Briefe 1896

Die untenstehende Briefliste ist mit Klick auf die jeweiligen Kategorien sortierbar. Absender und Empfänger werden nach Familiennamen sortiert.

Die mit * markierten Briefnummern entstammen der ersten Version dieser Edition, in welcher Briefe bis zum Jahre 1880 erschlossen wurden. Briefe ohne alte Numerierung und mit einer Datierung vor 1880 wurden nachträglich eingefügt.

KennungMarker KennungAbsenderMarker AbsenderEmpfängerMarker EmpfängerDatumMarker DatumOrtMarker Ort
L.2378Emil RollettAlexander Rollett1896 I 1Wien
L.2379E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 I 4Wien
L.2380[Albin] SchlömicherAlexander Rollett1896 I 6Graz
L.2381E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 I 20Wien
L.2382Franz HieblerAlexander Rollett1896 I 24Graz
L.2383Oskar KotschyAlexander Rollett1896 I 30Wien
L.2384E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 II 2Wien
L.2385E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 II 6Wien
L.2386E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 II 14Wien
L.2387E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 II 16Wien
L.2388E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 II 20Wien
L.2389 [NN]Alexander Rollett1896 II 21Wien
L.2390Michael BorysiekiewiczAlexander Rollett1896 II 29[?]
L.2391Ludwig Graff von PancsovaAlexander Rollett1896 III 5Graz
L.2392E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 III 2Wien
L.2393E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 III 8Wien
L.2394Carl LakerAlexander Rollett1896 III 16Graz
L.2395M. HomannAlexander Rollett1896 III 30Leoben
L.2396Ernst BörnerAlexander Rollett1896 IV 1Graz
L.2397Sigmund ExnerAlexander Rollett1896 IV 4Wien
L.2398E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 IV 6[Wien]
L.2399Hans EppingerAlexander Rollett1896 IV 7Graz
L.2400Carl LakerAlexander Rollett1896 IV 7[?]
L.2401Emil RollettAlexander Rollett1896 IV 8Wien
L.2402Otto RemboldAlexander Rollett1896 IV 10[?]
L.2403Hans EppingerAlexander Rollett1896 IV 12Wien
L.2404Sigmund ExnerAlexander Rollett1896 IV 16Wien
L.2405Richard PaltaufAlexander Rollett1896 IV 16Wien
L.2406Franz IlwofAlexander Rollett1896 IV 28Graz
L.2407Julius KratterAlexander Rollett1896 IV 30[Graz]
L.2408Anton WeissAlexander Rollett1896 V 1Graz
L.2409H. HuberAlexander Rollett1896 V 3Graz
L.2410Max GruberAlexander Rollett1896 V 9Wien
L.2411Viktor FosselAlexander Rollett1896 V 11[Graz]
L.2412Otto RemboldAlexander Rollett1896 V 13Lichtenberg, Tirol
L.2413Otto RemboldAlexander Rollett1896 V 20Lichtenberg, Tirol
L.2414Alexander RollettEmil Rollett1896 V 20Graz
L.2415Emil RollettAlexander Rollett1896 V 21Wien
L.2416Viktor FosselAlexander Rollett1896 V 27Graz
L.2417Alexander RollettEmil Rollett1896 VI 4Graz
L.2418Alexander RollettEmil Rollett1896 VI 5Graz
L.2419Emil RollettAlexander Rollett1896 VI 6Wien
L.2420Ewald HeringAlexander Rollett1896 VI 7Leipzig
L.2421Max von KarajanAlexander Rollett1896 VI 10Graz
L.2422Anton AppunAlexander Rollett1896 VI 20Hanau
L.2423Gustav HanausekAlexander Rollett[1896] VI[?] 24Graz
L.2424Sigmund ExnerAlexander Rollett1896 VII 19Wien
L.2425Viktor FosselAlexander Rollett1896 VII 20St. Vigil
L.2426[August] TewesAlexander Rollett1896 VII 23[Graz]
L.2427Emil RollettAlexander Rollett1896 VII 24Naßwald
L.2428Alexander RollettEmil Rollett1896 VII 26Stübing
L.2429[Albin] SchlömicherAlexander Rollett1896 VII 27Graz
L.2430E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 VII 28Graz
L.2431[Gustav] HanausekAlexander Rollett1896 VIII 1Graz
L.2432E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 VIII 2Graz
L.2433[Gustav] HanausekAlexander Rollett1896 VIII 13Kitzbühel
L.2434Heinrich Wilhelm WaldeyerAlexander Rollett1896 VIII 18Berlin
L.2435Oskar ZothAlexander Rollett1896 VIII 20Windischfeistritz
L.2436M. HomannAlexander Rollett1896 VIII 29Leoben
L.2437E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 IX 8Graz
L.2438Rudolf VirchowAlexander Rollett1896 IX 11Tegernsee
L.2439Gustav PommerAlexander Rollett1896 IX 23Innsbruck
L.2440Emil RollettAlexander Rollett1896 IX 27Baden
L.2441Alexander RollettEmil Rollett1896 X 5Graz
L.2442W[illia]m StirlingAlexander Rollett1896 X 5Manchester
L.2443Carl Bernhard BrühlAlexander Rollett1896 X 20Graz
L.2444Carl Bernhard BrühlAlexander Rollett1896 X 21Graz
L.2445Max von PettenkoferAlexander Rollett1896 X 26Seeshaupt
L.2446Gregorio MancaAlexander Rollett1896 X [28?]Padua
L.2447[Albin] SchlömicherAlexander Rollett1896 XI 1[Graz]
L.2448Ernst SchultzeAlexander Rollett1896 XI 3Berlin
L.2449A[ngelo] MossoAlexander Rollett1896 XI 3Turin
L.2450Ernst SchultzeAlexander Rollett1896 XI 13Berlin
L.2451E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 XI 18Wien
L.2452E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 XI 23Wien
L.2453E[duard] ReyerAlexander Rollett1896 XI 26Wien
L.2454W[illiam] StirlingAlexander Rollett1896 XII 5Manchester
L.2455Emil RollettAlexander Rollett1896 XII 5Wien
L.2456[Hans] von ZwiedineckAlexander Rollett1896 XII 22Graz
L.2457H[endrik] ZwaardemakerAlexander Rollett1896 XII 26Utrecht
L.2458Emil RollettAlexander Rollett1896 XII 28Wien
L.2459Alexander RollettEmil Rollett1896 XII 30Graz
L.2460[Anton] ElschnigAlexander Rollett1896 XII 30Wien
L.2461[Adolf] TobeitzAlexander Rollett1896 XII 31Graz
L.2462[August] TewesAlexander Rollett1896 XII 31Graz

Lieber Bruder!

Ich wünsche Dir und den Deinen zum Neujahr alles Gute und Liebe, Gesundheit und Glück. Ich danke Dir und allen für die herzlichen Glückwünsche. So wollen wir denn alle das Beste hoffen und vorläufig wenigstens die Hoffnungsfreude genießen. Am Tage Deiner Abreise von Wien wurde Dein Reiseplaid noch requiriert und in Empfang genommen, und zwar von Cornel, der auf dem Südbahnhof zu tun hatte und dem ich eine beiläufige Beschreibung des Plaids und die Angabe des Trains, in welchem er verloren wurde, zur Beglaubigung mitgab. Es ist gut, dass Richard bewogen wurde, sich zu schonen, denn gerade in der jetzigen Jahreszeit ist Vorsicht doppelt notwendig. Hoffentlich wird er sich bald wieder erholen. Ich bedaure lebhaft das unglückliche Naturell des Oskar. Man steht da wirklich ratlos einer Kalamität und Gefahr gegenüber. Und nun lebe wohl, herzliche Küsse und Grüße an Dich, Rosa und die Kinder

Emil

Vor ein paar Tagen war Dr. Langer (Neffe des Professors?) bei mir und bat mich, als ehemaligen Sekundar des Sophien-Spitals, um eine Empfehlung an Dich, da er in Graz sein Glück versuchen und insbesondere auch theoretische Arbeiten pflegen wolle. Was er eigentlich will, ist mir nicht klar geworden. Er scheint es selbst nicht zu wissen.

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Ich bitte, mir eine Zeile zukommen zu lassen, ob Ihr Verein sich schon entschieden hat, die Saria-Bibliothek definitiv uns zu übergeben und ob davon etwas in der Öffentlichkeit verlauten darf. Hier in Wien bereitet sich eine großartige Entwicklung der Volksbibliotheken vor. Der Referent für die Berlin-Charlottenburger Zentralvolksbibliothek war dieser Tage bei mir und hat mir mitgeteilt, dass Berlin im Wesentlichen nach meinem Programm eine Zentralisation und Errichtung von Lesesälen vorbereitet. Wir müssen nun tüchtig arbeiten, um den Vorsprung vor Berlin zu wahren.

Mit besten Empfehlungen und Wünschen zum Jahreswechsel Ihr ergebener

E. Reyer

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Ich bitte, statt der beiliegenden Bestätigung mir eine solche über 49 fl 60 (laut Beilage II der mährischen Ä[rzte] K[ammer]) ausstellen zu wollen, damit ich die an Sie nicht ausbezahlten 13 fl 60 als Einnahme eintragen kann. Denn sonst hätte ich ein Defizit von 13 fl 60.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Dr. Schlömicher

Verehrter Herr Regierungsrat[sic]!

Als ich Graz verließ, hatte Dr. Schloffer vor, Sie zu fragen, ob Sie prinzipiell abgeneigt sind, eine Volksbibliothek in Graz zu gründen: Da Schloffer seit längerer Zeit krank ist, erlaube ich mir, mit dieser Anfrage an Sie heranzutreten.

Graz nimmt mit cirka 200.000 Entlehnungen pro 1896 [sic] auf diesem Gebiete eine hervorragende Stellung ein, aber es fehlen zur Vollendung noch 2 Bibliotheken mit ca. 100.000 Entlehnungen, dann wären wir auf dem Stand guter englischer Städte und hätten alle Städte des Kontinentes überflügelt. Falls Sie, verehrter Herr Professor, dieser Arbeit einen Anteil schenken, möchte ich die folgenden Vorschläge zur Begutachtung vorlegen: Es wäre vielleicht ein oder der andere Herr aus unserem Bibliotheksausschuss geneigt, Ihren Kreis zu bitten, uns Ihre neuerlich erworbene wertvolle Bibliothek und eine Summe zu übergeben, damit wir eine Volksbibliothek gründen, welche als die Volksbibliothek des Volksbildungsvereines zu bezeichnen wäre. Hiefür spräche der Umstand, dass wir eingearbeitet sind und durch unsere Massenkäufe (für Wien und Graz) in der Lage sind, die Bücher zu ½, ⅓, ja 1/5 des Neuwertes zu kaufen.

Dagegen ist einzuwenden, dass ein Verein sich nicht leicht entschließt, Teile seines Besitzes einem anderen Vereine abzutreten. Ich strebe dieses Ziel auch nicht an und schlage das folgende Vorgehen vor: Entweder Sie gründen die Bibliothek allein oder, falls Ihnen unsere Mitwirkung passt: Sie bestimmen einen Organisator, welcher mit mir vereint die Einrichtung besorgt und den Betrieb leitet. Wir könnten den Betrieb etwa für zwei Jahre gemeinsam besorgen und dann würde der Verein sich entschließen, ob er uns weiter zur Kooperation einladen will oder nicht.

Ich bitte diesen Vorschlag nicht als unberufene Einmischung zu deuten; mir liegt an dieser Arbeit und ihrem günstigen Fortgang soviel, dass ich die Anfrage stellen musste. Vielleicht kommt eine Einigung zustande, was ich von ganzem Herzen wünsche.

Hochachtungsvoll Ihr ergebener

E. Reyer
Wien, Liechtensteinstr. 47

Euer Hochwohlgeboren!

Der Kunstmaler Herr Adolf Pirsch hat auf Bestellung des Herrn Prof. Lipp auf der dermatologischen Klinik einen Akt in Aquarell gemalt, darstellend ein Frauenzimmer voll syphilitischen Ausschlags, und dafür, wie er ganz glaubwürdig dargetan hat, infolge verschiedener Umstände, insbesondere weil er nach Anfertigung des Bildes Graz verließ und ihm für die Zeit nach seiner Rückkunft weitere Arbeiten von Herrn Dr. Lipp in Aussicht gestellt worden waren, keine Zahlung erhalten.

Das Bild ist unter den Lehrmitteln der dermatologischen Klinik vorhanden und wurde mir von dort behufs Beurteilung des Wertes geliehen, daher es in meiner Kanzlei besichtigt werden kann.

Direktor Heinrich Schwach, von dem ich es schätzen ließ, erklärte, dass es mindestens 150 fl wert sei, und ich ersuche daher um die Ermächtigung, dem Maler, Herrn Pirsch, welcher sogar 200 fl als Honorar namhaft machte, ein solches von höchstens 150 fl aus dem Dr. Lippschen Verlass auszuzahlen.

Die Zahlungs-Verpflichtung der Erben gründet sich auf die Tatsache, dass Prof. Lipp das Bild bestellt hatte. Was dann die Frage des Eigentums am Bilde anlangt, so meine ich, dass es am Besten wäre, dasselbe der dermatologischen Klinik ganz zu überlassen.

Wenn ich binnen acht Tagen keine andere Mitteilung erhalte, so nehme ich an, dass meinen Vorschlägen zugestimmt wird, und werde ich sodann die Angelegenheit mit Herrn Pirsch beenden.

Hochachtungsvoll

Dr. Hiebler Hof- und Gerichts-Advokat
Graz, Stempfergasse Nr. 7

Sehr geehrter Herr Hofrat!

Gestatten Sie, sehr geehrter Herr Hofrat, dass einer Ihrer ehemaligen Schüler sich die Freiheit nimmt, Sie mit einer großen Bitte zu belästigen.

Vor etwa 14 Tagen wurde eine vom steiermärkischen Landes-Ausschusse zu besetzende Badedirektors-Stelle in Neuhaus ausgeschrieben, um welche ich mich beworben habe. Da jedoch ziemlich viele Bewerber um diese Stelle auftreten werden, von denen sicher einige mehr [oder] minder große Protektion genießen, wage ich es, mich an Sie, sehr geehrter Herr Hofrat, mit der Bitte zu wenden, Sie mögen, wenn es Ihnen nur einigermaßen möglich ist, die besondere Güte haben, für mich bei den kompetenten Persönlichkeiten ein gutes Wort einzulegen.

Ich habe im Oktober 1891 in Graz promoviert, war 2½ Jahre Assistent des Herrn Professor Holl, 2 Jahre Operationszögling an der chirurgischen Klinik des Herrn Professor Wölfler und bin derzeit seit 1. April 1895 Operationszögling an der geburtshilflich-gynäkologischen Klinik des Herrn Professor Chrobak in Wien. Die Zeugnisse sowohl über meine Prüfungen als auch über meine ärztliche Verwendbarkeit sind sehr gute und bin ich überzeugt, dass Sie, sehr geehrter Herr Hofrat, bei Einziehung von Erkundigungen über meine Person nur Vorteilhaftes hören werden.

Indem ich Sie, sehr geehrter Herr Hofrat, nochmals bestens bitte, sich für mich gütigst verwenden zu wollen, bin ich mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung Ihr ergebenster

Dr. Oskar Kotschy

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Bestens danke ich für Ihren gütigen Brief vom 31.1., welcher in Übereinstimmung mit Ihren mündlichen Äußerungen eine günstige Lösung der Bibliotheksfrage wahrscheinlich macht.

Sobald die Entscheidung gefallen ist, komme ich nach Graz, das Weitere mit Ihnen zu besprechen. Höchst erwünscht wäre es, wenn Ihr Verein wenigstens eine Spende bewilligte, welche die Bestreitung der Verlassenschaftsgebühren und Kauf von Stellagen ermöglicht. Wir müssen ja dann doch etwa 500 bis 1.000 [fl] aufbringen, zur Ergänzung der Bibliothek, für Gaseinrichtung etc. Ich bin gerne bereit, einen namhaften Beitrag zur Saria-Bibl[iothek] zu geben, wenn vermögliche Grazer Bürgen mindestens den gleichen Betrag zeichnen.

Es ist derzeit mein wärmstes Lebensinteresse, in Graz etwas Vorbildliches auf diesem Gebiete zu schaffen. Andere Städte in Österreich und Deutschland werden durch das erfolgreiche Beispiel mitgerissen werden.

Ich bitte Sie, verehrter Herr Hofrat, Ihren Verein günstig zu stimmen, denn ohne diese Unterstützung werden wir durch Jahre nicht in der Lage sein, das hohe Ziel zu erreichen.

Indem ich mich Ihnen bestens empfehle, verbleibe ich Ihr ergebener

E. Reyer

Hochverehrter Herr Hofrat!

Nachdem die Prager schon seit längerer Zeit die Volkskurse der Universität inszeniert haben, hat in den letzten Tagen auch die Innsbrucker Universität sich an das Ministerium gewendet, um eine Subvention zu diesem Behufe zu erhalten. Dies teilte mir der Minist[erial]referent, M[inisterial]r[at] von Beck, gestern mit.

Hochachtungsvollst Ihr ergebener

E. Reyer

Verehrter Herr Hofrat.

Gerne möchte ich meine nächste Grazer Fahrt so einteilen, dass ich gleich in Bezug auf Ergänzungen der Bibliothek Saria einiges einleiten kann. Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie die Güte hätten, mich zu benachrichtigen, ob die Sitzung sich für oder gegen den Vorschlag erklärt hat.

Ihr ergebener

E. Reyer

Verehrter Herr Hofrat!

Bestens danke ich für Ihre freundliche Mitteilung: Ich bitte, sich nicht die Mühe zu nehmen, mir das Resultat der Sitzung anders mitzuteilen, als mit einem ja oder nein, da ich am 23. oder 24. nach Graz komme und mir die Freiheit nehme, bei Ihnen anzufragen.

Hochachtungsvoll Ihr ergebener

E. Reyer

Verehrter Herr Hofrat!

Auch die Brünner Technik will mit Kursen beginnen und bittet Dr. Hartmann, welcher hier die humanistischen Kurse leitet, er möge ihnen eine Abschrift der Eingaben des Grazer Komitees an das Ministerium verschaffen, damit sie konform vorgehen können. Ich wäre Ihnen, verehrter Herr Hofrat, sehr dankbar, wenn Sie an Dr. Hartmann, Universitätsdozent, Wien I, Rathausstraße 15, eine Abschrift des Grazer Gesuches ausfolgen ließen.

Ich bin sehr gespannt zu erfahren, ob der Vorstand des St[eirischen] Volksbildungs-Vereines die Saria-Bibliothek als Grazer Volksbibliothek bestimmt hat.

Ihr ergebener

E. Reyer

1896 II 21, Wien

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Durch Dr. Franz Prenner in Brünn von dem Inhalte Ihres an ihn gerichteten Schreibens in Kenntnis gesetzt, habe ich mir erlaubt, die Beantwortung desselben zu übernehmen und beehre mich, Ihnen über den in Rede stehenden Gegenstand Folgendes mitzuteilen:

Ich habe allerdings [nicht?] am Kammertage, jedoch in der Vorbesprechung die Frage zur Sprache gebracht, wie sich die Ärztekammern mit Beziehung auf die gesetzliche Bestimmung, dass alle die Praxis ausübenden Ärzte sich bei den Ärztekammern zu melden haben u[nd] diesen in allen in ihre Kompetenz fallenden Angelegenheiten unterstehen, gegenüber jenen Personen verhalten sollen, welche ohne wirklich Ärzte zu sein, dennoch von der Regierung das Recht zur Ausübung der ärztlichen Prxis zugestanden erhalten haben.

Ich habe damals keinen bestimmten Antrag gestellt und dachte mir, dass diese Frage bei Gelegenheit einschlägiger Fälle in den Ärztekammern gewiß erwogen werden wird.

Es freut mich nun sehr, aus Ihrem geehrten Schreiben zu entnehmen, dass die Steiermärkische Kammer die Absicht habe, die Frage zu verhandeln und wahrscheinlich auch bestimmte Beschlüsse zu fassen.

In der Wiener Kammer – und soviel mir bekannt ist, auch in anderen Kammern [–] ist diese Angelegenheit bisher nicht besprochen worden.

Ich glaube daher, einem allgemeinen Wunsche Ausdruck zu geben, wenn ich mir die Bitte erlaube, Herr Hofrat mögen die in dieser Angelegenheit etwa gefassten Beschlüsse und etwaigen Schritte der Steiermärkischen Ärztekammer im Wege der geschäftsführenden Kammer den anderen Kammern gütigst zur Kenntnis bringen.

Genehmigen Herr Hofrat den Ausdruck meiner aufrichtigen und größten Hochachtung, womit ich die Ehre habe zu zeichnen, Ihr ganz ergebener

[NN]

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Bitte gütigst zu entschuldigen, daß ich bei dem heutigen Feste nicht erscheinen werde. Eine sehr starke Angina mit beträchtlichem Husten zwingt mich, im Bett zu bleiben. Ich brauche wo[h]l nicht hervorzuheben, wie erfreut ich war, daß Herr Hofrat sich für das Verbleiben in Graz entschieden haben.

Mit vorzüglicher Hochachtung ganz ergebener

Borysiekiewicz

Verehrter Freund!

Deiner Anregung entsprechend ist in der Sitzung des akad[emischen] Senates vom 2. d[es] M[onats] die Absicht des hiesigen Volksbildungsvereines, einen Statutenparagraphen zu beschließen, wonach im Falle der Auflösung des Volksbildungsvereines das Vermögen desselben in die Verfügung des Senates übergehen solle, um dasselbe einem ähnlichen Zwecke zuzuwenden – vertraulich besprochen worden.

Der akad[emische] Senat hat sich einstimmig bereit erklärt, seinerseits einem solchen eventuellen Beschlusse des Volksbildungsvereines zuzustimmen.

In aufrichtiger Verehrung Dein ganz ergebener

Dr. Graff
derzeit Rektor

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Schade ist es, dass ich von der Eile der Übersiedlung bei meinem Aufenthalt in Graz keine Kenntnis hatte, ich hätte dieselbe sogleich besorgt. Unter den gegebenen Umständen werde ich Mittwoch mittags in Graz eintreffen und womöglich die Übersiedlung im Laufe des Donnerstags abschließen. Ich bitte, mir dies zu ermöglichen, indem Sie die folgenden Anordnungen treffen:

I. das Verzeichnis der Werke sowie die Kisten bitte ich gütigst, umgehend zu Saria in das Bibliothekszimmer schaffen zu lassen oder ich bitte, mir in die Grazer Wohnung Nachricht zu geben, wo die Kisten abzuholen sind. Falls das nicht möglich ist, bitte ich, mir Vollmacht zu geben, alte Kisten aufzutreiben (ich denke mit 10 fl wird das möglich sein).

II. Bitte ich, in meine Wohnung ein Bevollmächtigungsschreiben an Frau Dr. Saria zu schicken (mit Adresse der Wohnung), damit ich mich gleich legitimieren kann. Die Kästen werde ich im Depot II und auf dem Boden aufbewahren, bis zu Eröffnung der Bibliothek.

Hochachtungsvollst

Prof. Dr. E. Reyer

Verehrter Herr Hofrat!

Der Transport wurde noch am Freitag abgeschlossen; wie mir Herr Direktor Stopper mitteilte, wird Herr Irschik die Assecuranz besorgen. Da es sich pro 1.000 fl nur um 1 fl Assecuranzgebühr handelt, würde ich 4.000 fl als Assecuranzwert vorschlagen. Den Kontraktentwurf habe ich bei Dr. Schloffer gelesen, vermisse aber einen Punkt, welcher sehr wesentlich ist. Wir haften nicht für die normale Abnützung der Bücher. Im Kontrakt-Entwurf heißt es, dass wir die Bibliothek instand zu halten haben; ein Jurist könnte hieraus schließen, dass, wenn wir einmal die Bücherei an den Eigentümer zurückgeben, alle zerlesenen Werke auf unsere Kosten zu ersetzen wären, was finanziell wahrscheinlich unmöglich wäre.

Es wird in unserem eigenen Interesse liegen, die zerlesenen Werke zu ersetzen, wenn aber das Geld nicht reicht, werden wir eben statt einer teuren Klassiker-Ausgabe eine billige nachschaffen, und wenn 10 Prachtwerke zerlesen sind, werden wir, nur soweit es die Finanzen gestatten, Prachtwerke als Ersatz nachschaffen können. Wir werden in diesem Fall eben den V[olks]bildungsverein benachrichtigen, dass wir die betr[effenden] Werke im zerlesenen Zustande dem Volksbildungsverein zur Verfügung stellen und dass wir nicht in der Lage sind, diese Werke durch Neukäufe zu ersetzen. Sie mögen auch versichert sein, dass voraussichtlich kein Verein auf diese harte Bedingung eingehen kann. Möglicherweise ist ein und das andere Werk in 20 Jahren überhaupt nur um hohen Liebhaberpreis antiquarisch zu beschaffen.

Dass wir den guten Willen haben, die Bibliothek baldigst dem Verkehr zu übergeben, ist nicht zu bezweifeln, aber auch hierin hängen wir von der Kommune und Sparkasse ab. Die Sparkasse gibt uns nicht mehr 1.000 sondern höchstens 500 fl und die Kommune bewilligt nur für jede Bibliothek 50 fl. Jede unserer Bibliotheken fordert aber nebst dem durch den Leihkreuzer gedeckten Betrag cirka 400 fl Zuschuss, inklusive Saria-Bibliothek brauchen wir also 1.600 fl, wovon nur 800, höchstens 1.000 gedeckt sind. Wir müssen zunächst zur Ergänzung der Saria-Bibliothek für den Katalogdruck etc. 1.000 fl aufbringen und zweitens einen Jahresbeitrag von ca. 600 fl auftreiben.

Die Saria-Bibliothek belastet uns speziell durch ihren Reichtum an Illustrationswerken, welche wir vernünftigerweise nie entlehnen dürfen, woraus folgt, dass wir einen Lesesaal einrichten müssen, falls wir den Lesern diese Prachtwerke überhaupt zugänglich machen wollen. Die Kommune wird uns sicherlich kein geeignetes Lokal zur Verfügung stellen – wir müssen es mieten.

Diese Auseinandersetzung zeigt, dass wir die Fassung des Vertrages ändern müssen.

1) Haften wir nicht für die normale Abnützung und ersetzen die Werke nur nach Maßgabe unserer Mittel.

2) Eröffnen wir erst, wenn wir den Ergänzungsbeitrag und die nötige Jahressubvention aufgetrieben haben.

Bezüglich des Transportes bemerke ich, dass ich am Donnerstag und Freitag für Dienstmänner 10 fl ausgegeben habe und die betr[effende] Bestätigung sinngemäß Ihrem Kassier vorlegen werde. Ferner ist eine Fuhr von Jammernik zu zahlen. Herr Jammernik hat mir versprochen, dass die Rechnung in Anbetracht des Zweckes für Ihren Verein sehr niedrig gestellt werden soll. Das Hauptverdienst gebührt Herrn Irschik, welcher durch ein großmütiges Entgegenkommen die rasche Erledigung überhaupt erst ermöglicht hat. Wir werden in unserem Jahresbericht pro 96 diese Leistung, welche mindestens einen Wert von 100 fl repräsentiert, gebührend würdigen.

In 14 Tagen komme ich nach Graz, um noch Weiteres mit Herrn Direktor Stopper, welcher die bibliothekarischen Fragen sehr gefördert hat, zu vereinbaren.

Wie ich Ihnen, verehrter Herr Hofrat, mitteilte, habe ich eine Partie Bücher der Sariabibliothek an die Universitätsbibliothek abgegeben: Es sind dies laut Verzeichnis 216 veraltete medizin[ische] und technische Werke und 86 Klassiker (latein[ische] und griech[ische] Texte, ältere Ausgaben), ferner ein Werk über Mexiko (spanisch), Wert = 20 Kreuzer, ein Atlas aus dem 18. Jahrh[undert] ohne Titel, Wert 60 Kreuzer, ein altes Lexikon (Adelung), Wert = 2 fl, ein alter Voltaire (Wert 2 fl) und eine Partie religiöser und spiritistischer Schriften, Wert laut Verzeichnis = 2 fl.

Dazu schenkte mir Frau Dr. Saria einen ganzen Kasten voll Bücher, welche am Boden standen und nicht zum Legat gehörten. Auch diese veralteten Bücher (ca. 500–600) schickte ich an die Universität, welche Ihnen den Empfang dieser Werke bestätigen wird. Für die Volksbibliothek wären diese Werke nur Ballast, welcher wertvollen Raum wegnimmt und in der Universität sind sie verwendbar. Der Volksbildungsverein wird, wie ich hoffe, diese Entlastung genehmigen; diese Bücher erfüllen ihren Zweck an der Universität, während sie in der Volksbibliothek nicht am Platz sind.

Indem ich bitte, diese Mitteilungen in der nächsten Sitzung gütigst vertreten zu wollen, zeichne ich mich mit dem Ausdrucke der Hochachtung Ihr ergebener

E. Reyer

Anmerkung Beigefügt die folgenden zwei Briefe:

Verehrter Herr Direktor!

Die Übertragung in das Depot wurde glücklich zu Ende geführt. Eine Partie von ca. 400 Vol[umina] veraltete naturwissenschaftliche und technische Werke und ältere Klassikerausgaben (lateinischer und griechischer Text) und einige wenige in der Liste angeführte ältere Bücher ließ ich an die Universitätsbibliothek abgehen, wie Ihnen Hofrat Rollett mitteilte. Der Wert dieser Bücher beträgt nur wenige fl und sie verstellen uns den Platz und gehören nicht in eine Volksbibliothek. Ich fügte hinzu mehrere 100 Vol[umina] alte (wertlose) Werke, welche nicht im Legat-Verzeichnis enthalten sind, sondern mir von Frau Dr. Saria aus einem Kasten am Dachboden überwiesen wurden. Ich bezeichne die an die Universität abgegebenen Werke und notiere die Seite der Legat-Liste beifolgend.

An die Universitätsbibliothek abgegeben:

Zahl der BändeTitelSeite der Liste
5Adelung Wörterbuch der Mundartenp. 3
1Atlas 18. Jahrhundert, ohne Titelp. 9
80Röm[ische] und griech[ische] Klassiker/
28veraltete naturw[issensch.] und techn. Werke/ p. 4–6 und p. 30
216veraltete naturw[issensch.] und techn. Werke/
1Mexico (spanisch)/
60Voltaire Oeuvres
6Spiritistische Schriftenp.28
397Vol[umina] an die Universitätsbibliothek abgegeben, dazu mehrere 100 Vol[umina] vom Boden.

An den St[eiermärkischen] V[olks]bildungs-Verein wurden abgegeben: Globus, „Unsere Zeit“, diverse illustrierte Zeitschriften, Rotteck und 1 Konversationslexikon.

Nicht gefunden habe ich:

WerkSeite der Liste
Aus der Natur24
Bechstein und „Inschriften“17
Berge Concyl32
Brehm, unkomplett23
Canisius32
Geschichte der Deutschen und Hermann14
Janus, Gustine24, 27
Kunstpflege11
Rose Ural [?]18
Rudlof26
Schenkl Wörterbuch3
13 Stück nicht gefunden.

Da die Aufnahme und Übersiedlung so rasch erfolgen musste, kann ein oder das andere Werk immerhin vorhanden sein; ich werde, sobald alles katalogisiert ist, weiter berichten. Ich bitte, mir gefälligst zu bestätigen, dass ich diese Mitteilung gemacht habe. In 14 Tagen komme ich wieder nach Graz, wo wir Bücher, welche für das Land taugen, von unseren Vorräten abgeben können und andererseits um städtische Lektüre als Tauschobjekte erbitten.

Mit herzlichen Empfehlungen Ihr ergebener

E. Reyer Wien, Liechtensteinstr. 47

Duplikat

E. Reyers Mitteilung an Herrn Direktor Stopper, Graz, bezüglich Übernahme der Saria-Bibliothek.

An die Universitätsbibliothek wurden abgegeben:

80 Vol[umina] griechische und römische Klassiker(Liste Seite 30),
216 veraltete nat[ur]wiss[enschaftlich]-techn[ische] WerkeSeite 30
28 technische Werke unkomplettp. 6
60 Bände Voltaire Oeuvres
5 Bände Adelungp. 3
1 Atlasp. 9
1 Mexico (Spanisch)p. 6
6 Spiritistische Schriftenp. 28

S[umme] 397 Bände an die Universität, dazu mehrere 100 Vol[umina] vom Boden (wertlos)

Nicht aufgefunden wurden bisher folgende 13 Stück:

Name des WerkesSeite der Liste
Aus der Natur24
Bechstein und „Inschriften“17
Berg (?) Conchyl.32
Brehm, inkomplett23
Canisius Lehre32
Geschichte der Deutschen und Hermann14
Janus und Gustine24, 27
Kunstpflege, Rose Ural [?]11, 18
Rudlof und Schenkl Wörterbuch26, 3
13 Stück nicht gefunden.

Ich bitte Herrn Direktor, dieses Duplikat meiner gleichlautenden Mitteilung vom 8.3.1896 gefälligst zu bestätigen.

Anmerkung und

Verehrter Herr Doktor!

Herzlich danke ich für die Lösung der Saria-Frage. Ich habe den Entwurf des Vertrages bei Schloffer eingesehen und hätte gerne noch mit Ihnen darüber gesprochen, leider wurde ich mit dem Transport erst kurz vor Abfahrt des Zuges fertig und muss mich nun auf eine schriftliche Mitteilung beschränken. Alle Punkte sind mir recht, nur eine Fassung muss ich beanstanden. Wir haben die Bibliothek instand zu halten – das kann heißen, dass wir, wenn die wertvollen Werke zerlesen sind, verpflichtet sind, dieselben neu zu kaufen, und zwar gerade in dieser Ausgabe. Auf diese, für eine V[olks]bibliothek äußerst belastende Bedingung können wir nicht eingehen, vielmehr habe ich mit Herrn Hofrat Rollett vereinbart, dass wir für die normale Abnützung nicht aufkommen können. Diesen Passus bitte ich in den Vertrag aufnehmen zu wollen. Wir werden, soweit dies die Finanzen erlauben, den Stand erhalten, wenn wir aber nicht genug Geld haben, können wir eben statt eines abgenützten Exemplares unmöglich ein neues um 30 oder 50 fl einstellen. Auch ist die Eröffnung abhängig zu machen von der Subvention der Kommune. Für die Prachtwerke brauchen wir einen Lesesaal und werden mindestens 500 fl jährlich draufzahlen (bei den anderen Bibliotheken müssen wir ca. 400 fl draufzahlen). Ich bitte Sie, geehrter Herr Direktor, diesen Punkt im Vertrag zum Ausdruck zu bringen.

In etwa 14 Tagen komme ich nach Graz und bespreche das Weitere. Da wir wegen der Erbsteuer gezwungen sind, über den Wert der Bibliothek zu schweigen, wird es sehr schwer halten, die Stadt zu einer namhaften Beisteuer zu bewegen. Diese und andere Schwierigkeiten werden wir zu erörtern haben.

Mit besten Empfehlungen Ihr ergebener

E. Reyer

Sehr geehrter Herr Hofrat!

Ich erlaube mir hiemit, Ihnen beiliegende Tafel für Ihr Institut zu überreichen, und bitte, dieselbe gütigst entgegennehmen zu wollen.

Hochachtungsvoll

Dr. C. Laker

1896 III 30, Leoben

Hochverehrtester Herr Hofrat!

In der angenehmen Lage, Ihnen einen Dienst erweisen zu können, habe ich meine Fühlhörner [sic] ausgestreckt, und kann heute über 2 Objekte Bericht erstatten, die sich zum Sommeraufenthalte eignen. Das eine ist die Marienvilla auf dem Wege zwischen Bruck und Kapfenberg; dieselbe eignet sich bezüglich der Größe für Ihre gesamte Familie – im letzten Sommer hat mein Schwager Dr. Steyrer (wohnhaft Graz, Grabenstraße 32) dort gewohnt und könnte er oder noch besser seine Frau nähere Auskunft über den Besitzer, dessen Namen mir unbekannt ist, geben.

Die 2. Wohnung ist im Schlosse Friedhofen, unmittelbar neben dem Bahnhofe St. Peter-Freienstein. Es sind große saalartige Räume samt den entsprechenden Nebenlokalitäten; als einen Vorzug des 2. Objektes möchte ich es bezeichnen, dass [man] wegen diesem Punkte eine große Anza[h]l von kleinen und großen Waldwanderungen und Gebirgstouren unternehmen kann, was wahrscheinlich für Ihre Jugend einen Wert hat.

Die Verpflegung ist an beiden Orten nicht; die Preise werden sich bei 400 fl bewegen. Nun möchte ich empfehlen, mit dem Lokalaugenschein nicht zu lange zu warten, da im Laufe der nächsten Wochen gewiss die Anfragen sich einstellen.

Die Besichtigung beider Objekte lässt sich sehr [?] leicht an einem Tage ausführen. Mit dem Frühzuge um 7:00 Uhr nach Bruck, von dort per Wagen in 20 Minuten zur Marienvilla, mit dem Zuge um 11:00 Uhr nach Leoben und St. Peter und um 17:00 Uhr wieder nach Graz.

Ich erbitte mir die Freude, bei dem 2. Objekte als Fremdenführer fungieren zu dürfen und bitte, nur 24 Stunden vorher um ein paar Zeilen. In […] Verehrung

Homann

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Vorerst nochmals aufrichtigen Dank für unsere letzte Unterredung.

Nach langem, schwerem Erwägen folgte ich Ihrem ersten Ratschlage, zunächst wieder einfach ein Colleg anzumelden, da dies mit dem Rate aller stimmte, und alle meinten, die Brücken hinter sich abzubrechen, habe lange noch Zeit und bedürfe, um nie bereut zu werden, langer Überlegung. Seit ich diesen Entschluss dem Dekane gemeldet habe, fühle ich mich in meinem Inneren tatsächlich wieder wie „befreit“.

Ihre wertvolle Andeutung wegen der Anstalt ergriff ich ebenfalls sofort auf das Animierteste und Freudigste und suchte am selben Tage unsere Oberin auf. Die kluge Dame war zwar sehr zurückhaltend, versprach jedoch, baldigst mit dem Bischofe über die Angelegenheit zu sprechen und mich dann zu verständigen. Zeigt sich dieser nur irgendwie geneigt, so gehe ich dann selbst zu ihm.

Ich könnte mir denken, dass die kleinste Konzession von jener Seite (wie ab und zu eine Demonstration eines wichtigen Falles, oder gar die Kreierung einer wöchentlich 1–2maligen öffentlichen Ambulanz, an der ein paar Studenten teilnehmen könnten), von größtem Werte wäre und namentlich eine wesentliche Unterstützung für das zunächst angekündigte theoretische Colleg.

Kann ich in dieser Beziehung irgendetwas durchsetzen, werde ich mir erlauben, hierüber wieder zu berichten.

Für jetzt lediglich wiederholten Dank für Ihre Güte!

Hochachtungsvoll des Herrn Hofrat ergebener

Börner

Verehrter Herr Hofrat!

Es scheint, dass nun endlich auch mein Institut neu gebaut werden soll. Unter diesen Umständen wäre es mir sehr wichtig, Einblick in Pläne Ihres Institutes zu erhalten. Wäre es Ihnen möglich, mir dieselben, und wären es auch nur Skizzen, zur Einsicht zu leihen? Sie würden dadurch verbinden Ihren ergebenen

Sigmund Exner

Ich würde natürlich dafür sorgen, dass Sie die Pläne unbeschädigt zurückbekommen.

Verehrter Herr Hofrat!

Herr Dr. Schloffer hat mir versprochen, das Antwortschreiben ehestens zu erledigen. Ich habe alle Gemeinderäte aufgesucht und sie gebeten, unser Gesuch seinerzeit zu befürworten, dahingehend: der Gemeinderat möge jeder Bibliothek jährlich 200 fl bewilligen. Wir schießen bei jeder Bibliothek jährlich ca. 400 fl zu und die Hälfte dieses Betrages muss durch die Kommune gedeckt werden, sonst ist es unmöglich, den Bedarf zu decken. Die Herren haben mir ohne Rücksicht auf Parteistellung zugesagt; auch einen Gründungsbeitrag für die Saria-Bibliothek sollen wir erhalten. Der Gründungsbeitrag soll nächstens aus dem Jahresordinarium bewilligt werden; die ständige Subvention kann erst im Herbst gelegentlich der Budgetberatung bewilligt werden.

Ich kaufe unterdessen auf eigene Gefahr und auf eigene Rechnung für ca. 1.000 fl Bücher zu günstigen Bedingungen, lasse sie binden und entwerfe den Katalog, welcher gedruckt wird, sobald die Kommune das Gesuch erledigt. Dann können wir auch eine passende Wohnung mit Lesesaal suchen. Unter 400 fl Miete werden wir wohl nicht auskommen. Hoffentlich gelingt alles.

Hochachtungsvoll

Dr. E. Reyer

Verehrtester Freund und Hofrat!

Ich muss morgen nach Wien fahren und gedenke, am Samstag zurückzukommen. Ich bitte recht schön, mich diese Tage vertreten zu wollen und habe ich dafür gesorgt, dass Ihnen nur die dringendsten Sachen zur Unterschrift vorgelegt werden. Prodekan Hofmann kann ich nicht ersuchen, da er erst heute abends zurückkommt und seiner Schwägerin hilfreich zur Hand sein muss, da deren Mann, Prof. Hofmann aus Wien, am Sterbelager liegt. Ich kann ihn also unmöglich bitten, mich zu vertreten. Ich glaube nicht, dass Sie Kompatibilitätsbedenken zu haben brauchen, da es sich ja nur um Ihre werten Unterschriften und nicht um Aktionen zu handeln haben wird. Also, ich bitte nochmals recht schön, mich gütigst vertreten zu wollen. Mit bestem Gruß und Handschlag Ihr aufrichtig ergebener Freund

Eppinger Graz, Goethestraße 8

Sehr geehrter Herr Hofrat!

Gödersberg bei Seiersberg nächst Straßgang. Per Wagen 1 Stunde; oder Bahnfahrt bis Straßgang 20 Minuten und dann ½ Stunde Weges. Das Haus gehört Oberst von Häfern. 3 Zimmer im Erdgeschoß, Küche, Dienstbotenzimmer. Im 1. Stock 2 Zimmer, Veranda und Balkon, alles vollständig eingerichtet. Monatlich 50 fl; bei Miete für die Saison billiger.

Hochachtungsvoll

Dr. Carl Laker

Lieber Bruder!

Ich bin mit nahezu einstündiger Verspätung glücklich in Wien angelangt. Heute ist ein nasskaltes Hundewetter mit Regen und Schnee. Ich kann eigentlich von Glück reden, dass es möglich war, trotz des anhaltend ungünstigen Witterungscharakters doch so viele schöne Stunden im Freien in der prächtigen Umgebung von Graz zu genießen. Ich danke Dir und Rosa nochmals von Herzen für alles Liebe und Gute und grüße und küsse Dich, Rosa und die Kinder viel tausend Mal Dein

Emil

Lieber Collega!

Danke für Brief mit Bestätigung und für den Nachruf an Lipp.

Ich habe Dich mit dem Beitrage der Freitischstiftung abermals belästigt, da ich die Amtsstunde des Rektors nicht kenne.

Ich wollte nur von Dir eine Korrespondenzkarte haben, die Empfangsbestätigung des Rektors, wozu Du Mühe aufwenden musstest, hatte ich nicht vorausgesetzt.

Der Nachruf an Lipp freut mich sehr. Er war mir von den ersten Universitätsjahren befreundet, ich stand ihm während einer Pneumonie bei und habe sein nobles Wesen gekannt und seine bisweilen ausbrechende Galligkeit stets entschuldigt. Sit ipsi terra levis!

Ich hoffe, dass Dein Bruder sich wohl befindet und Du Dich weiterer Rüstigkeit erfreust. – Einem so alten Kollegen wie mir wirst Du endlich erlauben, Dir einen kleinen Nadelstich zu versetzen. Du hast zur Korrespondenz nach Graz einen 5 Kreuzer Kartenbrief anstelle eines zu 3 Kreuzern verwendet. Wenn ich auch annehmen könnte, dass Du keine zu 3 Kreuzer zu Hause hattest, so muss ich doch befürchten, dass die Schatten der bevorstehenden Gehaltserhöhung (falls Dir dieselbe recht ist?) bereits auf meine früheren Herrn Kollegen fallen, und dieselben zu übermütigen Geldauslagen verleiten.

In der Hoffnung, dass Du diese Bemerkung mit gewohnter Gelassenheit ruhig aufnimmst, verbleibe ich mit herzlichem Gruß Dein

Rembold

Lieber Freund und Hofrat!

Ich musste von Graz so unerwartet nach Wien abreisen, dass ich mich nur brieflich an Sie wende, die Vertretung im Dekanat für mich auf einige Tage zu machen. Nun dachte ich, dass es nur bis heute nötig wäre; aber es ist anders gekommen. Ich muss mich wahrscheinlich noch die ganze Woche hier in Wien aufhalten. Deswegen nun und weil Hofmann krank ist, wende ich mich mit der großen Bitte an Sie, mich auch noch diese Woche gütigst vertreten zu wollen. Vor allem möchte ich Sie bitten, morgen, Montag, den 13. d[es] M[onats], die Anmeldungen zu den Rigorosen entgegenzunehmen und am Ende dieser Woche, vielleicht Donnerstag, die Fixierung der Rigorosentermine in der darauffolgenden Woche promulgieren zu wollen. Ich weiß, dass schon diese Woche, von morgen an, viel zu tun sein wird, und weiß es gut zu ermessen, wie sehr ich Sie mit meiner Bitte belästige. Aber ich vertraue auf Ihre Liebenswürdigkeit und Freundschaft und wage es auf diese hin, Sie nochmals um obigen Gefallen zu bitten. Sollte es notwendig werden, etwas von mir zu wissen, so ist meine Adresse hier in Wien: „IX, Währingerstraße 1, 1. Stock, bei K. Kurzweil“. Bis zum Sonntag, dem 19. d[ieses] M[onats], wenn nicht schon früher, hoffe ich, in Graz gewiss zu sein.

Es grüßt Sie herzlichst Ihr dankbar ergebener und aufrichtiger Freund

Eppinger

Verehrter Herr Hofrat!

Sie haben mich durch die Zusendung der Pläne sehr verpflichtet. Sie sind wohlbehalten angekommen. Auch für die Erläuterungen sage ich Ihnen meinen besten Dank.

Dass es mit der Rücksendung nicht pressiert, ist mir sehr angenehm, denn ich werde die Pläne wohl einige Wochen behalten müssen.

Ihr ganz ergebener

Sigm[und] Exner

Sehr verehrter Herr Hofrat!

Ich danke Ihnen noch nachträglich für Ihren Brief und den übersandten Separatabdruck. Wir haben nun Versuche gemacht; in den Fällen, wo das Blut beim Stehen im Zylinder wenig Serum abscheidet, erhält man mittels der Apparate eine ganz beträchtliche Menge; scheidet sich aber beim Stehen bereits viel Serum ab, so ist nicht mehr viel zu erwarten. Ich möchte mir nun andere Apparate aus emailiertem Blech konstruieren lassen; Wedia [?] hat die Dimensionen nicht genau gearbeitet, so dass die Deckel und Aufsätze schlecht schließen; auch möchte ich die Schrauben durch eine andere Masse einlöten lassen, damit die Apparate in trockener Hitze oder im gespannten Dampfe sterilisiert werden könnten. Könnte ich dann aus Ihrem Laboratorium die Schraubenablassvorrichtungen erhalten? Ich würde dann noch besonders darum schreiben.

Wollen Herr Hofrat nochmals meinen aufrichtigen Dank für Ihre mir gewährte Instruktion entgegennehmen und erlauben Sie aufrichtigste Empfehlungen Ihrem ergebenen

Dr. Richard Paltauf Patholo[isches] und bacteriolog[isches] Institut
im k.k. Rudolfs-Spitale
Wien, III/1
Staatliches Institut für Herstellung von Diphtherie-Heilserum.
Vorstand: Prof. Rich[ard] Paltauf

Verehrtester Herr Hofrat!

Ein ehemaliger Schüler von mir, namens Halla, bittet mich, bei Ihnen, sehr geehrter Herr, mich für ihn zu verwenden; er bewirbt sich um eine Stelle in der Universitäts-Kanzlei. Ich kann über ihn nur sagen, dass ich ihn als einen sehr ordentlichen, höchst anständigen Menschen kenne und glaube, dass er für die betreffende Stelle auch vollständig geeignet ist. Ich erlaube mir daher, für ihn mein Vorwort bestens einzulegen.

In ausgezeichneter Hochachtung ergebenst

Dr. Franz Ilwof Regierungsrat

Sehr geehrter Herr Hofrat!

Ich beehre mich, Ihnen im Anschlusse jene Aufzeichnungen zu schicken, welche ich über den Fall Maier besitze. Hoffentlich genügen dieselben, um Ihre Erinnerung an die betreffenden Untersuchungen aufzufrischen.

Da ich morgen auch bei einer Schwurgerichtsverhandlung beschäftigt bin, so kann ich, wenn Sie es noch wünschen sollten, auch die bezüglichen Gutachten ausheben; in diesem Falle bitte ich Sie um eine Verständigung. Die übermittelten Vormerkungen erbitte ich mir gelegentlich zurück. Jedenfalls wird es angezeigt sein, dieselben bei der Verhandlung zur Hand zu haben.

In ausgezeichneter Hochachtung Ihr ganz ergebener Collega

Kratter

Dr. Anton Weiss, k. k. o. ö. Universitäts-Professor, bittet wegen unvermeidlicher Verhinderung um gütigste Entschuldigung seiner Absenz von der heutigen Abendsitzung.

In größter Hochachtung ergebenster

Anton Weiss

E[uer] H[ochwohlgeboren]

Dienstag, den 5. Mai abends, 19:00 Uhr, findet in dem Amtssitze des Herrn Bürgermeister Koller eine Besprechung der in Graz wohnhaften Mitglieder des Vertrauensmännerkollegiums statt. Ich erlaube mir, E[uer] H[ochwohlgeboren] im Auftrage des Obmannes hierzu höflichst einzuladen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

H. Huber

Verehrter Herr Hofrat!

Über Aufforderung des Pariser Komitees habe ich es übernommen, in Österreich eine Sammlung für die Errichtung eines Pasteur-Denkmals in Paris einzuleiten. Unter gewöhnlichen Umständen wäre es ganz einfach, in Wien ein kleines Komitee hierfür zusammenzusetzen. Nun haben aber die guten Franzosen zugleich auch an Prof. Maydl in Prag geschrieben, damit er separat unter den Slaven sammle. Ich habe ihnen nun begreiflich gemacht, dass ich unter diesen Verhältnissen kein österreichisches Komitee in Wien bilden werde und es wurde die Auskunft getroffen, dass Maydl ein Filialkomitee des Wiener Komitees bildet und zur Verhinderung einer Demonstration für die böhmische Krone ein zweites deutsches Komitee in Graz (und ein polnisches Komitee in Krakau) gebildet werden sollen.

Wegen Graz wende ich mich nun an Sie. Ich würde Klemensiewicz ersucht haben, wenn ich nicht zu meinem Bedauern gehört hätte, dass er todkrank sei. Ich würde an Escherich oder Prausnitz geschrieben haben, wenn diese nicht Fremde in Graz wären. Soll in Graz überhaupt etwas geschehen, dann müssten vor allem Sie Ihren Segen dazu geben.

Ich bitte Sie daher zu überlegen, ob auch in Graz ein Filialkomitee sich bilden soll, oder ob für die Stammländer Wien genügt? Sollten Sie die Bildung eines Komitees für passend erachten, so darf ich Sie wohl bitten, mit Escherich, Prausnitz, Eppinger usw. das Nötige zu besprechen. Das Wiener Komitee wird nächste Woche gebildet werden. Der Verkehr zwischen den österreichischen Komitees und Paris ginge durch mich. Vielleicht haben Sie die Güte, mir bald zu antworten.

Mit bestem Empfehlungen Ihr aufrichtig ergebener

M. Gruber

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Erlaube mir, auf das Erscheinen der Nr. II der Berichte unserer Kammer mit Ende Mai aufaufmerksam zu machen, und bitte, mir Tag und Stunde zu bestimmen, wann ich zur ersten Sichtung des Materiales erscheinen soll.

In Hochachtung ergebenst

Fossel

1896 V 13, Lichtenberg, Tirol

Lieber Freund!

Ich ersuche Dich, mir über das Befinden von Klemensiewicz ein paar Worte mitzuteilen. Ich bin von Graz fort, als er schwer leidend war, und las später in der Zeitung, dass es ihm besser geht. Ein Traumgott ließ mir vor einiger Zeit Klemensiewicz im Traume mit wohlgefärbten Wangen sehen. Er war zufrieden, lag im Bette und hoffte, dass ein operativ angelegter (pfui Traumgott!) Anus praeternaturalis bald geschlossen werden könne, da ein neoplasma gründlichst entfernt worden sei.

Ich bitte, diese Traumanschauung ihm nicht mitzuteilen und mir nicht übel zu nehmen. Sie ist nur ein Überbleibsel meiner früheren Beschäftigung. Die Hauptsache ist doch, dass dabei dem Klemensiewicz recht gutes Aussehen zugemutet wurde.

Solltest Du mich verwünschen, dass ich Dir eine Korrespondenz anhänge, so werde ich diese Verwünschung geduldig ertragen und Dich ein andermal neuerdings plagen. Mit Wunsch auf Wohlbefinden Dein submissester und […]

O. Rembold

1896 V 20, Lichtenberg, Tirol

L[ieber] F[reund]!

Danke verbindlichst für die Mitteilungen über K[Klemensiewicz]. Ich bedaure herzlich die Natur seines Leidens. Wenn es eine Mastdarmfistel wird, ist zu befürchten, dass er bald die Natur seines Leidens erkennt. Vielleicht stärkt er sich doch noch. – Meine Wenigkeit genießt zwar gute Luft, da ich aber seit 8 Wochen ein Loch in meiner Fußnarbe habe – ein Attribut des Älterwerdens –, so hocke ich nur im Hause und bin einem gewöhnlichen Arrestanten oder echten Siechenhaus-Pfründner gleich zu achten. Wünsche, dass Du Dich weiter wohl befindest und danke nochmals für die Mitteilung.

Dein

O. Rembold

Lieber Bruder!

Oft und oft habe ich bei den traurigen Nachrichten über das Befinden des Erzherzogs [Karl Ludwig] geseufzt und geklagt, wie sehr Du in Anspruch genommen und gequält sein wirst, und nun kann ich mir vorstellen, wie nahe es Dir gehen musste, dass Du Deinen langjährigen hohen Klienten aus seinem Untergange nicht erretten konntest [† 19. 5. 1896], da ich, obgleich allem ferne, doch auch sehr verstimmt bin.

Ich habe aber nicht bloß die Absicht, Dir das in meinem und unser allem Namen zu sagen. Ich denke auch noch an etwas Anderes dabei. Pfingsten ist vor der Türe. Vielleicht passt es Dir, um Dich auszuruhen und zu zerstreuen, auf ein paar Tage von Wien fortzugehen. Ferien habe ich bis Donnerstag nach Pfingsten. Wir würden Dich mit offenen Armen empfangen und Dir Ruhe und Zerstreuung zu verschaffen suchen, wie Du es wünschen und wir es können würden. Also lass uns bald wissen, dass Du unseren Vorschlag annimmst.

Leider ist hier in Graz auch eine sehr traurige Geschichte in ihrer Entwicklung begriffen. Prof. Klemensiewicz ist plötzlich an Peritonitis heftig erkrankt, so dass wir alle sehr besorgt waren. Jetzt geht es ihm wieder besser, er fährt aus und gedenkt nach Pfingsten sogar zu lesen, aber Kraus sagt mir, dass Klemensiewicz gar keine Ahnung habe, wie elend er sei. Kraus und Ebner stellten ein Mastdarmfissur[?] tuberkulöser Natur fest. Und die Peritonitis, nach welcher ein Dünndarmkonvolut in der Nabelgegend fixiert blieb, hat nach Kraus dieselbe Basis und hätte wahrscheinlich gleich letal geendet, wenn nicht eine wahrscheinlich drohende Perforation durch die adhäsive Entzündung hintangehalten worden wäre. Also schlimme Aussichten für die Zukunft. Seine Frau hat Klemensiewicz vor einigen Jahren verloren und er hat 3 Kinder.

Uns allen geht es Gott sei Dank gut. Mama und die Kinder grüßen Dich, Auguste und alle Lieben herzlichst, ebenso wie Dich Dein

Alexander

Lieber Bruder!

Das waren schwere und aufregende Stunden, die ich in letzter Zeit Tag und Nacht verbringen musste. Nun aber, nachdem ich mich zwei Nächte wieder gut ausgeschlafen habe, habe ich mich wieder ziemlich erholt. Nichts desto weniger sehne ich mich nach ein paar ruhigen Tagen und habe bereits die Einleitung getroffen, um die Pfingsttage in Baden zu verleben. Ich danke Dir und Rosa auf das Wärmste für das liebreiche Anerbieten, bei Euch in Graz die Feiertage zu verbringen. Allein diesmal bin ich nach Baden versprochen, wohin ich meinen Besuch schon seit vielen Wochen immer wieder verschieben musste. Ich und Auguste werden uns sehr freuen, Dich zu den Akademiesitzungen in Wien begrüßen zu können. Auguste sagt, dass Du ganz gewiss kommst, da Du einmal selbst geäußert hast, dass Du „ihnen“ doch nicht die Präsenz- und Reisegelder schenken wirst. Da Frauen bekanntlich immer Recht haben und in Deinem letzten Briefe auch keine gegenteilige Nachricht enthalten ist, so hoffe ich selbst auf Deinen Besuch in Wien, obwohl Du denselben bei meiner letzten Anwesenheit in Graz als zweifelhaft hinstelltest.

Ich bedaure unendlich das Missgeschick, das Prof. Klemensiewicz getroffen. Man kann freilich nach Deiner Darstellung des Zustandes nichts Gutes erwarten.

Ich und Auguste grüßen und küssen Dich, Rosa und die Kinder und alle auf das herzlichste, Dein

Emil

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Es dürfte sich empfehlen, in der anfangs Juni erscheinenden Nummer V der „Vereinsmitteilungen“ unter den Notizen eine Andeutung über die bevorstehenden Kammer-Wahlen zu bringen.

Da ich noch nicht informiert genug bin, wie weit sich eine solche Notiz auslassen darf, so bitte ich Sie, hochgeehrter Herr Hofrat, die Redaktion dieses Avisos gütigst übernehmen und mir bis Sonntag, den 31. d[ieses] zusenden zu wollen.

Für die Ende Juni erscheinende Nummer VI der „Mitteilungen“ wird dann der periodische Bericht der Kammer fällig sein.

In ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster

Fossel

Lieber Bruder!

Ich teile Dir mit, dass ich nach vollkommen regelrechter Fahrt glücklich in Graz angekommen bin. Es befindet sich alles wohl. Ich danke Dir und Auguste für alles Gute, was ich in Wien genossen habe, und grüße Adele und alle Schurz, den schlimmen Fall habe ich auch auf der Fahrt noch viel hin- und hererwogen. Ich bin immer wieder zu dem Resultate gekommen, dass, wenn Du auch nach den ersten gemütlichen Stürmen wieder zur Ruhe kommen wirst, Du Dir das, was Dir geboten wurde, doch nie und nimmer gefallen lassen kannst, ohne, wie Karajan trefflich sagte, ausgeschlagen zu haben. Du musst das tun, wie ekelhaft es auch sein mag, und ich glaube, das Wesentliche, was Du in einem Gespräche mit Hofrat Kath[arin] oder mit Graf Pej[Pejaczevich] anführen musst, haben wir schon in Wien herausgebracht gehabt.

Nämlich: dadurch, dass die ganze Umgebung des Erzherz[ogs], die zwei neben mir behandelnden Ärzte insbesondere, belobt und ausgezeichnet wurden, ruft in aller Welt den Glauben hervor, als ob man mit mir unzufrieden gewesen wäre, als ob mich ein Verschulden treffen würde. Das schädigt aber mein Ansehen und meinen Ruf als Arzt, und damit wird mir meine Praxis ruiniert, das kann doch unmöglich beabsichtigt worden sein. Faktisch ist aber, dass mich alle Welt fragt und interpelliert, warum ich mit einem Fußtritte oder einer Ohrfeige abgefertigt worden bin. Ich bin also im Interesse meiner Berufstätigkeit gezwungen, etwas zu tun, wodurch dieser mir höchst schädliche Anschein abgewendet wird. Es fällt mir nicht ein, so arrogant zu sein und eine Auszeichnung zu verlangen, wenn man mir dieselbe nicht geben will. Aber ich muss ein Zeugnis haben, dass ich mir nichts habe zu Schulden kommen lassen, denn jetzt steht das ganze Publikum unter dem Eindrucke, dass das Letztere der Fall war und das schadet mir. Ich muss also bei allen Stellen, selbst an höchster, alle Schritte tun, um ein Zeugnis zu erhalten, dass ich treu, fleißig und redlich das erzherzogliche Haus durch 25 Jahre als Arzt bedient habe und auch in der letzten schweren Erkrankung des Erzherzogs meine Pflicht voll und ganz erfüllt habe. Ein solches Zeugnis von kompetenter Stelle brauche ich. Ich verlange nicht mehr, um meinen gefährdeten Ruf als Arzt gegen jedermann wiederherzustellen. Ich bitte Sie, das wohl zu veranlassen, das muss sein. Ich kann darauf nicht verzichten und ich glaube, diese Bitte kann mir nicht abgeschlagen werden. Oder soll meine 25jährige ärztliche Pflichterfüllung wirklich daran schuld sein, dass ich jetzt durch das erzherzogliche Haus meine ganze Praxis verliere, weil die zwei neben mir behandelnden Ärzte Dank und Anerkennung erfahren, mir aber nichts zuteil wird als stillschweigendes Übergehen, was im Publikum als Tadel und Vorwurf gedeutet wird. Ich bitte Sie, das wohl zu erwägen. Ich muss aus dieser Situation hinauskommen, in die ich ohne mein Verschulden gelangt bin. Ich teile Ihnen das vorläufig mit und behalte mir alles Weitere vor, wenn ich nicht bald in Bezug des verlangten Zeugnisses eine mich beruhigende Erklärung erhalte.

Du bindest Dich damit für die Zukunft gar nicht, denn im Gegenteile, Du machst Dich ganz entschieden frei, denn Du wirst Dich nicht ein drittes Mal wieder so einer Geschichte aussetzen. Ich bitte Dich, so zu sprechen, und zwar so bald als möglich. Auch bitte ich Dich, mir das Resultat baldigst mitzuteilen, denn es ist mir ein Ding eingefallen, an den Ministerpräsidenten zu gelangen, um in dieser Sache seine Vermittlung anzusprechen, doch davon später. Das erste muss früher versucht werden. Ausschlagen! Ausschlagen! Es wird gehen!

Mit vielen Grüßen Dein

Alexander

Lieber Bruder!

Wir gratulieren Dir alle vom Herzen. Also war doch meine erste Ahnung die richtige. Aber ein Blödsinn bleibt es, dass man Dich immer einige Tage auf die Folter spannt. Gott sei Dank, dass alle geplanten Kämpfe unnötig geworden sind. Aber die Tatsache, die sich nun zugetragen, ist nur ein Beweis, dass man, wenn sie sich nicht zugetragen hätte, so hätte zutragen müssen, wie wir es geplant hatten.

Mit vielen Grüßen von allen an alle, Dein

Alexander

Lieber Bruder!

Ich danke Dir und den Deinen herzlich für die Glückwünsche zu dem schwer geborenen, freudigen Ereignisse. Wie ich nun nachträglich durch Catharin erfahre, war die Erzherzogin durch die Verzögerung und das verspätete Ereignis selbst überrascht. Die Erzherzogin hatte für mich den Leopoldsorden gewünscht und beantragt. Die Behörden haben auf dem Wege zum Kaiser den Eisernen Kronenorden daraus gemacht. Auf meine Frage, welche Behörde, hatte Catharin nur ein Achselzucken. Ob es durch Graf Pejaczevich und das Oberhofmeisteramt oder durch das Ministerium des Inneren gegangen sei, weiß ich nicht. Ich glaube aber, dass der dürre von jeher knickerige [?] Herr Hofrat [Gautsch?], der selbst nur die Eiserne Krone besitzt, selbst dabei im Spiele ist.

Auf meine Frage, wie es kommt, dass das kaiserliche Handschreiben für meine Auszeichnung genau das Datum 30. Mai trägt wie alle übrigen aus gleichem Anlasse verliehenen Auszeichnungen, meinte der neue Herr Hofrat Catharin: „Ja, wenn auch eine Verzögerung geschehen ist, so wollte man doch das Datum Ihrer Auszeichnung mit allen Übrigen in Einklang bringen.“ Der Teufel kennt sich aus bei den Intrigen und Schlichen der Hofschranzen und Bürokraten. Nun ist die Sache geschehen, die öffentliche Meinung ist, wie ich aus vielen Zuschriften ersehe, damit zufrieden, und so ist mir alles Übrige Wurst.

Herzliche Küsse und Grüße an Dich, Rosa und die Kinder, Dein

Emil

Hochverehrter Herr Kollege!

Mit dem Inhalt Ihres freundlichen Telegramms haben Sie mir eine ebenso große als freudige Überraschung bereitet. Wenn ich mich dabei auch viel zu hoch taxiert finde, so erfüllt mich doch das Bewusstsein, bei den akademischen Kollegen in so gutem Andenken zu sein, mit froher Genugtuung. Nehmen Sie vielen herzlichen Dank!

Ihr treu ergebener

E. Hering

Anmerkung Gedruckte Dankesbezeugung

P. T.

Augenblicklich außerstande, die mannigfachen Beweise wärmster Teilnahme und erhebenden Mitgefühles, welche uns aus Anlass des Hinscheidens der teuersten Gattin und Mutter in überreichem Maße sind geboten worden, in entsprechender Form zu erwidern, müssen wir uns vorläufig darauf beschränken, unseren innigsten Dank für all‘ diese Liebeszeichen Ausdruck zu geben.

Regierungsrat Prof. Dr. Max R. von Karajan und Töchter

Hochgeehrter Herr!

Die fragliche Doppelpfeife dient zur Darstellung von Schwebungen (Stöße), die bei diesem Apparat ganz vorzüglich zur Geltung kommen. Es ist mir nicht bekannt, dass spez[iell] hierüber etwas geschrieben steht.

Mit besonderer Hochachtung zeichne

Anton Appunn [sic]

Euer Hochwohlgeboren!

Meinen ergebensten Dank für das mir gütigst zugesendete Exemplar Ihrer ausgezeichneten, außerordentlich wirksamen Denkschrift.

Unsere Denkschrift soll erst im September beim Zusammentritt des Reichsrates dem Abgeordnetenhause und dem Herrenhause (für jedes Mitglied ein Exemplar) geschickt werden.

Dem Herrn Unterrichtsminister und dem Sektionschef von Hartel haben [...] Wiener Kol[...] Denkschrift[...] überreicht. Ebenso habe ich Seiner Exzellenz dem [?] Herrn St[...] persönlich ein Exemplar überreicht.

Von Wien aus erfolgt die Versendung unserer Denkschrift an die Minister und sonstige hohe offizielle Persönlichkeiten.

Wir übersenden unsere Denkschrift auch gleich den österreichischen Juristenfakultäten. Ich schrieb unter einem an den Wiener juridischen Dekan um Bekanntgabe jener Parlamentarier, welchen die Denkschrift schon jetzt übersendet wurde, weil man ein besonderes Interesse an der Sache bei ihnen vermuten darf. Ich werde unverzüglich die Antwort des Wiener Dekans Ihnen mitteilen.

Von Herrenhausmitgliedern sind in erster Linie Unger [?] und Lemayer wichtig, welchen beiden Herren wir die Denkschrift gleich schicken.

Ich hoffe, noch vor Beginn der Ferien Sie zu sehen, um Ihnen, hochgeehrter Herr Hofrat, angenehme Ferien zu wünschen. Mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ergebenster

G. Hanausek

Anmerkung Zur Datierung: Man vgl. dazu den Brief Hanauseks an Rollett ddo 1896 VIII 1 Graz.

Verehrter Herr Hofrat!

Es ist an der Zeit, Sie neuerdings um die Erlaubnis zu bitten, die Pläne Ihres Instituts noch behalten zu dürfen, und zwar über die Ferien. Die für die hiesigen Institute entworfenen Pläne haben die Genehmigung noch nicht erhalten, und so lange bis das geschehen ist, möchte ich sie gerne zum Vergleiche haben.

Der Diener im Unterrichtsministerium, Sandner, sprach mich gestern an, ich möchte mich bei Ihnen verwenden, dass er die Fakultätsdienerstelle, an der juridischen Fakultät in Graz, um die er eingereicht hat, auch bekomme. Indem ich diese Bitte von Sandner vorlege, kann ich dazufügen, dass ich ihn immer als einen mustergültigen, ordentlichen Diener gesehen habe.

Sollte Sie dieser Brief nicht in Graz erreichen, so wird er Ihnen wohl nachgeschickt werden.

Ihr ganz ergebener

Sigm[und] Exner

1896 VII 20, St. Vigil

Hochgeehrter Herr Präsident!

Da ich erst mit 16. August von meinem Urlaube nach Graz zurückkehre, so bitte ich, meine Abwesenheit von der konstituierenden Versammlung der Ärztekammer am 30. Juli entschuldigen zu wollen.

Indem ich eine etwaige Wahl in den Kammervorstand annehme, bitte ich dringend, bei der Wahl des Vizepräsidenten von meiner Person abzusehen.

Mit Hochachtung Ihr ergebener

Fossel

Bravissivissivissimo! Gratias maximas!

Semper Augustus

1896 VII 24, Naßwald

Lieber Bruder!

Ich weile seit ein paar Tagen hier, jedoch ist mein Befinden nicht ganz nach Wunsch. Ich habe mir das Atherom am Rücken exstirpieren lassen. Die Heilung der Wunde erfolgte jedoch nicht per primam intentionem. Die Operation geschah am 1. d[es] M[onats] durch Dr. Török im Sophienspitale, und Adele muss mir noch täglich die Wunde frisch verbinden. Nun ist dieselbe so weit geschlossen, dass ich auf baldige Heilung hoffen kann. Außerdem habe ich noch etwas Kreuzschmerzen, die letzten Überreste eines Rheumatismus (Hexenschusses). Viel Sorge machte mir in letzter Zeit die Erkrankung Augustes. Sie wurde plötzlich von heftigem Erbrechen und rasenden Leibschmerzen befallen, bekam hohes Fieber, Meteorismus, anhaltende Stuhlverstopfung, schmerzhafte Dysurie etc. Nach Aufhören des Fiebers und Erbrechens und Nachlassen der Bauchschmerzen konnte man deutlich eine schmerzhafte Geschwulst in der Blinddarmgegend nachweisen, so dass man die Diagnose Perityphlitis (wahrscheinlich Appendicitis) stellen musste. Durch hohe Dirigationen wurde ja nach ein paar Tagen immer genügende Stuhlentleerung erzielt. Fieber, Erbrechen, Meteorismus und die heftigen Leibschmerzen sind allmählich verschwunden, es stellte sich wieder Appetit ein. Bei meiner Abreise von Wien war das Befinden recht befriedigend. Valerie weilt zur Pflege in Wien und Dr. Török habe ich mit der Überwachung der Diätvorschriften und der Stuhlfunktionen etc. betraut. Die Berichte, welche ich aus Wien bekomme, lauten Gott sei Dank günstig, und ich hoffe, dass die Sache wieder zurückgeht und Auguste bald mit Valerie nach Baden übersiedeln kann. Ich habe schon seit längerer Zeit hier ein Zimmer gemietet, und dies ist der Grund, dass ich mit Schurz zur Erholung hierher reiste. Fast wäre ich vielleicht in Wien geblieben oder etwa nur nach Baden gegangen.

Gestern habe ich ein Briefchen von Priska erhalten mit der verlockenden Aufforderung, nach Stübing zu kommen. Ob es mir unter den geschilderten Umständen heuer möglich sein wird, Euch in Stübing zu besuchen, das weiß der Himmel.

Ich danke Prisca bestens für ihren Brief und grüße und küsse Dich, Rosa und alle herzlichst, Dein

Emil

1896 VII 26, Stübing

Lieber Bruder!

Dein Schreiben erhielt ich gestern um 7:20 Uhr morgens auf der Station, als ich eben im Begriffe war abzufahren, um die erste größere Partie zu machen. Ich bin herzlich froh, dass Du nun die Folgen der Operation bald überwunden haben wirst und dass Auguste die Krankheit glücklich überstanden hat. Wir waren alle konsterniert, weil wir von Allem gar nichts wussten. Nun möge es nur allseits rasch vorwärts gehen zur vollen Genesung. Das ist unser aller sehnlichster Wunsch.

Wir fuhren gestern nach Mixnitz, wo wir um 8:00 Uhr in die Bärenschütz[klamm] wanderten, um den Wasserfall zu besichtigen. Er ist großartiger, als ich glaubte, und wild romantisch gelegen. Dann bestiegen wir den 1722 m hohen Hochlantsch, wo wir um 13:00 Uhr anlangten. Das Wetter war herrlich. Nasskar, Schneealpen, Rax, Schneeberg und näher Semmering und Sonnwendstein lagen in den schärfsten Konturen gezeichnet vor uns, und im Geiste begrüßten wir Euch alle in Naßwald hinter der Rax. Das Panorama auf dem Hochlantsch ist wunderbar. Herunter gingen wir über Schüsserlbrunn, eine an der Felswand klebende Wallfahrtskirche mit Wirtshaus. Um 18:00 Uhr waren wir wieder in Mixnitz, um 19:53 Uhr in Stübing. Mit waren Octavie, Priska, Humbert und ich, außerdem mein Assistent Dr. Pregl, Witasek, Humberts Lehrer, und sein Bruder.

Grüße alle Lieben. Vielleicht sehen wir uns doch.

Alexander

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Ich bin gerade in diesen Tagen stark in Anspruch genommen, soll auch morgen oder übermorgen meiner Familie das Geleite in ihre Sommerfrische geben, und es wäre mir daher nicht leicht, einen Abstecher nach Stübing zu machen, welches nicht auf meiner Dienststrecke liegt.

Da aber Euer Hochwohlgeboren am 30. d[es] M[onats] um 10:15 Uhr in Graz eintreffen und ich zu dieser Stunde noch in meinem Ordinationszimmer am Bahnhofe beschäftigt bin, so wäre eine Besprechung daselbst am leichtesten möglich. Ich bitte daher Euer Hochwohlgeboren, mir zu besagter Zeit im Ordinationszimmer die Ehre geben zu wollen.

Ich zeichne in vorzüglicher Hochachtung ergebenst

Dr. Schlömicher

Sehr geehrter Herr Hofrat!

In der letzten Sitzung wurde ich ermächtigt, die Saria-Bibliothek einzurichten, sobald die vom Stadtrat angebotene Subvention vom Gemeinderat bewilligt sei. Ich erwartete schon jetzt diese Bewilligung. Prof. Kratter, welcher das Sektionsreferat hat, ist aber verreist und alles ruht bis zum Herbst.

Da dann im November erst das betreffende Quartier gekündigt werden kann und da wir infolge dessen erst im Februar mit den Arbeiten beginnen könnten, ist der Winter verloren. Der Sommer ist die schlechte Entlehnungszeit, wir hätten die vollen Auslagen und nur die halben Einnahmen.

Daraus folgt, dass die Saria-Bibliothek erst im nächsten Herbst eröffnet werden kann. Ich habe das alles schon ausgeführt, vor Monaten, und habe es in der Tagespost gesagt: Wenn wir die Subvention nicht schon vor den Ferien erhalten, verlieren wir ein Jahr. Herr Prof. Kratter hat also die Eröffnung um ein Jahr hinausgeschoben. Es ist mir nun vollkommen gleichgültig, wenn Prof. Kratter sein Referat noch um ein halbes Jahr verschiebt.

Bezüglich Ihres Artikels habe ich an Dr. Nathan („Die Nation“) geschrieben. Nächstens wird die Antwort wohl eintreffen.

Mit dem Ausdrucke der Hochachtung Ihr ergebener

E. Reyer Graz, Glacis 65

Euer Hochwohlgeboren!

Soeben erfahre ich, dass von Wien aus die Juristendenkschrift an folgende Abgeordnete bereits jetzt versendet wurde: Beer, Bärnreither, Kathrein, Max Menger, Graf Pininski und Steinwender. Die genannten Herren sind sämtliche Mitglieder des Budgetausschusses.

Auch erlaube ich mir zu bitten, dass ein Exemplar Ihrer Denkschrift an den Wiener juridischen Dekan, Professor von Philippovich, zurzeit Deutschfeistritz bei Peggau, geschickt werden möchte. Mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung Euer Hochwohlgeboren ergebenster

G. Hanausek

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Die Nation schickt mir eben beiliegenden Brief, sie hat in der letzten Nummer zwei Artikel über österreichische Politik gebracht und könnte, wenigstens in nächster Zeit, nicht noch einen Artikel bringen. Sie frägt an, ob Ihnen ein späterer Zeitpunkt passen würde und ob Sie zustimmen würden, den Artikel eventuell in der Vossischen Zeitung oder im Tageblatt zu bringen.

Hochachtungsvollst Ihr ergebener

E. Reyer
Graz, Glacis 65

Anmerkung Beilage:

Hoch geehrter Herr Prof[essor]!

Wir haben gerade in dieser Nummer der „Nation“ zwei Artikel über österreichische Verhältnisse gebracht; ich lasse Ihnen die Nummer senden, damit Sie selbst sehen, ob für Prof. R[Rollett] noch Raum geblieben ist. Bestenfalls könnte der Artikel von Prof. R. nicht unmittelbar erscheinen. Vielleicht wäre der beste Ausweg der, dass Prof. R. mir seinen Artikel sendet, wie sich seine Veröffentlichung einigermaßen mit der bisher bei uns erschienenen verträgt, mir zugleich für den Notfall die Freiheit gebend, das Manuskript an ein angesehenes Blatt weiterzugeben. Etwa die Vossische Zeitung oder das Tageblatt. Für die „Nation“ würde ein Umfang von etwa 4 Spalten erwünscht sein.

Ihre schöne Arbeit im Dienste der Volksaufklärung verdient die größte Beachtung aus doppeltem Grunde. Die Liberalen sagen immer, die Bevölkerung muss sich selbst helfen und dieses Prinzip ist sehr gut; aber nur wenige Liberale gibt es schließlich, die sich in den Dienst öffentlicher Angelegenheiten uneigennützig wie Sie stellen.

Kann Ihnen, hochgeehrter Herr Prof[essor], die „Nation“ in Ihrem […] irgendwie förderlich sein, so verfügen Sie über uns.

In größter Achtung

[NN]
H.S. Hermann
Buchdruckerei – Lithographische Anstalt & Steindruckerei
Verlagsbuchhandlung – Photolithographie & Lichtdruck-Anstalt – Buchbinderei
Berlin SW, Beuthstraße 8

1896 VIII 13, Kitzbühel

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Im Abgeordnetenhause soll, wie ich höre, Hofrat Beer, Berichterstatter über die Regierungsvorlage sein. Es wäre daher nach meiner unmaßgeblichen Meinung von besonderer Bedeutung, wenn der Reichsratsabgeordnete Hofrat Beer recht bald die Denkschrift der Grazer medizinischen Professoren erhielte – vielleicht mit einem entsprechendem Begleitschreiben.

Ihre mir stets bewiesene große Liebenswürdigkeit ermutigt mich, diese Zeilen an Sie zu richten. Zugleich erlaube ich mir, Ihnen und Ihrer hochverehrten Familie angenehme Ferien zu wünschen. Mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung Euer Hochwohlgeboren ergebenster

G. Hanausek

Verehrter Herr Kollege!

Die Lorbeeren (?) des Grafen Czaky [sic, Csáky] – er war es ja wohl, der zuerst in Ungarn die sogenannte Kollegiengeld-Reform einführte – lassen, wie es scheint, weder die cisleithanische Regierung noch auch die deutschen Regierungen ruhen. In der Tat geht man auch bei uns damit um, an dem guten Alten zu rütteln. Ich glaube, dass es nicht Bayern, sondern unser Hochschulreferent, G[eheim]R[at] Dr. Althoff, ist, der die Sache angeregt hat; sie spukt seit etwa zwei Jahren, ist aber noch nicht recht vom Fleck gekommen. Die preußischen Universitäten sind aufgefordert worden, Vertrauensmänner zu wählen, die einen Regierungsentwurf vorberaten sollen. Hier waren es der Rektor, der Prorektor und unser Kirchenrechtslehrer Hinschins. Der Prorektor hat vor einigen Wochen abgelehnt, weiter mitzuraten, und nun bin ich an dessen Stelle gewählt worden. Daraufhin ist mir der Regierungsentwurf zugegangen. Kaum hatte ich angefangen, ihn zu studieren, so wurde mir mitgeteilt, dass derselbe nicht mehr gelten solle; es solle uns vielmehr eine andere Vorlage unterbreitet werden. Das ist noch nicht geschehen, und so wissen wir augenblicklich nicht, was unsere Regierung im Plane hat. Die frühere Vorlage wollte die Kollegiengelder im Prinzipe beibehalten, sie jedoch für jede Vorlesung auf ein bestimmtes Maß, nach sogenannten „Normalstunden“ berechnet, bemessen – d[as] h[eißt] wohl für die meisten Vorlesungen herabsetzen. Diese Festsetzung sollte mit Zuziehung der betreffenden Dozenten geschehen. Ferner sollten die Studenten eine nicht unbeträchtliche Summe für jede Vorlesung und Übung an die Staatskasse zahlen. Die Gehälter der Professoren sollten um ein Geringes erhöht werden und an den einzelnen Universitäten mehr gleichgestellt.

Die im Amte jetzt befindlichen Professoren sollten für den Ausfall an Kollegiengeldern jährlich bis zur Durchschnittshöhe der früheren Kollegien-Honorare entschädigt werden, in diesem Falle aber von einer Gehaltserhöhung ausgeschlossen sein; an dieser könnten sie nur teilhaben, falls sie auf die eben genannte Entschädigung verzichten.

Ich würde am liebsten die Sache so lassen, wie sie ist; warum sollen nicht einzelne Professoren – es sind vielleicht 6–8 in ganz Deutschland – einmal recht hohe Einnahmen haben? Das spornt auch an! Mir scheint die Ungleichheit der Einkünfte der Professoren gar kein Übel. Eine solche Ungleichheit wollte man aber mit unserem Entwurfe augenscheinlich beseitigen und daneben von den hohen Einkünften, die einige unserer Professoren – unter anderem ich selbst – haben, einen guten Teil für den Staatssäckel abziehen.

Schließlich ist indessen der Entwurf unserer Regierung noch besser als die österreichische Regierungsvorlage. Da aber, selbst wenn man die Studenten an die Staatskasse eine gute Quote zahlen lässt, das, was dabei herauskommt, verschwindend gering ist gegenüber dem, was der Staat sonst immer noch aufwenden muss, so wird man an das „Parturiunt montes“ erinnert, wie das ja auch die mir zugesendete Grazer Denkschrift durchblicken lässt. Indessen, unser bisheriger Entwurf ist ja zurückgezogen und was an seiner Stelle kommen soll, wissen wir noch nicht. Also kann ich leider jetzt noch keine weiteren Schritte tun, als Ihre Denkschrift und Ihren Brief an E[ilhard] Schulze zu senden. Ich werde aber nicht verfehlen, sobald ich Neues erfahre, Ihnen soweit ich kann, Mitteilung zu machen und eventuell auch Ihren Wunsch bezüglich eines Dementi in den öffentlichen Blättern erfüllen. Ich stehe ganz auf dem Standpunkt Ihrer Denkschrift. – Einstweilen herzlichen Dank und freundschaftlichen Gruß Ihres ergebenen

Waldeyer Berlin W, 35 Lutherstraße

1896 VIII 20, Windischfeistritz

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Das schöne Wetter und der herrschende Südwind haben mich verleitet, die vielleicht einzige Gelegenheit in diesem verwaschenen Jahre beim Schopfe zu fassen und auf ein paar Tage an die Adria zu radeln. Ich bitte daher gütigst zu entschuldigen, dass ich erst nächste Woche den versprochenen Besuch abstatte.

Mit ergebenen Empfehlungen und Handkuß an die Damen

Dr. Oskar Zoth

1896 VIII 29, Leoben

Verehrtester Herr Präsident!

Indem ich zuerst meiner Freude über Ihre Wiederwahl Ausdruck gebe, muss ich um Entschuldigung bittten, dass ich das Referat noch nicht eingeschickt habe, allein ich bin seit meiner unfreiwilligen Rückkehr derartig in Anspruch genommen, dass ich um eine kurze Frist von 3–4 Tagen bitten muss.

Mit dem Ausdrucke der aufrichtigsten Verehrung ergebenster

Homann

Verehrter Herr Hofrat.

Herr Professor Kratter, welcher das Referat über die Saria-Bibliothek hat, antwortet mir eben nicht sehr ermutigend. Ich habe ihm die Sachlage auseinandergesetzt und mitgeteilt, dass der V[olks-]B[ildungs-]Verein nicht gehalten ist, die Bibliothek in Graz zu errichten und dass – falls wir infolge ungenügender Unterstützung die Bibliothek nicht übernehmen können, dieselbe möglichwerweise den Leobnern zufällt, welche das Geschenk gewiss bedingungslos annehmen. Was dann aus der Bibliothek wird, ist allerdings fraglich. Ob die Leobner soviel Geld aufbringen, um die Bücherei in gutem Stand zu erhalten, das ist zum mindesten zweifelhaft. Ich habe hinzugefügt, dass ich mich gegen diesen Verlust, der unserer Stadt dann droht, gewiss mit aller Energie zur Wehr setzen werde. Ich habe zugegeben, das Herr Prof. Kratter die Macht hat, die Gemeinde gegen eine ausreichende Subvention zu stimmen, fügte aber bei, dass ich hoffe, er werde dahin wirken, dass die S[aria] Bibliothek unserer Stadt erhalten bleibe.

Am 14. kommt Herr Prof. Kratter zurück und dann bespreche ich das weitere mit ihm. Hoffentlich findet die Sache doch eine günstige Lösung.

Der Stadtrat schlägt 1.200 fl. Gründungs- und 200 [fl] Jahresbeitrag vor, die Gemeinderäte haben mir zugesagt, in diesem Sinne zu wirken; wenn das Referat nicht ungünstig ist, muuss der Antrag durchgehen.

Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener

E. Reyer Graz, Glacis 65

Anmerkung In der Beilage der von Reyer angesprochene, an ihn gerichtete Antwortbrief Kratters 1896 IX 7 Techendorf am Weißensee:

Sehr geehrter Herr Kollege!

Ihr Schreiben vom 31. 8. Habe ich – verspätet – hier erhalten. Ich komme bis zum 14. d[ieses] M[onats] nach Graz zurück und werde mir das Vergnügen machen, Sie sofort aufzusuchen, um die fragliche Angelegenheit zu besprechen.

Schon heute aber gestatte ich mir die Bemerkung, dass die Sache wegen der Höhe der geforderten Beitragsleistung auf Schwierigkeiten stoßen wird. Zudem ist ja die Sariabibliothek nicht der Stadt Graz, sondern dem Steiermärkischen Volksbildungsverein zum Geschenke gem,acht worden. Diesem Verein sind neuerlich aus der Lippschen Hinterlassenschaft neue und beträchtliche Mittel zugeflossen. Außerdem wird er vorwiegend durch Beiträge von Grazern seit mehr als 20 Jahren erhalten. Ich glaube, dieser Verein würde ganz satzungsgemäß handeln, wenn er aus seinen Mitteln die Sariabibliothek aufstellen und erhalten würde. Sollte nicht auch Dr. Saria ähnlich gedacht haben, als er diesem Verein seine Bibliothek zuwendete?

Dies ist nur meine vorläufige unmaßgebliche Meinung. Ich werde mich in der Sache jedoch genau unterrichten, und Sie selbst, verehrtester Herr Kollege, werden vielleicht in der Lage sein, etwaige weitere Bedenken zu zerstreuen.

Mit dem Ausdrucke meiner vollsten Hochachtung bin ich Ihr ganz ergebener

Kratter

1896 IX 11, Tegernsee

Hochgeehrter Herr Kollege,

Ihr Schreiben vom 13. v[origen] M[onats] hat mich auf der Reise erreicht, jedoch ohne die gleichzeitig angekündigte Denkschrift. Es ist mir diese Differenz [?] verständlich; ich lasse wohl meine Briefe, aber nicht die eingehenden Drucksachen nachsenden. Da aber noch mehrere Wochen vergehen werden, ehe ich nach Hause komme, so will ich Ihre Anfrage so kurz als möglich beantworten.

Unsere (Berliner) Fakultät hat sich gegen Neuerungen auf dem Gebiete der Honorarzahlungen ausgesprochen, und ich persönlich teile diese Meinung. Auch ist mir nicht bekannt, dass eine der deutschen Universitäten für einschneidende Änderungen ist. Auf die Zeitungen ist nicht viel zu geben. Einzelne Ministerialbeamte, denen die hohen Honorar-Einnahmen mancher Professoren schlaflose Nächte bereiten, lancieren von Zeit zu Zeit einen Artikel in die Presse, um die Hilfstruppen zu verstärken, aber bis jetzt mit wenig Erfolg. Nichtsdestoweniger könnte es sein, dass die bevorstehende Regulierung der Gehälter ([…]: Gehaltserhöhung) dazu benutzt wird, um einem parlamentarischen Majorität zu gewinnen.

Wir müssen also aufpassen, und ich werde Ihre Denkschrift, sobald ich Sie erhalten haben werde, mit Aufmerksamkeit lesen.

Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen Ihr ergebener

R. Virchow

1896 IX 23, Innsbruck

Hochverehrter Herrr Hofrat!

Dem Innsbrucker Institut wurde der von mir erbetene Apparat für Projektion und Mikrophotographie bewilligt, und ich werde denselben Mitte Oktober in Jena übernehmen. Hiebei mit einiger Sachkenntnis ausgerüstet zu sein, wäre für mich von großem Werte. Theoretische Studien trieb ich während der Ferien und übte auch praktisch den gewöhnlichen Negativ- und Positivprozess der Phtographie.

Es würde daher, hoffe ich, nicht zu vieler Stunden bedürfen, um mir das Allernotwendigste aus Mikrophotographie beizubringen und ich konnte mir deshalb erlauben, Herrn Dr. Zoth um seine Beihilfe zu bitten. Voraussetzung war hiebei, dass Herr Hofrat meiner Bitte, mich an dem mikrophotographischen Apparate Ihres Institutues einige Stunden üben zu dürfen, Ihre gütige Genehmigung nicht versagen möchten. Nachdem ich nun durch Hernn Dr. Zoth unterrichtet bin, dass derselbe mir zu Ende September oder Anfang Oktober seine Hilfe widmen will, so erlaube ich mir hiemit, diese Bitte auszusprechen. Gestatten Herr Hofrat, dass ich mir die Antwort bei meiner demnächst erfolgenden Ankunft in Graz hole, und seien Sie meiner aufrichtigen Dankbarkeit versichert, wenn dieselbe keine ablehnende ist.

Ich schließe mit dem Wunsche, dass es Ihnen und Ihrer verehrten Angehörigen recht wohl gehen möge, und mit der Bitte, Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin meine ergebenen Handküsse entrichten zu wollen. In hochachtungsvoller Ergebenheit Herrn Hofrates dankbarer getreuer

Dr. G. Pommer

Lieber Bruder!

Morgen erfolgt meine Übersiedlung nach Wien. Deinen Brief habe ich gestern vor dem Schlafengehen in meinem 11,5° warmen Zimmer in der Theresiengasse gefunden, wohin er von Wien geschickt wurde. Ich freue mich, Dich am 2. Oktober in Wien empfangen zu können und werde Dich vielleicht am 4. nach Baden begleiten. Ich kann mir denken, dass der heurige Regensommer Euch in Stübing oft recht unangenehm mitgespielt hat. Zum Glück seid Ihr alle gesund nach Graz zurückgekehrt.

Viele herzliche Grüße an Dich, Rosa und alle, Dein

Emil

Lieber Bruder!

Ich bin ganz rechtzeitig glücklich in Graz angekommen und traf alle wohl. Das Wetter hier ist prachtvoll. Ich habe auch schon etwas daran genossen. Gleich nach dem Essen ging ich mit Erich und Edwin hinaus, und wir waren auf der Hilmwarte und im Häuserl am Walde, woher wir jetzt 18:00 Uhr abends soeben zurückgekommen sind.

Ich danke Dir für alles in Wien Genossene herzlich, bringe Dir, Auguste und den Schurz Grüße von uns allen und werde bald wieder schreiben. Dein

Alexander

Besten Dank für die schöne Arbeit über “Zuckungsverlauf”. Bittte grüssen Sie mein lieben Freund Drasch und seine Frau. Ihr getreuter

Wm Stirling Owens College
Physiological Department

Zur fr[eun]dl[ichen] Erinnerung [auf gedruckter Karte:]

Prof. Dr. Brühl, der, am Ende seines 77. Lebensjahres, demnächst, aus Sanitäts-, ökonomischen und sozialpolitischen Motiven, sein nun 63jähriges Domizil in Wien, wo er durch 36 Jahre in continuo gewirkt und gelehrt hat, verlässt und nach Graz übersiedelt, sagt hiermit seinen vielen Wiener Gönnern, Freunden und Bekannten beiderlei Geschlechtes ein innigstes Lebewohl – für alle seine, wohl nur noch kurze Lebenszeit. Ganz besonders seinen so zahlreichen Hörern und Hörerinnen (vielen Tausenden), und dankt ihnen allen für die große, unvergessliche Lebensfreude, die sie ihm, durch ihren wohl seltenen Eifer, Fleiß und dankbaren Sinn, alle Zeit so reichlich bereitet haben. Möge der Weltenschöpfer, dessen wahre Wunder zu verkünden meine Lebensaufgabe stets war, ist und sein wird, so lange noch mein Herz schlägt, Sie alle beschützen und segnen – für und für!

Graz, am Anfange Oktober 1896; Bergmanngasse 17, Hochparterre.

Anmerkung Gedruckte Karte:

Carl Bernhard Brühl, Doktor der Medizin und Philosophie, Magister der Tierheilkunde, gewesener o[rdentlicher] ö[ffentlicher] Universitätsprofessor der „Zoologie und vergl[eichenden] Anatomie“ an den Universitäten Krakau (1858) und Budapest (1858–60); emeritierter k. k. o. ö. Universitätsprofessor der „Zootomie“ und gewesener Vorstand des von ihm (1863) begründeten „zootomischen (-vergl[eichend]-anat[omischen]) Institutes an der Wiener Universität (1861-1890); gewesener Prüfungskommissär für menschliche Anatomie und Physiologie bei der ministeriellen Kommission für das Turn-Lehramt an österreichischen Mittelschulen (1871–1890); – ect. etc. Bergmanngasse 17 Hochp[arterre]

Anmerkung Druck

Für den freundlichen Glückwunsch dankt ergebenst

Dr. Max von Pettenkofer Seeshaupt, 20. Oktober 1896

Anmerkung Am Revers handschriftlich:

Dass Sie gerne nach Bayern herüberdenken, tut meinem altbayrischen Herzen wohl, vielleicht kommen Sie einmal herüber. Ich reise nicht mehr weiter als von München bis Seeshaupt. Das schöne Steiermark kenne ich nicht und komme auch nicht mehr hin, obwohl mir zwei meiner Enkel, welche dort waren, viel davon vorschwärmen. Mit herzlichem Gruß Ihr treu ergebener

Dr. M. v. Pettenkofer

Illustrissimo professore.

Ho ricevuto la sua lettera e i suoi opuscoli e la ringrazio caldamente della sua gentilezza. Ella ha voluto spingere la sua bontà fino ad indicarmi i punti de’ miei lavori che più mi possono interessare: Stia certo che io studierò con amore i suoi lavori e che li terrò sempre in quel altissimo conto che si meritano. Mi ha fatto moltissimo piacere di sapere che Ella approva i dubbi da me sollevati sulle esperienze di Hamburger intorno alla relazione strettissima tra resistenza de’ globuli alle soluzioni saline e loro vitalità. Mi prendo la libertà di ricordare due miei lavori sull’argomento. Nel 1° studio il comportamento del sangue estratto da 4–10 giorni dall’organismo verso le soluzioni di NaCl, con la conclusione che i globuli rossi estratti da molto tempo dall’organismo hanno resistenza assoluta minore de’ globuli rossi freschi, ma si comportano per altro in maniera perfettamente analoga, cioè si conservano nelli soluzioni concentrate, e si distruggono gradatamente nelle soluzioni progressivamente diluite. Nel secondo lavoro studio il comportamento de’ globuli che – per brevità – chiamero vecchi verso le soluzioni isotoniche di NaCl e di KCl, e stabilisco che i corpuscoli vecchi si comportano nello stessissimo modo de’ globuli freschi.

Le sarei in finitamente grato se Ella volesse rivolgere la sua attenzione su questi miei lavori, esponendomi pur framamente tutte le sue osservazioni e i suoi dubbi.

Ora preparo una terza Nota sul medesimo argomento. Ho studiato il comportamento de’globuli rossi vecchi (col metodo di Koeppe) verso le soluzioni di NaCl e di KCl. Ricorderà che Koeppe ha stabilito che i globuli rossi assumono un volume (misurato con l’ematocrito) inversamente proporzionale alla concentrazione moleculare della soluzione in cui si trovano sospesi, e che assumono volumi eguali in soluzioni isotoniche o equimolecolari. Ho ripetuto le medesime esperienze con sangue (conservato asetticamente) estratto da 10–19 giorni ed ho trovato tanto per le soluzioni di NCl e di KCl cifre eguali a quelle ottenute coi globuli freschi. Quindi concludo che le proprieta osmotiche de’ globuli rossi vecchi non presentano differenze de quelle de’ globuli rossi freschi.

Come al 2° lavoro ho fatto precedere una introduzione esponendo le basi fisico-chimiche degli attuali studi sulla forza osmotica de’ globuli, così a questa 3a Nota intenderei premettere una introduzione in cui discuterò a lungo la questione della vitalità de’ globuli rossi, e i rapporti tra vitalità e permeabilità (o impermeabilità) del protoplasma cellulare; ma questa introduzione mi costa una fatica enorme, tanto più che a Padova non trovo tutte le opere (specialemente un po’ vecchie) che mi servono e che Lei mi ha anche indicato gentilemente nella sua lettera.

Le domando scusa de questa mia lunga lettera che Le ruberà del tempo prezioso; ma è per me una vera fortuna sottoporre le mie esperienze al parere di uno che, come Lei, ha così profonda e rara competenza nell’argomento che ora mi preoccupa. Ringraziandola di nuovo ho l’onore di dichiararmi [?] devotissimo suo

Dr. G[regorio] Manca

Anmerkung Zur Datierung: Das Tagesdatum ist nicht mit Sicherheit lesbar.

Ich beehre mich, zu der am Mittwoch, dem 4. d[es] M[onats], 20:00 Uhr abends im Schwechater Bierhause, 1. Stock, stattfindenden Vertilgung der von Dr. Rauch gespendeten Fasanen freundlichst einzuladen. Antwort unter allen Umständen bis Dienstagabends an

Dr. Schlömicher

Hochgeehrter Herr Professor!

Ich vertrete in der von mir mitherausgegebenen „Allgemeinen Deutschen Universitätszeitung“ eifrig die Bestrebungen der Universitäts-Ausdehnungs-Bewegung. Sehr gern würde ich nun einen Artikel über Ihre geplante Einführung in Graz bringen; ich wandte mich deshalb an Herrn Prof. Reyer, Wien, mit der Bitte, mir die Adressen eines Herrn anzugeben, an den ich mich mit der Bitte um nähere Auskunft wenden könnte, und Herr Prof. R[eyer] gab mir darauf Ihre Adresse an.

Darf ich nun Sie, hochgeehrter Herr Professor, mit dieser Bitte belästigen? Mir liegt wesentlich daran, zu wissen

1) ob die Kurse eine Vorgeschichte haben, ob sie also schon bisher in irgendeiner Weise existiert haben und von wem sie denn ausgingen,

2) wie sie jetzt organisiert sind respektive organisiert werden sollen, namentlich wer der eigentliche Veranstalter ist, und von wem sie noch sonst unterstützt werden.

Vielleicht ist es Ihnen möglich, mir diese Fragen einfach dadurch zu beantworten, dass Sie mir diesbezügliche Drucksachen übersenden.

Sehr verbunden wäre ich Ihnen auch, hochgeehrter Herr Professor, wenn Sie mir angeben könnten, durch wen ich Näheres über die Innsbrucker Pläne hören könnte, und außerdem, ob irgendwo in der Umgebung von Graz sonst noch Volksvorlesungen abgehalten werden.

Ich bitte um alle diese Angaben vor allem deshalb, weil ich von einer Verlagsbuchhandlung beauftragt worden bin, über die University-Extension, die ich in Zeitschriften vielfach vertreten habe, eine Broschüre zu schreiben, und mir gerade an genauen Nachrichten über die deutschen Volksvorlesungen viel liegt.

Verzeihen Sie, sehr geehrter Herr Professor, wenn ich Ihre Zeit mit der Beantwortung dieser Fragen in Anspruch nehme. Sehr verbunden wäre ich Ihnen, wenn ich Ihre Antwort möglichst bis zum 16. d[es] M[onats] in Händen hätte.

Hochachtungsvoll Ihr sehr ergebener

Ernst Schultze

Sehr geehrter Herr Kollege!

Ich habe mit der größten Freude Ihre Abhandlung über die Veränderlichkeit des Zuckungsverlaufes gelesen und für die freundliche Sendung sende ich Ihnen meinen herzlichsten Gruß und Dank.

Da unsere geliebten und größten Meister Ludwig und Brücke gestorben sind, haben ihre Vertreter und alten Schüler unsere Verehrung in Erbschaft erhalten.

Ich sende Ihnen zwei kleine Abhandlungen und empfehle mich Ihnen bestens

A. Mosso

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Für Ihre Nachricht gestatte ich mir, Ihnen meinen verbindlichsten Dank zu sagen. Verzeihen Sie, wenn ich Sie noch einmal bemühe: Ich hätte gern das Resultat der Sitzung vom 10. d[ieses] erfahren. Sollte es positiv sein, so wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Übersendung der bez[üglichen] Drucksachen an mich veranlassen wollten.

Mit bestem Dank im Voraus Ihr ganz ergebener

Ernst Schultze

Verehrter Herr Hofrat!

Der Beschluss des Gemeinderates hat mich nicht sehr überrascht; die Argumente des Herrn Direktor von Schmid wurden gern akzeptiert, weil sie eine Ersparnis von ein paar 100 fl bedingen.

Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, Ihrem Vorstande und unserem Vorstande anzutragen, die Einrichtung, Katalogdruck, Gas, Beleuchtung, Tische und Stühle, nötige Bücheranschaffungen, Spiegelscheiben für die 4 Fenster ect. zu decken und überdies das jährliche Defizit der Saria-Bibliothek selbst zu tragen, solange, bis die Kommune das nötige Geld bewilligt. Sollten auch 10% meines Vermögens für Volksbibliotheken aufgehen, ich werde das Opfer nicht scheuen, denn die Sache ist mir so lieb wie Weib und Kinder und wie meine Wissenschaft.

Ihrer geneigten Antwort entgegensehend, zeichnet hochachtungsvoll

E. Reyer Wien IX, Liechtensteinstraße 47

Verehrter Herr Hofrat!

Zu dem vorigen Brief erlaube ich mir zu bemerken, dass ich meinen Antrag von der Bedingung abhängig mache, dass die für die Zentrale getroffenen Verfügungen unseres Vorstandes auch für die neue Bibliothek gelten. Unser Vorstand wird sich also erst aussprechen müssen, ob er mit meinem Antrage einverstanden ist.

Ich wäre Ihnen sehr zu Dank verbunden, wenn Sie mir Nachricht geben wollten, ob Sie über die Bibliothek schon verfügt haben, in welchem Falle mein Angebot entfällt und unsere Vorstandssitzung nicht stattzufinden braucht.

Hochachtungsvoll Ihr ergebener

E. Reyer Wien IX, Liechtensteinstraße 47

Verehrter Herr Hofrat!

Bestens danke ich für Ihren Brief, dessen Inhalt mir die Überzeugung gibt, dass Ihr Verein die Angelegenheit der Saria-Bibliothek in einer vollbefriedigenden Weise zur Lösung bringen wird. An Dr. Schloffer schrieb ich bez[üglich] des Kontraktes mit der Landesbibliothek und erlaube mir bez[üglich] der Einverleibung der Saria- in die Landesbibliothek folgende Punkte hervorzuheben:

1) Der Erblasser wusste, dass es eine Landesbibliothek gibt, hat aber nicht dieser, sondern dem St[eirischen] Volksbildungs-Verein seine Bibliothek vermacht, mit der Bestimmung, eine Volksbibliothek zu bilden. Der Verein kann die Bibliothek gewiss der Stadt Leoben zuwenden, um dort eine Volksbibliothek zu errichten; die Zuwendung an die Landesbibliothek dürfte aber dem Wortlaut des Testamentes widerstreiten.

2) Es ist nicht richtig, dass eine Zentrale wie die Landesbibliothek die Zwecke der Volksbibliotheken ganz erfüllen kann; die wesentliche Bedeutung der Volksbibliotheken besteht darin, dass jeder Bezirk seine Bibliothek bekommt, so dass der Bürger unter allen Umständen nicht weit zu gehen braucht, um sein Lesebedürfnis zu befriedigen.

3) Wenn die Saria-Bibliothek der Landesbibliothek einverleibt wird, ist deren Verwertung in den Volksbibliotheken doch eine sehr beschränkte, weil der Leser unserer Volksbibliotheken die Bücher vom Joanneum zuerst bestellen und dann (am folgenden Tag) nochmals kommen muss, um die Bücher abzuholen.

4) Endlich werden uns vom Joanneum nur wissenschaftliche Werke ausgefolgt; die neuere Literatur wird vom Joanneum nur an Personen abgegeben, welche einen bedeutenden Jahresbeitrag (ich glaube 5 Kronen oder 5 fl?) zahlen. Die literarische Abteilung der Saria-Bibliothek würde, falls das Joanneum diese Bibliothek bekommt, nur den vermöglichen Bürgern zugänglich sein und das wollte Dr. Saria eben nicht.

Indem ich bitte, diese Tatsachen gelegentlich zur Geltung zu bringen, zeichne ich mit wärmstem Dank für Ihre entscheidende Stellungnahme. Hochachtungsvollst Ihr ergebener

E. Reyer

Geehrter Herr Kollege.

Ich habe vergeblich gesucht, ein Exemplar von Ihrer „Arbeit über Bau der quergest[reiften] Muskelfasern“. Es scheint, das[s] sie ist nicht vom Verleger zu haben. Wissen Sie vielleicht, wo ich ein Exemplar treffen kann. Bitte grüßen Sie Drasch.

Hochachtungsvoll

W. Stirling
Physiological Department
Owens College
Manchester

Lieber Bruder!

Eine Reihe von Erwägungen haben mich veranlasst, meine Wiener Wohnung zu kündigen und meine Habseligkeiten Anfang Mai nach Baden zu transportieren. Die erzherzogliche Familie ist in Gesellschaft des Erzherzog Franz d‘Este diesen Winter von Wien abwesend. Ich möchte nun diese Gelegenheit benützen, mich loszumachen, aus Gründen, die Dir sehr wohl bekannt sind. Dies kann aber nur geschehen, wenn ich vorerst aus Wien weggehe. Zu Erzherzog Otto bin ich, seit er verheiratet ist und samt Familie größtenteils außer Wien domizilierte, nur einige Male jedes Jahr gekommen. Nun ist Erzherzog Otto aber nach Wien übersiedelt, und es könnte geschehen, dass ich da wieder in eine Situation komme, die mich dauernd fesselt und mir neuen Kummer bereitet. Ohnehin hat der Erzherzog vor einiger Zeit zu mir geschickt, ich war aber zufällig nicht in Wien, und da die Sache nicht dringend war, so geschah nichts weiter.

Zu den genannten Impulsen kommen aber noch viele andere, die aus privaten und familiären Verhältnissen entspringen, von denen ich Dir gelegentlich sprechen werde. Zunächst also gehe ich nach Baden, was weiter geschehen wird, weiß ich selber noch nicht bestimmt. Ich kann ja für den Winter immer wieder eine andere Wohnung in Wien mieten. Überdies kenne ich mehrere Leute, die in Baden wohnen und in Wien bedienstet sind, z.B. Kronenfels, [die] Brüder Eigner, Bechler, die mit ihren Familien in Baden wohnen und ihre Büros in Wien haben.

Ich hoffe auch, dass Du und die Deinen, wenn Ihr in Wien zu tun habt, bei mir in Baden absteigen werdet. Man kann ja morgens nach Wien fahren und zu Tisch früher oder später wieder in Baden sein. Eventuell geht auch noch spät der sogenannte Theaterzug von Wien nach Baden.

Ich habe die Angelegenheit, welche ich Dir mitteile, nach allen Richtungen lange und reiflich überlegt. Nun ist durch die Kündigung meiner Wiener Wohnung ein fait accompli geschaffen und die Aufgabe wird sein, sich mit philosophischer Ruhe und Klugheit in der neuen Situation zurechtzufinden. Was sagst Du dazu? Ich habe schon lange keine Nachricht von Euch erhalten und bin begierig zu erfahren, wie es Euch allen geht.

Mit vielen herzlichen Küssen und Grüßen an Dich, Rosa und die Kinder und alle, Dein

Emil

Hoch zu verehrender Herr Hofrat!

Vor zwei Tagen habe ich die Mitteilung erhalten, dass der Verein der Ärzte in Steiermark den Vertrag mit der Landesbibliothek lösen und den ihm eingeräumten Saal aufgeben wird. Infolgedessen ließe sich eine neue Einteilung der im Erdgeschoß gelegenen Lesesäle vornehmen, durch welche die Unterbringung der Saria-Bibliothek in einem eigens für sie bestimmten Saale, in dem auch täglich bis 21:00 Uhr abends gelesen werden kann, ermöglicht würde.

Es würde wohl auch keine Schwierigkeit machen, dass die Werke der Saria-Bibliothek abends entliehen werden könnten. Ich wüsste nicht, was dann der Saria-Bibliothek von einer Volksbibliothek noch abgehen sollte. Die Einfachheit der Verwaltung und die Leichtigkeit, auf diese Weise eine Volksbibliothek für Graz mit der öffentlichen Landesbibliothek in Verbindung zu bringen, da alle Vorbedingungen dazu vorhanden sind, dürfte vielleicht doch den Volksbildungs-Verein bestimmen, mit mir als Vorstand der Landesbibliothek in eine vorläufige Erörterung des Projektes einzugehen. Ich würde dieselbe jedenfalls einer öffentlichen Besprechung in den Blättern vorziehen und erlaube mir die Bitte an Sie, verehrter Herr Hofrat, zu richten, Sie mögen die Angelegenheit im Volksbildungsverein zur Sprache bringen und mir die Gelegenheit schaffen, mit dem Ausschusse desselben in dieser Sache verhandeln zu können.

In der Überzeugung, dass Sie diese Anregung, zu der ich mich verpflichtet glaube, so wohlwollend und sachlich beurteilen werden, wie sie gegeben ist, zeichne ich mit verehrungsvoller Ergebenheit

Zwiedineck

Hochverehrter Herr Professor!

Die p. 118 beschriebenen Olfactometer werden vom Mechaniker Harting Bank, Ütrecht Pausdam, angefertigt. Die auf Seite 301 genannten bilden eine vollständige Serie, die in einer Tranche geliefert wird. Ein gustatorisches Riechmesser ist bis jetzt noch für niemand außer für mich angefertigt worden, und Letzteres geschah von meinem Amanuensis.

Zu einigermaßen genauen Untersuchungen ist es erwünscht, auch ein Olfactometer mit Flüssigkeitsmantel (S. 302 der Physiologie des Geruchs) zu besitzen. Dieselben lasse ich in letzter Zeit auf einen Fuß montieren und durch Zahn und Trieb verschiebbar machen. Letzteres gestattet auch eine genauere Verteilung der Skala (ein Millimeter), während auf den Glasröhren nur eine grobe Verteilung in halben Zentimetern möglich war.

Mit vorzüglicher Hochachtung, noch immer mit Dankbarkeit mich einiger in 1886 in Graz angenehm verlebter Stunden erinnernd, Ihr sehr ergebener

H. Zwaardemaker

Lieber Bruder!

Ich sage zunächst meinen besten Dank für die so hübsch gestickte Kragenschachtel. Die Mädchen sind wirklich unerschöpflich in der Auffindung von Dingen, an denen sie ihre Kunst erproben können.

Zum neuen Jahr wünsche ich Dir und Deiner Familie von ganzem Herzen Heil und Glück.

Die Besorgnisse und Ratschläge, welche Du in Deinem letzten Briefe bezüglich der Sicherheit des Eigentums ausgesprochen hast, haben gewisse Berechtigung. Ich habe das alles auch erwogen. Meine Wertpapiere kommen, wenn ich von Wien weggehe, in die Ö.N.Bank (Nationalbank), und zwar sowohl die Mäntel- als die Couponbogen, was ich wenigstens bei der Sicherheit der Wiener Nationalbank für besser halte. Denn wenn eines von beiden gestohlen wird, so kann der Dieb zwar nichts damit anfangen, er muss aber wahrscheinlich vernichten. Der Eigentümer hat das Amortisationsverfahren einzuleiten, welches sehr langdauernd ist und bekommt erst dann wieder bares Geld. Ein gescheiter Dieb lässt freilich die für ihn wertlosen Sachen liegen, aber nicht alle Diebe sind Papacostas. Darum möchte ich lieber die Wertpapiere in toto in Sicherheit bringen. Meine Möbel, Bilder etc. sind längst bei der Generali versichert und werde ich dies auch in Baden tun.

Prof. Basch sah ich vor ein paar Tagen. Er erzählte mir, dass er Dich besuchte und dass Erich und Edwin zu Weihnachten elektrisch beschert wurden.

Ich war sehr erstaunt zu lesen, dass du Bois an Marasmus senilis gestorben ist. Ich habe ihn für eine kräftige Natur gehalten, die nur immer bestimmten Krankheiten erliegen könnte.

Gestern war ich in Baden, wo noch nachträglich ein Christbaum angezündet wurde. Alle befinden sich Gott sei Dank wohl. Viele Küsse und Grüße an Dich, Rosa und alle,

Dein Emil

Lieber Bruder!

Ich danke Dir für Deine Wünsche und bringe Dir und Augusten meine herzlichsten Glückwünsche dar.

Das vergangene Jahr hat für mich nicht zu den angenehmsten gehört.

In Österreich ist alles im Handumdrehen immer zum Schlechten gewendet. Als ich 1895 die Regierungszeit d[es] K[aiser] F[ranz] J[osef] als die fruchtbringendste für die Universitäten feierte, war ich aufrichtig und wahr, sollte ich heute ebenso wahr reden, dann müsste ich von dem tiefen, dunklen, schwarzen Schatten sprechen, welchen die Maßregel wegen der Kollegiengelder auf diese Zeit werfen wird.

Das war unbedacht oder sehr fein bedacht. Die Czechen und Polen (Albert auch) wissen, welche Faust sie damit den deutschen Professoren in den Nacken gesetzt haben.

Nach Thuns Reform waren wir alle Dozenten, nur einige Entschädigte, wegen der Pflichtkollegien, die sie lesen mussten. Dieses Charakters sind wir nun beraubt und nichts als Unterrichtsbeamte. Alles ist Geflunker, die Ungleichheit der Kollegiengeldbezüge, die Abhängigkeit von den Studenten u.s.w.

Leicht wäre ja allem abzuhelfen gewesen, wenn man so vorgegangen wäre, wie man es jetzt in Preußen will. Statt wie bisher 5 % Einhebungsgebühr hätte man von den besoldeten Professoren 30-50 % Einhebungsgebühr und mehr verlangen können und die ganze Organisation der Universitäten wäre geblieben wie bisher. So hat man sie zerstört und das wollten die Gegner.

Figaro sollte eine symbolische Darstellung bringen. Der dürre G[Gautsch] mit weißem Haar und schwarzem Bärtchen, in einer Hand einen Beutel der Juristen, in der anderen einen Beutel der Mediziner schwingend, umjubelt mit den frenetischen Rufen: Neue Ära! Neue Ära! Von beutegierigen Philosophen und Technikern, die abwechselnd von einem Czechen und einem Polen getragen werden oder einen solchen tragen! Und der ganze Haufen angeführt von einer grinsenden Neidgestalt. Das wäre die Aufhebung der Kollegiengelder plastisch versinnlicht.

Vielleicht wird 1897 besser oder noch schlechter, Dein

Alexander

Hochverehrter Herr Hofrat!

Gestatten Sie, dass ich Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin meine und meiner Frau beste Glückwünsche zum Jahresanfange übermittle, mit der Bitte, auch in diesem Jahre freundlich gewogen zu bleiben Ihrem dankbar ergebenen Schüler

Doz. Dr. Elschnig Wien, 9. Bezirk, Währingerstraße 26

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Wünscht Ihnen und Ihrer werten Familie herzlichst alles Beste zum Jahreswechsel Ihr hochachtungsvoll ergebenster

Dr. Tobeitz

Viel Lebens-Freud! Viel Lebens-Schneid pro 1897 für Sie und all Ihre Lieben!

Tewes