint-Amant, Brébeuf oder Scudéry. Hier wie da ist das Ideal des distinkten und funktionalen Ausdrucks immer auch ein Ideal der Höflichkeit, das Ego veranlaßt, eher an die Rezeptionsinteressen von Alter zu denken als an die Spontaneität des eigenen Ausdrucksbedürfnisses. So kritisiert der Präzeptor des Art poétique eben in der Rezipientenrolle, die er gerne bekleidet, die Mängel einer Dramenexposition, welche ihr Anliegen nicht verständlich zu machen weiß. Und der Präzeptor des Galateo postuliert aus etwas anderer Perspektive, doch mit der gleichen Absicht, die ihr Ziel in einer Rhetorik und Poetik der sozialen Reflexivität sieht: „Le parole, sì nel favellare disteso come negli altri ragionamenti, vogliono esser chiare sì che ciascuno della brigata le possa agevolmente intendere“. [22] Und wenn die Commedia es nach Della Casas Urteil an der solcherart gebotenen Klarheit (,clarté‘) fehlen läßt, dann wird der Grund dafür – mit einem Zitat aus Giovanni Villanis Cronica – bezeichnenderweise in Dantes Philosophen-Arroganz gesucht, das heißt: in seiner unhöfischen Rücksichtslosigkeit im Umgang mit Lesern, die er offenbar nicht – wie es den Vorstellungen der späteren Konversationstraktate entsprochen hätte – als gleichberechtigte Gesprächspartner anerkennen mochte: „Questo Dante per suo saper fu alquanto presuntuoso e schifo e sdegnoso e, quasi a guisa di filosofo mal grazioso, non ben sapeva conversar co’ laici“. [23] Dagegen korrespondiert mit Della Casas (und Villanis) Tadel als positives Komplement in höfischer Perspektive Boileaus Mahnung:
C’est peu d’estre agreable et charmant dans un livre;
Il faut sçavoir encore et converser et vivre. (A. P. 4, 123f.)
Denn erst aus dem ,converser et vivre‘ – so dürfen wir hier wohl über den Boileauschen Wortlaut hinaus folgern – kann der Habitus einer ,clarté‘ , das heißt: ,perspicuitas‘, erwachsen, welche zugleich und vor allem die soziale Tugend kommunikativer Rücksichtnahme bedeutet.
Demnach kann man in den Werten von Transparenz und Höflichkeit den Nucleus einer Gesellschaftspoetik erblicken, die Boileaus poetologischem Lehrgedicht und Della Casas Verhaltenstraktat – wie vielen anderen Kompendien der gleichen Art –gemeinsam ist. Freilich steht außer Frage, daß eine solche Poetik des klassischen Ausdrucks und der höflichen kommunikativen Rücksichtnahme nicht die einzige ist, welche sich im Rahmen der höfischen Gesellschaft ausgebildet hat. Wie allgemein bekannt, existieren neben den klassizistischen Tendenzen zur ,perspicuitas‘ auch durchaus gegenläufige Tendenzen, die umgekehrt eher zur Intransparenz und zu einer Erschwerung der Kommunikation neigen. Es handelt sich um Tendenzen, die wir als manieristisch oder barock, in Spanien auch als konzeptistisch oder kultistisch zu bezeichnen pflegen und die sich in einer dezidierten Distanz von Boileaus Art poétique oder Della Casas Galateo situieren lassen. Trotzdem haben auch diese gegenläufigen Richtungen eines prononciert manieristischen und gewollt opaken Ausdrucks an den Kommunikationsinteressen der höfischen Gesellschaft wie mir scheint – spezifischen Anteil. Es liegen ihnen nämlich ganz ähnliche Erwägungen zugrunde, die dann lediglich mit anderen und teils konträren Konsequenzen versehen werden.
Um zu zeigen, wie aus den historischen Besonderheiten der höfischen Gesellschaft sowohl eine Poetik der Transparenz und der höflichen Rücksichtnahme wie eine Poetik der (partiellen) Intransparenz und einer kalkulierten Strategie des Imponierens erwachsen können, müßte ich weiter ausholen und – unhöflicherweise mehr an Raum und Zeit beanspruchen, als mir hier zur Verfügung steht. Daher möchte ich die Punkte, an denen man den gesellschaftlichen Zusammenhang zwischen den gegensätzlichen Poetiken bzw. Konversationsethiken ausmachen kann, jetzt bloß durch einige Hinweise skizzieren. Den günstigsten Ausgangspunkt dazu bildet meines Erachtens Castigliones Buch vom Cortegiano,also eine Schrift, die Giovanni Della Casas Galateo in vielen Belangen verwandt ist. [24] Sie erscheint dem Galateo unter anderem auch darin verwandt, daß bei der Sprachdiskussion, die sich im ersten Buch um die speziell italienische ,questione della lingua‘ entwickelt, großer Wert auf Transparenz und Verständlichkeit aller sprachlichen Äußerungen gelegt wird. Jedenfalls ist das die Meinung des Conte, der im Gegensatz zu messer Federico nichts von den toskanischen Archaismen hält und die Ansicht vertritt, daß solche Archaismen trotz ihrer literarischen Ehrwürdigkeit in der Schrift ebenso fehl am Platz wären wie in der mündlichen Rede. In der Rede stellten sie ein Ärgernis für alle Zuhörer dar; wer sie verwendete, heißt es, „darebbe non poco fastidio a ciascun che lo ascoltasse“. [25] Da die Schrift indessen nichts anderes sei als eine auf Dauer fixierte Form der Rede, müsse das Ärgernis, das die Archaismen darstellen, dort nicht anders erregt werden als beim mündlichen Gespräch; ja es würde sich in der Schrift sogar noch schlimmer ausnehmen, da die Schrift in höherem Maß auf unmittelbare Verständlichkeit angewiesen sei als die Rede unter Anwesenden:
Estimo ancora, che molto piú sia necessario l‘esser inteso nello serivere, che nel parlare; perché quelli che serivono non son sempre presenti a quelli che leggono comequelli che parlano a quelli che parlano. [26]
Nun bleiben die Ansichten des Conte, die in Sprachangelegenheiten wohl weithin auch die Meinung des Autors Castiglione ausdrücken, in den Dialogen des Cortegiano aber nicht ohne Einwand und Widerspruch. [27] Einwände formuliert – wie gesagt messer Federico, indem er zu verstehen gibt, daß in der Schriftsprache eine gewisse ,acutezza recondita‘, also das Element einer verborgenen Ingeniosität, auch ihre Vorteile besitzt. Sie vermittelt dem Text – wie es heißt – einen Zuwachs an ,Autorität‘; sie wirkt beim Leser als ein Stimulus von Aufmerksamkeit, und sie verschafft dem Leser zugleich eine besondere Genugtuung, da sie ihm die Möglichkeit verschafft, seinen Scharfsinn an der Überwindung einer Verstehensschwierigkeit zu erproben:
[...] se le parole che usa il scrittore portan seco un poco, non dirò di difficultà, ma d’acutezza recondita, e non cosí nota come quelle che si dicono parlando ordinariamente, dànno una certa maggior autorità alla scrittura, e fanno che ‘l lettore va piú ritenuto e sopra di sé, e meglio considera, e si diletta dello ingegno e dottrina di chi scrive; e col bon giudicio affaticandosi un poco, gusta quel piacere che s’ha nel conseguir le cose difficili. [28]
Bei der Gewichtung der Diskussionsargumente wird diese Apologie einer moderaten sprachlichen Schwierigkeit gegenüber dem Plädoyer für die ,facilità‘, wie es der Conte betreibt, deutlich zurückgestellt, ähnlich wie solche Argumente ja auch schon in Quintilians Institutio oratoria kritisch perspektiviert worden waren, wenn es dort beispielsweise hieß:
Ingeniosa haec et fortia et ex ancipiti diserta creduntur, pervasitque iam multos ista persuasio, ut id iam demum eleganter atque exquisite dictum putent, quod interpretandum sit. (8, 2, 21).
Immerhin ist dank der Argumente messer Federicos aber die Möglichkeit eingeräumt, daß die gewollte Intransparenz der Formulierung wenigstens partiell positiviert werden kann, zum einen auf der Seite des Produzenten als Autoritätsgewinn, zum anderen auf der Seite des Rezipienten als Lust an der Dechiffrierung des teilweise Rätselhaften.
Von größerer Bedeutung für unser Thema von Transparenz oder Intransparenz der elocutio ist in Castigliones Cortegiano indessen noch ein anderer Umstand. Er zeigt sich daran, daß der Verfechter der ,perspicuitas‘ des Redens wie des Schreibens im Cortegiano etwas andere Akzente setzt alsder Präzeptor des Galateo. Im Galateo war es in der Tat wie dann später auch im Art poétique in erster Linie um kommunikative Rücksichtnahme auf Gesprächspartner bzw. Publikum gegangen. Solche Rücksichtnahme spielt selbstverständlich auch bei Castiglione eine Rolle; doch steht sie hier weit weniger im Vordergrund. Primäre Relevanz nimmt demgegenüber jenes andere Motiv an, das im Cortegiano überhaupt alle Selbststilisierung regeln soll und auf das die Runde dementsprechend auch immer wieder zurückkommt. Gemeint ist das Motiv der aristokratischen Eleganz, welche essentiell in der Affektationsvermeidung besteht, oder mit anderen Worten: in dem Geschick, Anstrengung zu verbergen. [29] So lehnt der Conte den Gebrauch der toskanischen Archaismen eben deshalb ab, weil sie nach ihm ein peinliches Beispiel der perhorreszierten ,affettazione‘ darstellen würden. Empfohlen wird stattdessen, sich an die aktuelle ,consuetudine‘ zu halten; denn wer gegen die ,consuetudine‘, also das lexikalisch Übliche, verstößt, exponiert sich nach Meinung des Conte der schlimmsten Gefahr, die der Bewahrung aristokratischer Eleganz droht: „E parmi che chi s’impone altra legge, non sia ben sicuro di non incorrere in quella affettazione tanto biasimata, della qual dianzi dicevamo“. [30]
Demnach werden Klarheit und ,facilità‘ auch im Bereich von Sprache und Stil zu einem Synonym der ,sprezzatura‘. Das heißt: Sie dienen nicht allein und nicht einmal vorrangig der kommunikativen Rücksichtnahme, sondern mindestens ebenso sehr der Selbststilisierung des Hofmanns, der vermeiden möchte, Mühe und Anstrengung, wie sie die arbeitenden Stände charakterisieren, sichtbar werden zu lassen. Besonders manifest wird dies Motiv, wie der Conte im vierzigsten Abschnitt noch einmal versucht, den Gang der Diskussion über die ,questione della lingua‘ zusammenzufassen, und resümierend festhält: „[...] credo che dicevamo, che somma disgrazia a tutte le cose dà sempre la pestifera affettazione, e per contrario grazia estrema la simplicità e la sprezzatura“. [31] So entsteht in der Sicht des Conte eine Äquivalenz von „facilità“ alias ,sprezzatura‘ und dem aktuellen Sprachgebrauch der ,consuetudine‘ , der auf der anderen Seite eine negative Äquivalenz gegenübersteht, in der die mühsame, ,unnatürliche‘ Imitatio der toskanischen Klassiker als eine ,affettazione‘ gilt. [32] Oder mit anderen Worten und ein wenig vereinfacht: Castigliones Hofmann spricht schlicht und verständlich, weniger um den Gesprächspartner zu schonen, als vielmehr um seinerseits die Attitüde einer eleganten, weil natürlichen Nachlässigkeit zu demonstrieren.
Nun hat es aber mit der ,sprezzatura‘ als der Attitüde von Nachlässigkeit und Eleganz eine eigene und eigentümlich ambivalente Bewandtnis. Wie der Conte Begriff und Argument der ,sprezzatura‘ im berühmten 26. Abschnitt des ersten Buchs zum ersten Mal vorstellt, da tritt die ,sprezzatura‘ als eine essentiell ästhetische Qualität auf, und zwar als Synonym bzw. Erklärung des höchsten Verhaltenswertes der Anmut, der ,grazia‘. ,Grazia‘ – so wird gesagt – sei, mit einer ,nova parola‘ ausgedrückt, ,sprezzatura‘ und bestünde darin, ,affettazione‘, ,fatica‘ und ,arte‘ zu verbergen. Ein paar Abschnitte weiter wird die ästhetische Qualität jedoch auch noch mit einem gleichsam strategischen Sinn versehen, der auf ein raffiniertes Prestigekalkül hinausläuft. Die Vorteile der ,sprezzatura‘ erschöpfen sich nach der Lehre des Conte nämlich nicht darin, daß sie demjenigen, der ihrer mächtig ist, Anmut verleihen. Vielmehr garantiere die ,sprezzatura‘ ihrem Adepten auch eine gesteigerte Reputation durch den Umstand, daß die evidente Lässigkeit bei der Bewältigung von Schwierigkeiten nicht erkennen läßt, wo die eventuellen Grenzen der Kompetenz des lässig Agierenden liegen mögen:
Questa virtú adunque contraria alla affettazione, la qual noi per ora chiamiamo sprezzatura, oltra che ella sia il vero fonte donde deriva la grazia, porta ancor seco un altro ornamento, il quale accompagnando qualsivoglia azione umana per minima che ella sia, non solamente subito scopre il saper di chi la fa, ma spesso lo fa estimar molto maggior di quell che è in effetto; perché nelli animi delli circunstanti imprime opinione, che chi cosí facilmente fa bene sappia molto piú di quello che fa, e se in quello che fa ponesse studio e fatica, potesse farlo molto meglio. [33]
Das zuletzt zitierte Argument, das die anfangs rein ästhetisch definierte Qualität der ,sprezzatura‘ zugleich auch zur ,perspektivischen Selbstvergrößerung‘ des lässig agierenden Hofmanns einsetzt, [34] gehört indes wohl zu den folgenreichsten Ideen von Castigliones bald überall in Europa gelesenen Dialogen. Besonders intensiv hat gerade diese Idee bei dem spanischen Jesuiten Baltasar Gracián gewirkt. Von Gracián wird sie zu einem Hauptmotiv der eigenen Verhaltenslehre ausgebaut, und zwar zu einem Motiv, das Castigliones ,facilità‘ auf eine Weise fortentwickelt, die ziemlich genau in die Gegenrichtung von Della Casas oder Boileaus Konzepten der ,perspicuitas‘ tendiert. Dabei dürfte kein Zufall sein, daß Gracián Castigliones Gedanken einer strategischen Funktionalisierung der ,sprezzatura‘ bereits im ersten Kapitel seiner ersten größeren moralistischen Schrift vorstellt und elaboriert. Es handelt sich um den ,Primor primero‘ des Traktats vom Héroe,der überschrieben ist: ,Que el Héroe platique incomprehensibilidades de caudal‘. In ihm geht es nicht einmal mehr ansatzweise darum, durch unangestrengte Natürlichkeit dem Interaktionspartner höflich entgegenzukommen. Vielmehr hat sich der Schwerpunkt des Interesses radikal verlagert, und die Affektationsvermeidung dient jetzt nicht mehr dazu, Kommunikation zu erleichtern, sondern allein der Absicht, einem Interaktionspartner zu imponieren. Was in Castigliones Cortegiano sozusagen als ein episodischer Gedanke geäußert wurde, erscheint im ersten Kapitel des Héroe gleichsam zu einem System von Illusionierungsstrategie pointiert. In diesem System lautet die erste und – wenn man so will – fundamentale Regel:
Gran treta es ostentarse al conocimiento, pero no a la comprehensión; cebar la expectación, pero nunca desengañarla del todo; prometa más lo mucho, y la mejor acción deje siempre esperanzas de mayores. [35]
Der ,Held‘ soll sich also zeigen, aber verhindern, ganz ,verstanden‘ und damit ausgemessen zu werden. Zwar ist sein Handeln auch bei Gracián im Sinne der höfischen Gesellschaft stets auf Interaktionspartner und Publikum bezogen; doch erwächst aus dieser Bezogenheit gerade nicht ein Postulat von Transparenz, sondern die Empfehlung, ja das Gebot, im letzten immer opak, oder mit anderen Worten: unermeßlich zu erscheinen. Der ,Primor primero‘ wandelt eben diesen Gedanken mit ständig neuen Wendungen ab, etwa durch den Vergleich des Menschen, der Bewunderung genießt, mit einem Fluß, dessen Tiefe noch nicht ergründet ist:
Escuse a todos el varón culto sondarle el fondo a su caudal, si quiere que le veneren todos. Formidable fue un río hasta que se le halló vado, y venerado un varón hasta que se le conoció término a la capacidad; porque ignorada y presumida profundidad siempre mantuvo, con el recelo, el crédito. [36]
Aus dieser Verhaltensmaxime, die darauf hinausläuft, den Eindruck einer ,unermeßlichen Tiefe‘ zu erzeugen, und die verlangt „todos te conozcan, ninguno te abarque“ , muß selbstverständlich auch im Literarischen eine andere Schreibweise erwachsen als jene, die von der ,politesse mondaine‘, das heißt: von der Sorge um Transparenz und Verständlichkeit, bestimmt wird. Wenn der Graciánsche ,Held‘ alles darauf anlegt, der Umwelt zu imponieren, sie zu beeindrucken, statt ihr nach gemeinsamen Maßen in erster Linie gefallen zu wollen, dann darf er auf keinen Fall unmittelbar und ohne Schwierigkeiten verständlich sein. So erklären sich dann auch die gewollten Dunkelheiten von Graciáns Taciteischem Stil der immer bloß andeutenden und niemals explizierenden Kürze. Über deren Funktion unterrichten zahlreiche Aphorismen des Oráculo manual,und zwar in einer Manier, welche den Inhalt der Empfehlungen stets auch schon formal zu praktizieren sucht. Als ein Beispiel unter vielen greife ich zum Schluß den Aphorismus Nr. 253 heraus, der sich bereits durch seinen Titel als die genaue Umkehrung einer Poetik der höflichen Transparenz erweist: „No allanarse sobrado en el concepto“. Er beginnt mit der – man könnte sagen – desillusionierten Beobachtung, daß die meisten nicht schätzen, was sie verstehen, und umgekehrt verehren, was sie nicht begreifen: „Los más no estiman lo que entienden, y lo que no perciben lo veneran“. [37] Verschärft wird diese Beobachtung durch die für Gracián überhaupt charakteristische Einsicht in die Mechanismen des intellektuellen Markts: „Las cosas, para que se estimen, han de costar: será celebrado quando no fuere entendido“. [38] Das ist eine Radikalisierung von Castigliones wenig akzentuierter Einsicht, daß durch die Überwindung der Schwierigkeit einer ,acutezza recondita‘ Lust entstehen kann. Für diese Radikalisierung wirkt bezeichnend, daß sie sich um die Lust der anderen eben nicht mehr kümmert, sondern sich allein noch an deren Bewunderung interessiert zeigt, weshalb die Schwierigkeit bzw. Dunkelheit auch nicht mehr unbedingt aufgelöst werden muß.
Am scharfsinnigsten, unter einer anderen Perspektive auch: am zynischsten, wirkt in dem Aphorismus vielleicht der Ratschlag, den nicht einmal der Gracián-Kommentator Miguel Romera-Navarro richtig verstanden hat: „no se les (a los más, U. S. -B.) ha de dar lugar a la censura, ocupándolos en el entender“. [39] Bezeichnenderweise ist er aber im 17. Jahrhundert vom französischen Übersetzer Amelot de la Houssaye verstanden worden, der – allerdings schlichter – schreibt: „Il faut leur ôter le moïen de censurer, en occupant tout leur esprit à concevoir“. [40] Und auch Schopenhauer hat das Richtige getroffen, wenn er im Sinne Graciáns formuliert: „Zum Tadeln müssen sie gar nicht kommen können, indem sie schon am Verstehen genug zu thun haben“. [41] Durch diese Maxime wird die Poetik der Höflichkeit mit bemerkenswertem Eklat in eine Poetik pointierter Unhöflichkeit verkehrt: Man soll die Leser an der Kritik hindern, indem man ihnen genügend Schwierigkeiten beim Verständnis bereitet. Es ist das eine Maxime paradoxal publikumsorientierter Rücksichtslosigkeit, und für ihre Effizienz scheint zu sprechen, daß sie – zumindest in den Strategien mancher akademischer Publikationen – ihre Gültigkeit wohl bis heute bewahrt hat.
1 Eine solche Sicht scheint von Désiré Nisards Histoire de la littérature française bis etwa Ernst Cassirers Die Philosophie der Aufklärung (Tübingen 1932, dort bes. S. 373ff.) vorherrschend gewesen zu sein. Auf die konzentriertesten Formeln hat sie vielleicht Gustave Lanson gebracht, der den ,classicisme‘ als eine „union du cartésianisme et de l’art“  definiert und über Boileau befindet: „il était passionnément raisonnable, raisonneur, et rationaliste. Aussi le système de Descartes le satisfit-il parfaitement“; vgl. G. Lanson, Histoire de la littérature française,remaniée et complétée pour la période 1850–1950 par P. Tuffrau, Paris 1960, S. 494 und 1430. Selbstverständlich ist die cartesianische Deutung des Art poétique auch nicht einfach falsch. Sie kann um so mehr Argumente vorweisen, je weiter der geistesgeschichtliche Kontext gefaßt ist, in dessen Rahmen sie entwickelt wird.
2 Der Art poétique wird mit Angabe der jeweiligen Versnummer nach der folgenden Ausgabe zitiert: N. Boileau-Despreaux, Epîtres. Art poétique. Lutrin, hrsg. von C.-H. Boudhors, Paris 31967.
3 Zur erstaunlichen Langlebigkeit, die das klassische Wertesystem in der französischen Literaturkritik und Literaturgeschichtsschreibung erreicht hat, vgl. unter anderem F. Wolfzettel, Einführung in die französische Literaturgeschichtsschreibung,Darmstadt 1982, S. 123ff. oder 191ff.
4 Zur Definition und zu den sozialgeschichtlichen Prämissen wie Konsequenzen dieses Begriffs vgl. N. Elias, Die höfische Gesellschaft (Soziologische Texte Bd. 50), Neuwied – Berlin 1969. Auf den Zusammenhang von gesellschaftlichen und literarischen Wandlungsprozessen geht Elias dort vor allem am Beispiel von Honoré d’Urfés Astrée ein (ebd. S. 364–393).
5 Mit der Bezeichnung der letztgenannten Disziplin beziehe ich mich auf den Titel von StefanoGuazzos im ,Europa delle corti‘ einst überaus erfolgreichen Dialogen, die dank Amedeo Quondam neuerdings auch wieder in einer zuverlässig kommentierten wissenschaftlichen Edition vorliegen: S. Guazzo, La civil conversazione,hrsg. von A. Quondam, Modena 1993, 2 Bd. Über die Fortüne, die Guazzos Text und Thema in Deutschland noch jenseits ihrer spezifischen Epoche bis hin zu Knigge, Rumohr oder Otto Gildemeister zuteil geworden ist, unterrichtet E. Bonfatti, La „Civil Conversazione“  in Germania, Udine 1979.
6 V gl. dazu B. Rathmann, Der Einfluß Boileaus auf die Rezeption der Lyrik des frühen 17. Jahrhunderts in Frankreich, Tübingen – Paris 1979, bes. S. 122. Von selbst versteht sich, daß die Exponenten der ,nouvelle critique‘, die sich um eine Rehabilitation der stiltypologisch ,barocken‘ Dichtung in der ersten Hälfte des Dix-Septième bemühten, dem Art poétique keine sonderlichen Reize abzugewinnen wußten; doch ist bemerkenswert, eine wie tiefe Abneigung etwa auch Ernst Robert Curtius mit Boileau verband: Boileau galt für Curtius als ein „beschränkter Banause“ und offenbar als eine Art Präfiguration des so klassizistischen wie nationalistischen Literaturhistorikers Ferdinand Brunetière; vgl. E. R. Curtius, Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Bern – München 41963, S. 270, 278 oder 399f.
7 Der Vers, der ein Axiom zumindest des schulmäßig rezipierten Boileau gleichsam auf den Kopf stellt, findet sich in dem von der Lektüre Leopardis angeregten (anti)poetologischen Gedicht Après une lecture; vgl. A. De Musset, Premières poésies. Poésies nouvelles,Paris 1966, S. 399.
8 So lautet das Selbstkonzept, das Boileau indes nicht der eigenen ,figura‘ als Satiriker, sondern einem von deren Gegnern in den Mund legt; vgl. N. Boileau-Despreaux, Satires,hrsg. von C.-H. Boudhors, Paris 1952, S. 70 (9, 127f.): „Mais lui qui fait ici le Regent du Parnasse, / N’est qu’un gueux revêtu des dépoüilles d’Horace.“ 
9 Die zitierten Verse lassen so etwas wie eine abendländische Traditionalität der späteren romantischen Gefühlspoetik erkennen, deren wesentlicher Bezugspunkt hier in dem Horazischen Postulat „si uis me flere, dolendum est / primum ipsi tibi“ (De arte poetica 102f.) zu liegen scheint.
10 Vgl. dazu auch die witzige satirische Wendung, welche das Problem der Spannung zwischen ,raison‘ und ‚rime‘ bereits in Boileaus skandalträchtiger zweiter Satire erfahren hat: „Si je pense exprimer un Auteur sans defaut, / La raison dit Virgile, et la rime Quinaut“  (Boileau, Satires [o. Anm. 8], S. 26 [2, 19f.]).
11 Vgl. dazu ausführlicher U. Schulz-Buschhaus, „Honnete [sic] Homme und Poeta doctus. Zum Verhältnis von Boileaus und Menzinis poetologischen Lehrgedichten“, arcadia 9 (1974), S. 113–133, hier S. 126ff.
12 Wichtiger ist bei dem Applaus für Ariost (A.P. 3, 291) freilich noch, was durch ihn negativiert wird, nämlich Torquato Tassos ,triste‘ Gerusalemme liberata als Vorbild für Desmarets’ von Boileau perhorreszierte modeme Epenpoetik des ,merveilleux chrétien‘; zu Boileaus Kampf gegen die politisch-religiöse Funktionalisierung einer ,épopée chr´rtienne‘ vgl. H. Stenzel, Die französische „Klassik“. Literarische Modernisierung und absolutistischer Staat,Darmstadt 1995, S. 282–292.
13 Besonders drastisch wird das von La Bruyère im Kapitel „De la société et de Ja conversation“  der Caractères vergegenwärtigt, etwa in den Stücken 8 oder 9 („Arrias [...] prend la parole, et l’ôte àceux qui allaient dire ce qu’ ils en savent“); vgl. La Bruyère, Les Caractères, hrsg. von R. Garapon, Paris 1962, S. 154f.
14 Zu Boileaus Übernahmen aus der Ars poetica des Horaz, die schon von den Zeitgenossen registriert, kritisiert und in ihrer Bedeutung zweifellos überschätzt wurden, vgl. die generelle, um Gerechtigkeit gegenüber dem vormals erhobenen Plagiatsvorwurf bemühte Einschätzung von R. Bray, Boileau. L’homme et l’œuvre,Paris 1962, S. 71ff.
15 V gl. dazu den Abschnitt „Interaktion in Oberschichten: Zur Transformation ihrer Semantik im 17. und 18. Jahrhundert“ in N. Luhmann, Gesellschaftsstruktur und Semantik (Studien zur Wissenssoziologie der modemen Gesellschaft,Bd. I), Frankfurt a. M. 1980, S. 72–161, hier S. 106f. Die von Luhmann geprägte Formel bezieht sich speziell auf den Stand der Interaktionssemantik „gegen 1670“, dem indessen ohne Einschränkungen auch schon die Befunde des Cinquecentisten entsprechen. Besonders deutlich wird das, wenn Della Casa einmal die Frage stellt, ob es schicklich sei, Gäste nachdrücklich zum Essen aufzufordern. Obwohl das einladende Insistieren zugegebenermaßen von Fürsorge zeugt, rät Della Casa entschieden ab, da man mit solchen Aufforderungen Gefahr liefe, den Gästen die Spontaneität ihrer Selbstbestimmung zu nehmen und ihnen demzufolge ein Gefühl von Unbehagen zu verschaffen; vgl. Giovanni Della Casa, Galateo,hrsg. von R. Romano, Torino 1975, S. 70f.: „perché [...] sono [...] molte volte cagione che quegli desini con poca libertà, perciocché gli pare che gli sia posto mente e vergognasi.“ 
16 La Bruyère (o. Anm. 13), S. 91 (,Des ouvrages de l’esprit‘, Nr. 56).
17 Della Casa (o. Anm. 15), S. 46.
18 Ebd.
19 Ebd. S. 54.
20 Zu Della Casas „außerordentlich intensiver [...] Auseinandersetzung mit Dante“ vgl. des näheren den Galateo-Abschnittin M. Hinz, Rhetorische Strategien des Hofmannes. Studien zu den italienischen Hofmannstraktaten des 16. und 17. Jahrhunderts, Stuttgart 1992, S. 277–325, hier S. 313ff.
21 Della Casa(o. Anm. 15), S. 46.
22 Ebd. S. 47.
23 Ebd. S. 48. Zum Topos der „Ungeselligkeit des Philosophen“, nach dem Della Casa sein Dante-Bild modelliert, vgl. Hinz (o. Anm. 20), S. 316.
24 Dementsprechend werden die beiden Schriften von Amedeo Quondam mit Guazzos Civil conversazione – in der Einleitung zu deren Neuausgabe – auch zu einer Trias von „libri evergreen o longseller“  des ,Europas der Höfe‘ vereinigt; vgl. Guazzo (o. Anm. 5), Bd. 1, S. XI: „Tre libri viaggiano nel tempo e nello spazio attraverso l’Europa solidalmente intrecciati e alleati:
Cortegiano, Galateo e Civil conversazione.“ 
25 Vgl. B. Castiglione, Il Libro del Cortegiano,hrsg. von V. Cian, Firenze 41947, S. 71.
26 Ebd.S.72.
27 Zu den Diskrepanzen oder zumindest Uneindeutigkeiten, die im Cortegiano – anders als z. B. im Galateo – aus der Dialogform resultieren, vgl. K. W. Hempfer, „Rhetorik als Gesellschaftstheorie: Castigliones Il libro del Cortegiano“,in: A. Kablitz I U. Schulz-Buschhaus (Hgg.), Literarhistorische Begegnungen. Festschrift Bernhard König, Tübingen 1993, S. 103–121.
28 Castiglione (o. Anm. 25), S. 72.
29 In welch hohem Maß es bei der Definition von Eleganz alias ,grazia‘ im Cortegiano um den Versuch geht, die „soziale Differenzqualität des höfischen Menschen“ quasi ontologisch zu verankern, zeigt P. Werle, „,Grazia‘. Zu Konstituierung und Funktion eines Bildungsideals in Baldassare Castigliones Libro del Cortegiano“, Italienische Studien 8 (1985), S. 39–50.
30 Castiglione (o. Anm. 25), S. 72.
31 Ebd. S. 99.
32 Bei seinem Plädoyer gegen die ,Affektation‘ der imitatio gelangt der Conte im übrigen auch zu einer Anerkennung der Pluralität verschiedenartiger, aber gleichermaßen legitimer und ,perfekter‘ künstlerischer ,Manieren‘: einem Gedanken, den man im allgemeinen erst mit den deklarierten ,Manieristen‘ der Jahrhundertmitte à la Vasari verbindet und der zweifelsohne eines der zukunftsreichsten Argumente bildet, die im Cortegiano geäußert werden; vgl. ebd. S. 92f.: „Eccovi che nella pittura sono eccellentissimi Leonardo Vincio, il Mantegna, Raffaello, Michelangelo, Georgio da Castelfranco: nientedimeno, tutti son tra sé nel far dissimili; di modo che ad alcun di loro non par che manchi cosa alcuna in quella maniera, perché si conosce ciascun nel suo stil essere perfettissimo.“ 
33 Ebd. S. 68.
34 Der Aspektwechsel von einer ästhetischen zu einer strategischen Betrachtungsweise, welche die ,sprezzatura‘ am Ende tendenziell den Techniken der ,dissimulatio‘ annähert, ist vor allem von Manfred Hinz treffend herausgearbeitet worden; vgl. Hinz (o. Anm. 20), S. 128–138.
35 B. Gracían, Obras campletas,hrsg. von M. Batllori / C. Peralta, Bd. 1, Madrid 1969, S. 244
36 Ebd.
37 B. Gracián, Oráculo manual y arte de prudencia,hrsg. von M. Romera-Navarro, Madrid 1954, S. 488.
38 Ebd.
39 Ebd. Von Romera-Navarro wird der Ratschlag mit dem folgenden, mir unzugänglichen Kommentar versehen: „Será cuando es tan necio el que habla como el que escucha, y para los tales sabe Gracián que no valen consejos; aquí el que habla se supone discreto, y el que escucha, capaz de un dictamen juicioso“. Kein Wunder, daß der Kommentator nach dieser Interpretation resignierend bemerkt: „así, la sentencia no tiene buen ajuste con lo que precede, y sólo se justifica en parte par lo que sigue.“ 
40 B. Gracián, L’Homme de cour,übers. von Amelot de la Houssaye, Paris 1972, S. 118.
41 B. Gracián, Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit,übers. von A. Schopenhauer, München 1985, S. 111.
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